CDU im Wahlkampf in Ostdeutschland: Nun ja, man fühlt sich sofort an den Wahlkampf und die anschließenden Verhandlungen in Baden-Württemberg erinnert...nichts Außergewöhnliches demnach. Und auch ein wenig denkt man an den Parteichef, der es "so schwer hat, wie keiner vor ihm"...Das scheint inzwischen zur DNA der Partei geworden zu sein.
Peter Dabrock
"Himmelherrgottsakra!", würde man in Bayern schimpfen.
Wow!, da liest Mariam Lau den Granden (kein generisches Maskulinum!) der CDU Deutschlands auf der Titelseite der morgigen DIE ZEIT zu Recht die Leviten! "#Heulsusen"
Deren Agieren erinnere sie an die Piraten im Asterix-Comic, die angesichts eines drohenden Angriffs der Gallier in Panik das eigene Schiff versenkten. Dabei nennt sie den Renten-Vorstoß der drei ostdeutschen MPs „die letzte Volte dieser lustvollen #Selbstdemontage.“
„Neu für die CDU ist die aggressive Weinerlichkeit, mit der erwachsene Männer plötzlich zu Selbstwirksamkeits-Dilettanten werden.“
Man kann der um die freiheitliche Demokratie besorgten Journalistin in ihrem Entsetzen nur zustimmen: Reißt Euch endlich zusammen und hört auf mit diesen lächerlichen Spielchen! Habt Ihr es immer noch nicht begriffen? Politisch steht alles auf dem Spiel! Macht Eure Arbeit, und zwar zum Wohle des Ganzen - gut, gemeinsam und zackig!
PS Wenn Ihr es nicht könnt, lasst die Frauen ran!
Aus der ZEIT Nr. 34/2026 hier Ein Kommentar von Mariam Lau 6. August 2026,
Aggressive Heulsusen
Die CDU verliert im Kampf gegen die AfD vor allem eins: die Selbstkontrolle.
Zum Auftakt der heißen Phase des Wahlkampfs im Osten bietet die CDU ein erschütterndes Bild.
Es erinnert an die Piraten im Asterix-Comic, die angesichts eines drohenden Angriffs der Gallier in Panik das eigene Schiff versenken. In den Kampf mit der AfD geht die Partei nach den Ereignissen der vergangenen Wochen mit der Botschaft, dass sie ihren Kanzler absägen wird, falls die Wahlen schlecht für sie ausgehen. Anders sind die vielen Varianten der Aussage »Er kann es nicht« oder »Kanzlerdämmerung« aus den eigenen Reihen kaum zu verstehen.
Die letzte Volte dieser lustvollen Selbstdemontage ist die Ansage der drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten, die größte Reformanstrengung der schwarz-roten Koalition – das Rentenpaket – zum Scheitern zu bringen, indem sie verlangen, an der Rente mit 63 festzuhalten.
Der SPD bleibt nun gar nichts anderes übrig, als ebenfalls das Wiederaufschnüren des mühsam und sorgfältig errungenen Kompromisses zu fordern.
Der Gegner, wer war das noch mal? Friedrich Merz?
Neu für die CDU ist die aggressive Weinerlichkeit, mit der erwachsene Männer plötzlich zu Selbstwirksamkeits-Dilettanten werden. Friedrich Merz soll gehen, weil er bei seiner Kabinettsumbildung nicht wertschätzend genug vorgegangen sei. Bei keinem einzigen der Betroffenen führten die Verteidiger übersehene Exzellenz ins Feld.
Man muss Merz eher den umgekehrten Vorwurf machen: dass er nicht autoritär genug gehandelt hat. Die Riesenchance nach dem Rücktritt seines bisherigen Fraktionschefs Jens Spahn lag doch darin, nun radikal an allen Schaltstellen der Macht eine Bestenauslese vorzunehmen: den Düsseldorfer Stabschef Nathanael Liminski ins Kanzleramt heben, Thorsten Frei zum Innenminister ernennen und Alexander Dobrindt zum Fraktionschef – diese Ideen, so heißt es, lagen auf dem Tisch, wurden aber dem Vernehmen nach auch deshalb verworfen, weil Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nicht dafür zu haben war.
Merz, der viel konfliktscheuer ist, als sein Image nahelegt, entschied am Ende ängstlich vor allem nach einem Kriterium: Loyalität. Das Projekt, die Schwächen des Kanzlers mit einem Netz aus führungsstarken Profis zu kompensieren, ist so gescheitert. Umso wichtiger, sollte man meinen, ist jetzt für alle an den Rudern und an Deck, nach dem Gegner Ausschau zu halten. Wer war das noch mal? Friedrich Merz?
Hätte die CDU in den vergangenen Wochen auf die Orgien der Selbstdemontage verzichtet, hätte vielleicht ein anderes Phänomen im Vordergrund gestanden. Auf ihrem Erfurter Parteitag feierte die AfD sich noch für ihre vermeintliche Professionalität. Keine Woche später war der Eindruck perdu: Im größten Landesverband, in NRW, eskalierte der Konflikt zwischen zwei Lagern so sehr, dass es Klagen hagelte, Parteiordnungsverfahren, Untersuchungskommissionen inzwischen auch unter Einbeziehung des Bundesvorstands. Bei einem Auftritt des Bundessprechers Tino Chrupalla mit dem Kabarettisten Uwe Steimle waren die DDR-Hymne gesungen und Gewaltfantasien gegen Angela Merkel und Friedrich Merz unter wohligem Beifall des Publikums ausgebreitet worden.
Bisher ist die auffälligste Antwort der CDU darauf ein gemeinsamer Auftritt des sachsen-anhaltischen Spitzenkandidaten Sven Schulze mit dem Kabarettisten Dieter Hallervorden gewesen, der Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius als Kriegstreiber bezeichnete. Die CDU, so scheint es auf ganzer Linie, droht ihrer Selbstachtung verlustig zu gehen. Wahlen gewinnt man so natürlich nicht.
Was tun? Als Erstes könnte man anfangen, die Unbeliebtheit des Kanzlers als das zu nehmen, was sie eben auch ist: die Quittung dafür, dass gerade mehrere Lebenslügen der CDU gleichzeitig aufgeflogen sind.
- Etwa jene, man könne die Sanierung und die Verteidigung des Landes ohne Schulden bezahlen.
- Oder auch diese: Man brauche im Zeitalter des Protektionismus keine Industriepolitik – sondern »Technologieoffenheit«.
Friedrich Merz ist für viele das Gesicht der Zumutung, verstehen zu sollen, in welchem Ausmaß das alte deutsche Geschäftsmodell, seine alten Sicherheiten (USA, China, Russland) zusammengebrochen sind.
Verschenke nie eine gute Krise! Die CDU kann durchaus genau jetzt anfangen, auch für sich selbst wieder eine interessante Partei zu werden – wenn sie politische Fantasie und Mut mit Disziplin kombinieren würde. Das mag schwierig sein. Unlösbar ist es nicht.
Kommentar Nina I. Mülhens
Wie viel Energie inzwischen in persönliche Kränkungen und öffentliche Machtspiele fließt, das ist bemerkenswert. Ob das in der Jobbeschreibung stand?
Ein politisches Amt ist kein Besitzstand. Es wird auf Zeit übertragen und dient den Menschen im Land, nicht dem eigenen Ego. Sollte jedenfalls so sein. Bei unseren großen Herausforderungen wünsche ich mir weniger Inszenierung und mehr Verantwortungsbewusstsein. Politik muss unterschiedliche Meinungen aushalten. Aber am Ende sollte immer die Frage im Mittelpunkt stehen, was dient dem Gemeinwohl? Ob die Frage überhaupt noch gestellt wird, wage ich langsam leider zu bezweifeln
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen