Die 3 Kreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis haben trotz lauter Proteste keinen zukunftsfähigen Regionalplan bekommen.
Wo steht Deutschland, Baden-Württemberg und seine Kommunen aktuell beim Klimaschutz? Welche Möglichkeiten gibt es und wo gibt es Anregungen, die übernommen werden könnten?
Grönland - Konflikt: von oben betrachtet kommt die Erkenntnis
Krautreporter hier ISOLDE RUHDORFER 28. Januar 2026
Die Welt ist ein Dorf
Was fällt dir ein, wenn du an die Arktis denkst? Wahrscheinlich folgende
Punkte:
·In
der Arktis ist es kalt
·Donald
Trump will sie beherrschen und ist deshalb so interessiert an Grönland
·Dort
gibt es wertvolle Rohstoffe, z.B. Öl, Gas, Nickel, Kobalt oder Gold
·Der
Klimawandel trifft die Arktis besonders hart
All das stimmt. Und doch ist es nicht die ganze Geschichte. Dass Donald
Trump seine Drohungen in Bezug auf Grönland erstmal zurückgefahren hat, heißt
nicht, dass die Region nicht mehr wichtig ist. Die Arktis war schon vorher
einer der spannendsten Erdteile und wird es auch in Zukunft noch sein.
Drei Dinge helfen, die Bedeutung der Arktis besser zu verstehen:
Erstens:
Vergiss nicht die Menschen, die dort wohnen
Bei all den geopolitischen Debatten geht oft unter, dass in der Arktis
nicht nur Eisbären leben, sondern auch vier Millionen Menschen. Eine halbe
Million davon gehört zu indigenen Völkern, zum Beispiel den Inuit, Sámi oder
Nenzen.
Allein von der Bevölkerung Norwegens leben rund zehn Prozent in
arktischem Gebiet. Übrigens hat vergangene Woche die nord-norwegische
Fußballmannschaft Bodø/Glimt ein Heimspiel gegen Manchester City gewonnen.
„Eine Fußballleistung von historischem Ausmaß für den Hohen Norden“, titelte die Zeitung „High North News“.
Bei der Arktis geht es also nicht nur um ein unbewohntes Gebiet, das
sich dafür eignet, Rohstoffe zu fördern oder mit einem Schiff eine Abkürzung
durch die Weltmeere zu finden. Es geht um einen Ort, den Menschen ihr Zuhause
nennen.
Zweitens:
Schau dir die richtige Karte an
Karten beeinflussen unser Denken. Und die Arktis ist einer dieser Orte,
für die man die richtige Karte braucht, um ihn zu verstehen.
Du hast bestimmt schon von der Mercator-Projektion gehört: Die Welt ist
eine Kugel (mehr oder weniger zumindest) und um sie auf einer
zweidimensionalen Karte darstellen zu können, werden Flächen teilweise
verzerrt dargestellt.
Zum Beispiel erscheint Grönland auf dieser Karte
flächenmäßig genauso groß wie Afrika, obwohl Afrika 14-Mal größer ist.
Auf einigen Europakarten dagegen ist die Arktis gar nicht zu sehen.
Norwegen und Schweden sind größtenteils abgeschnitten, Finnland ist gar nicht
erst drauf.
Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Arktis, wenn wir quasi „von
oben“ auf den Globus blicken.
Sanao, Public domain, via Wikimedia Commons
In dieser Perspektive sitzen mehrere Länder wie an einem großen Tisch
zusammen. Russland, die USA, Kanada, Grönland (das zu Dänemark gehört),
Island, Norwegen, Schweden und Finnland gehören zu den arktischen Staaten.
Die Arktis ist ein Ort der Konfrontation: Dort treffen Länder
aufeinander, die miteinander konkurrieren oder sich in Konflikten befinden.
Das ist der eine Teil der Geschichte.
Der andere Teil ist: Die Arktis war lange ein Ort der Kooperation. 1996
wurde der Arktische Rat gegründet, ihm gehören die acht arktischen Staaten
an. Mehrere indigene Gruppen sind ständige Teilnehmer, außerdem gibt es
mehrere Beobachterländer, darunter auch Deutschland. Der Arktische Rat
befasst sich hauptsächlich mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz.
Auch in der Forschung arbeiteten viele Länder lange miteinander – bis
zum Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022. Das beendete viele
Kooperationen. Auch der arktische Rat arbeitet seither nur noch
eingeschränkt.
Drittens:
Am gefährlichsten ist das, was man nicht sieht
Ein Blick auf die Karte hat ja schon gezeigt, wie wichtig es für viele
Länder ist, in der Arktis präsent zu sein. Ich dachte dabei lange, die Länder
schicken nur Schiffe in die Arktis. Dabei sind Schiffe nicht die einzigen
Gefährte, die die Arktis durchkreuzen – es sind auch U-Boote. Und die spielen
vor allem für Russland eine wichtige Rolle.
Die Arktis ist ein wesentlicher Bestandteil von Russlands
Nukleardoktrin. Die Nordflotte, ein Teil der russischen Marine, der
Atom-U-Boote betreibt, hat ihre Hauptbasis in Seweromorsk, bei Murmansk.
Dazu muss man eine Sache wissen: U-Boote garantieren die
Zweitschlagfähigkeit eines Landes. Angenommen, die USA würden Russland mit
Atomwaffen angreifen und alle Städte auf einen Schlag zerstören. Dann könnte
Russland immer noch mit den auf den U-Booten stationierten Atomwaffen
zurückschlagen. So wissen alle Länder, dass es sich „nicht lohnt“, Russland
atomar anzugreifen.
U-Boote können teilweise über Monate abtauchen und so verhindern, dass
man sie ortet. Russische U-Boote sind dazu ausgerichtet, unter der Eisdecke
der Arktis fahren zu können. Wir wissen also, dass es russische U-Boote in
der Arktis gibt – wir wissen nur nicht wo genau.
Für Russland eignet sich die Arktis besonders gut, um atomare U-Boote
loszuschicken, viel besser, als beispielsweise die Ostsee. Auch dort hat
Russland einen Zugang zum Meer. Allerdings ist die Ostsee viel kleiner, in
großen Teilen von Nato-Staaten kontrolliert – und vor allem ist die Ostsee
flach. Mit einer Tiefe von durchschnittlich 50 Metern ist sie aus maritimer
Perspektive eine große Pfütze. Die Arktis gehört mit einer Tiefe von
durchschnittlich 1.000 Metern zwar zu den flachen Ozeanen, allerdings eignet
sich sich trotzdem hervorragend, um U-Boote vor Satelliten und Sensoren zu
verbergen.
Das alles ist natürlich immer noch nur ein Bruchteil von dem, was ich
über die Arktis schreiben könnte. Aber vielleicht ist es immerhin genug,
damit du zukünftige Nachrichten und Debatten über die Arktis besser einordnen
kannst.
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