t-online hier am 09.08.2026
Dieser Rentner hat genug: Er geht mit einer Strafanzeige gegen Friedrich Merz und die Bundesregierung vor.
Was hinter dem Vorstoß des 71-Jährigen steckt.
Ein 71 Jahre alter Hamburger hat Strafanzeige gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und drei Mitglieder der Bundesregierung gestellt. Mark Roach aus Neuallermöhe im Bezirk Bergedorf wirft ihnen unterlassene Hilfeleistung und unterlassene Diensthandlungen im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels vor.
Die Anzeige richtet sich neben Merz gegen Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD), Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Umweltminister Carsten Schneider (SPD). Roach stellte sie nach eigenen Angaben in einem RTL-Interview am 21. Juli bei der Polizei in Hamburg-Neuallermöhe.
Anzeige gegen Friedrich Merz: Mehr als 5.000 Hitzetote?
Auslöser für Roachs Schritt war die extreme Hitze im Juni. Nach Berechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) starben bis zur Kalenderwoche 26 deutschlandweit rund 5.120 Menschen an den Folgen der hohen Temperaturen. Roach sieht darin ein Zeichen dafür, dass Deutschland nicht entschlossen genug gegen die Folgen des Klimawandels vorgehe.
Auch auf seinem Instagram-Kanal begründet der Hamburger seine Anzeige ausführlich. Der menschengemachte Klimawandel und die damit verbundene Zunahme von Hitzewellen seien wissenschaftlich belegt. Gleichzeitig führe extreme Hitze zu zusätzlichen Todesfällen. Roach zieht dabei einen Vergleich zur Corona-Pandemie: Auf ähnlich hohe Todeszahlen habe der Staat damals mit weitreichenden Maßnahmen reagiert.
Hamburger fordert konkrete Maßnahmen
Roach wirft der Politik vor, mögliche Gegenmaßnahmen nicht ausreichend zu nutzen. Als Beispiele nennt er mehr Grün und Wasser in Städten sowie öffentliche Kühlräume. Zudem fordert er Maßnahmen zur Verringerung des CO₂-Ausstoßes.
Dazu zählt er unter anderem Tempolimits, Sonntagsfahrverbote, eine City-Maut und deutlich niedrigere Preise für den öffentlichen Nahverkehr. "Also warten wir nicht ab", schreibt Roach auf Instagram. Man dürfe sich nicht "mitschuldig an den Toten der nächsten Hitzewelle" machen.
Der frühere Gewerkschaftssekretär ist Mitglied der Linken und kandidierte bei zwei Bundestagswahlen für die Partei, zuletzt 2025 im Bezirk Bergedorf. Die Strafanzeige stellte er laut Angaben des "Abendblatts" als Privatperson.
Mit der Strafanzeige erhebt Roach schwere Vorwürfe gegen die Bundesregierung. Ob daraus tatsächlich Ermittlungen entstehen, ist allerdings offen. Grundsätzlich kann jeder eine Strafanzeige stellen. Ob ein Anfangsverdacht besteht und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, entscheidet die zuständige Staatsanwaltschaft.
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