Deutschlandfunk hier 15.07.2026
Nabu-Studie: Leistungsfähigkeit der Natur in Deutschland nimmt abDas ist das Ergebnis einer Studie des Econics-Instituts zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland.
Dafür wurden
- die Spätsommergrünheit,
- der Jahresniederschlag und
- die Oberflächentemperaturen an heißen Tagen
Der daraus entstandene Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt eine deutliche Verschlechterung:
Im Jahr 2025 lag er den Angaben zufolge um 16 Prozent niedriger als 2021.
Im Jahr 2025 lag er den Angaben zufolge um 16 Prozent niedriger als 2021.
Studienleiter Ibisch sagte, der sich verschlechternde Zustand in weiten Teilen des Landes sei kein abstraktes Naturschutzproblem. Vielmehr gehe es um handfeste Konsequenzen für die menschliche Gesundheit, sowie für die Versorgung und Sicherheit.
Nabu-Präsident Krüger sagte, gerade in Städten sei Natur nicht „Nice-to-have“, sondern Infrastruktur, die vor Hitze und Extremwetter schütze.
NABU hier
Neue Studie: Bundesweit verschlechtert sich die Arbeitsfähigkeit der Natur
Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index zeigt, wie gut Deutschlands Landschaften (noch) kühlen, Wasser speichern und uns so vor der Klimakrise schützen können.
Zudem: Welche Ökosysteme müssen dringend wiederhergestellt werden?
Zudem: Welche Ökosysteme müssen dringend wiederhergestellt werden?
Der ECONICS-Grün-Feucht-Kühl-Index (GFKI) zeigt die Leistungsfähigkeit der natürlichen Infrastruktur für jeden Ort in Deutschland. Er macht zum einen sichtbar, wie gut sie kühlt und Wasser speichert. Zum anderen, wo Ökosysteme Schutz und einer Wiederherstellung bedürfen.
Deutschland verliert schützende Natur
Der neue GFKI offenbart nun einen alarmierenden Trend: Viele Landschaften verlieren ihre Fähigkeit, Wasser zu halten und Temperaturen zu regulieren. Deutschland trocknet aus und wird immer heißer.
Doch, auch das unterstreicht der GFKI, dem können wir mit intakter Natur entgegenwirken. Je grüner, feuchter und besser vernetzt eine Landschaft ist, desto wirksamer kann sie wichtige Leistungen für uns Menschen, unsere Artenvielfalt und Wirtschaft erbringen. Dazu zählt beispielsweise, Klimabelastungen und Wetterextreme abzupuffern. Deshalb müssen wertvolle Ökosysteme geschützt und geschädigte Landschaften durch Renaturierung, Begrünung und Entsiegelung gestärkt werden.
Die Ergebnisse des GFKI auf einen Blick:
- Intakte Natur arbeitet rund um die Uhr für uns: Als natürliche Klimaanlage und Wasserspeicher sichert sie unsere Gesundheit, Wirtschaft und biologische Vielfalt. Doch wir sind dabei, diese Funktion dauerhaft zu stören.
- Der negative Trend alarmiert: Das Rot auf der Karte nimmt zu, das Grün verblasst. Immer mehr Landschaften verlieren durch menschliche Eingriffe ihre Leistungsfähigkeit. Das erhöht die Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft dramatisch.
- Renaturierung wirkt schnell und messbar: Die Wiederherstellung von Wäldern, Flüssen und Mooren zeigt, wie schnell sich Ökosysteme stabilisieren können. Es fehlt nicht an Wissen, sondern am politischen Willen.
- Die Art der Landnutzung ist entscheidend: Intensiv genutzte Agrarlandschaften, zerstörte Auen und versiegelte Siedlungen entwickeln sich zu großflächigen Problemregionen.
Große, unzerschnittene, grüne und feuchte Regionen dagegen fungieren (noch) als Klimarefugien. - Die rechtlichen Instrumente sind vorhanden: Gesetze wie die EU-Wiederherstellungsverordnung bilden einen funktionalen Rahmen. Der aktuelle GFKI zeigt einmal mehr: Anstatt zu blockieren, sollten alle Akteure gemeinsam nach Wegen suchen sie umzusetzen und zu finanzieren.
Die Leistungsfähigkeit unserer natürlichen Infrastruktur auf einen Blick, von niedrig (rot) bis hoch (grün). - Karte: ECONICS INSTITUTE e. V.
Was misst der GFKI?
Der GFKI fungiert als Geschäftsklimaindex für Ökosysteme. Er berechnet die Leistungsfähigkeit der Natur auf Basis realer Umweltdaten für jeden Ort in Deutschland, in einem Raster von 30x30 Metern. So entsteht ein Bild der natürlichen Infrastruktur, die erhalten oder wiederhergestellt werden muss.
Der GFKI verbindet drei messbare Eigenschaften einer Landschaft aus satellitenbasierten und meteorologischen Daten:
- Grün: Die Spätsommergrünheit der Vegetation
- Feucht: Der Niederschlag an einem Ort
- Kühl: Die Oberflächentemperatur an den heißesten Tagen
In Kombination als Rückkopplungseffekt können sich die drei Werte verstärken oder schwächen. Je grüner, feuchter und kühler es ist, desto leistungsfähiger wird die Landschaft. Umgekehrt verlieren kahle, trockene und heiße Landschaften immer weiter ihre Leistungsfähigkeit.
Negativer Fünfjahrestrend
Erstmals wurde 2026 ein bundesweiter zeitlicher Trend errechnet: Viele Regionen mit niedrigen (roten) Werten entwickeln sich weiter stark negativ. Dort müssen Wiederherstellungsmaßnahmen dringend politische Priorität erhalten und umgesetzt werden.
Gleichzeitig müssen Gebiete, welche (noch) positiv (grün) auf der Karte erscheinen, gestärkt, geschützt und erhalten bleiben. Regionale Beispiele zeigen, dass Indexwerte und damit die Leistungsfähigkeit von Landschaften sich erholen können.
Der Veränderungstrend zeigt, wo Ökosysteme grüner-feuchter-kühler geworden sind, oder sich die Lage verschlechtert hat. - Karte: ECONICS INSTITUTE e. V.
Auffällig sind unter anderem die Waldgebiete der Mittelgebirge mit positiven Trends.
Im Nationalpark Harz zeigt sich beispielsweise nach den Fichtenkalamitäten nach 2018 ein positiver Trend, da eine flächige Regeneration des Waldes eingesetzt hat. Die größte zusammenhängende Region mit einem positiven Trend liegt im Schwarzwald in Baden-Württemberg.
Im Nationalpark Harz zeigt sich beispielsweise nach den Fichtenkalamitäten nach 2018 ein positiver Trend, da eine flächige Regeneration des Waldes eingesetzt hat. Die größte zusammenhängende Region mit einem positiven Trend liegt im Schwarzwald in Baden-Württemberg.
Ein deutlicher Rückgang der Leistungsfähigkeit offenbart sich dagegen in urbanen Hitzeinseln, auf trockenen landwirtschaftlichen Nutzflächen sowie in Gebieten mit vermehrtem Baumsterben und forstlichen Räumungshieben.
Auch in den Kiefernforsten Nordostdeutschlands dominieren negative Trends, ebenso in vielen anderen Regionen, die ohnehin niedrigere „grün-feucht-kühle“-Ausgangswerte aufweisen.
Auch in den Kiefernforsten Nordostdeutschlands dominieren negative Trends, ebenso in vielen anderen Regionen, die ohnehin niedrigere „grün-feucht-kühle“-Ausgangswerte aufweisen.
Welche Wiederherstellungs- oder Schutzmaßnahmen sind wo prioritär nötig?
In Abhängigkeit vom Zustand und vom Entwicklungstrend der verschiedenen Ökosysteme ergeben sich Prioritäten für ihre Wiederherstellung, Förderung oder Erhaltung. Diese Prioritäten sollten im Kontext der EU-Wiederherstellungsverordnung, des Natürlichen Klimaschutzes und des geplanten Bundesgesetzes zur Stärkung der Natürlichen Infrastruktur eine besondere politische und praktische Relevanz erfahren:
Die Potenzialkarte zeigt, welche Natürliche Infrastruktur den höchsten Wiederherstellungs- oder Schutzbedarf hat. - Karte: ECONICS INSTITUTE e. V.
Der Harz zeigt: Erholung ist auch in zuvor geschädigten Waldregionen möglich. Nach den schweren Fichtenkalamitäten im Jahr 2018 regeneriert sich der Wald großflächig. Das spiegelt sich in einer positiven Trendentwicklung wider. – Karte: ECONICS INSTITUTE e. V.
Was jetzt zu tun ist
Der GFKI zeigt, wo Ökosysteme intakt sind, kann die Landschaft für uns arbeiten und hitzeresillienter werden. Nur „grün-feucht-kühle“ Landschaften bleiben auch in Zukunft produktiv.
Der NABU und das ECONICS INSTITUTE fordern deshalb,
die natürliche Infrastruktur in Deutschland
konsequent zu stärken:
die natürliche Infrastruktur in Deutschland
konsequent zu stärken:
durch die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung,
ein Bundesgesetz für Natürliche Infrastruktur sowie
eine Beschleunigung von Renaturierung und Vernetzung von funktionstüchtigen Landschaften.
ein Bundesgesetz für Natürliche Infrastruktur sowie
eine Beschleunigung von Renaturierung und Vernetzung von funktionstüchtigen Landschaften.
Zudem braucht es finanzielle Mittel für und die konsequente Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen:
- Maßnahmen der Regenerativen Landwirtschaft: dauerhafte Bodenbedeckung (Untersaaten, Zwischenfrüchte), Grünland, Agroforstsysteme und Hecken machen ausgeräumte, intensiv genutzte Agrarlandschaften widerstandsfähiger.
- Wiederherstellung von Gewässerräumen: entlang von Flüssen braucht es naturnahe Auen, die Wasser speichern und kühlen. In begradigten Flüssen fließt Wasser schnell ab, es fehlt in der Landschaft.
- Naturnahe Laubmischwälder entwickeln: Nadelbaum-dominierte und naturferne Forste sind nicht widerstandsfähig. Das Beispiel Harz als ehemaliger Nadelforst zeigt, dass natürliche Waldentwicklung die natürlichen Leistungen eines Ökosystems wiederherstellen kann.
- Entsiegelung und mehr Grün in Städten und Industriegebieten: Grünflächen, Straßenbäume und Fassadenbegrünung machen Städte messbar kühler. Weniger versiegelte Flächen und mehr Grün können in Hitzesommern Leben retten!
Der Econics-Grün-Feucht-Kühl-Index
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