Freitag, 28. August 2026

Trockenheit ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Hitze

 

Stefan Schwarzer

Dürre gab es schon immer – aber war sie auch so heiß?

Hungersteine an Elbe und Rhein erinnern eindrucksvoll daran, dass extreme Trockenheit in Mitteleuropa kein neues Phänomen ist.

 Rekonstruktionen zeigen immer wieder außergewöhnliche Dürrejahre, etwa 1540, 1616, 1718/19, 1842, 1865, 1893, 1921, 1947 oder 1976. Starke Dürren traten durchaus mehrmals pro Jahrhundert auf.

Auch am Rhein gab es immer wieder extreme Niedrigwasser. 1921 gehört beispielsweise zu den trockensten Jahren der rekonstruierten Zeitreihe. Die Aussage „So eine Trockenheit hat es früher nicht gegeben“ greift deshalb zu kurz.

Doch Trockenheit ist nur eine Seite der Medaille. Die andere ist die Hitze – und hier hat sich die Situation durch den menschengemachten Klimawandel deutlich verändert.

Die Dürre 2026 zeigt das eindrücklich. Große Teile Europas erleben außergewöhnliche Hitze und Trockenheit, Flüsse führen extremes Niedrigwasser und vielerorts brennen Wälder und Landschaften. Selbst im eigentlich feuchten Hohen Venn an der belgisch-deutschen Grenze brannten rund 3.000 Hektar – der größte Brand dieser Art in der Geschichte Belgiens.

Historische Dürren konnten hinsichtlich Wassermangel und Dauer durchaus mit heutigen Extremereignissen mithalten oder sie sogar übertreffen. Aber heute treffen solche Trockenperioden auf ein deutlich wärmeres Grundklima. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied.

Höhere Temperaturen erhöhen den Verdunstungsanspruch der Atmosphäre und damit den Wasserverlust von Böden und Vegetation. Trockene Böden verstärken wiederum die Hitze, weil weniger Energie in Verdunstung und mehr in die Erwärmung der Oberfläche fließt. Hitze und Trockenheit schaukeln sich gegenseitig hoch.

Studien zeigen entsprechend, dass kombinierte Hitze-Dürre-Ereignisse in Europa in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen haben. Seit Mitte der 1990er-Jahre sind Monate, die gleichzeitig heiß und trocken sind, wesentlich häufiger geworden. Der wesentliche Treiber dafür ist die Erwärmung.

Das macht auch 2026 außergewöhnlich. Nicht unbedingt, weil es eine solche Trockenheit in den vergangenen Jahrhunderten noch nie gegeben hätte. Sondern weil sie in einem durch den menschengemachten Klimawandel bereits deutlich erwärmten Europa stattfindet. Ohne diese Erwärmung wären die Temperaturen, die Verdunstung und damit auch viele der Auswirkungen erheblich geringer.

Dürre ist nicht neu. Aber die Dürre von heute ist heißer - im neuen Wording "heiße Dürre". Und genau diese Kombination aus historisch immer wiederkehrender Trockenheit und menschengemachter Erwärmung macht die Situation zunehmend gefährlich – für Wälder, Moore, Landwirtschaft, Flüsse und unseren gesamten Landschaftswasserhaushalt.


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