Die Meisten von uns stehen, so glaube ich wenigstens, alle seit Jahren unter einem zunehmenden Trauma, was ihn betrifft.
Daher ist auch für mich das Thema sehr relevant.
Kann sich das jetzt endlich ändern?
Wer noch mehr "Fakten" zur Erinnerung braucht - der Postillion hat sie akribisch gesammelt
Eine Doppelmoral, die jeder ohne Untersuchungsausschuss verstehen konnte.
- 2015: „Gemieteter Mutterbauch.“
- 2020: Kindeswohl und Verbot.
- 2026: US-Leihmutterschaft für die eigene Familie.
Ein Spitzenpolitiker belegt als Gesundheitsminister seine fachliche und administrative Inkompetenz.
Danach taucht er in verschiedensten Rollen für ganz andere Themen auf, wird in führender Rolle der Partei für Ökonomie und Energie aufgestellt, äußert sich ebenso prominent zu Außen- und Geopolitik.
Was er propagiert, ist meist sachlich falsch bis dumm.
Seine politischen Kontakte und auch Äußerungen dazu sind fraglich, einige Aspekte seiner finanziellen Verhältnisse auch, aber niemand fragt danach.Als Fraktionsvorsitzender der regierenden Partei erhält er im Gegenteil eines der mächtigsten politischen Ämter.
Nun zeigt sich, dass er nicht mal politisch clever ist.
Das ist dann endlich mal sein (vorläufiges) Ende. Seine Partei zeigt damit zwei Dinge: Erstens, was dann doch nicht mehr geht, zweitens leider seit Jahren, was alles geht.
Als kommunikative Jahrhunderttalente erweisen die sich abschließend auch nicht.
Die Genese dieser politischen Laufbahn und den Hintergrund des letzten Akts berücksichtigend, lassen diese Aussagen Gedanken zu, die man als kluger Kommunikator besser vermeiden sollte.
Das können sie wohl auch nicht.
Markus Milz
Wollt ihr uns eigentlich komplett für blöd verkaufen?
Diese Woche sind in der deutschen Politik gleich zwei Leute „zurückgetreten". Schauen wir mal genauer hin, was das heißt:
Jens Spahn legt den Fraktionsvorsitz nieder - und bleibt Bundestagsabgeordneter. Macht rund 11.800 € Diät im Monat, plus 5.400 € steuerfreie Kostenpauschale obendrauf. Die Pensionsansprüche? Laufen munter weiter.
- Leihmutteraffaire,
- Spannungen zwischen Spahn und Merz,
- schlechte Umfragewerte der Union,
- Maskendeals,
- Villa-Kredite,
- Spenden-Dinner und
- die eh geplante größere personelle Neuaufstellung der Union
Kai Wegner „verzichtet" - auf die erneute Spitzenkandidatur. Regierender Bürgermeister bleibt er. Bezüge: rund 18.500 € im Monat. Unverändert.
Interessanterweise standen weitere Enthüllungen über seine Kommunikation während des Stromausfalls unmittelbar bevor. Lustiger Zufall.
Das sind keine Rücktritte. Das sind Personalrochaden mit Pressemitteilung. Man ist dem zuvorgekommen, was ohnehin passiert wäre - und hat es „Verantwortung übernehmen" genannt.
Spahn schreibt zum Abschied, sein privates Familienglück sei „nicht vereinbar mit meinem politischen Amt". Rührend. Nur: mit dem Amt, dem Geld und der Altersversorgung ist es offenbar bestens vereinbar. Aufgegeben wurde der Titel. Nicht die Zahlungen.
Aber der eigentliche Hammer: In genau dem Schreiben, mit dem Spahn sich aus dem Amt verabschiedet, ermahnt er den Rest der Republik, doch bitte „menschlich im Ton" zu bleiben. Die „zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung" habe ihn nachdenklich gemacht.
Übersetzt: Nicht das eigene Verhalten war das Problem - sondern der Ton derer, die es kritisiert haben. Wer selbst das Glaubwürdigkeitsproblem produziert und dann zum Abgang die anderen über Anstand belehrt, betreibt Täter-Opfer-Umkehr mit Briefkopf. Das ist die eigentliche Frechheit.
Und ehrlich: Aufgefallen wäre das alles kaum - hätte unsere Nationalmannschaft nicht freundlicherweise schon im Sechzehntelfinale gegen Paraguay die Koffer gepackt. Und der ÖRR nicht - trotz 9 Mrd. € Beitragsgebühren - die Übertragung der WM-Spiele Magenta TV überlassen.
Perfektes Timing für eine unbequeme Woche. War bestimmt nicht geplant. 😉
Der Punkt ist ernst: In jedem Familienunternehmen, das ich kenne, funktioniert Verantwortung genau andersherum. Wer einen Posten abgibt, gibt auch die Bezüge ab. „Ich trete auf Grund persönlicher Verfehlungen zurück, behalte aber Gehalt, Firmenwagen und Pension" - das würde kein Gesellschafter durchgehen lassen.
Doch die eigentlich gute Nachricht: Wir merken den Unterschied noch. Ein Land, in dem die Bürger den Etikettenschwindel durchschauen, ist nicht zynisch - es ist wach. Genau diese Wachheit ist das, was echte Führung irgendwann erzwingt. Hoffen wir, dass die Wachheit anhält!
Also, liebe politische Kommunikationsprofis: Traut uns ruhig etwas mehr Verstand zu!
Postillion hier
Was war Ihr Lieblings-Spahn-Skandal?
Niemand konnte es so wie er: In Sachen Skandalen und Gewissenlosigkeit ist Jens Spahn einer der Besten, die dieses Land je gesehen hat. Nach seinem überraschenden Rücktritt ist es Zeit, auf seine größten Hits zurückzublicken. Diesmal möchte der Korruptillon (unterstützt durch Resignation Control) von Ihnen wissen:
- Dubiose Nebentätigkeiten in einer Lobbyagentur für Pharmaklienten, während er als Politiker in Gesundheitsausschüssen saß. (2006-2010)
- Interessenkonflikt wegen privater Beteiligung an Softwarefirma Pareton, während er Finanzstaatssekretär war. (2016-2017)
- Kauf einer Wohnung durch Spahn von Pharmamanager Markus Guilherme Leyck Dieken (2017), der dann später auf Betreiben Spahns als Geschäftsführer der mehrheitlich vom Gesundheitsministerium kontrollierten Gematik GmbH eingesetzt wurde – bei doppeltem Gehalt. (2019)
- Spendenveranstaltungen, bei denen Beträge von jeweils 9999 Euro für den Bundeswahlkampf gesammelt wurden, um die Veröffentlichungsgrenze von 10.000 zu unterschreiten. (2020)
- Verdächtige Finanzierung seiner Villa für 4,125 Millionen Euro durch die Sparkasse Westmünsterland. Behauptung eines Erbes seines Mannes, das es nie gegeben hat. Schließlich stellt sich heraus, dass der Milliardär Christian Angermeyer mit Verbindungen zu Thiel, Trump Jr., Ivanka Trump und Jared Kushner involviert war. (2020)
- Ausspähen von Journalisten, die zu seinen Immobiliengeschäften recherchierten, und Versuch, diese zum Schweigen zu bringen. (2020)
- Maskenaffäre: Mehrere Milliarden Euro für die Maskenbeschaffung verschleudert und Unionspolitikern Provisionen in Millionenhöhe vermittelt. (2020)
- Weitergabe vertraulicher Informationen während Corona an Ex-Signa-Chef René Benko und Einsatz für die Abschaffung der 800-Quadratmeter-Regelung auf dessen Wunsch. (2020)
- Mehrere Teilnahmen an Treffen des "Dialog"-Netzwerks des religiös-faschistischen Tech-Milliardärs Peter Thiel (2018-2024)
- Dubiose Verbindungen zum Gesundheits-IT-Milliardär Frank Gotthardt (Nius-Financier), der unter Gesundheitsminister Spahn in mehrfacher Hinsicht profitierte und dafür auch reichlich an die CDU spendete. (2018-2025)
- Versagen als Fraktionschef bei im ersten Anlauf vergeigter Kanzlerwahl (2025)
- Nutzen einer Leihmutter aus den USA, obwohl sich Spahn jahrelang für ein Verbot von Leihmutterschaften in Deutschland eingesetzt hat. (2026)
Peter Leppelt / LinkedIn
Das kommt vom Ex-Fraktionschef einer Partei, deren Oberboss mir seit gut 1 Jahr sagt, dass ich zu faul, zu weich, zu oft krank, ein Problem im Stadtbild und selbst Schuld an allem sei.
Naja und dass ich eigentlich gar nicht so richtig in Deutschland willkommen wäre, weil eins meiner Elternteile ausländischer Herkunft ist.
Gleichzeitig bin ich qua Einkommen und Tätigkeit aber auch Leistungsträger und muss daher besonders gepampert und bevorteilt werden, weil ich ja sonst abhauen würde.
Mal abgesehen von der allgemeinen Verwirrung, die diese Dinge bei mir auslösen: Der besagte Oberboss ist analog zu dem Zitat unten auch der Meinung, dass keiner seiner Vorgänger so einen krassen Gegenwind aushalten musste.
Sollten Leute, die so austeilen, nicht auch etwas einstecken können? Oder noch besser: Zugunsten der allgemeinen Diskussionskultur eben nicht derart austeilen sondern einfach mal mit Instinkt und Kompetenz ihren Job machen?
Kommentar Michael Schweiger
Dieser Oberboss hat vor seinem Amtsantritt auch gesagt, dass er für Spinner wie mich keine Politik machen wird. Bis jetzt hat er Wort gehalten.
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