Dienstag, 18. August 2026

Rumdrucksen, nur um die Worte Klimakrise und Dürre nicht sagen zu müssen....

 

Daniel Mautz

Seit Wochen brennt Deutschland. Flüsse trocknen aus, Ernten verdorren, Städte kochen im Asphalt. Und die Regierung hat ein Allheilmittel gefunden: Schweigen.

Die Bundesregierung vermeidet in dieser Zeit konsequent das Wort Klimawandel, so als würde die Hitzewelle verschwinden, wenn man sie nur nicht beim Namen nennt. Wer die Realität nicht ausspricht, muss auch keine Verantwortung übernehmen, das scheint die Logik hinter dieser orwellschen Sprachdisziplin zu sein. 
Herausgekommen sind bislang Ankündigungen wie die Vertiefung von Schifffahrtsrinnen im Rhein, während der Rhein selbst kaum noch Wasser führt.

Diese Sprachlosigkeit hat Geschichte. Unter Kohl feierte man CO2-Reduktion, die vor allem der zusammenbrechenden DDR-Industrie zu verdanken war. Unter Merkel wuchsen die Klimaziele, während passende Maßnahmen ausblieben. 

In der Opposition attackierte die Union die Ampel-Klimapolitik mit Falschbehauptungen zu Wärmepumpen und bremste gemeinsam mit der FDP Klimaschutz über die Schuldenbremse aus. Nach der Wahl wurde aus dieser Bremse plötzlich ein 500-Milliarden-Kredit.

Während Deutschland über das richtige Vokabular debattiert, hat China längst den Weltmarkt für Photovoltaik, Windkraft und E-Autos übernommen. Berlin setzt weiter auf fossiles Gas und Verbrennerautos, eiskalt. 


Für Dürre und leere Flüsse gibt es kein Sofortrezept, das stimmt. Aber Verantwortung lässt sich durch
Wegschauen nicht abschaffen. 
Sie wird nur teurer.

Wer die Klimakatastrophe nicht benennt,
verhindert nicht ihre Folgen. 
Er verschafft sich nur ein paar Wochen Ruhe
vor der nächsten Landtagswahl.


Jan Schmirmund , LinkedIn

Zum Beispiel gestern (17.08.) im Deutschlandfunk Klaus Wiener MdB: Angesprochen auf die Frage, was denn die Union in den letzten Jahren für den Klimaschutz getan hat und warum der Herr Bundeskanzler zu dem Thema lautstark schweigt, musste der gute Mann, tatsächlich auf, Achtung: Klaus Töpfer und Angela Merkel zurückgreifen. Da bin ich fast vom Stuhl gefallen. 

Dann, etwas später: Ein Ortsbürgermeister berichtet von einem Windkraftprojekt, das sie lokal von den Bürger:innen und den Kommunen vorbereiten (ein Millionenbetrag ist schon in die Planung geflossen und sie sind in der Endphase), das extrem hohe Akzeptanz vor Ort hat, vor allem, weil die Erträge eben auch dort bleiben. 

Laut dem Anrufer ist dieses Projekt, dank Frau Reiche, nicht mehr wirtschaftlich (Stichwort Redispatch): "können Sie sich vorstellen, wie groß hier der Frust ist? (...)Das versteht hier kein Mensch mehr"). Da hat der Herr Wiener das erst in den höchsten Tönen gelobt (sinngemäß: "Das ist super, viel Erfolg Ihnen, ich bin selbst in einem Bürgerenergieprojekt Mitglied") und dann hat er behauptet, dass Redispatch solche Projekte überhaupt nicht abwürgen würde. Als der Bürger daraufhin vehement widersprach und sagte, dass sein Projekt durch Redispatch finanziell tot sei, kam dann "Wir müssen uns auch mal dran gewöhnen, dass die Renditen bei erneuerbaren einfach nicht mehr so hoch sind wie früher". Zack, dann kamen die Nachrichten. 

Nachzuhören in Deutschlandfunk Kontrovers 17.8. erste halbe Stunde grob ab Minute 25. Lohnt sich. 

Heute Morgen dann Mark Helfrich ab 7:15 auch im DLF.

Es war zum Fremdschämen, wie er ganz offensichtlich versucht hat, bloß nicht Klimakrise oder Dürre zu sagen und das Thema bloss nicht groß zu machen (weil wir ja wissen, dass die Union weiß, dass das nur den Grünen nutzen würde). So peinlich. 

Wenn man was Positives daran finden will: 

Man kann gerade viel lernen über das Handwerk des rhetorischen Ausweichens. 

Auch wenn es nicht wirklich gut klappt. Immerhin.


Kommentar Julia Bönnighausen

Natürlich hat das wichtige Thema "Klimawandel" eine lange Vorgeschichte - manche sprechen nachhaltig von "Wetter" und "fake news" , andere haben sicherlich gehofft, dass es gerade Europa nicht in dieser Form treffen wird. Nachdem spätestens jetzt -durch das persönliche Erleben- deutlich wird, dass wir es mit einem Klimawandel zu tun haben, der erhebliche menschliche und wirtschaftliche Folgen bewirkt, erwarte ich, dass sich alle Parteien an einem Aktionsplan beteiligen, der abgestimmte wirksame Maßnahmen beinhaltet. Diesmal bitte nur zielorientiert für die Menschen in unserem Land und ganz ohne die Interessen von Lobbys. Dazu gehört auch fehlerhafte Wahrnehmungen im Vorfeld zu bekennen - dann benötigen wir auch keine Schuldzuweisungen, die uns nur bei der Lösungsfindung behindern. Ich bin ausdrücklich kein Mitglied einer Partei, glaube aber nicht, dass die Haltung von Frau Reiche bei der Umsetzung hilfreich sein wird. 

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