Donnerstag, 3. Dezember 2020

 „Der Bauer mit den Regenwürmern“ Onlineveranstaltung begeistert Publikum

In einer Onlineveranstaltung mit Biolandwirt Josef Braun aus Freising, Prof. Dr.  Andreas Gattinger, Leiter der Professur für Ökologischen Landbau mit dem Schwerpunkt nachhaltige Bodennutzung an der Universität Gießen und dem Wetterauer Kreislandwirt Michael Schneller, Assenheim, stand die Bedeutung einer bodenschonenden Landbewirtschaftung mit Humusaufbau als Klimachance im Mittelpunkt. Frank Uwe Pfuhl von der NABU-Umweltwerkstatt Wetterau, die auch die Onlineplattform organisierte, moderierte die Veranstaltung. Nach ihren Eingangsbeiträgen und einer anschließenden Diskussion beantworteten die Fachleute auch viele Fragen aus dem Publikum. Zu Beginn wurde der Biohof von Josef Braun in einem kurzen Film vorgestellt, der als „der Bauer mit den Regenwürmern“ zeigt, wie ohne den Einsatz von Mineraldünger durch die Humusbildung der Bodenlebewesen, den Einsatz von eigen erzeugtem Humus und vielfältige Fruchtfolgen eine ertragreiche Landwirtschaft mit Verzicht auf Pestizide möglich ist.

Mehr Gemüse und Obst essen und Landwirtschaft als Problemlöser entwickeln

„Wenn der Boden schreien könnte, würde er lauter schreien als unsere Nutztiere“, erklärt Josef Braun, um anschaulich darzulegen, wie die unverminderte Vernichtung von Ackerflächen zugunsten von Verkehr, Gewerbe und Wohnen, aber auch eine Bodenbearbeitung, die zu wenig die Zusammenhänge von Bodenlebewesen, Humusaufbau und Pflanzenwachstum berücksichtigt, Ackerböden als Kohlenstoffspeicher und als Ernährungsgrundlage gefährden.

„Wenn wir die Herausforderungen des Klimawandels, den Verlust der Artenvielfalt, den Umgang mit unseren Nutztieren und der Gefährdung des Wasserkreislaufes lösen wollen, nutzt es nichts, wenn wir auf der Landwirtschaft rumtrampeln, sondern wir müssen die Gesellschaft verändern und auch unsere Ernährungsgewohnheiten umstellen, weniger tierisches Eiweiß, weniger Zucker und Weißmehl, zugunsten von Gemüse und Obst. Dann können wir eine Landwirtschaft entwickeln die ganz anders aussieht und die Gefährdungen durch die Klimakatastrophe und das Artensterben löst und eine gesunde Ernährung ermöglicht,“ so Braun.

1,5 % mehr Humus in Ackerböden könnte unser Klimaproblem lösen

Genau an diesem Punkt setzt auch Prof. Andreas Gattinger von der Universität Gießen an. Eindringlich mahnt er: „Ackerböden sind mit 2,5 Milliarden Tonnen aufgrund der humusaufbauenden Bewirtschaftung unserer Vorfahrender der größte terrestrische Speicher von Kohlenstoff in Deutschland. Der geht aber durch die Versiegelung von 55 ha am Tag, durch Übernutzung und einseitige Fruchtfolgen mit 0,2 Tonnen pro Jahr und Hektar immer weiter verloren und das gefährdet unser Klima zusätzlich.“

Prof. Gattinger hat zu diesem Thema eine Vielzahl von wissenschaftlichen Studien ausgewertet und selber durchgeführt und ist sich sicher: “ Wir können das durch ökologische Praktiken drehen. Vielfältige Fruchtfolgen, mehr Anbau von Hülsenfrüchten und Mistrückführung führen zu mehr Bodenorganismen, einer Bodenbelebung und weniger Freisetzung von Lachgas. Eine stärkere Wurzelbildung kann mehr Humus aufbauen und Kohlenstoff binden. Wurzeln haben ein 2,3 mal stärkeres Bindungspotential für Kohlenstoff als oberirdische Biomasse.  1,5 % mehr Humus in unseren Ackerböden könnte unser Klimaproblem lösen.“

Ländliche Regionen nicht weiter ausbluten lassen um regionale Ernährung sicher zu stellen

Kreislandwirt Michael Schneller erklärt hierzu, dass eine stärkere Bodenfruchtbarkeit auch ein wichtiges Thema der konventionellen Landwirtschaft sei und dass stärkere Fruchtfolgen dafür wichtig sind. Dazu brauche es aber auch einen Markt und entsprechende Abnehmer und Veredelungsfirmen, die leider in der Wetterau immer weniger werden und so eine Kreislaufwirtschaft mit der Rückführung von organischem Dünger in den Boden immer mehr erschwert wird. Als gemeinsames Problem von ökologischer und konventioneller Landwirtschaft sieht er die mangelnde Bereitschaft der Abnehmer für landwirtschaftliche Erzeugnisse auch die entsprechenden Preise zu zahlen und so werden die Landwirte in eine immer stärkere Abhängigkeit von staatlichen Subventionen getrieben, die immer mehr bürokratischen Aufwand erfordern. Eine existentielle Bedrohung für die bäuerlichen Betriebe in der Wetterau sieht er in der zunehmenden Vernichtung von Ackerböden zugunsten anderer Nutzungen. „Wir haben in Hessen in den letzten 25 Jahren 45 000 ha Ackerfläche verloren, soviel wie es in Wetterau insgesamt gibt. Trotz eines nur geringen Bevölkerungswachstums werden die Ballungszentren auf Kosten der Ackerflächen überproportional  immer größer. Wir fordern eine Änderung dieser Politik, damit die ländlichen Regionen nicht weiter ausbluten und wir eine regionale Ernährung sicherstellen können.“

Nochmalige Filmvorführung zum Weltbodentag am 6.12.2020

Der intensiven Debatte zwischen den Referenten und dem über Onlinechat zugeschalteten Publikum folgte der 45-minütige Film „Der Bauer mit den Regenwürmern“ über den Biohof von Irene und Josef Braun. Anlässlich des Weltbodentages am 5.12.20 wird er am 6.12.20 um 16.30 Uhr nochmal gezeigt. Wer die Gelegenheit nutzen will, kann sich hier anmelden:

https://www.edudip.com/de/webinar/der-bauer-mit-den-regenwurmern-der-film/551756

Die Aufzeichnung der Diskussion vom 8.11.2020 ist hier zu finden:

Weiter Veranstaltungen und Aktionen folgen:

Zur Onlineveranstaltung der „Bauer mit den Regenwürmern“ luden auf Initiative der NachhaltigkeitsWIRKstatt Wölfersheim und BIONALES - Bürger für regionale Landwirtschaft und Ernährung e.V. folgende Organisationen ein: Wetterau im Wandel,  IG gesunder Boden, Regionalbauernverband, AbL, Ev.Dekanat, NABU, GWÖ; Bingenheimer Saatgut, MiEG, WetterauSicht, Fridays for Future, Modellregion Ökolandbau Wetterau.

Der zweite Teil der Veranstaltung mit den 3 Referenten ist für Januar geplant, weitere Aktionen zum Bodenschutz und Humusaufbau als Klimaschutz und Grundlage einer regionalen Ernährung folgen. Wer mitmachen will kann sich hier melden: info@bionales.de

 

UN-Chef Guterres zum Klimawandel "Unser Planet ist kaputt" vom 02.12.2020

Mit deutlichen Worten hat UN-Generalsekretär Guterres zu mehr Klimaschutz aufgerufen. Bereits jetzt seien apokalyptische Feuer und Überschwemmungen die neue Realität. Bestätigung erhält er von neuen Studienergebnissen.

Zum Ende eines Jahres der Wetterextreme mit Hurrikanen, Waldbränden und Hitzewellen hat UN-Generalsekretär António Guterres die Menschheit zu einem Ende ihres "Krieges gegen die Natur" aufgerufen. Sie solle sich verpflichten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu beenden, sagte er in einer Rede an der New Yorker Columbia University. "Apokalyptische Feuer und Überschwemmungen, Zyklone und Hurrikans sind zunehmend die neue Normalität."

Guterres fand deutliche Worte zum Zustand der Erde: "Unser Planet ist kaputt!" Der Weg aus der Corona-Krise biete in dieser Hinsicht aber eine Chance. "Die Corona-Erholung und die Reparatur des Planeten können zwei Seiten derselben Medaille sein", sagte der UN-Chef.

Hohe Erwartungen an Klimakonferenz in Glasgow

Der Präsident der Pariser Klimakonferenz und ehemalige französische Premierminister Laurent Fabius forderte die Regierungen dazu auf, mittel- und kurzfristige Klimaziele zu setzen und zu erfüllen. Es reiche nicht aus, langfristige Ziele zu setzen, bei denen unsicher sei, ob sie jemals umgesetzt würden. Das sei die Herausforderung für die UN-Klimakonferenz in Glasgow im kommenden Jahr.

Der nächste Gipfel gilt als besonders wichtig: Die Staaten sollen bis dahin ihre Klimaschutzpläne ehrgeiziger machen. Denn noch reichen sie in der Summe längst nicht aus, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 zu erfüllen, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen.

Aktuelles Jahr ist eines der wärmsten

Unterdessen wurden mehrere neue Klimaberichte vorgestellt, die ein düsteres Bild vom Zustand des Planeten zeichnen. Das Jahr 2020 dürfte nach vorläufigen Analysen der Weltwetterorganisation (WMO) eines der drei wärmsten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts werden. Klar sei schon jetzt, dass die Jahre seit 2015 die sechs wärmsten seit Messbeginn seien. Der Temperaturrekord wurde 2016 mit plus 1,2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau erreicht.

Das UN-Umweltprogramm UNEP warnte, die derzeit geplante weltweite Produktion von fossilen Brennstoffen sei viel zu hoch, um die Pariser Klimaziele bis 2030 erreichen zu können. Um den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müsse die internationale Gemeinschaft ihre Produktion von fossilen Brennstoffen jährlich bis 2030 um rund sechs Prozent reduzieren. Derzeit sei aber ein jährlicher Anstieg um zwei Prozent geplant - damit würde bis 2030 doppelt so viel fossiler Brennstoff produziert werden, wie mit dem Pariser Klimaziel vereinbar.

Grüne Investitionen in der Corona-Krise gefordert

Die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) sieht den Klimawandel mittlerweile als größte Bedrohung der Weltnaturerbestätten. Die IUCN ist das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen. Die globale Erwärmung sei bei einem Drittel der Gebiete eine "hohe oder sehr hohe Bedrohung". 2014 war das erst bei einem Viertel der Fall. Auch das Weltnaturerbe Wattenmeer an der Nordsee gehört zu den betroffenen Regionen mit einer "sehr hohen Bedrohung" durch den Klimawandel.

UNEP-Chefin Inger Andersen sagte zugleich, die Corona-Pandemie biete eine umweltpolitische Chance. So könnten die Volkswirtschaften weltweit mithilfe von "Investitionen in kohlenstoffarme Energien und Infrastruktur" wiederbelebt werden.

Montag, 30. November 2020

Pressemitteilung zur Sitzung des Regionalverbands Bodensee Oberschwaben vom 23.10.20 - Fraktion Bündnis 90 /Die Grünen / ödp

Fraktion im Regionalverband spricht sich gegen überzogenen Flächenverbrauch aus

 

Vor wenigen Tagen beschloss die Verbandsversammlung des Regionalverbands Bodensee -Oberschwaben mehrheitlich die zweite Offenlage des Regionalplans. Die Fraktion Bündis90/Die Grünen und ödp kann wesentliche Inhalte wie Flächenverbrauch, Vernichtung wertvoller landwirtschaftlicher Böden, ein weiter so bei Mobilität und Klimaschutz nicht mittragen.

 In einer Zeit, in der die Gesellschaft der globalen Klimakatastrophe und dem Artensterben begegnen muss, sind die Mandatsträger aller politischen Ebenen gefordert, das, in ihrem Handlungsspielraum mögliche zu tun, um Zukunft zu sichern. Hier ist die grüne Grundhaltung „Global denken, regional handeln“, mehr denn je gefragt.

Hauptkritikpunkte sind für die Fraktion die Grundlagen zur Flächenbedarfsermittlung für Wohnen und Industrie und Gewerbe, sowie der daraus resultierende viel zu hohe Flächenansatz.

Innerhalb der zweiten Offenlage geht der Verband in seinen Planungen von 65.000 Einwohner für die Region aus. Hiervon sind 32.000 reale, vom Statistischen Landesamt prognostizierte Einwohner.

Von diesen 32000 realen Einwohnern wird angenommen, dass sie in Zukunft einen höheren Flächenbedarf für Wohnen in Anspruch nehmen als bisher. Diese „Mehr“ an Fläche wird wiederum in Einwohner umgerechnet. Auf diesem Weg gelangt der Verband zu der Zahl von 33000 fiktiven Einwohner. Mit anderen Worten: Geht es nach der Planung des Regionalverbandes wird für 32000 reale Einwohner eine Fläche bevorratet, auf der heute 65000 Menschen leben.

Konkret kritisiert die Fraktion Bündnis 90 / die Grünen/ ödp in diesem Zusammenhang die überzogenen Flächenzuschläge des Planwerks. Bereits heute wird innerhalb des Bauflächenbedarfsnachweis der Kommunen, gemäß dem Hinweispapier des Landes Baden-Württembergs, der erhöhte Komfortbedarf beim Wohnen mit einem Flächenzuschlag berücksichtigt. Hier nochmals großzügige Zuschläge oben drauf zu setzten, führt zu einer Flächenbevorratung in einer Größe, die die Fraktion vor dem Hintergrund des „Flächenfraße“ nicht mittragen kann. Die von der Fraktion Bündnis 90 / die Grünen / ödp geforderte nachvollziehbare exakte Berechnungsart gemäß o. g. Hinweispapier wurde bis dato von der Verbandsverwaltung nicht zur Verfügung gestellt. Die „Fläche ist nicht vermehrbar“ betont Verbandsdirektor Franke gebetsmühlenhaft. Mit dem Hinweis,“ diese Flächen stellten für die Kommunen lediglich eine Option dar“, ist der Fraktion nicht gedient. Es geht hier nur um ein Weiterreichen der Verantwortung zum Flächensparen auf untergeordnete kommunale Ebenen. Vor dem Hintergrund, dass Kommunen von der Einkommens- und Gewerbesteuer leben, ist daher ein gezieltes Flächensparen unwahrscheinlich.

Ebenso hält die Fraktion Bündnis 90 /Die Grünen / ödp die Vorratshaltung von 800 Hektar bis 2035 für Industrie und Gewerbe für die Gesamtregion für nicht angemessen, zumal darüber hinaus für die kommunalen Bedarfe zusätzlich 400 Hektar Gewerbeflächen geplant sind. Eine von der Verbandsverwaltung beauftrage Studie zum Gewerbeflächenbedarf ergaben eine hohe Streuung von 600 ha bis 1480 ha. Vor dem Hintergrund von Industrie 4.0, den Umbrüchen in der Automobil- und Luftfahrtbranche und der Corona Pandemie hält die Fraktion einen Flächenbedarfsansatz, welcher auf der Trendfortschreibung eines Zeitraums wirtschaftlicher Hochkonjunktur beruht, für nicht gerechtfertigt und stellte den Antrag, den Flächenansatz für reine Bevorratung zu reduzieren.

Der jetzt von der Mehrheit der Verbandsversammlung beschlossenen Siedlungsmehrflächen bis 2035 trägt nicht zu den gesellschaftlichen Zielen der Verlangsamung der Vernichtung unserer Lebensgrundlagen bei. Wir können keine Gebiete verantworten, die in wertvolle Natur eingreifen und die Artenvielfalt gefährden.

 

Freitag, 27. November 2020

Wie sicher ist die kommunale Planungshoheit?

Eine Einschätzung von Ulrike Lenski, Mitglied des Regionalverbandes

Wer einen Blick in den Regionalplan wirft, stellt fest, dass dieser größtenteils aus Grundsätzen und Zielen besteht. Grundsätze geben die Richtung der geplanten Entwicklung vor, sind allgemein formuliert und nicht bindend. Zielen beinhalten präzise formulierte Anforderungen an den Raum und sind verbindlich.

Das bestehende Planungsgebot verpflichtet die Kommunen, sich an die, im Regionalplan festgelegten Ziele, zu halten. Aus diesem Grund ist entscheidend, welche Forderung in dem entsprechenden Ziel formuliert ist.

Betreffenden der Vorranggebiete für Industrie und Gewerbe ist zu lesen: „Zur Sicherung eines dezentralen Arbeitsplatzangebotes und für die Weiterentwicklung der Wirtschaft werden regional bedeutsame Schwerpunkte für Industrie und Gewerbe als Vorranggebiete festgelegt und in der Raumnutzungskarte gebietsscharf dargestellt. Diese Gebiete sind von Planungen und Maßnahmen frei zu halten, die die vorhergesehene Nutzung beeinträchtigen können…“

Da in dieser Zielvorgabe keine Verpflichtung zur Bebauung festgelegt ist, greift in dieser Frage die kommunale Planungshoheit. D.h. der Gemeinderat der betreffenden Kommune kannst selbst entscheiden, wann und wie er hier Fläche der Bebauung zuführen möchte.

So weit so gut. Das bedeutet, nur eine Zielformulierung, die eine Verpflichtung zu Bebauung beinhaltet, würde die kommunale Planungshoheit aushebeln.

Im Zuge der ersten Offenlage wurde auf Grund der Stellungnahme des Industrieverbands Steine und Erden BW, die wie folgt lautet:

 “Im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung soll sichergestellt werden, dass innerhalb der Schwerpunkte für Industrie und Gewerbe, sowie in sonstigen gewerblichen Baugebieten in ausreichendem Umfang Industriegebiete gem.§ 9 BauNVO festgelegt werden, um die planerischen Grundlagen für die Ansiedlung für die Ansiedlung neuer Bauschuttrecyclinganlagen und von Asphaltmischanlagen zu ermöglichen.“

ein neuer Grundsatz mit folgendem Inhalt in die Planung aufgenommen:
„Im Rahmen der kommunalen Bauleitplanung soll sichergestellt werden, dass innerhalb der Schwerpunkte für Industrie und Gewerbe in ausreichendem Umfang Industriegebiete gem.§ 9 BauNVO ausgewiesen werden. Insbesondere für bereits an anderer Stelle vorhandene, störende Betreibe soll eine Verlagerung in regionalbedeutsame Schwerpunkte für Industrie und Gewerbe im jeweiligen Teilraum ermöglicht werden.“

Bemerkenswert hierbei:
Von den ca. 5000 Stellungnahmen bewirken nur wenige eine Änderung der Planung.
In der Hauptsache sind dies die Stellungnahmen des Wirtschaftsministeriums und des Regierungspräsidiums. Die Stellungnahme der ISTE wurde fast eins zu eins in den Regionalplan aufgenommen, was eine Dringlichkeit in diesem Bereich deutlich macht.

Der Bodenseekreis verfügt über zwei Standorte von Bauschuttrecyclinganlagen, diese sind Immenstaad und Salem. Ein Ausbau dieser wäre naheliegend. Bleibt es bei einem Grundsatz, würde hierrüber der Gemeinderat entscheiden. Würde der Grundsatz im weiteren Verlauf der Fortschreibung in eine Zielformulierung umgewandelt, wäre die Kommune an die Vorgabe gebunden.

Ulrike Lenski
Mitglied des Regionalverbandes  Bodensee-Oberschwaben


Ein mutiges Statement einer Bürgerin - an den Kreistag des Bodenseekreises gerichtet.

Sehr geehrte Damen und Herren des Kreistages,

ich verrate Ihnen etwas.
Ich liebe unsere Bodenseeregion.
Wir leben in einer Gegend, in der andere Urlaub machen.

Ich bin stolz darauf, im schönen Deggenhausertal zu wohnen.
Mein Name ist Karin Rothaupt
und ich habe etwas auf dem Herzen.

Wer hier leben möchte, gerne.
Bezahlbaren Wohnraum für alle, ich bin dabei.
Gesunder Tourismus, her damit.

Was ich nicht möchte, ist
das wir unsere wunderbare Gegend verschandeln.
Durch fiese Bauten, die gar nicht hierher passen.

Streuobstwiesen, Weinberge, saftige Wiesen, Hopfenfelder, all das gehört zu uns.
Wir leben in einer Gegend, die es zu schützen gilt.
Denn das ist es, was uns ausmacht.

Wir müssen nicht um jeden Preis größer, schneller, weiter spielen.
Wir sind gut, wie wir sind.
Bausünden - wie die Neue Mitte in Salem - dürfen sich - aus meiner Sicht nicht wiederholen.

Ich brauche kein München 2, kein Chiemgau 2.
Was lieben wir, unsere Urlauber, die Reigeschmeckte :-) - unsere Bodenständigkeit, unsere Natürlichkeit.
Das  sollten wir uns bewahren.

Veränderungen gerne - auf jeder Ebene - aber nicht um jeden Preis.
Neues sollte sich in unsere wundervolle Heimat einfügen
und nicht wie ein Fremdkörper wirken.

Ich möchte Sie zum Nachdenken anregen- meine Bitte:
Schauen Sie bei neuen Projekten genau hin.
Einfaches Durchwinken – weil das liebe Geld lockt – ist nicht immer der beste Weg.

Haben Sie Mut, uns besonders zu lassen.
Seien Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst, die Sie in Ihren Städten und Gemeinden haben.
Ob im Rat oder einfach als Mitbürger.

Die BUND Aktion - endlich die Vernetzung!

Liebe UnterstützerInnen (und potenzielle UnterstützerInnen;-) der Info-Aktion für einen zukunftsfähigen Regionalplan!

Per Email haben Info-Flyer und Plakat inzwischen die Runde gemacht, auch an die Parteien und die Regionalversammlung; die neueste Version (mit Demeter und Bioland) ist auf der Planungsseite des BUND-Regional abrufbar: https://www.bund-bodensee-oberschwaben.net/themen-projekte/naturschutz-planung/planungsvorhaben/  Für Sigmaringen gibt es ein Einlege-Blatt.

Ein Sharepic für die Handys wird heute oder morgen noch losgelassen. Teilt es, schickt mir Handy-Nummern dafür, ich lösche sie gleich wieder ;-)

 

Nun soll bis Ende der Woche die Druck-Bestellung der Info-Flyer und Plakate in Papierform abgeschickt werden, und wir denken über die weitere Verbreitung nach. Man könnte Anzeigen schalten in den Zeitungen, die Elemente weiterhin auf Eure Homepages und in die Social Media-Kanäle einstellen (eine Kurz-Textversion ist bei mir erhältlich), einen Blog/ Homepage(-Unterseite) zum Austausch einrichten, und und und....

 

Bitte gebt Bescheid, wenn Ihr Flyer und Plakate in Papierform mitbestellen,

einen Teil einer Anzeige finanzieren wollt oder sonst noch Ideen und Vorschläge habt.

 

 

Unser Einsatz für unsere Natur lohnt sich! Es ist jetzt und hier Zeit, umzudenken und umzusteuern!!!

 

 

 

Im Namen aller, die an dieser Aktion mitbeteiligt sind und einen Regionalplan mit ausreichenden (und umgesetzten) Nachhaltigkeits- und Klimazielen wollen!

 

Barbara Herzig, BUND Bad Saulgau



Kirchbühl 21

88374 Hoßkirch

Festnetz: 07587 9506223

Mobil: 0151 556 25 926

 

 

FairWandel SIG - die Unterschriftenaktion

 

FairWandel SIG hat die Regionalplanaktion auf ihrer Homepage  eingestellt und eine Unterschriftenaktion eingefügt. Hier kann für einen veränderten Regionalplan - also für den Vorschlag des Aktionsbündnisses gestimmt werden.


Die Stellungnahme der Naturschutzverbände und die Pressemitteilung von der BUND-Regio-Homepage sind auch dort als PDF zu finden.

UnterstützerInnen sind ganz unten  mit Logos zu finden 

 

 https://fairwandel-sig.de/regionalplan/


Donnerstag, 26. November 2020

Die letzte Schlacht am Flächenbüffet

Auch die bekannte Bloggerin von SatireSenf, Karin Burger, hat ihren Senf zum Regionalplan beigetragen.
Erschienen in der Ausgabe 453 vom Dezember 2019 / Kontext

 

"Ach wie schön ist's am See. So viel Grün, so viel Natur. Auf den Postkarten.
Tatsächlich verhökert der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben hektarweise Grünzüge für Gewerbe – Klimawandel hin oder her........

 

Das Fazit der Naturschützer: Für einen Flächenfraß dieser Dimension, rückgekoppelt an die globalen Verhältnisse, würde man drei – in Zahlen: 3 – Erden benötigen.
Der kritische Denker erkennt sofort: das wird knapp. Ein Büfettbeschicker, der so disponiert, rechnet ganz offensichtlich nicht mehr damit, noch häufiger auftischen zu müssen....

 

Der Text in voller Länge:
https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/453/die-letzte-schlacht-am-flaechenbuefett-6367.html 

 

Mittwoch, 18. November 2020

Kultur leben (zur Raum- und Regionalplanung) - Von Wolfram Frommlet

Ein  Kommentar  im Zusammenhang  mit dem Flyer der Naturschutzverbände erschien in der Schwäbischen Zeitung am 16.11.20:

Kultur leben Von Wolfram Frommlet

„Für mich besteht eine große Herausforderung darin, wie unsere Höfe weiterbestehen können. Wir brauchen mehr Produktvielfalt in der Landwirtschaft und mehr Regionalität bei unseren Lebensmitteln“, sagt Walter Rauch aus Dünserberg. 

Eugen Gabriel aus Frastanz ergänzt: „Wo die Landwirtschaft die Existenzgrundlage ist, hat man verstanden, sorg-sam mit den landwirtschaftlichen Flächen umzugehen und die Erwei-terung der Siedlungen kompakt zu gestalten.

„Wie schaffen wir ein funktionierendes Dorfzentrum als Grundlage für das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde“, ist für Helmut Lampert in Göfis eine große Herausforderung.

Drei Bürgermeister aus der Region Walgau in Vorarlberg in dem hoffnungsvollen, ermutigenden Buch des Ravensburger Raumplaners Manfred Walser, „Die Zukunft im Walgau“, herausgegeben von der Vorarlberger Landesregierung (erhältlich in der Buchhandlung Anna Rahm in Ravensburg). 

Die 14 Gemeinden haben in Workshops, an denen die Bevölkerung beteiligt wurde, ein Modell regionaler Entwicklung erarbeitet, in dem die  Traditionen - Handwerk, Land- und Forstwirtschaft - mit den aktuellen Problemen ländlicher und semi-urbaner Räume verbunden wurden: der Wegzug der Jungen, die Zersiedelung der Natur, Klimawandel, die Krise der familiären Höfe. Lebenswerte Orte für alle Generationen entstanden, eine Kultur des Miteinander der Eingesessenen und der Zugezogenen, ein ökologischer Lebensstil, insbesondere in neuen, verdichteten Wohnformen. Einst konkurrierende Gemeinden bilden heute nachhaltige Netzwerke. Man könnte viel davon lernen.

Nach Ansicht eines breiten Bündnisses unter Führung der Umweltorganisationen BUND und NABU läuft der Regionalplan Bodensee-Oberschwaben bis zum Jahr 2035, mit den Kreisen Ravensburg, Bodenseekreis und Sigmaringen, leider in eine ganz andere Richtung. „Profit und Wachstum ohne Grenzen scheint für viele Akteure immer noch die oberste Prämisse zu sein“, heißt es in einem Flyer des Umweltbündnisses. Kritisiert wird, dass 500 Hektar für Rohstoffabbau vorgesehen sind, neuer Baugrund sich an überholten Wohnmodellen orientiert, ein regionaler Grünzug „Altdorfer Wald“ aber nicht vorkomme. „Ein klares ‚weiter so wie bisher‘, welches alle wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangenen Jahre und anwachsenden globalen Krisen ignoriert.“

Nachhaltige Landwirtschaft, Stärkung der Biodiversität, das Vogelsterben im Bodenseeraum sind für BUND und NABU Prioritäten eines zukunftsfähigen Regionalplans. Anders als im Walgau hat in dieser Region, in den Gemeinden wie in den Städten, nach Ansicht aller Akteure, die Bevölkerung bislang keine Foren der Beteiligung. 

Und fände man bei uns Politiker wie Harald Witwer aus der Gemeinde Thüringen? „Die Frage des Umgangs mit asylsuchenden Menschen stellt im Moment nicht nur für den Walgau, sondern für die Gesellschaft insgesamt eine riesengroße Herausforderung dar. Ob es uns gelingt, den sozialen Frieden in der Region weiterhin zu gewährleisten, hängt wesentlich vom Umgang mit diesem Thema ab.“

Und noch eine Anzeige zum Altdorfer Wald - selbstredend


 

Anzeige Altdorfer Wald mit Bezug auf die Sitzung des Regionalverbandes am 23.10.20

Diese Anzeige wurde am Donnerstag den 22.10.20 in der "Schwäbischen Zeitung" veröffentlicht