TAZ hier 15.2.2026 Von Jonas Waack
doppelblind: Warum der Waldboden noch besser fürs Klima ist als gedacht
Bakterien und Methan
Forscher*innen fürchten, dass Waldböden wegen des Klimawandels immer weniger Methan aufnehmen können. Doch eine Studie zeigt das Gegenteil.
Nirgendwo bauen Bakterien mehr Methan ab als in Waldböden. Das macht diese Böden sehr wichtig für die Stabilisierung des Klimas, denn eine Tonne Methan in der Atmosphäre erhitzt die Erde 30-mal stärker als eine Tonne CO₂. Wenn die Bakterien in Waldböden also weniger Methan abbauen, bleibt das Gas länger in der Atmosphäre und treibt den Klimawandel stärker voran als ohnehin schon.
Die meisten Studien deuten darauf hin, dass diese Gefahr real ist: Die Bakterien brauchen Sauerstoff, um Methan in das weniger klimaschädliche CO₂ umzuwandeln – je mehr Luft im Boden ist, desto besser. Der Klimawandel sorgt aber dafür, dass es häufiger heftig regnet. Dann werden die Poren im Boden kleiner, die Luftzufuhr sinkt und die Bakterien können weniger gut Methan umwandeln. Andere Bakterienarten, die Methan produzieren, kommen hingegen gut ohne Sauerstoff klar und stoßen munter weiter Methan aus.
Nun ist zwar wissenschaftlich belegt, dass der Klimawandel es stärker regnen lässt, weil wärmere Luft mehr Wasser speichern kann. Aber das heißt nicht unbedingt, dass es ausgerechnet in Wäldern heftiger regnet – erst recht nicht in Wäldern in gemäßigten Breiten, wo Bodenbakterien am effektivsten Methan umwandeln. Da setzt eine Studie deutscher Forscher*innen an. Sie haben an sechs Orten in Baden-Württemberg bis zu 24 Jahre lang gemessen, wie viel Methan der Waldboden bindet.
Dafür haben sie neben den langjährigen Messungen mit Rohren im Boden für kürzere Zeit Kammern zur Gasmessung auf den Boden gesetzt, um die langjährigen Messungen zu überprüfen. „Methodisch ist das sehr gut“, sagt Friederike Lang, Bodenökologie-Professorin an der Universität Freiburg. Sie war nicht an der Studie beteiligt. „Die Untersuchung ist wirklich einzigartig, es gibt selten über so lange Zeit kontinuierlich erhobene Messwerte.“
Das Ergebnis: Die Bakterien wandelten über die vergangenen Jahre mehr Methan um, nicht weniger. Durchschnittlich nahmen die untersuchten Waldböden jedes Jahr 3 Prozent mehr Methan auf als im Vorjahr. Den Studienautor*innen zufolge liegt das wahrscheinlich vor allem daran, dass Niederschlag in den Wäldern seltener und die Böden dementsprechend trockener wurden – gute Bedingungen für die Methan verwertenden Bakterien. „Dazu kommt, dass immer mehr Methan ausgestoßen wird, also verarbeiten die Bakterien auch mehr“, sagt Co-Studienautorin Verena Lang, die nicht mit der Professorin verwandt ist.
Dass Waldböden weltweit eher mehr als weniger Methan aufnehmen, lässt sich aus den Studienergebnissen nicht ableiten. Aber für einige Regionen schon: „Ich würde erwarten, dass man das an mehr Standorten beobachten kann, wo es trockener geworden ist, in Brandenburg zum Beispiel“, sagt Professorin Friederike Lang.
Die Studienautorin Verena Lang sagt: „Das ist entscheidend für die Treibhausgasbilanzierung. Normalerweise wird in jedem Bundesland mit einem einzigen Wert berechnet, wie viel Methan Waldboden aufnimmt.“ Diesen Wert müsse man sich genau angucken, vielleicht werde er unterschätzt.
Focus hier Artikel von Luca Wolkstein 10.2.26
Neue Studie zeigt erstaunliche Reaktion von deutschen Wäldern auf den Klimawandel
Dass Waldböden einen integralen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie große Mengen an Treibhausgasen wie Methan binden und so unsere Erd-Atmosphäre entlasten, ist hinreichend bekannt als auch belegt.
Jetzt hat eine Studie deutscher Wissenschaftler herausgefunden, dass dieser Effekt im Gegensatz zu bisherigen Vermutungen sogar zunehmen könnte. Ironischerweise könnte uns dabei der Klimawandel in die Karten spielen, erklärt das Portal "Top Agrar" in Basis auf eine Studie.
Neue Studie: Trockene Waldböden können offenbar mehr Methan aufnehmen
Forscher der Universität Göttingen und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) legten kürzlich ihre Ergebnisse der weltweit umfangreichsten Studie in Bezug auf die Methan-Aufnahme von Waldböden an. Dabei fanden sie heraus, dass die Erdoberfläche an 13 Waldstandorten im Schnitt drei Prozent mehr Methan absorbieren können als bisher.
Diese über teils 24 Jahre dokumentierte Entwicklung hänge mit veränderten klimatischen Bedingungen für die deutschen Wälder zusammen: Weniger Niederschlag hat bundesweit trockenere Waldböden zu Folge, in die das Treibhausgas besser eindringen könnte – so die Ergebnisse der im Fachmagazin "Agricultural and Forest Meteorology" veröffentlichten Studie.
"Unsere Langzeitdaten zeigen, dass sich klimatische Veränderungen nicht zwangsläufig negativ auf die Methanaufnahme von Waldböden auswirken", fasst Prof. Dr. Martin Maier vom Department für Nutzpflanzenwissenschaften der Universität Göttingen zusammen.
Die überwiegende Mehrheit der Forschungsgemeinde ging auf Basis bisheriger Ergebnisse davon aus, dass trockenere Waldböden den umgekehrten Effekt begünstigen. "Während die bis dahin größte Studie aus den USA einen Rückgang der Methanaufnahme um bis zu 80 Prozent aufgrund zunehmender Niederschläge fand, ergab unsere deutlich umfangreichere Feldstudie für Südwestdeutschland das Gegenteil".
Abkehr vom Status Quo: Trockene Böden doch besser?
Bislang galt weitestgehend die Annahme, dass feuchtere Waldböden unter bestimmten Bedingungen mehr Methan aus der Luft aufnähmen als trockene Böden, weil die Feuchte im Boden die Lebensbedingungen für die methanabbauenden Mikroorganismen beeinflusst. In einer vierjährigen Messreihe wurde laut des Forschungsportals "Science Direct" festgestellt, dass Bodenfeuchte allein etwa 56 Prozent der Unterschiede in der Methanaufnahme erklären kann.
Klimakiller Methan: Reduktion der Ausstöße wäre ein Gamechanger
Eine Reduktion der Methan-Emissionen würde enorme Vorteile bieten, denn das Treibhausgas trägt stark zur Erwärmung unseres Planeten bei: Wissenschaftliche Analysen zeigen laut European Environment Agency, dass etwa 0,5 Grad Celsius der beobachteten globalen Erwärmung von rund 1,1 Grad seit der vorindustriellen Zeit direkt auf Methan zurückgehen.
Da Methan bereits nach zwölf Jahren und damit deutlich schneller wieder aus der Atmosphäre verschwindet als Kohlendioxid, könnte durch eine Verringerung der Ausstöße die kurzzeitige Erwärmung relativ rasch verlangsamt werden – und Zeit für Klimaschutz-Maßnahmen würde geschaffen.
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