Daniel Mautz
Am Bodensee kollabiert ein 150 Jahre altes Muster und niemand darf überrascht sein.
Seit Beginn der Pegelaufzeichnungen im Jahr 1817 war die Sache eindeutig. Im Winter liegt der Bodensee-Pegel tief, weil der Schnee in den Alpen gebunden ist.
Im Sommer steigt er an, wenn das Schmelzwasser fließt und der Regen hinzukommt. Anderthalb Jahrhunderte lang war das so verlässlich wie der Kalender. Jetzt nicht mehr.
Die Daten der vergangenen zehn Jahre zeigen, was die Klimakatastrophe mit einem der größten Süßwasserreservoire Mitteleuropas anstellt. Von Januar bis April liegt der Pegel mittlerweile bis zu 40 Zentimeter über dem langjährigen Mittel, weil der Schnee in den Alpen schlicht nicht mehr lange genug liegen bleibt oder direkt als Regen fällt.
Im Sommer dreht sich das Bild um. Im Juli und August liegt der Pegel bis zu 70 Zentimeter unter dem Schnitt früherer Jahrzehnte. Die Vier-Meter-Marke wird gerade noch so erreicht. Dieses Jahr verdunsteten zeitweise bis zu 30.000 Liter Wasser pro Sekunde aus dem See.
Die jährliche Schwankungsbreite ist von rund 160 Zentimetern im 19. Jahrhundert auf knapp einen Meter gesunken. Der See verliert seinen Rhythmus. Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee hatte das alles schon 2020 beschrieben und die Fortsetzung dieses Trends prognostiziert.
Man konnte es kommen sehen. Man sieht es jetzt. Was fehlt, ist eine politische Reaktion auf der Höhe dieser Realität.
Südkurier hier Von Dominik Dose und Moritz Jakob | 19.08.26
Der normale Pegel ist nicht mehr normal: Bodensee verhält sich völlig anders als früher
Weniger Wasser im Winter, mehr im Sommer: Über Ewigkeiten war das die Regel. Eine Auswertung zeigt, wie massiv sich das in den vergangenen Jahren verändert hat.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen