Mittwoch, 22. Juli 2026

Auf weniger als 2 Prozent der Fläche Deutschlands könnten ungefähr ein Siebtel der gesamten Treibhausgasemissionen beseitigen würde

Golem hier    22. Juli 2026  Mario Petzold

Verdreifachung der deutschen Solarleistung dank Moor-PV

Über 200 Gigawatt an Photovoltaik haben auf wiedervernässten Mooren Platz. Die Klimaziele ließen sich dadurch bedeutend schneller erreichen.
Ein Zwischenbericht des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme zum Projekt Moor-PV zeigt das beachtliche Potenzial des Vorhabens. Durch eine Nutzung der Flächen über wiedervernässten Mooren finden dort zwischen 130 und 260 Gigawatt (GW) Solarleistung Platz. Das würde im Idealfall eine Verdreifachung der aktuellen Gesamtleistung aller deutschen Solaranlagen bedeuten.

Attraktiv sind die Flächen über Mooren auch aus weiteren Gründen. 
  • Weil es sich in der Regel um landwirtschaftlich genutzte Flächen handelt, bietet die Möglichkeit der Stromerzeugung eine alternative Einnahmequelle.

  • Zusätzlich wird eine beachtliche Quelle der deutschen CO2-Emissionen beseitigt, denn trockengelegte Moore lassen CO2 entweichen. Die Menge ist vergleichbar mit sämtlichen Emissionen, die bei der Nahrungsmittelproduktion freigesetzt werden – 7 Prozent der Gesamtemissionen.
Umweltschutz und Energieproduktion abwägen

Das Fraunhofer-Institut betont, dass nur jene Flächen für Photovoltaik vorgesehen werden, die stark degradiert sind und nicht in Naturschutzgebieten liegen. In ganz Deutschland, vor allem im Norddeutschen Tiefland und im Alpenvorland würde dies 330.000 Hektar beziehungsweise 3.300 Quadratkilometer betreffen.

Auf diesen Flächen ließe sich Strom produzieren, bei 260 GW Gesamtleistung bis zu 250 Terawattstunden oder die Hälfte des derzeitigen Strombedarfs. Eine solche Menge würde zudem den Ausbauzielen für ganz Deutschland für das Jahr 2040 entsprechen.

  • Weiterhin geht das Forschungsteam davon aus, dass benachbarte Flächen, die sich eher für den Naturschutz eignen, ebenfalls wiederhergestellt werden. In solchen naturnahen Mooren ließe sich CO2 sogar einlagern. 
Insgesamt zeigt der Zwischenbericht, dass die Kombination aus Photovoltaik und Wiederherstellung von Naturflächen auf weniger als 2 Prozent der Fläche Deutschlands ungefähr ein Siebtel der gesamten Treibhausgasemissionen beseitigen würde. Das entspräche trotz unvermeidlichen Restemissionen aus Landwirtschaft und Industrie im Grunde der Klimaneutralität.

Solar auf dem Moor ist herausfordernd

Die erheblichen Vorteile der Stromproduktion auf wiedervernässten Mooren sind mit Aufwand verbunden. Zunächst müssen die Solaranlagen in größeren Abständen aufgestellt werden als bei normalem Freiflächensolar. Nur so kann das Moor darunter regenerieren.

Zum Aufbau der Anlagen können kaum schwere Maschinen eingesetzt werden. Die Tragkonstruktionen müssen darüber hinaus besonders korrosionsbeständig sein und die gesamte Elektronik muss erhöht angebracht werden, um bei möglichen Überflutungen geschützt zu sein. Ungeklärt ist auch die Frage, wie in mehreren Jahrzehnten der Rückbau und die erneute Bestückung auf einer Moorfläche realisiert werden können.

Sollte sich das Konzept allerdings durchsetzen, ohne negative Einflüsse auf die darunterliegenden Moore aufzuweisen, wäre das weitere Potenzial noch beachtlicher. Auf den derzeit landwirtschaftlich genutzten ehemaligen Mooren in Deutschland könnten insgesamt mehr als 1.000 Gigawatt Photovoltaik installiert werden. Geforscht wird zudem an weiteren parallelen Nutzungsmöglichkeiten der Moore, um noch mehr CO2 darin speichern zu können. 

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