Sehr spannend zu diesem Thema finde ich auch diesen Artikel hier, von dessen Inhalt ich vorher noch nie etwas von den Dimensionen gehört hatte. Die Kühlung der Kraftwerke führt gigantische Mengen an Wärme in die Umgebung ab: Luft und Wasser erwärmen sich. Das AKW Grundremmingen „entsorgte“ während seiner Laufzeit ca. 1.500 TWh Abwärme – das entspricht mehr als dem zweifachen jährlichen Heizwärmebedarf aller deutschen Haushalte. Wie sich das wohl im Umfeld bemerkbar machte?
Spiegel hier 17.07.2026,Kühlwasser
Französisches Gaskraftwerk muss wegen Hitze im Mittelmeer vom Netz
Wegen extremer Hitze mussten in Frankreich bereits Kernkraftwerke gedrosselt oder abgeschaltet werden.
Erstmals in diesem Sommer muss nun auch ein Gaskraftwerk den Betrieb einstellen.
Wegen der hohen Wassertemperaturen im Mittelmeer hat der französische Energiekonzern EDF am späten Donnerstagabend ein Gaskraftwerk in Südfrankreich vom Netz genommen. Die Anlage in Martigues mit einer Leistung von 930 Megawatt wurde abgeschaltet, da der Zugang zu Kühlwasser eingeschränkt war. Damit musste in diesem Sommer zum ersten Mal ein französisches Gaskraftwerk hitzebedingt den Betrieb einstellen. Zuletzt war das im Jahr 2022 der Fall.
Der Ausfall verschärft die angespannte Lage der französischen Energieversorgung.
Während Gaskraftwerke nur einen kleinen Teil der französischen Energieversorgung ausmachen, liefert Kernkraft rund 70 Prozent des Stroms. Die europaweite Hitzewelle hatte allerdings zur Folge, dass sich das Wasser in Flüssen stark erwärmte – Kernkraftwerke in Frankreich mussten daher gedrosselt oder vom Netz genommen werden.
Denn ein Atomkraftwerk wandelt nur einen Teil der Reaktorwärme in Strom um; der Rest fällt als Abwärme an und wird meist über Kühlwasser abgeführt. Damit Flüsse oder Küstengewässer nicht zusätzlich überhitzt werden, gelten standortbezogene Grenzwerte für Einleittemperaturen und Temperaturerhöhungen. Wenn diese Vorgaben wegen Hitze oder Niedrigwasser nicht mehr eingehalten werden können, müssen Betreiber die Leistung drosseln oder Anlagen vorübergehend vom Netz nehmen.
Ungewöhnlich viele Reaktoren betroffen
In Frankreich fehlen zuletzt bereits 4,9 Gigawatt an Kernkraftkapazität, weitere 2,5 Gigawatt sind durch niedrige Wasserstände nicht verfügbar. Die aktuellen Kapazitätsverluste entsprechen etwa 14 Prozent der gesamten Kernkraftkapazität des Landes.
»Wir haben zwei Wellen klimabedingter Ausfälle erlebt, die in ihrem Ausmaß und Zeitpunkt beispiellos waren und Reaktoren betrafen, die normalerweise davon verschont bleiben«, sagte Thibault Laconde, Gründer des Klimadaten-Analyseunternehmens Callendar, der Nachrichtenagentur Reuters.
Am Freitag dürften weitere Kernreaktoren ihre Leistung drosseln. Zwar soll die Hitzewelle dem Wetterdienst Météo-France zufolge in den kommenden Tagen abklingen, wegen des fehlenden Regens verschärft sich die Dürre im Land jedoch weiter.
Harald M. Depta
Frankreich musste diese Woche ein Gaskraftwerk abschalten, weil das Mittelmeer zu warm ist. Nicht ein Fluss. Das Meer.
Gleichzeitig fehlen im Land 7,4 Gigawatt Atomstrom, weil Flüsse zu warm und Pegel zu niedrig sind - rund 14 Prozent der gesamten französischen Kernkraftkapazität, in einem Land, das zu 70 Prozent von dieser Technologie abhängt.
Zum zweiten Mal seit 2022 fällt damit in Frankreich ein Gaskraftwerk hitzebedingt aus, und es passiert ausgerechnet dann, wenn der Strombedarf am höchsten ist. Genau diese Unzuverlässigkeit wird seit Jahren den Erneuerbaren vorgeworfen: zu wetterabhängig, zu volatil, nicht grundlastfähig. Fossile und atomare Kraftwerke fallen in der Hitze reihenweise aus, wenn sie am dringendsten gebraucht werden - und niemand nennt das ein Versagen der Technologie.
Dabei gäbe es die Lösung längst: Speicher, die genau dann Strom aufnehmen und wieder abgeben, wenn Erzeugung und Bedarf nicht zusammenpassen. Stattdessen werden Batteriespeicher in der aktuellen Kapazitätsmarkt- und Netzentgeltdebatte in Deutschland systematisch benachteiligt und teilweise von Marktmechanismen ausgeschlossen.
Man bremst aktiv die Technologie, die das Problem lösen könnte, und hält an Kraftwerken fest, die bei Hitze regelmäßig ausfallen.
Diese Debatte führen wir in einem Sommer, in dem laut Robert-Koch-Institut allein in Deutschland bis Ende Juni schon mehr als 5.000 Menschen hitzebedingt gestorben sind, in dem über eine Klimaanlagen-Pflicht diskutiert wird, weil Sommer zunehmend unkontrollierbar werden.
Und der eigentliche Hammer bleibt: das Mittelmeer selbst ist inzwischen zu warm für ein Kraftwerk. Das muss man sich einmal vorstellen. Wie lange wollen wir an Erzeugungstechnologien festhalten, die genau dann versagen, wenn wir sie am meisten brauchen?
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