Daniel Mautz
Wer glaubt, Nordafrika sei an Hitze gewöhnt, hat 50 Grad ohne Strom noch nie erlebt
Kein Land der Welt ist an 50 Grad angepasst. Kein Stromnetz, kein Krankenhaus, kein Kühlschrank, keine Volkswirtschaft.
Im Juni 2026 stiegen die Temperaturen in Tunesien, Algerien und Libyen auf bis zu 50 Grad. Die Stromnetze kollabierten.
Tripolis lag acht Stunden im Dunkeln.
In Tunesien schaltete der staatliche Versorger Steg reihenweise Stadtteile ab, ohne Vorwarnung, teils für einen halben Tag.
In Krankenhäusern fielen Beatmungsgeräte aus, weil Notstromaggregate nicht gewartet worden waren.
Auf Fischmärkten gab es kein Eis mehr.
Auf Djerba, ausgebucht bis zum letzten Bett, standen Hotelgäste vor halbleeren Buffets, weil Kühlschränke durch Spannungsschwankungen irreparabel beschädigt wurden.
Dann fiel auch das Wasser aus.
Während Ladenbesitzer:innen ihre komplette Kühlware wegwerfen mussten und mitten in der Tourismussaison vor dem Bankrott standen, brannten in Sichtweite der Strände ganze Hügel.
150 Freiwillige und die Feuerwehr brauchten 40 Stunden für einen einzigen Großbrand.
Einen von Hunderten.
Aber klar. Die sind ja Hitze gewöhnt.
Die Behörden hatten noch im Juni abgewunken, als Klimaforscher vor dem besonders starken El Niño warnten. Man verwies auf neue Solarparks und volle Stauseen. Dieses Muster kennen wir auch in Europa gut genug. Ein paar Leuchtturmprojekte reichen als politische Beruhigungspille, während die Basisinfrastruktur auf dem Stand der Neunziger verrottet.
50 Grad sprengen jede Infrastruktur. Auch die von Gesellschaften, in denen Schulen seit Jahren im Sommer drei Monate geschlossen bleiben, weil 40 Grad längst Alltag sind. Anpassung an physikalische Grenzen gibt es nicht.
Nordafrika ist der Hotspot der Klimakatastrophe. Europa liegt nicht auf einem anderen Planeten.
Link: https://lnkd.in/e8R-t9gv
Kommentar Torsten Schreiber
Die gesamte Region wird in den nächsten Jahren genau aus diesem Zusammenhang (Strom-Armut) und Infrastruktur unbewohnbar.
Die sogenannten "Todeszonen" werden sich entlang des Äquators nach Süden und Norden ausdehnen und 2.5 Milliarden Menschen betreffen.
Die absolute Grenztemperatur für das Überleben des menschlichen Körpers liegt bei einer Kühlgrenztemperatur (auch Feuchtkugeltemperatur genannt) von 35 Grad Celsius. Bei diesem Wert kann der Körper seine eigene Temperatur nicht mehr durch Schwitzen senken, da der Schweiß auf der Haut nicht mehr verdunstet.
Die dadurch entstehenden Migrationsströme werden unsere Gesellschaften überfordern und führen zum Zivilisationskollaps (Societal Collapse), dem weitreichende Zusammenbruch von staatlichen Strukturen, Wirtschaftssystemen und Versorgungsketten einer Gesellschaft.
Darüber sollten wir sprechen. Nicht über "Wachstum".
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