"Aber nachts scheint keine Sonne" ist ab sofort die dümmste Ausrede der Energiedebatte
China hat in der Wüste Gobi eine Hybridanlage mit einer Nennleistung von einem Gigawatt in den kommerziellen Probebetrieb genommen.
900 MW Photovoltaik, kombiniert mit 100 MW Solarthermie. 260.000 Spiegel erhitzen geschmolzenes Salz auf 550 Grad. Die gespeicherte Wärme treibt nach Sonnenuntergang noch acht Stunden lang eine Dampfturbine an. Ganz ohne Lithiumbatterien.
Alle, die seit Jahren mantrahaft wiederholen, Erneuerbare könnten keine verlässliche Versorgung leisten, dürfen sich die Zahlen gern notieren. 2,07 TWh Jahresertrag bei Vollauslastung. 830.000 versorgte Haushalte. 1,63 Millionen Tonnen CO2-Einsparung pro Jahr. Mit Salz und Spiegeln.
Weil das nächste Argument garantiert schon in der Warteschleife hängt, gleich vorweg.
Die Gesamtinvestition lag bei umgerechnet 456 Millionen Euro. Zum Vergleich darf sich jede:r die aktuelle Kostenentwicklung europäischer AKW-Projekte anschauen. Hinkley Point C, Flamanville, Olkiluoto. Milliardengräber mit Jahrzehnten Bauverzug, deren Strom bei Fertigstellung teurer sein wird als jede erneuerbare Alternative.
Sicher wird gleich jemand erklären, Solarthermie funktioniere nur in der Wüste.
Als sei es ein Nachteil, dass es auf der Erde Wüsten gibt. Dieses Projekt zeigt, dass thermische Speicherung für Solarenergie längst industriell skaliert. Ohne seltene Erden, ohne Batteriechemie.
Die wahre Blockade der Energiewende war nie die Physik. Es war schon immer das Versorgungssicherheits-Framing derer, die am fossilen Status quo verdienen.
Golem hier 22. Juli 2026 / Patrick Klapetz
China: Weltweit größte Hybrid-Solaranlage liefert Energie auch bei Nacht
Damit dies funktioniert, wird mit Solarenergie Salz erhitzt, dessen Abwärme über Nacht eine Dampfturbine antreibt.
Die China Three Gorges Corporation (CTG) hat in der Wüste Gobi die weltweit größte Hybridanlage aus Photovoltaik und konzentrierter Solarenergie in den kommerziellen Probebetrieb genommen. Das berichtete die Webseite The Cool Down.
Das 1-Gigawatt-Projekt in Hami in der autonomen Region Xinjiang speichert die Sonnenenergie als Wärme in geschmolzenem Salz, wodurch die Anlage nach Einbruch der Dunkelheit noch bis zu acht Stunden lang Strom erzeugen kann – ohne eine einzige Lithiumbatterie zu benötigen.
Dafür werden 900 MW an Standardsolarmodulen mit einer 100-MW-Anlage zur konzentrierten Solarenergie (CSP) miteinander kombiniert. Sie decken eine Fläche von 1.817 Hektar am südlichen Fuß des Tianshan-Gebirges ab.
Stromerzeugung auch bei Nacht
Um die Energie auch nachts zu nutzen, wurden 260.000 Heliostaten mit einer Kollektorfläche von 800.000 Quadratmetern verbaut. Diese sich nachjustierenden Spiegel bündeln das einfallende Sonnenlicht auf einen Punkt, um geschmolzenes Salz auf 550 °C zu erhitzen. Die Wärme wird gespeichert und erzeugt nach Sonnenuntergang Dampf, um eine Turbine anzutreiben. Die achtstündige Leistung nach Einbruch der Dunkelheit wird ausschließlich von der 100-MW-CSP-Anlage erbracht.
CTG nutzt ein lineares Fresnel-Design, das nach Angaben des Unternehmens den Wärmeumwandlungswirkungsgrad gegenüber herkömmlichen Fresnel-Systemen um bis zu 10 Prozent verbessert. Eine zentrale Steuerung verteilt die Leistung zwischen der PV- und der thermischen Seite mit einer Frequenzregelgenauigkeit von rund 0,02 Hz und einer Reaktionszeit im Subsekundenbereich.
Kommerzieller Betrieb offiziell gestartet
Die Anlage wurde zwar bereits am 18. September 2025 ans Netz angeschlossen und läuft seitdem im Dauerbetrieb, jedoch wurde der kommerzielle Probebetrieb erst am 1. Juli 2026 begonnen. In der autonomen Region Xinjiang stieg die Nutzungsrate erneuerbarer Energien seitdem auf mehr als 95 Prozent.
Seit der ersten Inbetriebnahme im September speiste die Anlage ungefähr 6,54 Millionen kWh in das regionale Netz ein. Bei voller Auslastung kann der Komplex laut Unternehmensangaben jährlich 2,07 TWh Strom erzeugen und damit etwa 830.000 Haushalte versorgen. Zeitgleich werden 1,63 Millionen Tonnen CO₂ eingespart. Die Gesamtinvestition belief sich auf 3,53 Milliarden Yuan (etwa 456 Millionen Euro).
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen