Ihre Äußerungen bei der Bundespressekonferenz machen mich etwas stutzig, weil Sie Dinge zu suggerieren scheinen, die nicht dem wissenschaftlichen Stand entsprechen.
Ich bin sicher eine Reihe von Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern wäre jederzeit bereit für ein kurzes Briefing zu aktuellen Lage der Klimakatastrophe und einem möglichem Umgang damit.
Im Detail:
- Sie haben trotz Nachfrage die über 5000 Hitzetoten von Juni (RKI: https://lnkd.in/dgETrmf2) nicht erwähnt oder gar bedauert oder den Helfenden gedankt.
Ich glaube der fragende Malte Kreutzfeldt erwartete von Ihnen eine Anerkennung, dass wir ein massives Problem haben, das auch nicht wieder weg geht.
Die jetzige Situation ist nicht das neue Normal, sondern erst der Anfang.
Solange die Welt Kohle, Öl und Gas verbrennt wird es weiter wärmer werden. Wir müssen also dringend Emissionen reduzieren und uns an die neue Situation anpassen.
Frankreich ist da viel besser aufgestellt und hat durch zentral organisierte Maßnahmen verhindert, dass sich eine Katastrophe mit 15000 Hitzetoten von 2003 wiederholt, trotz inzwischen höherer Temperaturen. - Sie sprechen bei den Hitzeereignissen von "Wetter".
Das ist schon lange nicht mehr nur Wetter, sondern die menschangemachte Klimakrise. Diese Ereignisse in ihrer Häufigkeit und Heftigkeit wären ohne den menschangemachten Klimawandel nicht möglich. (Weather attribution center: https://lnkd.in/dVBcaGnA) - Sie sprechen von "auch von Menschen gemachtem Klimawandel", was suggeriert, dass es auch andere Faktoren gibt. Gäbe es, aber die sind mal positiv mal negativ und um ein vielfaches kleiner als der menschliche Einfluss. (carbon brief: https://lnkd.in/dMsj-rek)
- Sie sprechen von der Notwendigkeit Wirtschaft und Klimaschutz zu vereinbaren.
Das suggeriert, das es einen Widerspruch zwischen den beiden gibt, was nicht zwingend der Fall ist. Wenn Teile der Wirtschaft lahmen wenn der Ölpreis hochgeht, ist nicht die Klimapolitik schuld, sondern die Abhängigkeit sind von niedrigen Öl- und Gas-Preisen - die wir nicht unter Kontrolle haben. - Auf die Frage der Verschiebung der Klimaziele, stehen Sie nicht direkt zu den gesetzlich verpflichtenden Klimazielen und erwähnen, Deutschland solle Technologie entwickeln, die andere dann auch nutzen wollen. Diese Technologien gib es bereits mit Solarenergie und Windenergie, auch die Wärmepumpe und das Elektroauto gehört dazu. Bei Großwärmepumpen ist Deutschland international führend, bei Elektroautos nicht. Ihre Politik könnte viel mehr darauf abzielen, dass schon bestehende Produkte (gerne auch in Deutschland hergestellt) auch genutzt werden.
Malte Kreutzfeldt
Ich hatte heute die Gelegenheit, Friedrich Merz in der Bundespressekonferenz zu seinem bisherigen Schweigen zu den vielen tausend Hitzetoten und zu den Forderungen aus seiner Partei nach einem Verschieben des deutschen Klimaziels zu fragen.
Ein paar kurze Anmerkungen zu seinen Antworten:
Merz sagte zunächst, er habe dazu ja gerade etwas gesagt. Das stimmt aber nicht. In seinem Eingangsstatement hat er nur erwähnt, dass sich der Nationale Sicherheitsrat künftig auch um den "Schutz der Bevölkerung vor Hitzewellen" kümmern soll. Zu Toten und Helfern gab es auch da kein Wort.
Bemerkenswert fand ich die Formulierung, man dürfe nicht leugnen, "dass es auch vom Menschen gemachten Klimawandel gibt". Leider gab es keine Möglichkeit mehr, nachzufragen, was er mit dem besonders betonten Wort "auch" gemeint hat.
Auf die Frage nach der Forderung zur Verschiebung des deutschen Klimaziels hat er sich nicht explizit zu diesem bekannt, sondern gesagt, diese Diskussion gebe es "nicht nur in meiner Partei, sondern in ganz Deutschland". Was daraus folgt, bliebt offen.
Stattdessen wieder die Aussage, der wichtigste Beitrag Deutschlands gegen den Klimawandel wäre es, wenn wir "Technolgien entwickeln, die so gut sind, dass andere sie auch nutzen wollen" - als ob es die notwendigen Technolgien nicht längst gäbe.
Quelle der Videos ist Phoenix, die komplette PK gibt es hier
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