Montag, 10. August 2026

Die Flut von damals ist die Dürre von heute

 


Kolumne: Das Altpapier am 7. August 2026 hier  von Antonia Groß

Flächendeckender Wassermangel und zu viele Hitzetote: Die Effekte des Klimawandels sind in diesem Sommer offensichtlich. Große Medien und rechte Plattformen aber haben ihre jeweils eigenen Verleugnungs-Muster. Heute kommentiert Antonia Groß die Berichterstattung.

"Das Altpapier" ist eine tagesaktuelle Kolumne. Die Autorinnen und Autoren kommentieren und bewerten aus ihrer Sicht die aktuellen medienjournalistischen Themen.

Kein Wunder
Zur Zeit scheint es manchmal so, als bestünden die Nachrichten vor allem aus zwei Sorten Inhalte: Rekorde und Forderungen. Vor allem, wenn es um die Erderwärmung geht. 

Zum Beispiel führen die Flüsse in Deutschland (und auch anderswo – siehe Ungarn und Rumänien, etwa bei "tagesschau") derzeit so wenig Wasser, dass in vielen Medien nur noch von "Rekord-Niedrigwasser" die Rede ist. Der Rhein zum Beispiel hatte am Donnerstag seinen erst wenige Tage alten historischen Tiefstand erneut erreicht ("tagesschau").

Fachleute rechnen für den längsten Fluss des Landes am kommenden Wochenende stellenweise mit einem Wasserpegel, der unter 20 Zentimeter sinkt, in der Nähe der Stadt Kaub in NRW nämlich, wo er jetzt schon an dieser Marke kratzt, und in Köln wurde derweil der tiefste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen. Aber der Wassermangel im Rhein ist natürlich kein Einzelphänomen. Alle großen Flüsse bundesweit sind mächtig ausgetrocknet, so wie alle anderen Gewässer. Mitte Juli schrieb Lisbeth Schröder in der Klimakolumne für "RiffReporter", es sei ihr dieses Jahr besonders aufgefallen, wie:

"viele alarmierende Meldungen es in diesem Jahr über Deutschlands Flüsse und Seen gibt. Anfang Juli führte die Donau etwa stellenweise nur ein Sechstel ihrer normalen Wassermenge. Auch an Elbe und Rhein verzeichnete die Bundesanstalt für Gewässerkunde extrem niedrige Wasserstände. Doch nicht nur das Austrocknen wird zum Problem. Im Steinhuder Meer kam es in diesem Jahr bereits zu einem massiven Fischsterben unter Hechten."

Der Unterschied zwischen dem Fischsterben und dem Wassermangel im Rhein? Letzteres Phänomen führt in direkter Konsequenz dazu, dass Schiffe nur noch mit rund 20 Prozent der Ladung transportieren können. Das hat Auswirkungen auf die Wirtschaft, und erklärt wohl den Handlungsdruck, unter dem der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) nach Bonn eingeladen hat. Oder, wie es im "Correctiv Spotlight" Newsletter unter dem Titel "Wirtschaft vs. Klima" formuliert ist:

"Kein Wunder,
dass die Bundesregierung da hellhörig wird."

Bilger jedenfalls hat am Donnerstag zur "Niedrigwasserkonferenz" geladen, und zwar: Verbandschefs und Lobbygruppen aus Schifffahrt, von Häfen und aus der Wirtschaft, um mit ihm im Rahmen einer "Fachkonferenz" über den Wassermangel zu beraten, der ja in vergangenen Tagen auch nachrichtlich durchaus viel Aufmerksamkeit bekam. Allein: Welche Form von Aufmerksamkeit?

Schon vor der Konferenz dominierten die Schlagzeilen, die ökonomische Perspektiven wiedergeben. Die "Rheinische Post" interviewte den Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch, und titelte:

"Wirtschaft schlägt vor Niedrigwasser-Konferenz Alarm"

Lösch fordert, dass das Bett des Rheins stellenweise tiefer gemacht werden soll, damit auch bei historischen Tiefständen noch Frachtschiffe den Fluss entlangfahren können.

Der "Spiegel" überschreibt einen Artikel in Vorbereitung auf die Konferenz mit: "Niedrigwasser – Verkehrsminister stellt Lkw-Sonntagsfahrverbot infrage"; und das Inforadio des rbb stellt fest: "Niedrigwasser hat immense Auswirkungen auf Wirtschaft".

Im Text fordert dann Dirk Binding von der Industrie- und Handelskammer:

"die Fahrrinnen zu vertiefen und Engstellen zu beseitigen. Vor allem müssten aber die Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Grundsätzliches Ziel des Treffens bei Verkehrsminister Bilger müsse es sein, dass Schiffe länger auf Flüssen unterwegs sein können."

Die "Zeit" widmete den Sorgen der "Unternehmensbosse und Ökonominnen" eine aufwändige Datenanalyse.

Der Primat der Wirtschaft gilt auch für die Medien.
Anders gesagt: 

Der Rhein ist nur noch ein Rinnsal, doch das Aufsehen aus Politik und Medien gilt der geringeren Fracht,
und den damit einhergehenden Einbußen im Profit. 

Die ökologische Perspektive auf diesen offensichtlichen Krisenzustand wird medial zwar auch verarbeitet, allerdings weniger in den Schlagzeilen,
weniger auf den Startseiten der großen Medien


So wurden die Forderung des BUND, bei der Niedrigwasserkonferenz nicht allein die Wirtschaft in den Blick zu nehmen, hier und da höchstens als Meldung verarbeitet. Eine Pressemitteilung der Umweltschutzorganisation landet nicht in den großen Analysen, dafür aber zum Beispiel in der Osnabrücker "Hasepost", wo zu lesen ist:

"Der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Olaf Bandt, hat Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) dafür kritisiert, dass er keine Umweltverbände zu seiner 'Niedrigwasserkonferenz' eingeladen hat."

Noch seltener verweisen nachrichtliche Stücke auf die Verbindung zwischen Wirtschaft und Ökologie. So recherchiert aber der SWR in einem Hintergrundstück, dass die Vertiefung nicht unbedingt zum gewünschten Ergebnis führen muss, und erinnert außerdem daran, dass:

"wir solche Niedrigwasserereignisse und Dürresommer durch den Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten häufiger sehen werden."

Und Ann-Kathrin Büüsker kommentiert im Deutschlandfunk: 

Eine allgemeine Vertiefung der Fahrrinnen
werde das Problem weder kurz- noch langfristig lösen, denn es "mangelt dem Rhein an Wasser, nicht an Tiefe"


Der BUND ist außerdem Teil eines Zusammenschlusses von 36 Verbänden und NGOs, die von der Bundesregierung mehr Einsatz für Hitze- und Klimaschutz fordern (DLF). Auch das: meist eine eigene Meldung. Die Nachrichten vom Wassermangel stehen in diesen Tagen direkt neben den Schlagzeilen von den Hitzetoten. Etwa 9600 Menschen sollen laut RKI nur in der einen besonders heißen Woche Ende Juni gestorben sein. Im ganzen Jahr sind es bereits fast 12 000 Tote. Ein weiterer, trauriger Rekord (NDR).

"Krasses Versagen auf allen Ebenen –
ich weiß gar nicht mehr was man dazu sagen soll"

schreibt der Meteorologe und Journalist Özden Terli dazu auf Bluesky.


Was soll man da noch sagen

Aber (wie) wird dieses Versagen medial abgebildet? Wer sich wirklich wünscht, über Extremwetter als Ereignis im Kontext des Klimawandelsinformiert zu werden, wird von einem großen Teil der Berichterstattung enttäuscht. Wer dann auch noch auf politische Verantwortungsübernahme hofft, erst recht.

Zum Anlass des 5. Jahrestags der Flut im Ahrtal unterhielten sich die Klimajournalistin Ann-Kathrin Büüsker vor zwei Wochen im Podcast von Anne Will über ebenjene Ignoranz in der Politik.
Ihre schärfste Kritik: Der Unwillen, verschiedene Ereignisse in einen Zusammenhang zu bringen. Etwa: Die Flutkatastrophe von damals mit der Hitze von heute.

Extremwetterereignisse nicht ausreichend in einen Zusammenhang mit der Klimakrise zu bringen, das ist ein Vorwurf, der sich auch immer wieder gegen die Medien richtet, zuletzt besonders gegenüber den Öffentlich-Rechtlichen. Manch ein Kritiker wirft ihnen sogar Realitätsverleugnung vor (Altpapier).

Das geschieht nicht ohne empirische Grundlage. Der Verein "Klima vor acht" dokumentiert seit 2021, wie viel Raum Klimaberichterstattung im ÖRR erhält. Die Arbeit des Vereins war schon Anfang des Jahres Thema im Altpapier. Die aktuellste Studie, die die erste Jahreshälfte 2026 analysiert, wurde im Juli mit einem üblen Fazit veröffentlicht: Die Klimaberichterstattung hat sich seit 2023 mehr als halbiert. In der Zusammenfassung steht:

"Erstmals unter einem Prozent – so wenig Klima wie nie. Die Klimaberichterstattung von Das Erste und ZDF ist im ersten Halbjahr 2026 unter 1 Prozent gesunken. Der niedrigste Wert seit Beginn der kontinuierlichen Messungen Mitte 2021 – ausgerechnet im Halbjahr zweier historischer Hitzewellen."

Am Beispiel der Hitzewelle im Juni heißt es etwa: Die Einordnung als Folge des Klimawandels kam in der ARD und im ZDF zu spät, die

"historische Hitze führte nicht zu mehr Klimaminuten im Programm".

Im zur ARD gehörigen Sender BR fragt Sophie Morár aus diesem Anlass: "Berichten die Medien falsch über die Klimakrise?" Auch Morár fragt danach, ob die Berichterstattung ausreichend Kontext herstellt und spricht für den Text mit mehreren Fachleuten. Auch sie greift dazu die Studie von "Klima vor acht", also die Kritik am eigenen Haus auf. Bemerkenswert ist allerdings, dass im Text niemand von der Initiative, also denen, die hinter der Studie stehen, zu Wort kommt. Dafür aber eine Klimajournalistin des NDR, die Teil der Klimaredaktion der ARD ist, eine Art ARD-weite Fachredaktion. Sie sagt: Der Ansatz ihrer Redaktion sei, die Klimakrise "implizit mitzuerzählen":

"Ein Beitrag über die Energiewende ist natürlich auch immer ein Beitrag übers Klima, nur dass es nicht unbedingt direkt so benannt wird".

Ein Argument, das so bei fast keinem anderen Thema gültig wäre. Wo wären die journalistischen Standards, wenn jede Kritik an einer Leerstelle nur noch mit einem "Das war implizit mitgemeint" weggewischt würde? Wobei, ein Thema, bei dem das so gehandhabt wird, fällt mir sofort ein ("genderleicht").

Um es konkret zu machen: Sind Berichte über die Energiewende automatisch Berichte über die Ursachen oder Konsequenzen von Klimaveränderung? Ist ein Artikel über ein Krisentreffen wegen der reduzierten Frachtkapazitäten der Binnenschifffahrt auf dem Rhein automatisch ("natürlich auch immer") ein Artikel über die seit Jahren sinkenden Grundwasserstände in Deutschland, den fehlenden Schnee aus den Alpen, den mangelnden Sauerstoff im Gewässer, wegen dem Fische massenhaft sterben? Nein, solche expliziten Berichte sind die Ausnahme, wie hier in der "taz".

Eine weitere dieses Jahr erschienene Studie bestätigt diesen Eindruck: Klimathemen werden medial überwiegend als Informationsformate verarbeitet. Außerdem werden sie

"primär von Personen genutzt, die dem Thema bereits aufgeschlossen gegenüberstehen."

greift etwa der MDR diese Forschungsergebnisse auf.
Mitgemeint ist manchmal einfach das Gegenteil von gut gemacht.

Ökosystem rechte Medien

Nun ist der Vorwurf der mangelnden Zusammenhänge, und selbst der Vorwurf der Realitätsleugnung natürlich nicht gleichzusetzen mit dem bewussten Verbreiten von falschen und verzerrten Informationen, also: Kampagnen, die in Frage stellen, dass die Erde sich – aufgrund des menschlichen Einflusses – erwärmt und so etwas wie Extremwetter produziert.

In einer Studie für die Zeitschrift "Journalistik" hat sich der Medienethiker Luis Paulitsch diese Form der Desinformation angesehen. Paulitsch geht für seine Untersuchung der Frage nach, wie rechte "Alternativmedien" für Klimaskepsis sorgen (wollen). Er erkennt dabei:

"spezifische Strategien deutschsprachiger rechtsalternativer Medien beim Thema Klimaschutz und Energiewende."

Und findet

"ein eigenes 'Ökosystem' zur Verbreitung von Klimaskepsis und Verzögerungsnarrativen [...], das hierfür die Inhalte alternativer Medien nutze [...]."

Rechte Blogs und Plattformen, die eng mit politischen Parteien und Lobbyverbänden zusammenarbeiten, seien inzwischen ein wichtiges Mittel, um in der Bevölkerung gegen Klimaschutz zu agitieren, schreibt er. In diesem "Ökosystem" vernetzen sich konservative, wirtschaftsliberale und marktfundamentale Positionen mit radikalen libertären und rechtspopulistischen Gruppen. Dieses "Ökosystem" nimmt nach seiner Analyse konkreten Einfluss auf die Politik – und hält Einzug in die journalistischen Medien.

"Zudem ermöglicht die heutige Vernetzung rechtsalternativer Medien bei der Klimaberichterstattung eigene 'Zitierkartelle' [...], indem sie gegenseitig aufeinander verweisen oder auf dieselben antiökologischen Akteur:innen zurückgreifen [...]. Die koordinierte Zusammenarbeit dürfte dazu beitragen, dass klimaskeptische Begriffe und Gegner:innen der Energiewende immer wieder Einzug in etablierten Medien halten [...]".

Wie "klimaskeptische" Begriffe und Gegner:innen etwa der Energiewende es in die Presse schaffen? An Beispielen mangelt es nicht. Erst im Juni legte "Correctiv" Vernetzungen der Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit dem rechten ThinkTank "R21" offen.
Ein "klimaskeptischer" Redenschreiber im Wirtschaftsministerium. Da wird vielleicht klar, wie Narrative aus "Alternativmedien" im rechten und verschwörerischen Spektrum den Sprung in die Mainstream-Medien schaffen.

An ein weiteres Beispiel erinnert Paulitsch:

"Zuletzt hat etwa die Berichterstattung über das geplante Gebäudeenergiegesetz der "Ampel"-Koalition gezeigt, dass auch etablierte (Boulevard-)Medien mit inhaltlich irreführenden Verkürzungen arbeiten."

Selbstverständlich gibt es von damals auch ein Altpapier.

In seiner Studie kommt der Wissenschaftler dann zu dem Ergebnis: Die Narrative in den "Alternativmedien" passen sich gesellschaftlichen Trends an und unterscheiden sich zwischen den einzelnen rechten Plattformen – doch arbeitet er insgesamt vier Muster heraus, die Klimaskepsis in Publikum und Bevölkerung verbreiten sollen:
  •  Angriffe gegen klimawissenschaftlichen Konsens; 
  • unseriöse Quellen und 'Experten'; 
  • irreführende Wiedergabe; 
  • Diskreditierung politischer Gegner:innen."

So weit, so angriffslustig. Was aber, wenn die Klimaleugner ihre Strategie ändern? So ist die spannendste Erkenntnis der Studie vielleicht diese:

"Allerdings geht es den meisten 'Alternativmedien' nicht (mehr) vorrangig um die Leugnung des Klimawandels oder des menschlichen Anteils daran. Vielmehr zielt die aktuelle Klimaberichterstattung rechtsalternativer Portale darauf ab, Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise und ihre Befürwortenden zu diskreditieren."

Vielleicht war es in Anbetracht der Faktenlage – es war ja schon wieder der heißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen (DLF) – taktisch einfach nicht mehr sinnvoll, die Erderwärmung nur noch wegzuleugnen. Das neue Feindbild heißt deshalb: Klimaschutzmaßnahmen und Klimaaktivismus.

"Im Zentrum steht der Vorwurf, dass evidenzbasierte Lösungen für mehr Klimaschutz ineffektiv seien, individuelle Freiheiten einschränken und/oder den hiesigen Wirtschaftsstandort massiv gefährden würden."

schreibt Paulitsch. Womit wir wieder beim Primat der Wirtschaft wären. Und das ist kein alleiniges Problem der deutschsprachigen Medienlandschaft. Auch in der britischen Medienlandschaft ist die "Klimaskepsis" angekommen. Im Jahr 2025 sprachen sich fast 100 Leitartikel britischer Zeitungen gegen Klimaschutzmaßnahmen aus – eine weitere Rekordzahl, die das Ausmaß des Backlashes in der rechtsgerichteten Presse verdeutlicht, wie in einer Untersuchung von "Carbonbrief" herauskam. Doch auch im englischsprachigen Raum haben die "Klimaskeptiker" offensichtlich die Taktik geändert:

"Die Debatte hat sich von der Leugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse hin zu regelrechtem Nihilismus verschoben."

schreibt der Kolumnist George Monbiot im "Guardian" [im Original auf Englisch]. Er reagiert damit vor allem auf einen Text in der Zeitung "Sunday Telegraph". Der dortige Autor schreibt: Der Klimawandel sei zwar real, "doch der Krieg gegen die Erderwärmung ist verloren".

Vielleicht liegt der Fehler schon in der Annahme, mit der Erde auf Kriegsfuß zu stehen, doch das ist eine andere Debatte. Der Autor des Boulevardmagazins jedenfalls plädiert dafür, das "Mediterrane Klima" in Großbritannien anzunehmen.

Monbiot vom "Guardian" setzt seine Antwort in einen größeren Zusammenhang. Er schreibt: 

Es sei das "klassische Vorgehen" von
Propagandisten der fossilen Energien:
Erst das Problem verleugnen,
um es dann zu akzeptieren, aber zu behaupten,
es sei zu spät, noch etwas dagegen zu tun.
 

Auch er erkennt eine Art Ökosystem aus rechten Plattformen und Agitatoren, die in den medialen Mainstream Einzug halten, wenn er richtigerweise feststellt:

"[...] die radikale Rechte bewegt sich als Rudel".

Sein "klimaskeptischer" Kollege sei nur "einer von vielen, die jetzt darauf bestehen, dass die Klimakatastrophe etwas ist, dass wir hinnehmen sollen." Monbiot findet in seiner Kolumne Antworten, die sich gut an die deutschsprachige Medienlandschaft anknüpfen ließen. Er fragt: Warum positioniert sich der Großteil der britischen Presse inzwischen eher gegen Klimaschutz? Und antwortet sich selbst:

"Weil die meisten Medien die meiste Zeit eine Plattform für Menschen bieten, die Dinge sagen, die letztlich dem Kapital dienen – unabhängig davon, ob sie wahr sind oder nicht, ob sie schlüssig sind oder nicht, ob sie eine Katastrophe beschleunigen könnten oder nicht."

Ein Schelm, wer sich hier wieder an den Wassermangel im Rhein erinnert fühlt.

Am Montag kommt das "Altpapier – Dein tägliches Medienupdate" von Klaus Raab. Schönes Wochenende!

Der Podcast: Das Altpapier – Dein tägliches Medienupdate



Werner Koller, LL.M. / LinkedIn

Eine Fahrrinnenvertiefung bei Teilen des Rheins ist ökologisch problematisch und zudem teuer, wasserbaulich wird uns aber vermutlich kaum etwas anderes übrigbleiben.

Die causa zeigt besonders symptomatisch, wie mit Maßnahmen zur Klimaanpassung in Deutschland generell umgegangen wird: Keine vorausschauende, gesamtheitliche Planung, sondern erzwungener Aktionismus und föderales Stückwerk. Erst wenn kritische Infrastrukturen, und dazu gehören auch Wasserstrassen, faktisch total ausfallen, macht man sich Gedanken. 

Und mit Glück wird dann etwas umgesetzt. Oder auch nicht, wenn die mediale Aufmerksamkeit weitergezogen ist. Solange wir Wasser und Boden nicht als strategische Ressourcen und Extremtemperaturen nicht als Naturkatastrophe erster Priorität behandeln, wird das absehbar nichts.

Was sagt die Bundesregierung? Während Friedrich Merz die Entwicklung "weiter beobachten" möchte und sich "gegebenenfalls später äußern" werde, kommt sein Sprecher zu einer bemerkenswerten Erkenntnis: "Wenn der Kanzler die Hitze zur Chefsache macht, wird sich das Wetter auch nicht ändern.“

Selten war ein Satz formal so richtig und gleichzeitig inhaltlich so dämlich. 

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