Freitag, 18. Dezember 2020

Das Ravensburger Klimacamp - die Jugend fordert!

 An Tag 5 veröffentlichte die Baumbesetzung einen ersten Entwurf ihrer Forderungen an die Stadt Ravensburg und den Landkreis Ravensburg. 


Übergeordneter Appell ist die verbindliche Einhaltung eines CO2-Restbudgets, das zumindest mit einer ⅔-Wahrscheinlichkeit als Ravensburger Anteil für eine Beschränkung der Erderhitzung auf 1,5 Grad angemessen ist. 

 

Momentan plant die Stadt, das ihr zustehende CO2-Budget um mehr als das Doppelte zu überschreiten; der Landkreis hat sogar gar kein Ziel zur Klimaneutralität [1].
“Mit welchem Recht nimmt sich unsere Regierung eine so erhebliche Überschreitung ihres CO2-Budgets heraus?”, fragt Mias Mitstreiter Samuel Bosch (17).
“Andere Städte wie Erlangen oder Rostock gehen mit gutem Beispiel voran und haben in ihren Klimazielen keine so gewaltige Ambitionslücke wie Ravensburg verankert.”

 

Ravensburg soll unter anderem die Radinfrastruktur ambitioniert ausbauen, Bundesstraßen im Stadtgebiet rückbauen, den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen und vergünstigen sowie den Altdorfer Wald erhalten. 

 

Auch der Regionalplan bedarf dringend einer der Klimakrise angemessenen Revision. "

Die Aktivist*innen stellen auch Forderungen ohne Kostenfolge für Ravensburg:
“Ravensburg soll sich öffentlich sowie in den entsprechenden Gremien für eine angemessene Verschärfung des Klimaschutzgesetzes von Baden-Württemberg aussprechen.
Momentan sieht dieses nicht einmal die Einhaltung der von wissenschaftlicher Seite vielfach kritisierten EU-Klimaschutzziele vor.”

 

“Unsere Forderungen entstehen in einem offenen, hierarchiefreien Prozess, und alle Interessierten sind eingeladen, sie gemeinsam mit uns mitzugestalten”, lädt Bosch ein. Der Einladung folgten bereits Ortsgruppen von Fridays for Future und Parents for Future in Ravensburg, Bodensee und Wangen, der Verein zum Erhalt des Altdorfer Walds sowie Expert*innen von Scientists for Future.

 

 

https://ravensburg.klimacamp.eu/pages/Pressemitteilungen/2020-12-17-Aktuelles.html

Die Bilder oben stammen von Sabine Buchmann-Mayer


Mehr dazu aus dem Baumhaus:   https://youtu.be/8XOg_OQZueA

Donnerstag, 17. Dezember 2020

Stand des Regionalplan-Entwurfs

Infos zum Regionalplan aus der BUND-Kreismitgliederversammlung am 17.12.20

 

Ulfried Miller, BUND-RV Bodensee-Oberschwaben, berichtet zum Stand der Anhörung des Regionalplanentwurfs:

Die Überarbeitung kann ab sofort eingesehen werden. Man sollte sich nicht durch die Fülle der Unterlagen abschrecken lassen, sondern v.a. die Angaben zur eigenen Gemarkung durcharbeiten.

 Link: Fortschreibung Regionalplan- 2.Anhörung (rvbo.de)


Zeitplan:

Mitte Januar beginnt die öffentliche Auslegung.

Der Regionalplan soll im Sommer 2021 fertig sein und in der Regionalversammlung abgestimmt werden.  

Dann erfolgt die Genehmigung durch das Wirtschaftsministerium.

 

Zitat von RV-Seite:

„Die Anhörung der Träger öffentlicher Belange (Behörden etc.) findet vom 17. Dezember 2020 - 28. Februar 2021, die Öffentlichkeitsbeteiligung vom 25. Januar 2021 bis einschließlich 26. Februar 2021 statt.   
In diesen Zeiträumen besteht die Möglichkeit zum Anhörungsentwurf Stellung zu nehmen.“

Alle Personen können Einwände einreichen. Uli Miller bittet darum, dem BUND-RV die Einwände bis spätestens zum 15.2.21 zu senden, damit er als Verantwortlicher für die Naturschutzverbände (NABU und LNV) diese einarbeiten kann.


Sonntag, 13. Dezember 2020

Grüne kritisieren Regionalplan für mangelnden Klimaschutz - Artikel in der Schwäbischen Zeitung vom 2.12.20

 Auszüge aus dem Pressegespräch

Grünen-Politiker aus der Region halten den Regionalplan in seiner jetzigen Form für nicht genehmigungs- und zustimmungswürdig.
In einem Pressegespräch äußerten Johannes Kretschmann (Bundestagskandidat und Grünen-Fraktionsvorsitzender im Kreistag), Anna Pröbstle (Grünen-Fraktionsmitglied des Landkreises Sigmaringen im Regionalverband), Uli Walz (einer von zwei Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Regionalverband) und Klaus Harter (Vorsitzender des Kreisverbands der Grünen) Bedenken hinsichtlich der Belastbarkeit der im Regionalplan aufgeführten Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung, die als Grundlage für weitere Berechnungen wie den künftigen Flächenverbrauch und Ausweisung von Gewerbeflächen dienen. 
 
Aber auch die Umweltverträglichkeit der aufgeführten Ziele ziehen die Beteiligten in Zweifel.
 Die Fortschreibung des Regionalplans, der Anfang 2021 erneut offengelegt wird, steht in den Augen der Grünen-Politiker für ein müdes „weiter so wie bisher“ und lässt etwa wichtige Klimaziele und Umweltaspekte aus den Augen.

„Der Regionalplan arbeitet mit dem Klimagutachten aus dem Jahr 2009 – und berücksichtigt somit nicht einmal die Klimakonferenz aus dem Jahr 2015, bei der man sich zu einer Erderwärmung von 1,5 Grad bekannt hat“, sagt Anna Pröbstle.
Verglichen mit Regionalplänen anderer Regionalverbände sei der Regionalplan für Bodensee-Oberschwaben wenig zukunftsgewandt, kaum enkelfreundlich oder nachhaltig.

„Die im ersten Teil des Regionalplans formulierten Ziele stehen in keinem inhaltlichen Zusammenhang mehr zu den geplanten Umsetzungen“, so Klaus Harter. „Er liest sich, als hätten Bürgermeister ihre Wunschliste gemeldet und als wäre diese lediglich abgetippt worden. 

Was den Flächenfraß angeht, kritisieren die Grünen-Politiker, dass in der im Regionalplan festgeschriebenen Siedlungsausweisung nicht auch jene 110 Hektar Baugebiete berüksichtigt worden seien, die die Kommunen im Landkreis Sigmaringen bereits beschlossen hätten. „Das verfälscht die Zahlen“, so Anna Pröbstle.
 
 Mit den Dimensionen für ausgewiesenen Wohnraum sind die Akteure nicht einverstanden, weil das Bevölkerungswachstum in der Region stagniert: „Wir brauchen Wohnraum, auch bezahlbaren, aber uns fehlt eine Potenzialanalyse als Grundlage“, sagt Pröbstle.
Es könne nicht sein, dass die Ortskerne verwaisen würden und sich Bürger immer nur auf grünen Wiesen bauen und Böden versiegeln würden, hakte Kretschmann ein. „Wir brauchen gesunde Böden um CO2 zu speichern“, ergänzte Pröbstle.

Samstag, 12. Dezember 2020

Die freien Bäcker: Aktion ‚BODEN-BROT‘ und Bildungskampagne ‚Boden‘

Warum wir Freien Bäcker*innen zum Thema Boden aktiv werden

Weil eine der grundlegendsten Voraussetzung dafür, dass wir täglich gesundes Brot backen können, der Erhalt der natürlichen Bodenfruchtbarkeit ist.
Doch ist es um den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit zunehmend schlecht bestellt.

Als Berufsorganisation mit dem selbstgewählten Motto „Zeit für Verantwortung“ können
wir den nächsten Generationen nicht sagen, wir haben von alledem nichts gewusst.
Deshalb geht es bei der Aktion und Kampagne zum Thema BODEN primär um die Vermittlung
von Wissen zum Erhalt und Aufbau von Bodenfruchtbarkeit. Auf der Grundlage dieses Wissens –
das weder in Berufs- noch Meisterschulen vermittelt wird – geht es im nächsten Schritt ganz
konkret darum, durch wirksame Zusammenarbeit von Bäcker*innen mit Bauern und Bäuerinnen
die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten und zu verbessern. Bei der Vermittlung bzw. Erlangung von
Wissen, werden uns Boden-Expert*innen aus dem wissenschaftlichen Bereich sowie aus
unterschiedlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen unterstützen.

Bodenfruchtbarkeit
In einer Hand voll fruchtbarem Boden gibt es mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde. Die
oberste, durch unzählige, winzige Lebewesen belebte Schicht des Bodens, stellt die Grundlage
unserer Existenz dar. Sie versorgen im Verborgenen die Pflanzen mit Nährstoffen und Wasser,
wandeln organisches Material zu Humus um und sorgen dafür, dass CO2 im Boden gespeichert
wird.

Bodenverbrauch/Bodenversiegelung

Obwohl die Bundesregierung in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie den Flächenverbrauch bis 2020 auf
30 ha pro Tag senken wollte, wird in Deutschland jeden Tag eine Fläche von rund 58 ha für den
Siedlungs- und Verkehrsbau ausgewiesen – meist wertvolles Acker- oder Grünland. Von dem Ziel
des Klimaschutzplans der Bundesregierung, den Flächenverbrauch auf Netto Null zu reduzieren
sind wir weit entfernt. Jährlich verliert das Land 0,5% seiner Agrarflächen.

Weiterhin verschlechtert sich die Bodenqualität. Zu den Folgen gehören unter anderem:
Rückgang der Bodenfruchtbarkeit, verringerte Wasserrückhaltekapazität, verringerter Abbau von
Schadstoffen, Überschwemmungen, Erosion. Die Verschlechterung der Bodenqualität hat direkte
Auswirkungen auf die Qualität von Wasser, Luft und Nahrungsmitteln und wirkt sich negativ auf
die biologische Vielfalt und den Klima aus.


Klimawandel und Bodenfruchtbarkeit

Andersrum wirkt sich die Klimakrise inzwischen auf die Bodenfruchtbarkeit aus. Höhere
Temperaturen und häufige Dürren verursachen Stress für die kleinen Bodenlebewesen. Die
Biomasse der kleinen Tiere, die im Boden Pflanzen zersetzen und damit die Fruchtbarkeit des
Bodens erhalten, nimmt sowohl durch den Klimawandel als auch durch eine zu intensive
Bewirtschaftung ab

Klimawandel und Landnutzung reduzieren die Biomasse der Bodentiere über unterschiedliche Pfade: 

Das veränderte Klima reduziert die Körpergröße und die Bewirtschaftung die Häufigkeit. UFZ / Grafik: Lisa Vogel

Bodenspekulation
Wertvolle Ackerböden sind nach wie vor reine Spekulations- und Renditeobjekte (Verkauf von
Flächen an Großinvestoren, wie etwa Versicherungen, ALDI oder Lebensmittelkonzerne). Doch
Boden und Land gehören in Bauernhand. Denn Bäuerinnen und Bauern - insbesondere in
regionalen, transparenten Wertschöpfungsketten - können den Boden so beackern, dass seine
natürliche Fruchtbarkeit erhalten bleibt. Doch braucht dies Spielregeln, die von der Politik
gestaltet werden müssen.

Wie läuft die Kampagne zum Thema BODEN ab
Mit dem Verkauf der BODEN-BROTE in der Zeit vom 16. Januar bis 27. Februar 2021 ist eine
Spende* verbunden, die die Ausbildung von jungen, engagierten Menschen zu „Boden-
Botschafter*innen“ ermöglichen soll.
*Hinweis: Zur Durchführung dieser und weiterer Bildungsmaßnahmen gründen die Freien
Bäcker e.V. sowie das Junge Netzwerk eine gemeinnützige Bildungsorganisation.

https://www.die-freien-baecker.de/nachwuchs/ aktuell

Die Freien Bäcker e.V. / Bergstr.50 / 30890 Barsinghausen
 

Hintergrundinformationen:

http://www.landimpulse.at/agroinnovation/downloads/warth_2015/Erosion_Warth%20Klik.pdf

https://www.bundesbuendnis-bodenschutz.de/unsere-erklaerung

https://nachrichten.idw-online.de/2020/07/28/das-schrumpfen-der-zwerge-durch-den-klimawandelwerden-
bodentiere-kleiner-durch-eine-intensive-landnutzung-weniger/

Pressemitteilung, Gemeinsame Forschungsstelle (GFS) – der Wissenschafts- und Wissensdienst der
Europäischen Kommission, 21. Juni 2018, Brüssel
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_18_4202


Aktionsbündnis Grünzug Salem warnt: In der Diskussion um den Regionalplan werden Äpfel und Birnen verwechselt.

 Eine Pressemitteilung des Aktionsbündnis Grünzug Salem 

In einer der letzten Ausgabe des Salem aktuell (Ausgabe Nr. 46 vom 6.11.20) hat Herr Eglauer sich für die SPD-Fraktion positiv über den Regionalplan und die Erweiterung des bestehenden Gewerbegebietes um 27,4 ha geäußert, weil damit dem heimischen Gewerbe der nötige Platz für Wachstum gesichert werde. Leider ist das nur die halbe Wahrheit. Die geplanten 27,4 ha gehören nämlich zu den „regionalbedeutsamen Gewerbeschwerpunkten“ und nicht zu den lokalen Gewerbeflächen. Von ersteren hat Salem fast ein Viertel der gesamt im Bodenseekreis ausgewiesenen Fläche erhalten, von dem zweiteren Null. Faktisch müssen sich damit auch regionale Unternehmen aus Salem auf Raum im regionalbedeutsamen Schwerpunkt bewerben – und konkurrieren hier auf Dauer sicher auch mit nicht ortsansässigen Bewerbern.

Damit aber nicht genug: wer die Neuauflage des Regionalplans genau liest, findet dort jetzt folgenden Grundsatz:

„(6) Im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung soll sichergestellt werden, dass innerhalb der Vorranggebiete für Industrie und Gewerbe in ausreichendem Umfang Industriebetriebe gemäß § 9 BauNVO ausgewiesen werden. Insbesondere für bereits an anderer Stelle vorhandene, störende Betriebe soll eine Verlagerung in regionalbedeutsame Schwerpunkte für Industrie und Gewerbe im jeweiligen Teilraum ermöglicht werden.“

Wenn Salem – wie im Regionalplan weiterhin vorgesehen – zum Schwerpunkt für Industrie und Gewerbe aufgestuft wird, wird es nicht lange dauern, bis Bedarfe der Nachbargemeinden aus dem Kreis auf Flächen in unserem Salemer Gewerbegebiet gedeckt werden müssen, weil Salem dann als Unterzentrum auch entsprechende Pflichten hat.

Salem verlöre dann nicht nur den klimatisch bedeutsamen Grünzug, sondern „gewänne“ im Gegenzug auch noch „störende“ Betriebe, d.h. solche mit vielen Emissionen hohem Lärmaufkommen u.ä.  – von dem zusätzlichen (Schwer-)Verkehrsaufkommen ganz zu schweigen. Sicher möchte ein Großteil der Salemer Bürgerschaft dies nicht.

 

Suzan Hahnemann für das Aktionsbündnis Grünzug Salem

Freitag, 11. Dezember 2020

EU-Gipfel einigt sich auf verschärftes Klimaziel für 2030 - hat das Auswirkungen auf unseren Regionalplan?

 

Ausschnitte aus: Der Tagesspiegel

Ausstoß von Treibhausgasen soll  deutlich sinken
EU-Gipfel einigt sich auf verschärftes Klimaziel für 2030

Um den Klimawandel und dessen katastrophale Folgen zu bremsen, müssen die Treibhausgase sinken. Die EU-Staaten ringen sich zu einem Kraftakt durch.

Die Europäische Union verschärft ihr Klimaziel für 2030 deutlich. Um mindestens 55 Prozent soll der Ausstoß von Treibhausgasen unter den Wert von 1990 sinken. Dies beschloss der EU-Gipfel in Brüssel am Freitagmorgen, wie Ratschef Charles Michel mitteilte. Bisher gilt ein Ziel von minus 40 Prozent. Der Beschluss gelang erst nach Beratungen die ganze Nacht hindurch.......

Die Verschärfung soll helfen, das Klimaabkommen von Paris umzusetzen und die gefährliche Erwärmung der Erde zu bremsen. Das neue Ziel soll noch vor Jahresende an die Vereinten Nationen gemeldet werden.

Es ist eine Etappe auf dem Weg, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen, also alle Treibhausgase zu vermeiden oder zu speichern. Nötig sind unter anderem eine schnelle Abkehr von Kohle, Öl und Gas, ein rascher Umstieg auf Ökostrom und Fahrzeuge ohne Abgase sowie die Renovierung von Millionen Häusern. Das bedeutet hohe Milliardeninvestitionen. Doch sehen Befürworter im Umbau der Wirtschaft auch Chancen für neue Jobs und Wohlstand.

Greenpeace reicht das Klimaziel nicht aus

Das Pariser Klimaabkommen von 2015 sieht vor, dass die Erderwärmung bei unter zwei Grad gestoppt wird, möglichst sogar bei 1,5 Grad, gemessen jeweils an der vorindustriellen Zeit. Dafür reichen die bisherigen Zusagen der rund 190 Mitgliedsstaaten aber nicht. Deshalb ist im Vertrag vorgesehen, dass alle fünf Jahre nachgebessert wird.

Der Umweltorganisation Greenpeace geht der EU-Beschluss nicht weit genug .„Um eine Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad mit großer Wahrscheinlichkeit zu erreichen, wären 65 Prozent weniger Treibhausgase in der EU nötig“, sagte Deutschland-Chef Martin Kaiser der Deutschen Presse-Agentur. Zudem rechne sich die EU das neue Klimaziel schön, weil erstmals auch die Klimagase einberechnet werden sollen, die in Wäldern und anderen „Senken“ gespeichert werden.

 Der Grünen-Politiker Sven Giegold kritisierte darüber hinaus, dass sich die EU-Staaten das neue Ziel nur „kollektiv“ vornehmen, aber keine nationalen Klimaziele festlegten. (dpa)

 https://www.tagesspiegel.de/politik/ausstoss-von-treibhausgasen-soll-deutlich-sinken-eu-gipfel-einigt-sich-auf-verschaerftes-klimaziel-fuer-2030/26708958.html

 

Donnerstag, 10. Dezember 2020

Noch ein lesenswerter Kontext-Artikel von Karin Burger (SatireSenf), der das Thema Regionalplan streift:

Baupilot mit Gschmäckle

 "Wie lebhaft der Streit in Gemeinderäten, auf Informations- und Diskussionsveranstaltungen zum Beispiel im Zusammenhang mit der Fortschreibung des Regionalplans Bodensee-Oberschwaben auch immer verläuft, sobald Verbandsdirektor Wilfried Franke und die ihm folgenden Bürgermeister und Funktionäre das Wort "Bedarf" von den Lippen tropfen lassen, ist die Diskussion zu Ende, die Kritiker entwaffnet. Denn ganz klar: "Bedarf" ist die unhinterfragte Ultima Ratio kommunalen Flächenanspruchs. Die Zwillingsschwester von Bedarf heißt "Nachfrage".

Wer es wagt, diesen "Bedarf" zu hinterfragen, bekommt keine oder zögerlich-nebulöse Antworten. Der Bedarf ist einfach da, geschätzt, vermutet, hochgerechnet, irgendwie. Die Tatsache jedoch, dass dieser Bedarf von vielen Kommunen, die dafür auch richtig Geld in die Hand nehmen, zumindest teilweise erst geweckt und dann gezielt auf die eigene Gemarkung gerichtet wird, bleibt unerwähnt......

Nun geschieht, was immer geschieht, wenn ein Gut knapp wird: Neue Geschäftsmodelle werden geboren, die aus dieser Verknappung Kapital schlagen – und das Gut damit für alle noch teurer machen. Ein solcher Anbieter ist zum Beispiel das inzwischen bundesweit tätige Unternehmen Baupilot GmbH mit Sitz in Maselheim (Landkreis Biberach)......"

Hier der ganze Artikel:
https://www.kontextwochenzeitung.de/wirtschaft/466/baupilot-mit-fiesem-gschmaeckle-6523.html

Salem macht den Faktencheck

Vieles wurde gesagt auf den 3 Veranstaltungen, die im April 2018/ April und Mai 2019 in Salem zum Thema Regionalplan stattgefunden haben. 

Manches war widersprüchlich, manches erschien uns nicht  ganz so seriös oder schlüssig. 
Wir haben einen Faktencheck versprochen 

Bild rechts: Veranstaltung des Aktionsbündnisses am  6.4.19 von Petra Karg

Faktencheck

Unbestritten sind folgende Aussagen von Hr. Franke/Regionalverband Bodensee-Oberschwaben:

  • Der Regionalplan gilt für 3 Landkreise und damit 87 Gemeinden
  • Der RP zeigt die Perspektive bis 2035
  • Anfang Juli erfolgt die Offenlegung, für Bürger 1 Monat lang
In dieser Zeit können schriftlich Einwände geltend gemacht werden. 
  • Im Regionalplan werden landwirtschaftlich genutzte Flächen im großen Umfang für diverse Bedarfe freigegeben – zusammen sind das über 3000 ha das entspricht der Fläche von über 100 Landwirtschaftlichen Betrieben, die zu 100% versiegelt werden
    • Flächen für Wohnungsneubau – über 1000 ha
    • Flächen für Industrie und Gewerbe Neubau – über 1000 ha
    • Flächen für Straßenbau / Verkehr – über 500 ha
    • Flächen für Abbau z.B. Kies, Ton – über 500 ha
  • Ein großer Anteil der Bedarfe wurde im Kreis Sigmaringen ausgewiesen, danach kommt der Kreis Ravensburg. Der Bodenseekreis erhält den kleinsten Anteil, da im Bodenseekreis kaum mehr verfügbare Fläche gefunden wurden. 

Aussage: „Der Regionalverband arbeitet abgelöst von Interessen und ist völlig unpolitisch“ 
BM Härle sagte in Beuren:

  • „Der Regionalverband plant im gesetzlichen Auftrag – abgelöst von den Interessen der Bürger und der Bürgermeister.“
  • „Der Regionalverband ist kein politisches Gremium.“
Hr. Franke sagt:
  • „Der Regionalplan ist kein „Wunschkonzert“ – Aber: die Grundsätze sind abwägbar“
AB: das können wir auf gar keinen Fall so stehen lassen!
  • Im Planungsausschuß des RV sitzen 50% kommunale Entscheidungsträger in Form von Bürgermeistern, Landräten etc. , (der Frauenanteil beträgt übrigens 10%)
  • Gerade Hr. Härle sitzt selbst im Ausschuss und nimmt dadurch direkten Einfluss 
  • Wenn in diesem Gremium nun also beschlossen wird: „Wirtschaftsentwicklung ist wichtiger als der bestehende Schutzstatus der Flächen – deshalb entfällt dieser“ dann ist das eine höchst politische Entscheidung!
Es stimmt: Der Regionalplan ist kein Wunschkonzert – für Umwelt, Tourismus und Landwirtschaft jedenfalls nicht, für Gewerbe und Industrie aber offensichtlich schon – das sind diejenigen, deren „Bedarfe“ erfasst (oder eher vermutet) werden: Gewerbe, Industrie, Wohnbau.

Aussage zum Thema “ Bedarfe und Flächenfraß“
Hr. Franke sagte: Der Regionalplan sei ein klarer staatlicher Auftrag nach Landesplanungsgesetz und verbindlich im Sinne von: es müssen genügend Flächen zur Verfügung gestellt werden ….. Es sei geprüft worden, welche Fläche brauchen wir wo. Zudem: „Wir gehen an untere Grenze des Bedarfs.
AB: Wie wird „genügend“ definiert?
Denn das hat eine ungeheure Auswirkung auf unsere Region: Genügend Fläche heißt in diesem Fall: weit über 3000 ha Bodenversieglung… (über 100 Landwirtschaftlichen Betrieben die zu 100% überbaut werden)

Zur Bedarfsermittlung für Industrie und Gewerbe wurde das Vorgehen in der Sitzung des RV genauer erläutert:

  • Es erfolgte eine Abfrage: Welche Flächen wurden während der letzten 15 Jahre „verbraucht“ – dann wurden die Flächen zusammengezählt und versucht, dieselbe Menge bereit zu stellen.
  • Da Markdorf und Überlingen bereits sehr viel gebaut haben, fallen diese jetzt weg.
  • Herr Franke betonte deshalb (ebenso wie Hr. Härle in Beuren): Die Verantwortung liege jetzt in der 2. Reihe (Tettnang – Meckenbeuren – Salem)!
Was gar nicht auftauchte in den Berechnungen: Ernsthafte Überlegungen zum Flächensparen …. Das sei die Angelegenheit der Gemeinden, hieß es.
Also soll genauso viel Fläche zur Verfügung gestellt werden wie bisher – ungeachtet des erklärten Zieles der Landesregierung, den Flächenverbrauch einzudämmen.

Aussage: „Wir müssen Erweiterungsflächen für die örtlichen Betriebe zur Verfügung stellen“
Hr. Härle verweist oft und gerne auf den großen Bedarf an Gewerbe- Erweiterungsflächen für Salemer Betriebe und Salemer Handwerker Aktionsbündnis: 28 ha sollen für die Erweiterung örtlicher Betriebe bereitgestellt werden in 15 Jahren – das erscheint nun doch sehr hoch gegriffen.
Der konkrete Flächenbedarf der in Salem ansässigen Betriebe wurde gar nicht erhoben – die Bedarfe beruhen auf Schätzungen und einer allgemeinen Stimmungsumfrage der IHK.
Herr Eglauer von der SPD relativierte die Aussage des BM dann auch wieder, indem er fragte: „Wer ist ein Salemer Betrieb?“ Einem aus Immenstaad nach Salem zugewanderten Betrieb bestätigte er: „Fühlen Sie sich jetzt als Salemer Betrieb? … Das zeigt uns doch: Es kommt nicht auf die Vergangenheit an, sondern auf die Zukunft!“
Herr König von der FDP war dann in der Gemeinderatssitzung vom 21.5.2019 ausgesprochen ehrlich : Er meinte, dass Salem doch die Pflicht hätte, Anwärter aus anderen Gemeinden aufzunehmen…. Überlingen und Markdorf hätten nun ja keine Flächen mehr zu vergeben… Er befürwortet ganz offen eine großzügige Vergabe auch an Nicht-Salemer.
Hr. Härle fügte hinzu, die Planungshoheit sei der Kommune gegeben, wenn die Fläche nicht gebraucht würde in den nächsten 15 Jahren, dann werde sie nicht bebaut.
Aktionsbündnis: Wir haben in den letzten Jahren stets äußerst großzügig gewirtschaftet und alle Möglichkeiten der Flächeninanspruchnahme ausgenutzt – daher sind wir sicher, dass auch diese Flächen bald gebraucht werden.

Aussagen zum Thema Verkehr allgemein
AB: Wenn Salem mit 28 ha zusätzlicher Fläche zum Schwerpunkt für Industrie und Gewerbe wird – wo werden die zusätzlichen Verkehrsströme – LKWs und neu hinzukommende Einpendler – durchgeleitet werden? Die Umfahrung von Neufrach wird schon lange gefordert – und nun ist plötzlich zusätzlicher Verkehr in dieser Größenordnung kein Problem?????
Auch Bermatingen, Mimmenhausen, vor allem aber Buggensegel und Ahausen müssen mit einer drastischen Verkehrserhöhung leben – kein Problem???
Herr Franke meinte dazu: „In Planung ist nur das, was nachweislich verkehrlich bewältigbar ist – wir gehen nicht über die Belastungsgrenze hinaus.“
Dann der entscheidende Zusatz: „… Im Zuge der „B 31 neu „Meersburg-Immenstaad muss über Trassen nachgedacht werden, sicher gibt es da die Möglichkeit einer Anbindung an Salem…“ 
AB: Nun wissen wir, warum die Landesentwicklungsachse über Salem geführt werden soll: Selbstverständlich wäre damit eine perfekte „Anbindung“ gewährleistet, wenn die zukünftige Trasse über Salem geführt würde. 
So hängen die verschiedenen Dinge untrennbar zusammen und müssen daher in ihrer gesamten Tragweite betrachtet werden.

Aussagen zum Thema Grünzug:

Auf die Frage, ob es denn neue (wissenschaftliche) Erkenntnisse gäbe, warum ein bestehender, geschützter Grünzug zurückgenommen werden soll (Dieser war in der RP-Fortschreibung 1996 schließlich explizit deshalb ausgewiesen worden, um an dieser Stelle eine weitere Bebauung auszuschließen), antwortete Herr Franke ehrlicherweise, es gebe keine neuen Erkenntnisse – aber es gebe andere Bedarfe. 

Er behauptete – wohlgemerkt eine persönliche Einschätzung ohne Datenbasis, die Änderung läge im Promille-Bereich und habe keine Bedeutung für den Gesamtplan.
Zur Begründung verriet er, dass die Ausweisung von Grünzügen im neuen Plan mindestens im gleichen Umfang erfolge, wie wir ihn im Bestand hätten.
Die Mehrzahl der ausgewiesenen Orte seien keine weißen Flecken mehr. Um Flächen (für Bebauung) zu bekommen, müsse man „…in die Flächen reingehen die geschützt sind“.

ABü: Also da kann man tatsächlich nur noch staunen.1996 wurden ausführliche Gutachten nach gesetzlichen Vorgaben erstellt und aufgrund derer dann geschützte Grünzüge ausgewiesen, die nicht bebaut werden durften.

Nun „benötigt“ man also mehr Flächen zur Erfüllung der Bedarfe, als zur Verfügung stehen – und beschließt daher in einem „Abwägungsprozess“, dass der Schutz bester Böden und der Landwirtschaft (Vorgabe Landesentwicklungsplan), des Regional -Klimas (Vorgabe Landesentwicklungsplan), des Wasserhaushaltes (Vorgabe Landesentwicklungsplan), der Kulturlandschaft etc. etc. problemlos geopfert werden können.

Wir fragen uns: Welche Bedeutung soll denn die Ausweisung anderer Schutzflächen haben – die offensichtlich 1996 noch nicht so schutzbedürftig waren, dass sie da auch ausgewiesen werden mussten? Und die Tatsache, dass ein bestehender Schutz offensichtlich jederzeit aufgehoben werden kann, wenn die Bedarfe zunehmen (was sie ja stetig tun…) obwohl der Schutzzweck dringender denn je ist – soll uns das wirklich überzeugen??

Aussage, Salem habe deutlich mehr Auspendler als Einpendler:

Natürlich hat Salem mehr Auspendler als Einpendler. Die Arbeitswelt ist allerdings wesentlich differenzierter. Salem war und ist schließlich für viele Menschen, die in den Großfirmen von Friedrichshafen arbeiten, der selbst gewählte Wohnort – es war die ausdrückliche Entscheidung dieser Menschen, nicht in Immenstaad oder Friedrichshafen zu wohnen. 
Eben weil sie mehr Natur wollten oder die ländlichere Umgebung Salems wertschätzen. Nicht umsonst wurden vor vielen Jahren Werksbusse mit Ziel Friedrichshafen eingeführt.
Und wir fragen uns: Die Krankenschwester, der Berufsschullehrer, der Zugführer, die Angestellte an der Tankstelle, der Mitarbeiter im Maschinenring Deggenhausertal, … man könnte diese Liste beliebig weiterführen: Sie sollen alle im Gewerbegebiet Neufrach Arbeit finden?


Salem hat im Haushaltsplan 2019 7,8 Mio € Einnahmen durch Einkommensteuer verbucht – dem stehen 3,5 Mio € Einnahmen durch Gewerbesteuer entgegen.
Möglicherweise wäre mancher Neu-Einwohner nicht nach Salem gezogen, mit dem überzogenen Gewerbegebiet vor Augen.

Was der Tourismus finanziell für Salem bedeutet, das wird nirgendwo genau erfasst, da er sich in viele Teilbereiche aufgliedert. Dies wäre in einer Gegend wie unserer aber doch sehr wichtig!
Immerhin haben wir 3 Attraktionen der Top 10 im Bodenseeraum auf der Gemeindefläche: Der Affenberg (sogar unter den Top 5), Schloss Salem und der Schlosssee!
Die Touristen besuchen die Attraktionen, ein Teil wohnt auch in Salem in Hotels, Pensionen, vermieteten Zimmern oder im Campinghof. Viele essen etwas im Rahmen ihrer Ausflüge, Handwerker bekommen Arbeit durch Bau- und Sanierungsarbeiten. 
Immer mehr Ausflügler sind mit dem Fahrrad unterwegs und wollen eine schöne Landschaft erleben!

Auch im Salemer Gewerbegebiet bestehen Zeitarbeitsstellen mit wenig attraktiver Bezahlung.Für diejenigen, die ihren Beruf nicht am Wohnort ausüben können, muss der ÖPNV deutlich attraktiver werden, das ist eine sinnvolle Forderung die sich daraus ergibt!

Aussagen zum Thema Schutz unserer Böden und der Landwirtschaft:

Auf die Frage, warum beste landwirtschaftliche Böden der Vorrangstufe nicht geschützt würden, antwortete Hr. Franke: „Wir können in verantwortungsvoller Abwägung nicht jeden Acker schützen“. Diese Aussage erscheint uns angesichts der sehr beschränkt vorkommenden Böden der Vorrangstufe im Regionalgebiet fast schon als zynisch.

Hr. Eglauer/ SPD schob nach: „Guter Boden heißt noch lange nicht nachhaltige Landwirtschaft“.

ABÜ: Natürlich heißt es das nicht, aber eine nicht nachhaltige oder zu wenig nachhaltige Landwirtschaft kann jederzeit verbessert werden. Ein zerstörter, überbauter Boden ist für immer verloren.

Herr Heine von der IHK ließ sich zu der Aussage hinreißen, nirgendwo in Baden-Württemberg sei der Vorwurf von Flächenfraß so deplaziert wie in diesem Raum, was von uns allen mit großem Staunen registriert wurde.
Hr. Eglauer/SPD ergänzte, wir belegten den ersten Platz in der Flächenausweisung weil in der Vergangenheit zu viel gespart worden sei.

ABü: Zu viel gespart – das ist eine sehr subjektive Bewertung. Das Gewerbegebiet in Salem ist innerhalb kürzester Zeit stark angewachsen. Angesichts des drohenden Klima-Kollapses könnte man ebenso gut sagen: Gottseidank ist nicht noch mehr versiegelt worden!
Tatsache ist jedenfalls, dass Salem seine Möglichkeiten bis zum Ende der Laufzeit des bisherigen Regionalplans vollumfänglich ausgeschöpft hat. – Wer kommt da auf die Idee, dass es in der kommenden Periode bis 2035 plötzlich anders laufen sollte?

Aussagen zum Thema Schutz unseres Klimas: 

Frage ABü: Warum wurde die Forderung aus der „Klimafibel“ (erstellt zum Regionalplan 1996) bezüglich der freizuhaltenden Frischluftschneise „Markdorf- Salemer Tal“ nicht berücksichtigt?
Antwort Hr. Franke: „Wenn es eine Frischluftschneise wäre, dann kommt`s immer noch auf die Qualität an! Wir haben die wesentlichen Frischluftachsen freigehalten.“

AB: In der Klimafibel wurde das Salemer Tal im gleichen Atemzug mit dem Schussental genannt, das laut Hr. Franke auf jeden Fall schützenswert sei. Nach seiner eigenen Aussage gibt es hierzu keine neuen Erkenntnisse.

Hr.König / FDP + Hr. Heine von der IHK forderten eine noch weitergehende Ausweisung von Industrie- und Gewerbegebieten, um Geld zur Erreichung der teuren Klimaschutzziele zu erwirtschaften.

ABü: Ach so! Noch eine Runde kräftig weiterzerstören, damit der Wiederaufbau noch teurer wird?? Das verstehe wer will.

Aussage zum Thema Tourismus:

Unsere Frage: „Es gibt eine interessante Broschüre Des VTWB Bodensee: Wirtschaftsfaktor Tourismus in der Region Bodensee, bei der die IHK vorne auf dem Titelblatt mehrmals auftaucht. Wäre es angesichts der Tatsache, dass Salem in der Bodenseeregion liegt und zudem ein anerkannter Erholungsort ist, nicht äußerst sinnvoll, auch mal die Auswirkung einer so massiven Gewerbebebauung auf Tourismus und Erholung zu untersuchen und thematisieren?“

Herr Heine von der IHK ließ uns wissen, dass dies keine Einschränkung mehr wäre, sondern ein k.o.-Kriterium. Er fügte hinzu: „Wenn wir mit diesem Hinweis an die Sache herangehen, dann können wir es gleich sein lassen!“

ABü: Wir haben verstanden: Wenn man die Auswirkungen auf den Wirtschaftsfaktor Tourismus ernsthaft untersuchen würde, dann wäre die angestrebte gewerbliche Entwicklung in diesem Ausmaß überhaupt nicht mehr möglich!
Da wir jedoch auch mit dem Tourismus und mit unserer Erholungslandschaft Geld verdienen, stellen wir noch einmal die Frage: Sollte man solche wesentlichen Aspekte nicht vor einer derartig einschneidenden Veränderung bedenken und abwägen?

Stark wirtschaftsfokussierte Veranstaltung von CDU/FDP und SPD- Gemeinderatsfraktionen am 30.4.2019 in Mimmenhausen / Bild Petra Karg

auch Karin Burger von SatireSenf hat fleißig dazu besenftet

TS42/19: Regionalplan Bodensee-Oberschwaben: Unhinterfragte Bedarfe zwingen zur Quadratur des Kreises

Montag, 7. Dezember 2020

Tag des Bodens: Flächenschutz statt Betonschmutz! - Pressemitteilung des BUND

Anlässlich des Tag des Bodens am 5. Dezember warnt der BUND Baden-Württemberg vor zunehmendem Flächenverbrauch und Vergiftung der Böden.
Zahlreiche Umweltschützerinnen und -schützer im ganzen Land haben bedrohte Flächen fotografiert, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

 
Stuttgart. Zum Tag des Bodens weist der BUND Baden-Württemberg eindringlich auf die Bedrohung von naturbelassenen und gesunden Böden hin. Täglich werden in Baden-Württemberg laut Statistischem Landesamt 4,8 Hektar zugebaut, einbetoniert oder überteert und damit der Natur entzogen.

Streuobstwiesen müssen vierspurigen Trassen weichen
Hauptsächlich werden Freiflächen für Bauland und Verkehr überbaut. Niedrigzinsen bei Baukrediten, die Aufweichung des Baugesetzbuches (§13b) und die durch die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte verstärkte Wohnungsnot in Städten führen derzeit wieder zu einem Anstieg des Flächenverbrauchs – mit fatalen Folgen, wie Christoph Schramm, Referent für Landwirtschaft und Wald beim BUND Baden-Württemberg, beschreibt:
„Böden entstehen über tausende von Jahren. Wenn sie überbaut und versiegelt werden, gehen ihre lebenswichtigen Funktionen auf einen Schlag dauerhaft verloren. Sie tragen dann nicht mehr zur Grundwasserneubildung bei, können keinen Kohlenstoff und kein Wasser mehr speichern und Schadstoffe nicht mehr filtern. Zudem wird der Lebensraum vieler Tiere und Mikroorganismen zerstört. Kahle Böden begünstigen sowohl Trockenheit als auch Überschwemmungen.“

„Wir appellieren eindringlich an die kommende Landesregierung, den Flächenverbrauch bis 2030 auf Netto-Null zu reduzieren. Das heißt, dass neu verbrauchte Fläche an anderer Stelle für die Natur zurückgewonnen wird“, erklärt Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des BUND Baden-Württemberg. „Das Land muss seine Ziele zur Reduzierung des Flächenverbrauchs gegenüber den Kommunen verschärfen und Generalwildwege und die Kernflächen des landesweiten Biotopverbundes vor der Überbauung durch Gewerbe, Industrie, Wohnhäuser und Straßen konsequenter schützen. Es ist außerdem wichtig, dass Baden-Württemberg flächensparende, auto- und stellplatzreduzierte Bauweisen sowie den Geschosswohnungsbau fördert, damit keine flächenfressenden Einfamilienhäuser und ebenerdigen Parkplätze gebaut werden. Dafür muss die Regierung die entsprechenden Vorgaben im Landesplanungsgesetz anpassen. Wir fordern die Landesregierung außerdem auf, beim Bund auf eine Abschaffung von § 13b BauGB hinzuwirken und gegenüber den Gemeinden schärfere Vorgaben durchzusetzen.“

Vergiftete Böden ohne Leben
Doch nicht nur Versiegelung ist für den Boden ein Problem, auch die industrielle Landwirtschaft machen ihm zu schaffen, erklärt Christoph Schramm. „Massiver Pestizideinsatz, Überdüngung und die Nichtbeachtung von Fruchtfolgen laugen den Boden aus und degradieren ihn zu einem Skelett, das seine ursprünglichen Funktionen nicht mehr erfüllen kann. Dadurch braucht er in der Folge noch mehr Dünger. Ein Teufelskreis entsteht, unter dem alle leiden: Böden, Grundwasser, Tiere und Pflanzen – und als Folge auch der Mensch. Der BUND fordert daher eine Agrarwende hin zu einer enkeltauglichen Landwirtschaft ohne Ackergifte und einer Ausrichtung an ökologischen Anbaukriterien.“
 
Bundesweite Aktion von Umweltschützerinnen und –schützern
Wie wichtig den Menschen der Schutz von bedrohten Böden ist, hat ein Aufruf des BUND gezeigt. Zahlreiche Männer, Frauen und Jugendliche ließen sich vor Wiesen und Äckern, die bebaut werden sollen, fotografieren, um ein Zeichen gegen den steigenden Flächenverbrauch zu setzen. Eine Auswahl der Bilder finden Sie hier:
https://www.bund-bawue.de/service/meldungen/detail/news/fotoaktion-anlaesslich-des-tag-des-bodens-am-5dezember/
 

Weitere Informationen:

Webseite des BUND Baden-Württemberg zu Flächenverbrauch: https://www.bund-bawue.de/themen/mensch-umwelt/flaechenschutz/
 

Freitag, 4. Dezember 2020

Weltbodentag am 5.12.

 Erst langsam begreifen Entscheiderinnen und Entscheider in Politik und Wirtschaft, dass es Ernst ist in Sachen Klimaschutz. Die voranschreitende Versiegelung unserer Böden für neue Siedlungen, Verkehrs- oder Gewerbefläche findet in der Öffentlichkeit wenig Beachtung. Dabei ist es höchste Zeit, sie zu begrenzen. Denn Boden ist endlich.

Das Aktionsbündnis Grünzug Salem und der BUND Salem nehmen den Weltbodentag zum Anlass, mit einer Fotoaktion auf den drohenden Verlust von 27,4 Hektar bester landwirtschaftlicher Böden vor Ort hinzuweisen. Sie möchten damit den Forderungen der Naturschutzverbände und den knapp 1.500 Unterschriften engagierter Bürgerinnen und Bürger aus Salem gegen die Fortschreibung des Regionalplanes Nachdruck verleihen.

„Der geschützte Grünzug Salem soll im Regionalplan Bodensee-Oberschwaben einem Schwerpunkt­gebiet für Industrie und Gewerbe weichen. Dass dies heutzutage möglich ist, ist für mich immer noch unfassbar,“ so die Aktivistin Silke Ortmann vom BUND Salem. Die Ausweisung der Fläche als nicht bebaubarer regionaler Grünzug erfolgte 1996 maßgeblich aus Gründen des Klimaschutzes und für den Erhalt der ertragreichen, landwirtschaftlichen Böden.

Stellvertretend für alle Böden, die in der Planung zur Versiegelung vorgesehen sind, hat das Aktions­bündnis Grünzug Salem das Gebiet zwischen den Salemer Ortsteilen Neufrach und Buggensegel ausgewählt. „Hier und anderswo hat sich Widerstand formiert, der den Regionalverband mit Ein­sprüchen nach der Offenlage nachdrücklich auf diese und andere Fehlplanungen hingewiesen hat“, meint Suzan Hahnemann „Wir bekommen aus unserem Rathaus und dem Regionalverband immer die Erklärung, dass man hier nichts ändern könne und man die gesetzten Vorgaben umsetzen müsse.“ Fritz Vogel bekräftigt: „Auf Bundes- und Länderniveau zeigt sich ein Umdenken, das auch in den Regionen und Gemeinden ankommen muss! Der kommunalen Planungshoheit müssen von der Landesregierung Grenzen gesetzt werden.“

Mit der leichtfertigen Zerstörung wertvoller Böden werden Fakten geschaffen, die unumkehrbar sind. Seit 1992 gingen in Deutschland allein 1,35 Mio ha landwirtschaftlicher Flächen verloren – das entspricht mehr als fünfmal der Fläche des Saarlandes oder 20 mal der Fläche des Bodenseekreises.

Bereits 2002 hatte sich die Bundesregierung eine Netto-Null-Neuversiegelung von Böden als Ziel gesetzt – dennoch verbrauchen wir auch heute noch das Doppelte dessen, was einmal für 2020 angestrebt war. 

Das sind schlechte Nachrichten für die regionale Ernährungssicherung, für biologische Lebensräume, für die Grundwasser-Neubildung und die immer noch unterschätzte klimatische Ausgleichsfunktion unserer Böden. Mit der Fotoaktion zum Weltbodentag protestieren das Aktionsbündnis Grünzug und der BUND Salem gegen die Planung des Regionalplans, nach dem in Salem 27,4 ha des geschützten Grünzugs zum Schwerpunktgebiet für Industrie und Gewerbe umgewandelt werden soll.

Das Aktionsbündnis Grünzug Salem und die BUND-Ortsgruppe Salem
https://www.bundesbuendnis-bodenschutz.de/

https://www.bund-bawue.de/service/meldungen/detail/news/fotoaktion-anlaesslich-des-tag-des-bodens-am-5dezember/