Mittwoch, 13. Oktober 2021

Bareiß -„Greenwashing“ nach der Wahl

Leserbrief zu den Artikeln „Ich bin doch kein Klimakiller“ v. 30.09. und „Bareiß kritisiert Laschet deutlich“ v. 09.10. in der Schwäbischen Zeitung

Schlechtes Wahlergebnis bei Thomas Bareiß; jetzt wird nach einem Sündenbock gesucht. Gesucht, gefunden: campact.

Darf man einen Volksvertreter, der bereits 16 Jahre im Bundestag ist, nicht fragen, was er in seiner Amtszeit geleistet hat, bzw. darf man ihn nicht damit konfrontieren, welche Entscheidungen (klimafeindliches Abstimmungsverhalten) er mitgetragen hat?
Auf www.abgeordnetenwatch.de kann der Wähler das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten studieren – und auch noch Fragen stellen. Leider bleiben viele klimapolitische Fragen vom Parlamentarier Bareiß unbeantwortet. „Wir sind mündige Bürger einer Demokratie. Wir genießen die modernste und ehrlichste Herrschaftsform über Abgeordnete aus dem Volk. Und wir haben dafür einen perfekten Kontrollmechanismus in Form der freien Medien.“

Willkommen in der Wirklichkeit! Vorbei ist die Zeit, in der Kandidaten der jahrzehntelang dominierenden Partei unkommentiert gewählt werden. Die Wähler informieren sich und erkennen Zeitströmungen; Präsenz im Wahlkreis und politisches Agieren wird gewürdigt.

Nicht nur campact hat MdB Bareiß ins Visier genommen, auch greenpeace und parents4future haben ihm vor der Wahl die rote Klimakarte gezeigt und dies nachvollziehbar mit Fakten belegt. Diese Fakten konnte der Pikierte nicht entkräften.

Die Lobbyverquickungen mit der Wirtschaft (INSM, Wirtschaftsrat, Berliner Kreis, Werteunion) verdienten im Wahlkampf eine Würdigung. „Bermudadreieck der Energiewende“: Unter anderem hat die Regierung die Solar- und Windkraftunternehmen in der abgelaufenen Legislaturperiode pleitegehen lassen; jetzt hat hier China das Sagen. In der überörtlichen Presse wird man diesbezüglich leicht und schnell fündig, was Thoms Bareiß Verwicklungen betrifft. In der lokalen Zeitung liest man nichts bis wenig darüber.

Nach diesem miserablen Ergebnis kommt der Eindruck auf, man wolle den Abgeordneten „greenwashen“ (er wird jetzt sogar mit Sonnenblumen im Hintergrund abgebildet).

Es ist wichtig, dass die Wähler sich informieren/objektiv informiert werden; das macht Demokratie aus. Bei einer „Abgeordnetenentschädigung“ iHv. monatlich 10.012,89 Euro muss sich ein Volksvertreter auch rechtfertigen, sollte sich der Kritik offen/ demütig dem Ergebnis stellen und dies akzeptieren.

15 % Stimmenverlust; manch anderer „Klimabremser“ wurde abgewählt. Ein „Denk“-zettel!

 

Roland Stehle

Autofreie Innenstädte sorgen nicht nur in Wangen im Allgäu für Streit

Schwäbische Zeitung von Ulrich Mendelin mailto:u.mendelin@schwaebische.de  hier
Auszüge in blau

......Anlass für den Ärger des Metzgers ist ein verunglücktes Experiment der Stadt Wangen im Allgäu. Oberbürgermeister Michael Lang (parteilos) wollte den Autoverkehr für vier Wochenenden im Juli und August aus der historischen Altstadt verbannen, jeweils von Freitag, 11 Uhr bis Montag, 6 Uhr.
Mit dem Vorstoß ging er noch über einen Beschluss des Gemeinderates hinaus, der auf Betreiben der Grünen zustande gekommen war und der Sperrungen nur außerhalb der Ladenöffnungszeiten vorgesehen hatte. Ziel war es, den Einkaufsbummel in der Stadt attraktiver zu machen, und dem Einzelhandel nach den schwierigen Corona-Monaten einen Schub zu verleihen.
Der Schuss ging nach hinten los. Knapp 50 Händler unterzeichneten einen wütenden Brief an Lang. Sie seien „fassungslos und schockiert über völlig überflüssige Testwochenenden zur autofreien Altstadt“, schrieben Metzger Joos und die anderen Unterzeichner. Von einer „diktatorischen Maßnahme“ war die Rede, weil aus dem Rathaus vorab keinerlei Informationen gekommen waren........

In Ravensburg wurde der zentral gelegene Gespinstmarkt nach einer Sanierung zur autofreien Zone erklärt – die Folgen für den Altstadtverkehr sollen nach einiger Zeit evaluiert werden. Außerdem wird ein großer, zentrumsnah gelegener Parkplatz künftig kostenpflichtig.....

In Friedrichshafen stand der Gemeinderat vor der Frage, wie es mit der zentralen Friedrichstraße weitergehen soll, nachdem die Umgehungsstraße B31-neu jüngst freigegeben worden ist. Gesperrt wird die bisherige Hauptschlagader der Stadt zwischen Bahnhof und Uferpark zwar erst einmal nicht. Aber der Verkehr wird auf Tempo 20 gedrosselt. Ein Konzept, das ausdrücklich als Provisorium angelegt ist.

Aus Sicht von Anne Klein-Hitpaß, Leiterin des Forschungsbereichs Mobilität beim Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin, überwiegen die positiven Folgen eines reduzierten Autoverkehrs in Innenstädten stark, sowohl für das Klima, für die Lebensqualität, aber auch für Handel und Gewerbe. Die Verkehrsforscherin berichtet von Befragungen, bei denen Einzelhändler die Zahl ihrer Kunden, die mit dem Auto kommen, „stark überschätzt“ hätten. „Wo die Aufenthaltsqualität steigt, wird auch mehr eingekauft“, sagt Klein-Hitpaß.

In Baden-Württemberg ist das Zurückdrängen des Individualverkehrs in den Innenstädten ausdrücklich ein politisches Ziel, festgehalten im grün-schwarzen Koalitionsvertrag. Ein eigenes Förderprogramm des Landes gebe es dafür zwar nicht, sagt Verkehrs-Staatssekretärin Elke Zimmer (Grüne), wohl aber vielfältige Angebote.
„Dazu gehört Unterstützung zum Umbau von Straßen, zum Rückbau von Parkplätzen, zur Errichtung von Radabstellanlagen und zur ÖPNV-Förderung. Instrumente wie der Mobilitätspass und höhere Parkgebühren können Anreize setzen, um das Auto stehen zu lassen und stattdessen andere Mobilitätsformen zu nutzen. Über Car-Sharing wird das Zweit- oder Drittauto unnötig – oftmals sogar der Autobesitz insgesamt.“.....

Alle, Autofahrer genauso wie Fußgänger, sollen ihren Platz in engen Altstadtgassen haben – diesen Ansatz hält Matthias Lieb für völlig verfehlt. „Das Auto muss langsam aus der Stadt verdrängt werden“, fordert der baden-württembergische Landesvorsitzende des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland (VCD). „Wir hatten 50 bis 60 Jahre autozentrische Verkehrsplanung“, sagt Lieb. „Das kann ich nur ändern, indem ich das dominierende Verkehrsmittel einschränke.“ Leider fehle es bei der Umsetzung in den Kommunen „oftmals an der notwendigen Stringenz.“

...Unerschwinglich ist das Parken in Sigmaringen nicht: Die erste halbe Stunde ist frei, ein ganzer Tag kostet zwei Euro. Nur eben nicht direkt vor den Geschäften, sondern im Parkhaus. Das ist von der Fußgängerzone in etwa zwei Minuten zu Fuß zu erreichen. Für SPD-Gemeinderätin Tyrs sind es „absurde Diskussionen“, die sich da abspielen: „Einzelne Händler denken, sie müssen dann ihren Laden dichtmachen.“ 

.......Im kommenden Jahr werden Straßensperrungen und Fahrverbote in vielen Kommunalparlamenten wieder auf der Tagesordnung stehen: In Wangen, in Sigmaringen – und auch in Berlin.....

Kommentar "Umsteigen tut weh"

Schwäbische Zeitung von Ulrich Mendelin mailto:u.mendelin@schwaebische.de

Etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland stammen aus dem Verkehrsbereich. Mobilität trägt erheblich zum Klimawandel bei. Dass es eine Verkehrswende braucht, darüber lässt sich schnell ein Konsens herstellen - jedenfalls so lange es bei diesem wolkigen Begriff bleibt.

Wenn es dann aber konkret wird mit dem Umstieg, tut es weh. Das eigene Mobilitätsverhalten zu ändern, bedeutet einen viel tieferen Einschnitt in den Alltag als zum Beispiel die Entscheidung, die Wärmedämmung des Eigenheims auf den aktuellen Stand zu bringen. Das hängt auch damit zusammen, dass der Besitz eines Privatautos für viele Menschen eng mit dem Gefühl von Freiheit verbunden ist. Und die Flexibilität des Autos ist ja tatsächlich unschlagbar. Daran kann auch ein noch so gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr nichts ändern.

Mehr und mehr greifen Städte und Gemeinden darum in den Instrumentenkasten der Verbote und Beschränkungen: Das Parken wird allerorten teurer, bislang zugängliche Straßen sind nicht mehr befahrbar. Geschwindigkeitsbeschränkungen werden verhängt, wo es möglich ist - nach Ansicht etwa der Grünen sollten die Kommunen hier noch einen größeren Spielraum bekommen.

Dabei muss es nicht immer das Totalverbot für Autos sein. Experimente mit „Begegnungszonen“, in denen alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt sind, können eine Alternative sein. Zeitweise Beschränkungen eine andere. Letztlich gibt es kein Patentrezept, in jeder Kommune müssen die Bürger den für sie passenden Weg selbst aushandeln. Klar ist aber: Die Zeit, in der das Privatauto Dreh- und Angelpunkt aller verkehrsplanerischen Überlegungen war, ist vorbei und wird wohl kaum wiederkommen. Auch dann nicht, wenn alle Autos in der Zukunft CO2-neutral fahren werden. 

Denn es geht nicht nur ums Klima. Sondern auch darum, dass der Platz in den Innenstädten begrenzt ist. Kaum zu glauben, dass der wirklich nicht besser genutzt werden kann als für Autos, die einen großen Teil der Zeit einfach nur herumstehen.


Herr Mendelin, vielen Dank für diesen Kommentar in der Schwäbischen Zeitung

Spannend war`s !


Gestern Abend war Teil 4 der Dialog-Reihe angesagt.

Die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB) hat es mal wieder geschafft, 3 interessante Beiträge zum Thema "Zukunftsfähig Wohnen" zu einem tollen Gesamtpaket zusammenzuschnüren. Das macht Lust auf mehr! 

Vorschau:
am 27.10 "Primetime für`s Klima"
am 30.11 "Zukunftsfähige Waldwirtschaft"

Und: Das macht Lust auf Veränderung, denn man könnte so vieles besser machen! Es ist schön, wenn positive Projekte in den Focus rücken.

Demnächst werden die Vorträge auch ganz veröffentlicht auf der Seite der KAB.


Den Anfang machte Rüdiger Sinn mit seiner Zusammenstellung "Anders bauen - mit ökologischen Materialien".

"Die großen CO2 Einsparptenziale liegen in den ersten 50 Jahren im Baumaterial und in der Bauweise - nicht im Heizsystem.
Eine Studie beziffert die CO2-Ersparnis auf durchschnittlich 80 to für den Neubau eines gewöhnlichen Einfamilienhauses aus Holz gegenüber der Massivbauweise"

Als Beispiel erwähnte er die außergewöhnlichen Holzkeller der Fa. Staudenschreiner aus Schwabmünchen, bei denen als Zusatzeffekt auch noch ca. 1 to Kohlenstoff/m3 Holz gebunden wird. Und die, im Gegensatz zu den Klimaschädlichen Betonkellern, auch  schnell errichtet und sofort beziehbar sind.

Von allen ökologischen Dämmstoffen hat Stroh die beste Energiebilanz. Rüdiger Sinn zeigte das gelungene Beispiel eines Strohballenhauses auf, das auf 36 Schraubfundamenten ruht. Diese können bei einem späteren Rückbau des Hauses sogar wiederverwertet werden.
Von Zuhörer -Seite kam die Frage auf, ob der Dämmstoff Stroh nicht irgendwann zu Problemen mit „Ungeziefer“ führe.  Das sei nicht der Fall, denn auf jeden Fall muss darauf geachtet werden, dass die Hülle dicht ist und das Stroh trocken, geschreddert und entstaubt eingebaut wird.  Da Stroh viel Kieselsäure enthalte, sei es sehr resistent.

Das weitere Beispiel des„ 8Haus-Konzeptes“  der Zimmerei Frick in Eichstegen besteht aus 98 % Naturbaustoffen. Der Holz-Rohstoff-Verbrauch wird z.B. durch die Verarbeitung von sägerauem Holz gedrosselt. Kunstoff-Reduzierung erfolgt wo immer möglich, unter Einsatz vieler kleiner innovativer Ideen.
Müll wird vermieden wo immer möglich.


"Tiny Häuser - neue Wohnform mit großem Potentialen?" von Katrin Fieberitz


Tiny Häuser sind momentan in aller Munde - aber eignen sie sich wirklich als seriöse Alternative zum platzsparenden Geschoß-Wohnungsbau?

Katrin Fieberitz wies auf die immer noch üblichen Ängste und Bedenken seitens der Nachbarschaft hin, sobald diese Wohnform erwogen wird. Und auch auf Schwierigkeiten durch das äußerst nachteilige Baurecht bei uns: ein fahrbares Mini-Tiny Haus muss das gleiche Verfahren durchlaufen wie ein "normales" Haus.


Häuschen auf eigener Achse haben in Deutschland meistens max. um die 18 m2, modulare Bauten können 40-45 m2 haben. Jedoch sollen die Häuschen auch "im Grünen" stehen, wodurch ein Platzbedarf/Häuschen auf 200 m2 kommt


Dazu eine Folie aus dem Vortrag:

K. Fieberitz betonte, dass letztlich  nicht die Flächenersparnis den großen Reiz am Tiny Haus ausmacht. Der ist wahrscheinlich mit Geschoß-Wohnungsbau besser zu bewältigen.
Tiny Häuser haben jedoch den großen Vorteil, dass Flächen temporär genutzt werden können, ohne dass man sich damit etwas "verbaut". Wenn eine Fläche auf Jahre brach liegt zum Bsp., wenn man noch nicht ganz sicher ist, ob diese Fläche als Luftschneise erhalten werden müsste, als schnelle Übergangslösung bei akuter Wohnungsnot. Tiny Häuser eignen sich hervorragend als günstige Zwischenlösung. Und das Beste daran: Die Häuser können dann an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

Ganz wichtig sind in diesem Zusammenhang auch soziale Aspekte, die für die Nutzer eine große Rolle spielen und berücksichtigt werden sollten. Die Landwirtschaft ist im Wandel begriffen, immer weniger Menschen arbeiten als Vollzeit-Landwirte. Dafür gibt es aber immer mehr Mitmach-Modelle wie solidarische Projekte, bei denen viele Menschen aktiv werden und nahe des Einsatzortes wohnen sollten.

Wilfried Flatz hielt gleich mehrere Vorträge. Auch er stellte die Möglichkeit vom "Hausbau mit Lehm und Stroh" vor, um danach auf das Projekt "NENA V - Neue Nachbarschaften Vorarlberg" einzugehen

Das war dann schon ein Ansatz im Sinne von "Größer Denken", den er uns da näher brachte.
Ein neuer Wohnort für 300-850 Personen, gemeinschaftlich geplant und umgesetzt.
Die Bewohnerschaft wirtschaftet zusammen und sorgt dafür, dass alles was man im Alltag benötigt in 1 Minute Fußdistanz zu erreichen ist.
Ein gemeinsames Lebensmitteldepot ist für jeden zugänglich, Lebensmittel werden hauptsächlich aus der Nachbarschaft bezogen.

Die Wohngenossenschaft bietet nicht mehr und nicht weniger als gemeinsame Infrastruktur, die allen zu einem guten Leben verhilft. Lebenslanges Wohnrecht bei Solidarischem Grundlagendenken.

Diese 3 Säulen sind die Grundlage des Projektes und müssen gemeinsam einfließen.
Nicht zu 100%, das wäre kaum umsetzbar, aber doch zu 80% sollten die daraus resultierenden Forderungen umgesetzt werden.

Die  individuelle Wohnfläche resultiert aus der Anzahl der Familienmitglieder. Und um nur ein konkretes Bsp. zu erwähnen: niemand hat eine Badewanne für sich alleine, jeder muss mit einer Dusche zufrieden sein. Dafür gibt es dann aber einen Gemeinschafts-Wellnessbereich mit Sauna.

Eine Einladung zum neuesten Projekt in Hörbranz  gab`s auch noch  hier

Dienstag, 12. Oktober 2021

Heimat weiterbauen 2.0

 




Lithium: Weißes Gold aus Deutschlands Geothermieanlagen

Spektrum der Wissenschaft hier

Heute kommt das gesamte Lithium aus Übersee. Doch auch im heißen Tiefenwasser Deutschlands stecken große Mengen des begehrten Rohstoffs, die sich gewinnen und nutzen lassen.

Ohne Lithium geht kaum noch etwas. Das leichte Metall ist unverzichtbar für die gängigen wiederaufladbaren Akkus von Elektroautos, Notebooks und Smartphones. Deutsche Hersteller importieren ihren kompletten Bedarf an dem Element aus Australien oder Südamerika. Dabei wäre das gar nicht nötig, denn auch in Europa gibt es Lagerstätten, die viel Lithium enthalten. Und hier zu Lande ließe es sich sogar klimaschonend und umweltfreundlich gewinnen.

In Chile und Argentinien kommt Lithium aus Salzlösungen und wird in riesigen Verdunstungsbecken gewonnen, was Nutzungskonflikte auslöst. Der australische Stoff wiederum geht nach China, um dort zu Lithiumkarbonat und Lithiumhydroxid verarbeitet zu werden, wobei insbesondere das Rösten der gemahlenen Gesteine ein kohlendioxid(CO2)-intensiver Prozess ist.

Hingegen steckt das Lithium in Mitteleuropa in Thermalwasser, also heißen Lösungen in einigen Kilometern Tiefe. Diese enthalten hohe Konzentrationen an Lithiumionen. So zum Beispiel im brandenburgischen Groß Schönebeck, wo im Jahr 2001 eine Geothermie-Forschungsplattform des Deutschen GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) aufgebaut wurde. In etwa vier Kilometer Tiefe besitzt das 150 Grad Celsius warme Thermalwasser eine Lithiumkonzentration von 200 bis 230 Milligramm pro Liter......

Noch gibt es weltweit keine Geothermieanlage, die Lithium für den Markt produziert. Für alle aus der geothermischen Extraktionsforschung heißt es daher: Dranbleiben, um den bereits errungenen Fortschritt und Vorsprung nicht zu verlieren.


Das ist eine  wunderbare Nachricht, denn jeder kennt die furchtbaren Bilder der Abbaustellen in Südamerika. Erst vor Kurzem wurde bekannt dass auch in Norwegen große Kapazitäten gegeben sind. Doch vermutlich wäre auch dort mit einem starken Eingriff in die Landschaft zu rechnen.Es wäre wunderbar, wenn sich die Gewinnung von Lithium in Zukunft umweltfreundlicher gestalten würde!

Großes Potenzial. Studie zeigt: Dachsolaranlagen könnten globalen Elektrizitätsbedarf decken

Geo hier

Solarzellen auf Dächern tragen zunehmend zur Deckung des Strombedarfs bei. Nun haben Forscherinnen und Forscher das globale Potenzial von Solarmodulen berechnet

Solarzellen auf Dachflächen könnten einer Studie zufolge den jährlichen globalen Elektrizitätsbedarf decken. Das berichtet ein Forschungsteam nach einer Untersuchung zum Potenzial von Solarmodulen auf Dächern im Fachjournal "Nature Communications". Demnach bedecken die Dachflächen aller Kontinente etwa 200.000 Quadratkilometer, im Vergleich zu etwa 150 Millionen Quadratkilometern Landfläche.

Solarmodule auf Dächern machten 2018 weltweit rund ein Viertel des Kapazitätszuwachses von erneuerbaren Energien aus - in jenem Jahr betrug die Kapazität den Forscherinnen und Forschern zufolge 213 Gigawatt (Milliarden Watt).

Um das globale Potenzial dieser Form von Energiegewinnung abzuschätzen, kombinierten James Glynn vom irischen University College Cork und Kollegen zwei Ansätze, mit denen bisher Schätzungen vorgenommen wurden. Bei einem Ansatz werden Daten von Häusergrundrissen in einem überschaubaren Gebiet erhoben und dann auf größere Regionen hochgerechnet. Beim anderen Ansatz werden Luftbild- und Satellitenaufnahmen mittels Algorithmen des maschinellen Lernens auf Dachflächen untersucht.

  Die Forscherinnen und Forscher teilten die gesamte untersuchte Landfläche in etwa 3,5 Millionen Quadrate von jeweils zehn Kilometern Kantenlänge ein. "In jeder Bewertungseinheit verwenden wir einen hochauflösenden Bevölkerungsdatensatz (bei 100 Metern räumlicher Auflösung), Straßenlängen und Grenzen bebauter Flächen, um die Dachfläche abzuschätzen", schreiben sie. Mit Hilfe von maschinellem Lernen ermittelt das Computermodell die Zusammenhänge zwischen diesen und weiteren Daten.

Weil die Sonneneinstrahlung je nach Breitengrad verschieden ist, ließ das Forschungsteam einen Umwandlungsfaktor in seine Berechnungen einfließen. Während die potenziell nutzbare Energie aufgrund der Sonneneinstrahlung in Westafrika das ganze Jahr über ähnlich ist, kann sie in Westeuropa zwischen 94 und 255 Milliarden Kilowattstunden pro Monat schwanken.

Solarzellen weltweit könnten 27 Billionen Kilowattstunden Strom liefern

Das Team um Glynn berechnete auch die Kosten pro 1000 Kilowattstunden: In Indien sind es 66 US-Dollar (etwa 57 Euro), in China 68 Dollar (knapp 59 Euro), in den USA dagegen 238 Dollar (205 Euro). Deutschland liegt mit 153 Dollar (132 Euro) dazwischen.

Insgesamt gelangten die Wissenschaftler zu einem Energiewert von 27 Billionen Kilowattstunden, die Solarzellen auf Dächern liefern könnten. Zum Vergleich: Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert den globalen Elektrizitätsverbrauch für das Jahr 2018 auf 24,7 Billionen Kilowattstunden.

Zum Ausschöpfen des Solarmodul-Potenzials sei die weltweite Einführung neuer Marktmechanismen in wettbewerbsorientierten Stromerzeugungsmärkten erforderlich, schreiben die Wissenschaftler um Glynn. "Angesichts sinkender Preise für Stromspeichertechnologien und eines intelligenten Managements von Verbundnetzen wird die Technologie der Dachsolaranlagen in diesen Märkten eine entscheidende Rolle spielen, indem sie Erzeugungs-, Speicher- und Systemausgleichsfunktionen übernimmt."


 

Parkgebühr in Ravensburg erhitzt die Gemüter - 3 Leserbriefe

 





Stiefkind Bodenseegürtelbahn

 Südkurier hier

Die Bodenseegürtelbahn soll endlich elektrisch fahren – mit welchen Mitteln der Kreistag jetzt kämpft

Der Beschluss war einstimmig, die Forderung klar. Die Abgeordneten des Kreistags wünschen sich einen schnellen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Friedrichshafen und Radolfzell. Während auf Landesebene Zustimmung herrscht, ziert man sich noch im Bund.
 
Ziel des Kreistages:  die Bodenseegürtelbahn zwischen Friedrichshafen und Radolfzell  soll in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden, damit endlich Zuschüße vom Bund dafür fließen können. Bisher galt die Strecke beim Verkehrsministerium als zu "unwichtig" als Infrastrukturprojekt. Die SPD weist zurecht darauf hin, dass es sich hier um eine Fehleinschätzung handelt- dieser Abschnitt ist ein wichtiges Verbindungsstück zwischen Ulm und Basel.
Auch im Kreis Konstanz hatte man eine ähnliche Resolution eingebracht. Am Verkehrsministerium des Landes liegt es jedenfalls nicht, dort wird bereits seit Jahren gefordert, dass die Bodenseegürtelbahn ertüchtigt werden muss. Die Strecke muss elektrifiziert werden und wenigstens Teilbereiche 2-gleisig ausgebaut werden.

im Kommentar schrieb Benjamin Schmidt hier
Baut endlich diese Bahn aus! 
 
Noch immer muss die hiesige Politik für den Ausbau der Bodenseegürtelbahn kämpfen. Die neue Bundesregierung geht hoffentlich endlich von der Bremse.
 


Und dann gibt es ja auch noch diese Paukenschlag-Pressemitteilung des BUND: 
 Der Bundesverkehrswegeplan ist verfassungswidrig  hier

Ein Rechtsgutachten belegt, dass der Bundesverkehrswegeplan die EU-rechtlichen Vorgaben zur Strategischen Umweltprüfung nicht erfüllt. Der BUND Baden-Württemberg fordert die Landesregierung auf, sich für eine Neubewertung der baden-württembergischen Straßenbauprojekte einzusetzen.

 Hintergrund:
Das vom BUND in Auftrag gegebene Gutachten zeigt auf, dass der Bundesverkehrswegeplan erheblichen verfassungsrechtlichen Bedenken unterliegt. Er ist weder mit dem Ziel der Klimaneutralität noch mit Artikel 20a des Grundgesetzes vereinbar. Dieser besagt, dass der Staat auch für den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen künftiger Generationen sowie der Tiere verantwortlich ist. Das Pariser Klimaabkommen sieht eine Begrenzung auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau vor. Der BVWP 2030 hat die Ziele des Pariser Klimaabkommens aber gar nicht berücksichtigt, sondern orientierte sich an anderen Maßgaben. Es ist auch nicht erkennbar, dass eine Einhaltung der Minderungsziele für den Verkehrssektor bei Realisierung der im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen Straßenprojekte gelingen kann. Es ist deshalb fraglich, ob dieser Plan noch bindend für die einzelnen Fernstraßenprojekte einen Bedarf vorgeben kann.

Weitere Informationen:


Das Rechtsgutachten im Auftrag des BUND finden Sie unter: www.bund.net/bvwp-rechtsgutachten




Eine Zusammenfassung des Gutachtens finden Sie unter: www.bund.net/bvwp-zusammenfassung

„Stadt braucht mehr Schatten, Grün und Wasser“

Schwäbische Zeitung  hier von Michaela Miller, Auszüge in blau
Im Sommer 2020 beschloss der Gemeinderat den Klimakonsens - Wo steht Ravensburg aktuell?

Am Rivoliplatz wurde am Samstagnachmittag über Klimapolitik in Ravensburg geredet. Auf dem Podium: Oberbürgermeister Daniel Rapp, Veerle Buytaert, Leiterin Umweltamt, Samuel Bosch, Schüler und Klimaaktivist, Stephan Frisch für die Scientists4Future und Sabine Buchmann-Mayer, Parents4Future.

.....Samuel Bosch formulierte noch einmal sein Ziel: Ravensburg soll klimafreundliche Stadt werden. Er appellierte an Bürgermeister Rapp, die Themen im Gemeinderat stärker voranzutreiben. Für Rapp war klar, die Städte brauchen mehr Schatten, mehr Grün und mehr Wasser. Am Gespinstmarkt, der aktuell in der Kritik steht, weil viel Beton, aber nur drei Bäume dort zu finden seien, seien so viele Leitungen im Untergrund, „vor allem für das geplante Nahwärmenetz“, dass mehr Bäume nicht möglich gewesen seien, so Rapp. Der Bürgermeister musste sich vor allem eine unglückliche Kommunikationspolitik vorwerfen lassen. „Warum nicht erst das Busfahren günstiger machen und dann die Parkplatzpreise erhöhen?“, fragte Frisch. Viele gute Entwicklungen, Ravensburg hat beispielsweise gemessen an der Einwohnerzahl eine sehr hohe Dichte an E-Tankstellen, kommen nicht als Information bei der Bürgerschaft an, das bestätigten auch einige Zuhörer.

Auf konkrete Maßnahmen angesprochen, zählte Rapp auf: Alle Gebäude am Gespinstmarkt sollen in naher Zukunft mit Nahwärme beheizt werden, das Parken an der Oberfläche wolle man unattraktiv machen und die höheren Einnahmen zweckgebunden investieren. Ein Radweg Richtung Bahnstadt soll kommen, wie auch eine Radbrücke von der Oststadt über die Wangener Straße. Anerkennend zeigte sich Rapp gegenüber den Klimaaktivisten: Er habe sich zwar des Öfteren über deren Aktionen geärgert, aber andererseits habe das Thema dadurch Aufmerksamkeit bekommen und „wir würden ohne euch nicht mit derselben Dringlichkeit darüber reden“, so Rapp. Zu den Parkgebühren erklärte Veerle Buytaert vom Umweltamt: Jeder Parkplatz koste auch jetzt schon richtig Geld, im Moment zahle das die Allgemeinheit. „Warum nicht umlegen, auf diejenigen, die die Parkplätze nutzen, also quasi die aktive Förderung der Stadt zurückbauen?“ ......

Sabine Buchmann-Mayer von den Parents4Future fragte, wohin man denn als Bürger mit guten Ideen und Vorschlägen gehen solle. Denn: „Menschen sollten nicht auf Bäume steigen müssen, um gehört zu werden“. Das Umweltamt - laut Amtsleiterin Buytaert arbeiten dort 14 Fachleute - müsse mehr Präsenz zeigen. .......

Jetzt ist die Zeit, die Natur zu retten

BIODIVERSITÄT in Spektrum  

hier kann man den Artikel ganz lesen!

:

Wir Menschen greifen massiv in die Ökosysteme der Erde ein. Die Zerstörung der Umwelt löste nicht nur eine weltweite Klimakrise aus, sondern verursachte auch ein Artensterben in nie da gewesener Geschwindigkeit. Doch es ist noch nicht zu spät, die ökologische Vielfalt unseres Planeten zu retten. Ein Manifest von Josef Settele.
Als ich im Sommer 2020 mein Buch »Die Triple-Krise« schrieb, las ich nach Jahren wieder eine zwischen 2008 und 2010 zusammen mit Kollegen verfasste Arbeit zu den Risiken des Artensterbens. Auf Basis der uns bekannten wissenschaftlichen Erkenntnisse hatten wir mehrere denkbare Entwicklungen skizziert. Darunter befand sich ein Szenario für mögliche Pandemien inklusive deren Folgen. Ich erschrak, wie nah wir in unseren Worst-Case-Annahmen der Realität von heute kamen: Damals konnten wir uns zehntausende Tote, überfüllte Krankenhäuser, zur Isolation gezwungene Menschen und weitgehend zusammengebrochene Volkswirtschaften vorstellen.
Genau das erlebt die Welt heute: Ein Virus, das den Sprung zum Menschen schaffte, bringt auf allen Kontinenten Tod, Schmerz und Trauer sowie schwere ökonomische und soziale Verwerfungen. Keine Regierung kann behaupten, nichts von solchen Risiken gewusst zu haben. Covid-19 ist längst nicht die erste tödliche Infektionskrankheit, die über Tiere zu uns gelangte. Malaria, Aids, Ebola, Mers, Sars sowie diverse Formen der Grippe zählen ebenfalls zu den Zoonosen. Die Pufferzonen zwischen Natur und Mensch verschwinden zunehmend, weil Wälder abgeholzt und in Weiden, Äcker, Plantagen oder Bauland verwandelt werden...... Weiter im Original zu lesen

Montag, 11. Oktober 2021

Hohe Auszeichnung für Arten- und Moorschutz

 

„Der Deutsche Umweltpreis würdigt in diesem Jahr Forschungen zum Schutz der Moore und zur Bedeutung der Artenvielfalt…

Die Ökologin und Direktorin des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums, Böhning-Gaese, habe "einen enormen wissenschaftlichen Beitrag geleistet, damit wir begreifen, welche dramatischen Folgen der Artenverlust für Menschen und das gesamte Zusammenwirken des Planeten hat", erklärte Bonde. "Uns allen wird dadurch klar, dass wir den Kampf gegen den Artenrückgang als große gesellschaftliche Herausforderung beherzt angehen müssen."…

Ähnliche wegweisende Erkenntnisse seien Klimaschützer und Moorforscher Joosten zu verdanken, der am Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald geforscht und gelehrt hat. "Er hat mit unermüdlichem Engagement überhaupt das Bewusstsein dafür geweckt, dass Moore unverzichtbare Verbündete bei der Überwindung der Klimakrise sind", so der DBU-Generalsekretär. "Und wenn wir nicht auf die Moore achten, wenn wir sie nicht vor Entwässerung schützen, dann wird uns der Klimawandel künftig noch größere Probleme bereiten, als wir sie jetzt schon spüren."…

 (Stand: 27.08.2021, 14:26 Uhr)

https://www.tagesschau.de/inland/umweltpreis-119.html

Über dieses Thema berichtete ebenfalls der Deutschlandfunk am 27. August 2021 um 13:00 Uhr und am 10. Oktober:

Klimaziele-Forscher Joosten fordert Wiedervernässung der Moore

„Die deutschen Klimaziele sind nach Ansicht des Moorforschers Hans Joosten nur einzuhalten, wenn trockengelegte Moorböden wieder vernässt werden.

Joosten, der am Sonntag mit dem Deutschen UmweltpreisIn neuem Fenster öffnen ausgezeichnet wird, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung,

in Deutschland seien 95 Prozent aller Moore entwässert. Diese trockengelegten Moorböden seien für fast sieben Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Damit der in den Mooren enthaltene Kohlenstoff nicht freigesetzt wird, müssen die Moore nach Joostens Ansicht renaturiert werden – auch wenn darauf inzwischen Landwirtschaft betrieben wird. Statt Mais könne dann beispielsweise Schilf angebaut werden. Die Landwirte müssten allerdings bei der Produktionsumstellung unterstützt werden.

Joosten arbeitet am Institut für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Er bekommt den Deutschen Umweltpreis gemeinsam mit der Ökologin Katrin Böhning-Gaese. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 500.000 Euro dotiert…“

Ariadne Projekts: Studie fordert massive Klima-Investitionen

 NTV  hier
"Sehr schnell, sehr viel" 

Dass es ein "Weiter so" beim Klimaschutz nicht geben kann, ist inzwischen Konsens, was und wie viel tatsächlich investiert wird, um die Klimaziele zu erreichen, wird gerade bei den Koalitionsgesprächen verhandelt.
Eine fächerübergreifende Studie zeigt: Die Politik muss sofort wichtige Entscheidungen treffen.

Schnellerer Kohleausstieg, deutlich mehr Tempo beim Ökostrom-Ausbau: Das sind Kernpunkte, mit denen Deutschland aus Sicht von Wissenschaftlern Klimaziele erreichen kann. Um Deutschland in weniger als 25 Jahren klimaneutral zu machen, müsse die nächste Bundesregierung "sehr schnell, sehr viel" auf den Weg bringen.

In einer am Montag vorgelegten Studie des institutsübergreifenden sogenannten Ariadne-Projekts heißt es: "Die Klimaschutz-Ziele für 2030 und 2045 sind extrem herausfordernd und können nur mit massiven Investitionen, zusätzlichen politischen Maßnahmen und Infrastrukturaufbau in allen Sektoren erreicht werden." Die starke Beschleunigung der Energiewende bis 2030 sei von "besonderer Relevanz" - also der Umstieg von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas auf erneuerbare Energien aus Wind und Sonne.

"Ohne enorme Dekarbonisierungs- und Infrastrukturmaßnahmen in diesem Jahrzehnt werden die Klimaschutzziele für 2030 verfehlt - damit würde auch das Erreichen des Langfristziels der Klimaneutralität 2045 hochgradig unwahrscheinlich werden." Die Stromerzeugung aus Wind und Sonne müsste laut Studie bis 2030 etwa 50 Prozent größer sein als bislang angepeilt. Der Ausstieg aus der zunehmend unwirtschaftlichen Kohle würde auf einem Kurs zur Klimaneutralität bereits um 2030 erfolgen - geplant ist bisher spätestens 2038.

 "Der Strukturwandel in den betroffenen Regionen wird sich entsprechend beschleunigen und muss aktiv gestaltet werden", heißt es in der Studie. Zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit würden zusätzliche gas- oder wasserstoffbefeuerte Spitzenlastkraftwerke benötigt. Außerdem seien erhebliche zusätzliche Kraftanstrengungen notwendig, um die Sektorziele für Industrie, Gebäude und Verkehr zu erreichen.

Die Studie trägt den Titel: "Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045". Darin geht es um Szenarien und Pfade in einem Modellvergleich. Die Analysen verdeutlichten die "Dringlichkeit" des politischen Handlungsbedarfs, um Klimaschutzziele zu erreichen und den Kurs auf Klimaneutralität 2045 anzupassen. An dem sogenannten Ariadne-Projekt, das vom Bundesbildungsministerium gefördert wird, sind Wissenschaftler aus zahlreichen Instituten beteiligt - darunter das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie diverse Fraunhofer-Institute.


Die Süddeutsche Zeitung  hier
Die Kohle erledigt sich von selbst, der Rest nicht

An diesem Montag legt der Zusammenschluss seinen Faden für die Klimaneutralität aus, beteiligt war ein gutes Dutzend verschiedene Institute. In sechs Szenarien und anhand diverser Modelle haben sie untersucht, wie Deutschland bis 2045 netto keine Treibhausgase mehr verursachen kann. Mal stand dabei die Elektrifizierung im Vordergrund, mal Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe aus erneuerbaren Energien, mal ein Mix aus allem. Zu unterschiedlichen Kosten erreicht jedes der Szenarien das Ziel. Aber: Damit das gelingt, muss sehr schnell sehr viel passieren.

..."Ohne zusätzliche Maßnahmen in allen Sektoren werden die Klimaschutzziele für 2030 und 2045 aller Voraussicht nach verfehlt." So klar das Ziel auch sei, schreiben die Autoren, "so offen ist der Weg dorthin".


Hier geht`s zum Report selbst:  hier
Deutschland auf dem Weg zur Klimaneutralität 2045: Szenarien und Pfade im Modellvergleich

Mehr miteinander und über das Klima reden

 BLIX  hier den ganzen Artikel lesen

Die Podiumsdiskussion auf dem Ravensburger Rivoliplatz zum Thema „Klimawandel in Ravensburg - Was können wir gemeinsam tun?“ war spannend besetzt mit Oberbürgermeister Daniel Rapp, Sabine Buchmann-Mayer, Parents4Future, Stephan Frisch, ein Vertreter von Scientist4Future, dem Klimaaktivist Samuel Bosch und der Leiterin des städtischen Umweltamtes Veerle Buytaert.

Diskutiert wurde unter der Moderation von Anja Twardokus die Frage, welche konkreten Klimaschutzmaßnahmen in Ravensburg umgesetzt werden und wie die Bevölkerung gemeinschaftlich daran mitwirken kann. Etwa 50 Zuhörer:innen hatten sich auf dem umsäumten, schattigen Areal des Rivoliplatzes eingefunden, teilweise auch außerhalb in Sicht- und Hörweite.


Sonntag, 10. Oktober 2021

Wer hat das Klima aufgeheizt?

 TAZ  hier siehe auch die anschauliche  Grafik dort

Analyse zu CO2-Emissionen seit 1850

Zehn Länder haben fast zwei Drittel der CO2-Emissionen seit 1850 ausgestoßen, zeigt eine Analyse. Auch Deutschland ist ganz oben mit dabei.

Nur wenige Länder sind für einen Großteil der CO2-Emissionen seit 1850 verantwortlich. Zu diesem Schluss kommt eine neue Analyse des Klimaportals Carbon Brief. Die Zahlen zeigen, dass die USA für rund 20 Prozent der Emissionen seit 1850 verantwortlich sind. China, mit der vierfachen Bevölkerung, kommt mit 11 Prozent der Emissionen an zweiter Stelle. Deutschland ist mit 4 Prozent der Emissionen auf Platz 6.

Insgesamt haben alle Länder der Welt demnach rund 2500 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gepumpt – weniger als 500 verbleiben, um die Erderhitzung mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit unter +1,5 Grad zu halten. Allerdings sind die zehn größten Emittenten bereits für 62 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich.

Auf den ersten 10 Plätzen finden sich neben mehreren Industrieländern auch China, Indien, Brasilien und Indonesien – allerdings werden Emissionen während des Kolonialismus nicht den Kolonialmächten, sondern ihren Kolonien zugeordnet. ...

Im Fall von Brasilien und Indonesien gehen rund Prozent der Emissionen auf Abholzung zurück. Emissionen durch die Nutzung von fossilen Energieträgern machen nur wenig aus.

Die Analyse auf Carbon Brief zeigt auch wie ungleich die Emissionen verteilt sind. In den Industrieländern USA, Russland, Deutschland, Großbritannien, Japan und Kanada leben nur 10 Prozent der Weltbevölkerung, auf deren Konto aber 39 Prozent der Emissionen gehen. In China, Indien, Brasilien und Indonesien leben dagegen 42 Prozent der Weltbevölkerung, die für rund 23 Prozent der Emissionen verantwortlich sind.

USA
509 Mrd. Tonnen
China
284 Mrd. Tonnen
Russland
172 Mrd. Tonnen
Brasilien
113 Mrd. Tonnen
Indonesien
103 Mrd. Tonnen
Deutschland
88 Mrd. Tonnen
Indien
86 Mrd. Tonnen
Großbritannien
74 Mrd. Tonnen
Japan
68 Mrd. Tonnen
Kanada
66 Mrd. Tonnen

So hat Indien sogar weniger CO2 ausgestoßen als Deutschland – allerdings mit einer Bevölkerung, die heute etwa fünfzehn Mal größer ist.

Werden die Daten auf die Bevölkerungen runtergerechnet, verschwinden Länder des Globalen Südens fast vollständig aus der Liste. Zurück bleiben größtenteils europäische Industriestaaten, sowie europäische Siedlungskolonien wie Kanada, USA, Australien und Neuseeland. Auch hier findet sich Deutschland unter den zehn größten Emittenten.

Minister Müller: Eine Milliarde jährlich für den Artenschutz

Berliner Morgenpost  hier Jochen Gaugele

Entwicklungsminister Müller richtet einen Appell an die Weltgemeinschaft: Es müsse dringend ein Durchbruch beim Artenschutz gelingen.

Vor Beginn der globalen Konferenz zur Artenvielfalt im chinesischen Kunming hat Entwicklungsminister Gerd Müller einen dramatischen Appell an die Weltgemeinschaft gerichtet. "In den kommenden Monaten muss ein Durchbruch beim Artenschutz gelingen wie beim Pariser Klimaabkommen für den Klimaschutz", sagte der CSU-Politiker unserer Redaktion. "Wir haben keine Zeit zu verlieren. Jeden Tag sterben 150 Arten aus." Die internationale Gemeinschaft müsse endlich an einem Strang ziehen. Von Gastgeber China erwarte er eine Führungsrolle.

Müller rief die Industrieländer dazu auf, ihre Mittel zum Erhalt der Biodiversität in Entwicklungs- und Schwellenländern zu verdoppeln. Der Minister verwies darauf, dass drei Viertel der artenreichsten Gebiete in ärmeren Ländern lägen, die sich Schutzgebiete kaum leisten können. "Deutschland sollte in der kommenden Legislaturperiode seinen Beitrag daher auf eine Milliarde Euro jährlich erhöhen", forderte Müller. "Auch die Privatwirtschaft sollte sich an der Finanzierung beteiligen, denn sie trägt eine Mitverantwortung am weltweiten Artensterben."

Darüber hinaus appellierte der Minister, 30 Prozent der Land- und der Meeresflächen unter Schutz zu stellen. "Davon sind wir aber meilenweit entfernt", kritisierte er. "Bislang sind erst acht Prozent der Meeres- und 17 Prozent aller Landflächen geschützt."

Update: Bareiß kritisiert Laschet deutlich

Meine Meinung: Da wirft wohl einer mit Steinen, der selbst im Glashaus sitzt.

Schwäbische Zeitung

Noch-CDU-Chef Armin Laschet (links) muss Kritik von der Basis einstecken. Auch Thomas Bareiß will von Loyalität nichts mehr wissen.

Die Kreis-CDU hat in einer Vorstandssitzung die verlorene Bundestagswahl analysiert. Der Abgeordnete Thomas Bareiß hatte zwar wieder den Einzug in den Bundestag geschafft, allerdings hatte er rund 15 Prozentpunkte der Erststimmen eingebüßt. Bareiß kritisiert den Parteichef und Kanzlerkandidaten Armin Laschet laut einer Pressemitteilung deutlich. In Interviews vor der Wahl und vor der Entscheidung über die Kanzlerkandidatur hatte sich der Sigmaringer Abgeordnete noch für Laschet ausgesprochen.
Kreisvorsitzender Klaus Burger sagte, er sei froh, dass mit 30 Prozent der Erststimmen das Direktmandat wieder gewonnen werden konnte.
Froh sei er auch, dass Rot-Rot-Grün verhindert worden sei, was eine Katastrophe für Deutschland und Europa bedeutet hätte. Aber er fügte auch hinzu: „Olaf Scholz hat die Wahl gewonnen“ und räumte zudem ein, dass die CDU im Wahlkampf Fehler gemacht habe. In ihren Kernkompetenzen wie zum Beispiel der Sozialen Marktwirtschaft oder der Inneren Sicherheit seien die Zustimmungswerte bei den Wählern deutlich gefallen. Zudem sei die Campact-Kampagne gegen den Kandidaten Bareiß einmalig in der Geschichte des Wahlkampfes gewesen. „Mit einem Wort: sie war schmutzig“, brachte Burger es auf den Punkt. Um alles in Ruhe aufarbeiten zu können, schlug Burger vor, im November eine zweitägige Klausur für alle Mitglieder im Kreisverband Sigmaringen anzubieten.....

Mein bisher unveröffentlicher Leserbrief an den Südkurier passt auch hier, nur leicht verändert (ob der wohl noch kommt?)

(ursprünglich zum Artikel:  Nach der Wahl wird abgerechnet)

 

Ja, Thomas Bareiß hat seinen treuen Wahlkreis noch einmal gewonnen, aber das mit einem herben Verlust von 15% der Stimmen.

Denn langsam aber sicher sickert die Erkenntnis auch im Wahlkreis durch: Thomas Bareiß ist vermutlich nicht der unbestechliche Ehrenmann , als den er sich gerne öffentlich darstellt. Er wird im Zusammenhang mit der Aserbaidschan-Connection deutlich sichtbar, bei der einige Mitgenossen bereits der Korruption überführt wurden.

Auch wenn  der Südkurier  das Zerrbild  einer " an Willkür grenzende Aktion"  heraufbeschwört, sobald von Campact die Rede ist  - in der überörtlichen Presse wird man leicht und schnell fündig, was Thomas Bareiß Verwicklungen betrifft.

Beim Vorwurf "Klimabremser  Bareiß" kann Campact in die Vollen greifen: Auf Abgeordnetenwatch z.B. kann man das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten studieren - und gleich auch noch Fragen dazu stellen. Welche Thomas Bareiß aber lieber ignoriert, als sie zu beantworten.

Natürlich hat Campact das Recht, die Bevölkerung vor einer Wahl auf solche "Besonderheiten und Abhängigkeiten" ihres Kandidaten aufmerksam zu machen, sobald eine solche Faktenlage vorliegt wie bei Thomas Bareiß.

Aus nachvollziehbaren Gründen verfolgen immer mehr Bürger in  den Medien, welche Abgründe sich inzwischen in unserem Rechtsstaat auftun (die Maskenaffaire und Aserbaidschan lassen grüßen) - und begreifen den  immer mehr ausufernden Lobbyismus als Angriff auf unsere Demokratie.

Und deshalb muss gesagt werden: nicht nur Campact war aktiv - auch Greenpeace und die parents4future haben Thomas Bareiß die rote Klimakarte gezeigt. Auch diese Aktionen waren gut nachvollziehbar mit Fakten unterlegt.

Und  nicht zuletzt haben  Bürger vor Ort  sich viel  Arbeit und Mühe mit einer aufrüttelnden  Banner-Aktion gemacht. In den entsprechenden  Pressemitteilungen wurden die  Hintergrundinformationen deutlich dargelegt  - nur war davon im Bericht leider nichts zu lesen. Schade, denn auch ihre Leser hätten etwas mehr Transparenz verdient - auch wenn es sich um einen CDU-Kandidaten handelt.


Und dann auch noch die polemische Behauptung: Rot-Rot-Grün sei eine Katastrophe für Deutschland. 

Ich muss da jedes Mal an die erste Wahl von Kretschmann in Baden-Württemberg denken. Damals wurde von Bayern-Seite laut verkündet:  Man nehme in Bayern gerne alle  Gewerbe- und Industriebetriebe auf, die nun aus Baden-Württemberg "flüchten" wollten....Kretschmann hat Jahre später in seiner typischen Art schulterzuckend resümiert"... ich glaube nicht dass einer gegangen ist".

Was lernt man daraus: Polemische Behauptungen werden nicht deshalb besser, nur weil die CDU /CSU dahinter steckt. Vielleicht könnte die bei der angekündigten Aufarbeitung auch mal wieder zurück zu den Tatsachen finden und die Polemik in Zukunft der AFD überlassen?



Auch der Südkurier berichtet  hier

Thomas Bareiß schiebt die Schuld für den Stimmenverlust der CDU bei der Bundestagswahl auf Armin Laschet

Der CDU-Kreisverband diskutiert in Vorstandssitzung über die verlorene Bundestagswahl und verwahrt sich gegen Campact-Kampagne. Bundestagsabgeordneter Thomas Bareiß, der sich wieder das Direktmandat sichern konnte, ist der Meinung, die Person Armin Laschet habe den Stimmenverlust hauptsächlich verursacht.