Freitag, 7. August 2026

Vom ökologischen Preis der KI spricht man lieber nicht

 

Andreas Andy Artmann

Handel & Wandel.

»80 Prozent der weltweiten KI-Rechenleistung kommen aus Serverzentren in den USA.
Aus der EU: gerade einmal fünf.
Hauptstandort in Europa: Deutschland. 

Milliarden werden hier in den Ausbau investiert. Die Politik spricht von Arbeitsplätzen und Strukturwandel. 

Vom ökologischen Preis, weniger.

Ein Rechenzentrum nutzt schnell so viel Strom wie eine ganze Stadt. Jede KI-Anfrage verbraucht Wasser, wieviel bleibt geheim. Die NGO ›AlgorithmWatch‹ informiert über die Folgen des KI-Booms für Klima und Umwelt. Das Schweigen der Konzerne wird von der Politik hingenommen, während sie um deren Investitionen buhlt.

›Die großen Tech-Unternehmen, die Rechenzentrumsbetreiber tun alles dafür, damit die Daten möglichst geheim bleiben‹, sagt Julian Bothe von ›AlgorithmWatch‹, ›und sie tun das, meiner Meinung nach, weil sie die gesellschaftliche Debatte darüber möglichst eindämmen wollen, weil sie wissen, wie groß diese Debatte wird, wenn die Daten ungeschönt auch verfügbar sind.‹

In den USA ist diese Debatte längst im Gange. Viele wollen nichts mehr von der rosigen KI-Zukunft wissen. Der Protest gegen die Rechenzentren kommt aus allen Lagern. Und er wächst. Auch die berühmte Umweltaktivistin Erin Brockovich geht mit einer Kampagne an die Öffentlichkeit. Allein im ersten Quartal wurde der Bau von über 75 Rechenzentren gestoppt.«

Zum t.t.t.-Beitrag »KI außer Kontrolle. Wo bleibt der Widerstand in Deutschland?« hier

Text und Bild Titel.Thesen.Temperamente. ARD


Catiana Krapp / LinkedIn

Ein steigender Strombedarf führt zu einem erheblichen Wirtschafts-Boost.
Das sieht man gerade bei vielen deutschen Aktienkonzernen.

⚡ Woher kommt die steigende Stromnachfrage?

Nicht aus Deutschland, wie man mal dachte, als man noch an einen schnellen Hochlauf von Elektroautos und Wärmepumpen glaubte.

Sondern aus den USA. (s. dazu auch die eindrückliche Grafik von Markus Krebber: https://lnkd.in/e6YxG3m4)


Was verursacht die steigende Stromnachfrage?

Immer noch nicht der Hochlauf von Elektroautos und Wärmepumpen – sondern vor allem der Boom der Rechenzentren, die bekanntlich große Stromfresser sind.

⚡ Was haben jetzt US-Rechenzentren mit deutschen Konzernen zu tun?

Viele börsennotierte Unternehmen aus Deutschland liefern den Strom, die Netztechnik, die Aggregate, die Kühltechnik oder die Gebäudehüllen für die neuen Datenzentren in Übersee. Und sie machen damit richtig gute Geschäfte.

  • RWE investiert 17 Milliarden Euro in Kraftwerke und Batteriespeicher in den USA (Aktienkurssteigerung im letzten Jahr: rund 50 Prozent)
  • Bei Siemens Energy entfielen im dritten Quartal 20 Prozent des Auftragseingangs auf Rechenzentren (Aktienkurssteigerung im letzten Jahr: rund 40 Prozent)
  • Bei Hochtief haben sich die Aufträge für Rechenzentren in den letzten zwölf Monaten mehr als verdoppelt (Aktienkurssteigerung im letzten Jahr: rund 130 Prozent)

In unserem heutigen Handelsblatt-Artikel nennen wir noch eine Handvoll weiterer Beispiele – und sicher gibt es noch viele mehr.

Bleibt die Frage: Wie nachhaltig ist der Stromnachfrageboom? Durch Rechenzentren? Aber vielleicht dann doch auch irgendwann zunehmend durch Elektrifizierung? 

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