Stefan SchwarzerWaldbrände in der Gascogne: Mehr als nur Klimawandel
Die schweren Waldbrände in den Landes de Gascogne im Südwesten Frankreichs werden häufig als direkte Folge des Klimawandels dargestellt. Tatsächlich spielt der Klimawandel eine zentrale Rolle – aber er ist nur ein Teil der Erklärung.
Was viele nicht wissen: Die Landes de Gascogne sind kein natürlicher Mischwald, sondern der größte künstlich angelegte Wirtschaftswald Westeuropas. Im 19. Jahrhundert wurden die ursprünglichen Moore, Feuchtgebiete und Heidelandschaften großflächig entwässert und fast vollständig mit der harzreichen Seekiefer bepflanzt
angehängte Karte; in grün sind bewaldete Flächen dargestellt
Diese Baumart wächst schnell und liefert wertvolles Holz, ist aber aufgrund ihres hohen Harzgehalts auch besonders leicht entzündlich. Hinzu kommt, dass große, gleichaltrige Kiefernbestände mit wenig Baumarten- und Strukturvielfalt ideale Bedingungen für die Ausbreitung von Bränden bieten. Wo früher Feuchtgebiete und offene Landschaften natürliche Brandbarrieren bildeten, dominieren heute zusammenhängende Kiefernwälder.
Der Klimawandel verschärft diese Situation erheblich. Längere Hitzeperioden, häufigere Dürren und eine höhere Verdunstung trocknen Böden und Vegetation immer stärker aus. Ein kleiner Funke – häufig verursacht durch menschliche Unachtsamkeit – genügt dann, um einen Großbrand auszulösen. Wind sorgt schließlich dafür, dass sich die Flammen mit hoher Geschwindigkeit ausbreiten. Die Waldbrände der Gascogne zeigen deshalb eindrücklich:
Nicht der Klimawandel allein ist das Problem.
Erst das Zusammenspiel aus Entwässerung und
einem veränderten Landschaftswasserhaushalt,
aus großflächigen Monokulturen,
menschlichen Zündquellen und zunehmender Hitze
macht solche Megabrände möglich.
Die wichtigste Lehre daraus lautet: Klimaanpassung bedeutet mehr als Klimaschutz. Resiliente Wälder brauchen Vielfalt – unterschiedliche Baumarten, verschiedene Altersstufen, mehr Feuchtgebiete und einen intakten Landschaftswasserhaushalt. Denn je besser eine Landschaft Wasser speichern und kühlen kann, desto widerstandsfähiger wird sie gegenüber den zunehmenden Extremereignissen unserer Zeit.
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Gedanklich angestossen von Harald Gross hier
Das ist kein Waldbrand. Das ist das Scheitern der Forstwirtschaft in Zeiten der Klimakrise.
Die Bilder der aktuellen Brände in Frankreich und Spanien sind verheerend. Es ist eine absolute Tragödie für die Menschen, die Natur und das Klima.
Und die nächste Hitzewelle ist schon im anrollen. Doch das Wetter ist oft nur der Funke – die eigentliche Ursache liegt in einer jahrzehntelang fehlgeleiteten Waldwirtschaft und der Klimakrise.
Was mich in der aktuellen Debatte allerdings stört und worüber viel zu wenig gesprochen wird: In Regionen wie der Gironde brennt meist gar kein natürlicher Wald. Was dort in Flammen steht, ist eine rein von Menschenhand angelegte Holzplantage.
Tragisch ist dabei vor allem die Historie: Diese riesigen Monokulturen wurden auf einst trockengelegten Sümpfen und Mooren errichtet, wodurch der Natur ihre wertvollen Wasserspeicher geraubt wurden
Sogar auf Satellitenbildern lässt sich das künstliche Ausmaß sofort erkennen . Dort sieht man keine natürlichen Waldstrukturen, sondern akkurate, meist rechteckige Parzellen. Diese gleichaltrigen Nadelholz-Monokulturen wirken in Kombination mit den ausgetrockneten Böden wie Brandbeschleuniger. Sie brennen sprichwörtlich wie Zunder, weil der regionale Wasserhaushalt durch die Entwässerung kollabiert ist.
Aber halt… trockengelegte Moore, künstlich entwässerte Sümpfe, sandige Böden und anfällige Monokulturen? Das kommt mir doch bekannt vor.
Genau das ist die Realität in einigen Teilen Deutschlands – allen voran in Brandenburg und Sachsen.
In Frankreich sehen wir derzeit, was uns in teilen Deutschlands bevorsteht, wenn wir so weitermachen wie bisher.
Denn klar ist: neben dem Ausstieg aus den Fossilen brauchen wir endlich eine echte, naturnahe Waldwirtschaft, die konsequente Wiedervernässung von Flächen und echte Widerstandskraft durch Diversität.
Nur so schützen wir unsere Wälder – und letztlich uns selbst.
Katapult-Magazin
Bordeaux braucht mehr Mischwald!
Europa braucht mehr Mischwald!
Die Kiefernmonokulturen rund um Bordeaux zeigen, wie anfällig einseitige Wälder bei zunehmender Hitze und Trockenheit sind.
Mischwälder sind widerstandsfähiger, da verschiedene Baumarten unterschiedliche Ansprüche an Wasser, Licht und Boden haben. Dadurch bleibt der Wald auch nach Dürreperioden stabiler.
Eine vielfältige Vegetation schafft feuchtere Mikroklimata, bietet mehr natürliche Barrieren gegen die Ausbreitung von Feuer und reduziert die Geschwindigkeit, mit der sich Flammen ausbreiten können.
Zudem fördern Mischwälder gesunde Böden, mehr Artenvielfalt und eine bessere Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel.
Waldschutz bedeutet also nicht nur, mehr Bäume zu pflanzen, sondern auch, vielfältigere Wälder zu schaffen.
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