Die Niederlande haben kein Wasser mehr. Ausgerechnet.
Ein Land, das seit Jahrhunderten gegen das Wasser kämpft, hat plötzlich zu wenig davon. In der Provinz Limburg ist der Vlootbeek komplett ausgetrocknet, ein Bach, der im deutschen Heinsberg entspringt und jetzt nur noch ein knochentrockenes Kieselbett ist. Die regionale Wasserbehörde rief „Code rood" aus, die höchste Warnstufe.
Seit Mitte Juli gilt landesweit offiziell Wasserknappheit. Die Entnahme aus Oberflächengewässern ist verboten. Erlaubt bleibt nur noch, was unmittelbar dem Überleben dient.
Saskia Borgers, Deichgräfin in Limburg, sagt, eine solche Trockenheit habe die Provinz noch nie erlebt. Sie sei so früh im Sommer eingetreten wie nie zuvor. Am westlichen Ende des Landes fand die Wasserbehörde Delfland 34 Risse in Torfdeichen. Verursacht durch Trockenheit. In den Niederlanden.
Was Borgers als strukturelle Ursache benennt, ist entlarvend.
- Sandböden, die kaum Wasser speichern.
- Zu wenig Zufluss über die Maas aus Belgien und Deutschland.
- Dazu ein Wassersystem, das seit Generationen darauf ausgelegt ist, Wasser so schnell wie möglich abzuführen.
Ein Bademeister in Limburg erzählt, der Bach neben seinem Freibad sei in zehn Jahren schon drei-, viermal ausgetrocknet. Er habe sich daran gewöhnt. Gewöhnung als Klimaanpassung. So sieht das aus, wenn Gesellschaften aufhören, die Klimakatastrophe als existenzielle Bedrohung zu behandeln.
Wenn selbst ein Land, das sein halbes Staatsgebiet dem Meer abgetrotzt hat, achselzuckend vor versiegenden Bächen steht, funktioniert die Normalisierung besser als jede fossile Lobbykampagne.
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