Das Dilemma mit den Autozulieferern geht auch in unserer Region nicht spurlos an uns vorüber: „Kritisch wird es für Unternehmen, die stark vom Verbrennungsmotor abhängig sind..."
Dr. Martin Bethke
Manchmal geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um die Frage, auf welchem Markt habe ich eigentlich einen Wettbewerbsvorteil.
Der naheliegende Schluss bei der Headline des Artikels wäre einfach: Renault elektrifiziert schneller und besser als seine Konkurrenz.
Aber das stimmt nicht. Bei BMW war in Europa im zweiten Quartal fast jedes dritte verkaufte Auto vollelektrisch, Mercedes steigerte den BEV-Absatz um 51 %.
Der Unterschied liegt im Segment und im Marktrisiko. Renault baut bezahlbare Stromer für Europa und hat China vor Jahren abgeschrieben. Die deutschen Hersteller elektrifizieren von oben nach unten, ausgerechnet im Premiumsegment, in dem China gerade wegbricht.
Die teuerste Fehlentscheidung der deutschen Autoindustrie der letzten zehn Jahre war nicht nur die Antriebstechnologie. Es war die Konzentration des Absatzrisikos mit Premiummodellen auf einen einzigen Markt: China.
Die entscheidende Zukunftsfrage (nicht nur für die #Autoindustrie), sondern für viele Branchen, lautet nämlich nicht: In wie vielen Märkten bin ich? Sondern: Warum kaufen die Kunden in diesem Markt eigentlich bei mir und gilt der Grund in fünf Jahren noch?
Und diese Frage hat man sich bei VW, BMW und Mercedes in Bezug auf China scheinbar nicht ernsthaft gestellt. Bei Renault scheinbar schon.
Und hinzu kommt jetzt noch, dass der Verbrenner das Geschäftsmodell der deutschen Autoindustrie gefährdet und die Kosten für Kredite erhöht, denn:
"Anforderungen, wie im Bereich der Geldwäscheprävention oder des ESG-Risikomanagements, haben sich erhöht."
WiWo hier Artur Lebedew, Henryk Hielscher 31.07.2026
Jetzt drehen die Banken Autozulieferern den Geldhahn zu
Wegen Sparmaßnahmen von Volkswagen, BMW und Mercedes wird die Transformation für Autozulieferer noch teurer. Die Banken schauen kritischer auf Kreditanfragen.
Die Sparpläne bei den Autoherstellern BMW, Mercedes und Volkswagen haben teure Folgen auch für die deutschen Autozulieferer. Infolge düsterer Marktaussichten haben sie zunehmend Probleme, von den Banken wichtige Kredite für die Transformation zu bekommen. „Die Sparprogramme von Volkswagen und anderen Herstellern erhöhen den Druck auf die Zulieferer weiter“, sagt Frank Schumacher vom internationalen Kreditversicherer Atradius. Die nun etwa bei Volkswagen geplanten Sparmaßnahmen seien Mittel, „zu denen viele Zulieferer aufgrund sinkender Volumina und steigender Kosten bereits seit Monaten gezwungen sind“.
Das Risiko-Signal der Banken
Bei der Kreditvergabe besonders relevant ist die Nettoverschuldungsquote, also das Verhältnis der Nettoschulden zum operativen Ertrag. Die Kennzahl verschlechtert sich derzeit häufig, weil die Unternehmen weniger verdienen und gleichzeitig investieren müssen. Vor allem Mittelständler berichten nach vielen Krisenjahren über deutlich geringere finanzielle Reserven und einen hohen Bedarf an Fremdkapital für die Transformation hin zu Elektromobilität, Digitalisierung oder resilienten Lieferketten. Die Kredite dafür würden von den Banken aber oft verwehrt.
Die zunehmend kritische Banken-Haltung nehmen selbst große, im Kern noch gesunde Unternehmen wahr. Aus dem Umfeld des Technologieunternehmens und weltgrößten Autozulieferers Bosch heißt es, dass auch dort die Banken bei Kreditvergaben jüngst noch genauer hinschauen. Das Top-Rating habe das Unternehmen nur noch, weil 40 Prozent des Geschäfts aus dem Non-Automotive-Markt komme, sagt ein einflussreicher Konzernmanager. „Nur mit einem Auto-Portfolio würden die Kredite auch für Bosch teurer“, sagt er........
Abhängigkeit vom Verbrenner macht unattraktiv
Schaut man genauer hin, welche Zulieferergruppen besonders von der kritischen Wahrnehmung betroffen sind, ergeben sich Unterschiede: In der Regel kommen laut Experten Unternehmen besser davon, wenn sie sich auf den Zukunftsfeldern Antriebsstrang oder digitale Vernetzung transformiert haben. „Kritisch wird es für Unternehmen, die stark vom Verbrennungsmotor abhängig sind, nur begrenzte finanzielle Spielräume haben oder notwendige Investitionen nicht stemmen können“, findet etwa Versicherungsexperte Schumacher. Ihm zufolge dürften in jenen Fällen „Insolvenzen, Kapazitätsabbau und Marktbereinigungen“ auch künftig das Bild prägen.
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