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Die 3 Kreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis haben trotz lauter Proteste keinen zukunftsfähigen Regionalplan bekommen. Wo steht Deutschland, Baden-Württemberg und seine Kommunen aktuell beim Klimaschutz? Welche Möglichkeiten gibt es und wo gibt es Anregungen, die übernommen werden könnten?
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Deutschlandfunk NOVA hier
Regneration
Wie lange braucht ein Wald, um sich komplett von Abholzung und anderen menschlichen Eingriffen zu erholen?
Das haben Forschende bei Regenwaldflächen in der Elfenbeinküste untersucht. Im Taï Nationalpark wurden bis vor 45 Jahren noch Bäume gefällt. Seitdem konnte sich das Gebiet natürlich regenerieren.
Das Wissenschaftsteam untersuchte im Abstand von 15 Jahren mehrere Waldstücke in der Gegend und stellte jetzt fest: Insgesamt hat sich das Gebiet zwar erholt, aber nicht vollständig. Die Waldstruktur ist demnach nach wie vor verändert und zum Beispiel auch einige Froscharten sind bis heute nicht zurückgekehrt. Die Vielfalt der Amphibien bleibe in dem Areal weiter hinter der unberührter Waldstücke zurück.
Die Forschenden vermuten daher, dass ein Wald deutlich länger als bisher angenommen braucht, um sich zu erneuern. In der Forstwirtschaft sei bisher von etwa 30 Jahren die Rede gewesen. Das Wissenschaftsteam glaubt nach seiner Untersuchung, dass es eher 40 bis 60 Jahre sind.
TAZ hier
Wenn die Buchen schwinden
In Südhessen macht der Klimawandel den Bäumen zu schaffen. Ein Forstwirt und eine Hobbyfotografin wollen sie retten – auch vor der Forstwirtschaft.
......Ein geschlossenes Blätterdach senkt die Temperaturen signifikant. Deshalb sind naturnahe Buchenwälder im Vergleich zum Nadelwald resistenter gegen die steigenden Temperaturen und speichern mehr Wasser und CO2. Die Bundesregierung hatte schon 2007 beschlossen, bis 2020 fünf Prozent der staatlichen Waldfläche in Naturwald zu verwandeln und der wirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Doch 2021 beträgt der Anteil nur gut drei Prozent. Naturschutzorganisationen kritisieren neben der schleppenden Umsetzung, dass vor allem Flächen, die ohnehin schwer zu bewirtschaften sind, der Natur überlassen wurden.
„Es stimmt, wenn die Forstwirtschaft warnt: Der Wald stirbt“, sagt Volker Ziesling, „aber den Großteil hat sie selbst zu verantworten.“ Denn die Landesgesetze – die Hälfte des Waldes ist in öffentlicher Hand – schreiben den betriebswirtschaftlichen Gewinn als Ziel der Forstverwaltung fest. Das fördert wiederum die Umwandlung von Laub- in Nadelwald. „Da fehlt jedes volkswirtschaftliche oder langfristige Denken. Wir wissen längst, wie wertvoll der Wald ist – für die Gesundheit, die Wasserqualität, den Kampf gegen den Klimawandel. Aber nur der Holzpreis wird in Wert gesetzt und berechnet.“ Dabei sei auch die Forstindustrie längst auf enorme staatliche Zuschüsse angewiesen. „Selbst ökonomisch betrachtet, ergibt das gar keinen Sinn mehr, aber da findet keine Selbstkritik statt“, sagt Ziesling.
.......Albe und Ziesling haben derweil eine Petition initiiert, mit der sie das Ende der Holznutzung auf dem Felsberg fordern. „Klar, wir haben noch keine großen Entscheidungen bewirkt, aber davor muss sich ja auch der Blick der Leute auf den Wald ändern. Und da haben wir schon viel erreicht“, sagt Ziesling.
Für ihn sind die alten Buchenwälder des Mezzogiorno so etwas wie ein langfristiges Vorbild, auch für Deutschland. Im Süden Italiens sind manche Wälder schon vor über hundert Jahren komplett der Natur überlassen worden. Trotz der höheren Temperaturen wachsen dort die gesündesten und schönsten Wälder Europas, so Ziesling. An diesem Beispiel sähe man, „dass die Wälder dem Klimawandel etwas entgegensetzen können – wenn wir sie nur lassen. Doch dafür müssen wir jetzt aber die Notbremse ziehen.“
Stern hier Gernot Kramper
Neue Studie
Klimaneutral im Jahr 2060 – so hat es die Partei beschlossen. Wichtigster Baustein ist die Solarenergie. Schon in wenigen Jahren soll Sonnenstrom mit Akkuspeicher billiger als Kohlestrom sein.
Spiegel hier
Es gibt eine ganze Reihe dieser rebellischen Meteorologen, die ihren Aufgabenbereich deutlich erweitert haben – wohl auch deshalb, weil es eben sonst niemand macht. »Anne Will« fragte noch in der Woche vor der Bundestagswahl »Was ist uns das Klima wert?«, eine im Jahr 2021 eindeutig falsch gestellte Frage, die auch in den drei TV-Triellen jeweils einen unrühmlichen Auftritt hatte.
Der Meteorologe Karsten Schwanke zeigte dann diese Woche während des »Tagesthemen«-Wetterberichts eine Grafik, die diese Frage ad absurdum führt: Sie zeigt, dass Extremwetterereignisse, die Milliardenschäden verursachen, schon seit den Achtzigern immer häufiger werden, die Abstände zwischen ihnen immer kleiner.
Die korrekte Frage lautet eben längst: »Was kostet uns die Klimakrise, wenn wir nicht endlich handeln?« Aktueller Anlass war dieses Mal die Regenkatastrophe in Ligurien, wo an einem Tag so viel Wasser vom Himmel fiel wie sonst in Hamburg in einem ganzen Jahr. Eine von bekanntlich vielen wetterbedingten Katastrophen dieses Jahr.
Herkömmliche Wetterberichte wirken derzeit oft ein bisschen seltsam. Wenn jemand vor der Kamera zum Beispiel versuchen muss, von verheerenden Bränden im ganzen Mittelmeerraum einen eleganten Bogen zu der Frage zu schlagen, ob »in Süddeutschland noch einmal der Sommer zurückkommt«.
Das Wetter an sich ist jetzt politisch, denn es ist immer ein Hinweis auf eine existenzielle Bedrohung. Das Fernsehen aber versucht oft, diesen Umstand weiterhin auszublenden.
Man könnte das, was diverse TV-Meteorologen deshalb mittlerweile machen, Guerilla-Wissenschaftsjournalismus nennen: Der Wetterbericht, in dem es doch eigentlich früher nur um die Frage ging, ob man morgen einen Regenschirm oder Sonnencreme braucht, ist jetzt der Klimabericht. Nicht zuletzt deshalb, weil das wichtigste aller Themen, die Zukunft der Menschheit, anderswo im Programm weiterhin nicht die angemessene Aufmerksamkeit, Zeit und Tiefe bekommt.
Redaktionsnetzwerk RND hier
Südkurier hier
(vor Kurzem war Hr. Settele ein Artikel im Spektrum der Wissenschaft gewidmet hier)
Herr Settele, 2010 wurde in Japan eine Konvention verabschiedet, wonach das Artensterben bis 2020 beendet sein sollte. Dennoch sind eine Million Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Also außer Spesen nix gewesen?
Das kann man so nicht sagen. Es sind seitdem viele Schutzgebiete ausgewiesen worden, aber eben nur ausgewiesen und nicht angemessen bewirtschaftet. Es ist zwar richtig, dass eine Million Arten bedroht sind, allerdings nur, wenn wir so weitermachen wie bisher und nicht gegensteuern. Ob wir den Artenschwund wirklich stoppen können, ist nicht sicher, aber wir können den Trend umkehren. ...
Nun gehen aber die Arten auf der ganzen Welt zurück. Läuft der Prozess überall gleich ab?
Keineswegs. Wir müssen auf die Hotspots der Artenvielfalt schauen, die in tropischen Regionen liegen: Afrika, Lateinamerika und Südostasien mit Inselstaaten wie Indonesien, wo ganz eigene, nur dort lebende Arten entstanden sind. Da könnte man sagen: Na ja, wenn da irgendeine Leguan-Art auf einer Insel verschwindet – was geht uns das an? Aber wir in Europa sind an diesem Prozess beteiligt.
Inwiefern?
Durch den globalen Handel! Es geht um die Frage: Welche Produkte importieren wir, und welche Flächen werden dafür in den Exportländern erzeugt? Beispiele: Fleisch und Soja aus Brasilien, Palmöl von den Philippinen. Wir nutzen indirekt diese Gebiete, in denen die Arten aussterben, weil die Plantagen ihnen den Lebensraum nehmen. Hier ist eine globale Lösung die einzige Chance. Das kann man nicht nur lokal angehen.....
Manche Experten sagen, der Verlust an Arten sei für die Menschheit bedrohlicher als der Klimawandel. Würden Sie das unterschreiben?
Klimawandel und Artensterben gehören zusammen, das kann man nicht trennen, man muss es gemeinsam denken. Die Frage ist: Wie bekommen wir diese beiden Hauptkrisen gemeinsam in den Griff? Das muss man schnell umsetzen, zumal man eine Trendwende bei der Biodiversität relativ schnell erreichen kann – etwa bei den Insekten.
Fragen: Alexander Michel
Handelsblatt von Kersting, Silke
Die Maßnahmen zum Klimaschutz sind national wie international unzureichend, zeigt der neue „Climate Transparency-Report“. Der Handlungsbedarf für die kommende Regierung ist enorm
Denn gut zwei Wochen vor dem G20-Gipfel in Rom und der Weltklimakonferenz in Glasgow zeigt der „Climate Transparency-Report“ den Rückstand der weltweit größten Industrie- und Schwellenländer beim Schutz des Klimas. Der an diesem Donnerstag veröffentlichte Report prognostiziert für 2021 einen Anstieg der klimaschädlichen CO2-Emissionen in den G20-Ländern um vier Prozent im Vergleich zum Pandemiejahr 2020. In Ländern wie China, Indien, Indonesien und Argentinien werden sogar höhere Emissionen als 2019 erwartet. Nur ein Bruchteil der Corona-Wiederaufbauhilfen wurde dem Report zufolge in nachhaltige Bereiche investiert.In der G20 sind 19 Staaten plus die EU vertreten. Sie stehen für 75 Prozent der weltweiten klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Ihr Kurs beim Klimaschutz ist also von allergrößter Bedeutung.
Die Untersuchung von Climate Transparency gilt als eine der umfassendsten Analysen aller klimaschutzrelevanten Daten der G20. Aus Deutschland sind Germanwatch, Humboldt-Viadrina Governance Plattform, Climate Analytics und New Climate Institute beteiligt.
.... Die bisherigen Klimaziele der G20 würden jedoch zu einer Erderwärmung um 2,4 Grad führen, warnt die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.
Positiv sei, dass immerhin 14 G20-Staaten, die für insgesamt gut 60 Prozent der globalen Emissionen verantwortlich sind, sich bisher explizit zum Ziel der Klimaneutralität bekannt hätten, heißt es in dem Report. Von Australien, Indien, Mexiko, Russland, Saudi-Arabien und der Türkei steht ein solches Bekenntnis aus. Der Ehrgeiz wachse, aber insgesamt seien die G20-Länder nicht auf 1,5-Grad-Kurs, heißt es weiter.
Auch Deutschland sei weit entfernt von einer Vorreiterrolle innerhalb der G20, kritisiert Germanwatch. Viele andere G20-Staaten hätten in den vergangenen Jahren größere Schritte gemacht als Deutschland, etwa Großbritannien, „selbst wenn auch hier nicht alles perfekt ist“, so Burck.
Dabei fällt aber unter anderem negativ auf, dass Deutschland bislang auf ein klares Enddatum für fossile Verbrennungsmotoren bei Neuwagen verzichtet hat und der endgültige Kohleausstieg bislang erst für 2038 vorgesehen ist. Die Emissionen im Verkehrssektor sind hierzulande im Zeitraum 2015 bis 2020 gestiegen, trotz pandemiebedingtem Lockdown.
Für Deutschland vermerkt der Report positiv, dass knapp 50 Prozent der deutschen Corona-Konjunkturhilfen als „grün“ bezeichnet werden könnten. Das heißt, diese Ausgaben tragen dazu bei, Emissionen zu senken. Nur Kanada mit rund 75 Prozent schneidet besser ab.
...Nicht der richtige Weg, findet Climate Transparency. Die G20-Mitglieder müssten Investitionen in erneuerbare Energien Vorrang einräumen – auch um „stranded assets“ zu vermeiden. Darunter versteht man Vermögenswerte, die aufgrund der bevorstehenden Transformation der Wirtschaft in eine klimaneutrale Zukunft vor Ende ihrer geplanten wirtschaftlichen Nutzungsdauer an Wert verlieren.
Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch, fordert ein Klimaschutzsofortprogramm der nächsten Bundesregierung. „Vor allem im Verkehrs-, Gebäude-, Industrie- und Agrarbereich sind ambitionierte Schritte nötig, aber auch der Kohleausstieg muss auf 2030 vorgezogen werden“, so Bals...
Südkurier hier
Südkurier VON MICHAEL SCHWARZ hier
Zuvor hatte das Kabinett die ÖPNV-Strategie auf den Weg gebracht, auf die sich Grüne und CDU bereits im Koalitionsvertrag geeinigt hatten. Hermann erklärte jedoch auch, der Weg hin zu diesem Ziel sei steinig. Schließlich habe sich die Zahl der Autos im Südwesten in den vergangenen drei Jahren um eine halbe Million Fahrzeuge erhöht. „Das ist für eine echte Verkehrswende ein Problem“, so der Grünen-Politiker. Vor allem in den Städten werde es immer enger. Zudem bräuchten auch Elektroautos Parkplätze. Ein weiteres Problem sei, dass in der Corona-Zeit viele Menschen aus Angst vor Ansteckungen wieder vom ÖPNV auf das Auto umgestiegen seien.
Das Land will laut Hermann trotzdem an dem Ziele der Verdopplung der Fahrgastzahlen festhalten – schon alleine deswegen, um Baden-Württemberg bis 2040 klimaneutral zu machen. Insgesamt umfasst die ÖPNV-Strategie des Landes mehr als 130 Maßnahmen. Ein zentrales Element ist die von Grünen und CDU im Koalitionsvertrag vereinbarte Mobilitätsgarantie. Dies sieht vor, dass zwischen 5 und 24 Uhr überall im Südwesten ein verlässliches ÖPNV-Angebot vorhanden ist. Das Ziel sei, dass Busse und Bahnen in Ballungsräumen im Land mindestens alle 15 Minuten fahren, im ländlichen Raum alle 30 Minuten.
Bei der Mobilitätsgarantie geht das Land im Endausbau von Kosten in Höhe von etwa 600 Millionen Euro aus. Da Kommunen für Busse und Stadtbahnen zuständig sind, sei man auf deren Unterstützung angewiesen, so Hermann. Das Land stellt sich zudem vor, dass die Kommunen und Kreise über den neuen Mobilitätspass – in Form einer Nahverkehrsabgabe oder City-Maut – Mittel einnehmen, die dann wiederum in den ÖPNV investiert werden. Auch bei den Tarifen soll es Neuerungen geben. So soll ein Ticket eingeführt werden, mit dem Schüler, Studenten und Auszubildende zum Preis von 365 Euro ein Jahr lang überall in Baden-Württemberg den ÖPNV nutzen können. Das Ticket soll es ab Mitte kommenden Jahres geben – und das Land langfristig 100 Millionen Euro jährlich kosten.
Das Projekt „Gelbes Band“ will die Verschwendung von Obst eindämmen und helfen, Streuobstwiesen zu bewahren. Wilfried Rupp aus Baitenhausen will das Projekt im Bodenseekreis etablieren, in Baitenhausen flattern schon die ersten gelben Bänder. Hier dürfen sich Interessierte kostenlos am Obst bedienen. Rupp hofft, dass sich weitere Städte und Gemeinden anschließen.
Bild unten: Herr Rupp erklärt bei einem Ortstermin der GOL in Salem sein Anliegen.
t-online hier
Kunming (dpa) - Die Weltgemeinschaft hat sich grundsätzlich auf einen verstärkten Kampf gegen das dramatische und gefährliche Aussterben von Arten verständigt.
Auf der Weltnaturschutzkonferenz (Cop15) der knapp 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt (CBD) wurde am Mittwoch eine wenig konkrete "Erklärung von Kunming" angenommen, die nach dem Tagungsort in Südwestchina benannt ist. Dort sind Vertreter aus China diese Woche mit den Teilnehmern online zusammengekommen, um über ein neues Rahmenabkommen zum Artenschutz zu beraten.
In der Erklärung wird darauf verwiesen, dass "viele Staaten" dazu aufgerufen hätten, 30 Prozent der Flächen an Land und im Meer bis 2030 unter Schutz zu stellen. Teilnehmer begrüßten die Erwähnung des Ziels, das nach dem Willen von Bundesregierung und Umweltverbänden in das bis nächstes Frühjahr angestrebte Rahmenabkommen aufgenommen werden soll. Die Verhandlungen darüber werden im Januar fortgesetzt.
Das neue Abkommen mit konkreten Zielen zum Schutz der biologischen Vielfalt soll bei einem Präsenztreffen vom 25. April bis 8. Mai wieder in Kunming verabschiedet werden. Es wird gerne mit dem Pariser Klimaabkommen verglichen, wird aber weniger bindend sein. Doch schon 2010 hatten sich die Vertragsstaaten im japanischen Aichi als Ziel gesetzt, den Schwund der Artenvielfalt bis 2020 zu stoppen. Die Vorgaben wurden allerdings weit verfehlt, wie der bilanzierende Bericht zum Zustand der Biodiversität in dem Jahr feststellte.
In der Kunming-Erklärung bekunden die Vertragsstaaten zunächst wieder ihren guten Willen. Auch warnen sie vor den Gefahren für die Lebensgrundlagen der Menschen. Es wird die "große Sorge" geäußert, dass die beispiellose Krise des Verlusts der Artenvielfalt, des Klimawandels, der Landzerstörung und Wüstenbildung, der Schädigung der Meere und Umweltverschmutzung "die Gefahren für die menschliche Gesundheit und die Nahrungssicherheit verstärkt".
In dem Papier ist von einer "existenziellen Bedrohung für unsere Gesellschaft, unsere Kultur, unseren Wohlstand und für unseren Planeten" die Rede. Gefordert werden dringendes Handeln und ein transformativer Wandel über alle Bereiche der Gesellschaft und der Wirtschaft hinweg. Eine "Kombination von Maßnahmen" sei notwendig, um das Aussterben der Arten aufzuhalten und umzukehren.
Land- und Seenutzung müssten geändert werden, der Schutz von Ökosystemen verbessert, der Klimawandel abgeschwächt, die Umweltverschmutzung verringert und Raubbau verhindert werden, heißt es darin weiter. Auch müsse es wirksame Maßnahmen zur Umsetzung des Abkommens geben und überprüft werden, ob die Ziele auch eingehalten werden. Der Verlust der biologischen Vielfalt müsse gestoppt und bis 2030 spätestens auf den Pfad der Erholung gebracht werden.
Die "Erklärung von Kunming" spricht sich auch dafür aus, Subventionen, die der Biodiversität schaden, zu beseitigen oder zu reformieren. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte am Vortag in ihrer Rede auf der Konferenz gesagt, es sei wichtig, Subventionen auslaufen zu lassen, die umweltschädlich seien oder sich negativ auf die Natur auswirkten. Umweltverbände kritisieren, dass die Bundesregierung rund 67 Milliarden Euro für umwelt- und naturschädigende Subventionen pro Jahr ausgibt - unter anderem für Landwirtschaft und Fischerei.
Ab heute verhandelt die #Weltnaturkonferenz »COP15« mit China als Gastgeberland, wie das größte Artensterben der Erdgeschichte aufzuhalten ist. Die Vertragsstaaten der »Biodiversitätskonvention« (»CBD«, »Convention on Biological Diversity«) treffen sich erst virtuell
Hamburg, 11. Oktober 2021. Ab heute verhandelt die #Weltnaturkonferenz »COP15« mit China als Gastgeberland, wie das größte Artensterben der Erdgeschichte aufzuhalten ist. Die Vertragsstaaten der »Biodiversitätskonvention« (»#CBD«, »Convention on Biological Diversity«) treffen sich erst virtuell, im April oder Mai 2022 folgt eine Präsenz-Konferenz im chinesischen Kunming. Verhandelt wird unter anderem über neue Schutzgebiete und den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Zum Abschluss soll ein neues Abkommen zum Naturschutz verabschiedet werden. Es kommentiert #Greenpeace-Experte Thilo Maack …
»Eine bessere Chance, unsere natürliche Lebensgrundlage zu retten, wird es nicht mehr geben. Hehre Worte und hohle Ziele reichen nicht aus. Die Klimaerhitzung und die Zerstörung der Natur sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Nur wenn wir die Ökosysteme erhalten, wird sich die Erderhitzung auf 1,5 Grad begrenzen lassen. Und nur, wenn wir diese Grenze einhalten, lässt sich das Aussterben der Arten aufhalten. Das zukünftige Abkommen muss bis spätestens 2030 zu mindestens 30 Prozent Schutzgebieten an Land und im Meer führen und die Menschenrechte dabei berücksichtigen. Außerdem muss es mit einer soliden Finanzierung und verpflichtenden Aktionsplänen unterlegt sein. Deutschland hat seiner internationalen Verantwortung gerecht zu werden und muss sich für ein robustes Abkommen mit klaren Zielen und Aktionsplänen zur Rettung der #Natur einsetzen.«
Bis 2030 könnte die Welt um eine Million Arten ärmer sein, warnt der Weltbiodiversitätsrat - mit fatalen Folgen. Rund 200 Staaten suchen nun auf der Weltnaturkonferenz nach Wegen aus der Artenkrise.
Laut Wissenschaftlern steht die Welt am Anfang des sechsten Massensterbens in der Erdgeschichte. Etwa alle zehn Minuten sterbe eine Tier-, Pilz- oder Pflanzenart aus, heißt es. Knapp 200 Vertragsstaaten der UN-Konvention für die biologische Vielfalt (CBD) beraten auf der 15. Weltnaturkonferenz (Cop15), wie sich das rasante und gefährliche Artensterben stoppen lässt. Das einwöchige Treffen findet unter dem Vorsitz Chinas vor allem virtuell und mit örtlichen Vertretern in der südwestchinesischen Stadt Kunming statt.
Und die Uhr tickt: So warnt der Weltbiodiversitätsrat vor dem Aussterben von einer Million Arten schon in den kommenden zehn Jahren und dramatischen Folgen für die Lebensgrundlagen der Menschen.Gesunde Ökosysteme und biologische Vielfalt seien die Basis für Wohlstand, Wohlergehen, Ernährung und Gesundheit, mahnen Experten. Die Ökosysteme garantierten saubere Luft, Trinkwasser, ertragreiche Böden, ein stabiles Klima und Widerstandsfähigkeit gegen Naturkatastrophen.
Mehr als 75 Prozent der Feldfrüchte weltweit, darunter viele Obst- und Gemüsesorten, Kaffee und Kakao sind von natürlichen Bestäubern wie etwa Insekten abhängig. Und auch für den Fortschritt der Medizin wäre ein noch stärkerer Verlust der biologischen Vielfalt eine Katastrophe, denn viele Medikamente kommen aus der Natur - rund 70 Prozent sind es allein bei der Krebsbehandlung.
Auf der UN-Konferenz wollen die Staaten, ähnlich wie bei der Weltklimakonferenz von Paris, eine verpflichtende Rahmenvereinbarung zum Schutz der Artenvielfalt erarbeiten. Bisherige Versuche scheiterten. Vorgeschlagen ist, 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. Derzeit sind es rund 15 Prozent an Land und sieben Prozent des Meeres. Gefordert werden zudem Vorgaben für weniger Düngemittel, Pestizide und Plastik. Deutschland und die EU haben sich hinter diese Vorgaben gestellt.
Das Artensterben sei heute um ein Vielfaches höher als im Schnitt der letzten zehn Millionen Jahre, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Der Verlust habe längst auch wirtschaftlich "gravierende Folgen". In Deutschland sollen deswegen etwa Moore, Wälder und Auen wieder in einen naturnahen Zustand gebracht werden. Dafür müsse aber die Agrarpolitik verändert werden, so Schulze. "So wie wir im Moment Landwirtschaftspolitik betreiben, ist sie Teil des Problems und nicht Teil der Lösung." Neben dem Ausbau der Schutzgebiete drängt die Bundesregierung auch darauf, die Naturverschmutzung einzudämmen - etwa durch Überdüngung, Pestizide und Plastikmüll.
Umweltverbände kritisieren aber, dass Deutschland weiter 67 Milliarden Euro pro Jahr an "umwelt- und naturschädigenden Subventionen ausgibt". Sie fordern eine Erhöhung der deutschen Finanzhilfen für den Kampf gegen den Artenverlust auf zwei Milliarden Euro im Jahr. Aktuell beteiligt sich Deutschland jährlich mit 800 Millionen Euro.
Trotz der Dringlichkeit, gegen die Artenkrise vorzugehen, wurden Erwartungen an die Weltnaturkonferenz heruntergeschraubt. Auf dem Treffen soll zunächst nur eine "Erklärung von Kunming" verabschiedet sowie weitere Verhandlungen im Januar vorbereitet werden. Eine konkrete Strategie gegen das Artensterben soll erst bei einem Präsenztreffen vom 25. April bis 8. Mai verabschiedet werden.
Auch hier dringen Umweltverbände auf schnelleres Handeln. "Eine bessere Chance, unsere natürliche Lebensgrundlage zu retten, wird es nicht mehr geben", sagte Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace. Denn "nur wenn wir die Ökosysteme erhalten, wird sich die Erderhitzung auf 1,5 Grad begrenzen lassen, und nur, wenn wir diese Grenze einhalten, lässt sich das Aussterben der Arten aufhalten."
Deutschlandfunk hier
Bei der Weltnaturkonferenz COP15 in China wird derzeit verhandelt, wie wir den Artenschutz voranbringen können. Dafür ist es höchste Zeit. Jule Reimer aus der Deutschlandfunk-Umweltredaktion erklärt weshalb.
Im
chinesischen Kunming beginnt heute die 15. UN-Biodiversitätskonferenz
(COP15). Das Ziel: dem Verlust von Tierarten und der Zerstörung von
Ökosystemen Einhalt gebieten. Und die Zeit dafür drängt: Eine Million
Arten sind, so Wissenschaftler, bis 2030 vom Aussterben bedroht. "In
diesem rasenden Tempo und Ausmaß gab es das noch nie in der
Erdgeschichte", sagt Jule Reimer aus der Dlf-Umweltredaktion. Zum
Vergleich: Das Aussterben der Dinosaurier zog sich über Millionen Jahre
hin.
"Die Artenvielfalt ist eben – neben Wasser, Luft und Boden – zentrale Ressource unserer Existenz."
Jule Reimer erklärt: "Arten sind immer Teile von Ökosystemen, also sie hängen zusammen. Entweder weil sie sich gegenseitig fressen oder weil sie sich in Schach halten." Artenvielfalt ist ein Unterbegriff der Biodiversität. Gemeint ist damit die genetische Vielfalt der Ökosysteme und Landschaften.
Diese Vielfalt ist eine Art Lebensversicherung, erklärt die Umweltjournalistin: "Denn je vielfältiger ein Genpool einer Pflanzenart ist, desto anpassungsfähiger ist dann diese Art an Veränderungen, etwa an Krankheiten. Also es ist immer besser, alte Apfelsorten zu bewahren, und nicht nur die vier, die es im Supermarkt gibt."
Am Beispiel der Meeresschildkröte lasse sich das Artensterben gut verdeutlichen: Meeresschildkröten werden seit Jahrhunderten wegen ihres Fleischs, ihrer Eier oder wegen ihrer Panzer gejagt. Und das hat Folgen für uns. Denn die Meeresschildkröte ernährt sich von Quallen.
Das Problem ist, dass Quallen derzeit von uns Menschen quasi gemästet werden. Sie gedeihen besonders gut, weil so viele Nährstoffe im Meer landen – zum Beispiel über Gülle oder Abwässer. Diese Nährstoffe fördern das Wachstum von Plankton – Futter für die Quallen. Gleichzeitig haben Menschen durch Überfischung oder auch durch das Jagen der Meeresschildkröte viele natürliche Fressfeinde der Quallen im Meer dezimiert. Und so kommt es zu massenhaften Quallenvorkommen.
"Das Ergebnis sind Quallenplagen. Das finden wir als Strandurlauber überhaupt nicht lustig."
Ein anderes Beispiel für Artenvielfalt und dafür, wie Menschen sie durcheinander bringen, ist die Ackerkratzdistel. Deren kleine lilafarbene Blütenkörbchen sind "eine wichtige Nektarquelle für Schmetterlinge wie der Hauhechel-Bläuling oder auch für Wildbienen", erklärt Jule Reimer. Landwirte, die konventionell wirtschaften, mögen diese Pflanze überhaupt nicht. Sie dürfen sie mit Glyphosat-haltigen Herbiziden bekämpfen. Und die wirken auch gegen andere Pflanzen.
"Dadurch werden andere Pflanzen, die vielleicht wichtig sind, auch noch plattgemacht."
Und auch Insekten sind durch Gifte auf Feldern aber auch durch Lichtverschmutzung stark betroffen. In Deutschland ist in den vergangenen 30 Jahren der Bestand an fliegenden Insekten um zwei Drittel zurückgegangen. Und das wirkt sich wiederum auch auf die Vogelwelt aus, weil Insekten eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vögel sind.
Zu Beginn der UN-Biodiversitätskonferenz in China wird es nun zunächst darum gehen, klar zu machen, dass es wirklich dramatisch steht um den Bestand der Arten. In einem zweiten Teil, der im kommenden Jahr April stattfindet, soll dann am Ende eine Selbstverpflichtung der Staaten stehen, wie wir Menschen bis 2050 ein Leben im Einklang mit der Natur führen können.
Zeit hier
70 Prozent des Stromverbrauchs sollten bis 2030 durch erneuerbare Energien gedeckt werden, fordern die Konzerne. Unterzeichnet haben auch die Stromanbieter EnBW und E.on.69 deutsche Großkonzerne haben laut einem Medienbericht von der neuen Bundesregierung den massiven Ausbau von Wind- und Solarparks gefordert – und einen schnelleren Kohleausstieg als bisher geplant. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wie auch der erforderlichen Stromnetze müsse massiv beschleunigt werden, heißt es laut Spiegel in dem Appell, den unter anderem die Otto Group, die Allianz, Rossmann, SAP, EnBW und E.on unterzeichnet haben.Bis 2030 müssten mindestens 70 Prozent des steigenden deutschen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden, forderten die Unterzeichner demnach in dem Schreiben, das von der Unternehmerinitiative Stiftung 2 Grad initiiert wurde. Bisher seien es weniger als 50 Prozent.
"Die installierte Kapazität von Windkraft an Land und
auf See sowie Photovoltaik muss dafür nahezu verdreifacht werden", heißt es in
dem Schreiben. Hierfür müssten ausreichend Flächen für neue Kraftwerksparks
bereitgestellt und bestehende Anlagen nachgerüstet werden. Zusammen mit anderen
Maßnahmen könne man so die Voraussetzungen für einen Ausstieg aus der
Kohleverstromung deutlich vor 2038 schaffen, hieß es.Eine am Montag veröffentlichte Studie unter dem Titel Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045
legt ebenfalls einen Kohleausstieg vor 2038 nahe (hier)
Demnach ist die
starke Beschleunigung der Energiewende bis 2030 von "besonderer
Relevanz". Ohne enorme
Dekarbonisierungs- und Infrastrukturmaßnahmen in diesem Jahrzehnt würden
die Klimaschutzziele für 2030 verfehlt. Damit würde auch das Erreichen
des Langzeitziels der Klimaneutralität 2045 "hochgradig
unwahrscheinlich" werden.
Spiegel hier
Die Konzerne machen der Politik aus Eigeninteresse Druck. Sie wollen schnell klare Rahmenbedingungen haben, entlang derer sie ihre Strategien ausrichten können. Viele erhoffen sich auch neue Geschäfte beim Umbau der Wirtschaft.
So heißt es in dem Schreiben unter anderem: »Der
Ausbau von Schlüsseltechnologien und Infrastrukturen für das Erreichen
der Klimaneutralität darf nicht durch langwierige und umständliche
Planungs- und Genehmigungsverfahren ausgebremst werden.« Oder:
»Öffentliche Finanzmittel müssen verstärkt genutzt werden, um privates
Kapital für Investitionen in klimaneutrale Zukunftstechnologien zu
mobilisieren.«
Zwar verlangen die Verfasser, die CO2-Bepreisung müsse
»weiterentwickelt und gestärkt« werden. Im Gegenzug müssten aber auch
Unternehmen und Verbraucher bei den Stromkosten deutlich entlastet
werden.
......Die Kosten für Lizenzen zum CO2-Ausstoß im europäischen Emissionshandel haben sich in den vergangenen vier Jahren sogar in etwa versiebenfacht. Viele Industrieunternehmen fürchten nun Wettbewerbsnachteile gegenüber außereuropäischen Konkurrenten.Wohl auch deshalb appellieren die Verfasser an die neue Bundesregierung, auf dem Weltklimagipfel in Glasgow im November und in der deutschen G7-Präsidentschaft 2022 einen »Klima-Vorreiter-Club« zu initiieren, der »die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen stärken und somit auch Carbon Leakage vorbeugen« solle. Carbon Leakage bedeutet, dass Betriebe wegen hoher Kosten für Klimaschutz ihre Produktion in Länder mit laxeren Auflagen verlegen.
Der Appell mit fast 70 unterstützenden deutschen Unternehmen aus allen Branchen dürfte der bislang größte und umfassendste Unternehmensappell für ambitionierten Klimaschutz sein, den es bisher in Deutschland gab. Zusammen erwirtschaften die Konzerne einen globalen Umsatz von rund einer Billion Euro und beschäftigen weltweit mehr als fünf Millionen Menschen