Montag, 20. Juli 2026

Die EU ist auf dem Elektrifizierungs- Weg um Millionen zu sparen

Es ist doch zum Heulen: die EU arbeitet an den Elektrifizierungs-Zielen und Frau Reiche in Deutschland zementiert noch mal schnell die Gasabhängigkeit...

Tagesspiegel hier 17.07.2026

Von Öl und Gas zu Strom:
EU-Kommission prüft Ziel für 2040

Europa soll unabhängiger von fossilen Energieträgern werden. Damit könnte man auch klimaschädliche Emissionen einsparen. Dafür soll unter anderem Strom erschwinglicher werden.

Anlagen in Industrie, Gebäuden und Verkehr sollen nach dem Willen der Europäischen Kommission künftig häufiger mit Strom betrieben werden. Die Brüsseler Behörde prüft ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040. Das kündigte sie jetzt für das laufende Jahr an. Hintergrund der Strategie ist es, weniger fossile Energie zu verbrauchen, der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energiequellen soll steigen.

Derzeit liegt die Elektrifizierungsrate in der EU Kommissionsangaben zufolge stagnierend bei 23 Prozent, bis 2030 wird eine Quote von 32 Prozent angestrebt. China, Korea und Japan erreichten bereits jetzt über 30 Prozent, so die Behörde.

In Deutschland 20 Prozent erreicht

In Deutschland lag der Elektrifizierungsgrad zuletzt (2024) nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft bei 20 Prozent. Während im Bereich Gewerbe, Handel, Dienstleistungen demnach 38 Prozent des Energiebedarfs durch Strom abgedeckt wird und in der Industrie 31 Prozent, sind es bei den privaten Hausalten 21 Prozent und im Verkehr nur 3 Prozent.
Nach Gebäuden werde in Energiebilanzen nicht extra aufgeschlüsselt, schrieb der Verband.

Der seit Februar andauernde Iran-Krieg hat nach Kommissionsangaben zu 50 Milliarden Euro zusätzlichen Kosten für Öl- und Gasimporte geführt - ohne das mehr Brennstoff bezogen wurde. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs sei dies bereits die zweite fossile Preiskrise innerhalb von fünf Jahren.

Da die EU mehr als die Hälfte ihres Energieverbrauchs mit importierten fossilen Energieträgern decke, bestehe eine strukturelle Verwundbarkeit. Energieunabhängigkeit sieht die Kommission daher als Souveränitätsfrage.

Milliarden Euro sparen

Von einer Umstellung auf mehr Strom erhofft sich die Kommission, dass bis 2040 mehr als 70 Prozent der Gasimporte ersetzt werden und die Rohöleinfuhr der Staatengemeinschaft um 40 Prozent gesenkt werden kann. 

Eingespart werden sollen Schätzungen zufolge bis zu 260 Milliarden Euro an fossilen Importkosten bis 2040. Zudem könne die Elektrifizierung dazubeitragen, die CO2-Emissionen bis 2040 um mehr als 2 Milliarden Tonnen zu senken, rund 20 bis 30 Prozent der derzeitigen Emissionen.

Wärmepumpen und Strompreise

Die EU-Kommission will unter anderem den Einbau von Wärmepumpen vorantreiben und den Absatz von Elektroautos erhöhen. Außerdem soll Strom erschwinglicher werden. Bislang ist Strom für Haushalte und Industrie im Durchschnitt deutlich teurer als Gas. 

Die EU-Kommission will im Laufe des Jahres vorschlagen, Subventionen für fossile Brennstoffe schrittweise abzuschaffen. Nach einem formellen Vorschlag müssen die EU-Länder und das Parlament über diesen beraten, bevor mögliche Änderungen in Kraft treten.

Zu einigen Aspekten hat die EU-Kommission nun bereits einen solchen Vorschlag vorgelegt. Unter anderem soll Strom niedriger besteuert werden als Erdgas. Die Brüsseler Behörde schlägt auch vor, die Übertragungs- und Verteilungsnetzentgelte flexibler zu konzipieren. Mitgliedstaaten sollen Steuern und Entgelte für bestimmte Nutzer senken können, etwa energieintensive Industrien oder Energiegemeinschaften.

© dpa-infocom, dpa:260717-930-399975/1



Die EU-Kommission will im Laufe des Jahres vorschlagen, Subventionen für fossile Brennstoffe schrittweise abzuschaffen. Nach einem formellen Vorschlag müssen die EU-Länder und das Parlament über diesen beraten, bevor mögliche Änderungen in Kraft treten."




Gavin Mooney

Erneuerbare Energien haben im vergangenen Jahr 480 Milliarden Dollar an fossilen Brennstoffen vermieden. Und diese Einsparungen werden Jahr für Jahr anhalten. 

Dies ist eines der herausragenden Ergebnisse aus dem neuesten IRENA-Bericht zur Erzeugung erneuerbarer Energien. 

Im Gegensatz zu Kohle- und Gaskraftwerken benötigen Windkraftanlagen und Solarpanels keine kontinuierliche Brennstoffversorgung. Sobald sie gebaut sind, erzeugen sie weiterhin Strom, ohne die laufenden Kosten für den Kauf von Kohle, Gas oder Öl.

Und das hat drei wichtige Konsequenzen:

  • Jede erzeugte Einheit erneuerbaren Stroms verringert den Bedarf, fossile Brennstoffe für die Stromerzeugung einzukaufen. 
  • Diese vermiedenen Kraftstoffkosten summieren sich Jahr für Jahr über die Lebensdauer des Vermögenswerts.
  • Sie verringern zudem die Belastung durch volatile fossile Brennstoffpreise und verbessern die Energiesicherheit. 

IRENA quantifizierte diese Einsparungen, indem es die tatsächliche erneuerbare Energieerzeugung im Jahr 2025 mit einem alternativen Szenario verglich, in dem derselbe Strom stattdessen vom bestehenden fossilen Brennstoffmix jedes Landes erzeugt wurde. 

Das Ergebnis waren geschätzte 480 Milliarden Dollar an vermiedenen Kraftstoffkosten – und das ist nur ein einziges Jahr. 

Die Ökonomie erneuerbarer Energien wird oft im Hinblick auf deren Baukosten diskutiert, aber einer der größten wirtschaftlichen Vorteile kommt erst danach.

Im Gegensatz zu einer einmaligen Einsparung wiederholen sich die vermiedenen Kraftstoffkosten jedes Jahr – ein Windpark oder Solarpark ist weiterhin in Betrieb.



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