Golem hier 11. Februar 2026 Michael Linden
Europa will raus aus US-Zahlungsnetzwerken
Wero:
Die Europäische Zentralbank forciert den Aufbau einer eigenen digitalen Zahlungsinfrastruktur als Alternative zu Visa, Mastercard und Paypal.
Fast alle Karten- und Mobilzahlungen in Europa laufen derzeit über Systeme von Unternehmen außerhalb Europas. Das soll sich ändern, erklärte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einem Radiointerview. Die European Payments Initiative (EPI) und die Europa Alliance besiegelten einen Zusammenschluss, der die digitale Zahlungsplattform Wero mit rund 130 Millionen Nutzern in 13 Ländern etablieren soll.
Lagarde sagte, dass Transaktionsdaten regelmäßig ins Ausland fließen. "Ob Sie eine Karte oder ein Telefon verwenden – typischerweise läuft es über Visa, Mastercard, Paypal oder Alipay", sagte sie in der Pat Kenny Show. Visa und Mastercard wickeln derzeit Transaktionen im Wert von geschätzt 24 Billionen US-Dollar jährlich ab, Kartenzahlungen machen 56 Prozent der bargeldlosen Zahlungen in EU-Mitgliedstaaten aus.
Wero verbindet nationale Systeme
Die European Payments Initiative wurde von 16 Banken und Zahlungsdienstleistern gegründet, darunter BNP Paribas und Deutsche Bank. Die Plattform Wero startete im Juli 2024 und nutzt Sepa-Instant-Überweisungen sowie Geldtransfers per Telefonnummer. Rund 47 Millionen Nutzer in Belgien, Frankreich und Deutschland sind bereits registriert, mehr als 7,5 Milliarden Euro wurden über 1.100 Mitgliedsinstitutionen transferiert.
Ende 2025 startete in Deutschland die Einzelhandelszahlungsfunktion. Der Zusammenschluss mit der Europa Alliance verbindet Wero nun mit nationalen Zahlungssystemen wie Italiens Bancomat, Spaniens Bizum, Portugals MB WAY und dem nordischen Vipps Mobilepay. Das kombinierte Netzwerk deckt etwa 72 Prozent der Bevölkerung der EU und Norwegens ab.
Grenzüberschreitende Peer-to-Peer-Zahlungen sollen noch in diesem Jahr starten, E-Commerce- und Point-of-Sale-Funktionen sind für 2027 geplant.
BR hier 01.02.2026 Walter Kittel
Neues Bezahlsystem: Ist Wero besser als Paypal oder Apple Pay?
Neues Bezahlsystem: Ist Wero besser als Paypal oder Apple Pay?
Nach Einschätzung von Verbraucherschützern werden Kunden auch bei Bezahlvorgängen immer kritischer. Sie suchen eine europäische Alternative zu den großen US-Finanzdienstleistern von Paypal oder Apple Pay. Doch Wero steht noch ganz am Anfang.
Mit dem Smartphone zahlen, das gehört für viele Menschen längst zum Alltag. Ob an der Ladenkasse oder zu Hause beim Onlineshopping, überall fließt per Wisch oder Klick das Geld vom Konto. Dass es vor allem die großen US-Konzerne Paypal, Apple, Visa oder Mastercard sind, die solche smarten Bezahlvorgänge steuern, hat lange nur wenige gestört.
Doch vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen würden immer mehr Menschen nach Alternativen suchen, sagt ein Sprecher der Stiftung Warentest Finanzen im Interview mit BR24. Mit dem neuen europäischen Bezahlsystem Wero könnte eine neue Möglichkeit kurz vor dem Durchbruch stehen, künftig auch "europäisch" bargeldlos zu bezahlen.
Banken und Handel entscheiden über die Zukunft von Wero
Nach Einschätzung von Verbraucherschützern werden vor allem Banken und der Handel über den Erfolg von Wero entscheiden. Denn wenn sich einzelne Banken nicht beteiligen, können auch deren Kunden nicht "europäisch" zahlen. Gleiches gilt für den Handel. Geschäfte, ob online oder stationär, die keine neuen Bezahlmöglichkeiten wollen, können auch nicht dazu gezwungen werden.
Allerdings bestehe ein großes Interesse vieler Händler, an der derzeitigen Lage etwas zu ändern, so der Handelsverband Bayern auf BR24-Anfrage.
Der wichtigste Grund: die Gebühren. Die fallen bei jeder bargeldlosen Zahlung an und seien bei Wero deutlich niedriger als bei der Konkurrenz. Vielen Händlern sei es schon lange "ein Dorn im Auge", dass bargeldloses Bezahlen fast ausschließlich ein Geschäft großer US-Unternehmen ist. Denn die lassen sich das nach Einschätzung vieler Geschäftsleute zu gut bezahlen.
Einführung im stationären Handel noch in diesem Jahr
Ab wann die Kunden in den Geschäften und an den Kassen auch tatsächlich die Wahl haben werden und Wero nutzen können, steht nach Angaben des Handelsverbands Bayern noch nicht genau fest. Geplant sei die Einführung aber noch in diesem Jahr.
Mehr Wettbewerb unter den Bezahlsystemen sei für den Handel wichtig: "Vielleicht wird Paypal dann auf Druck, weil Wero stärker wird, auch die Gebühren senken, wer weiß", so der Sprecher des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann im Gespräch mit BR24.
Letztlich würden auch die Kunden von geringeren Gebühren profitieren, denn diese seien "eingepreist", werden also letztlich von den Käufern der Waren mit bezahlt. Ob Händler aber wirklich Preise senken, weil Bezahl-Gebühren sinken, ist keine ausgemachte Sache.
Noch haben sich nicht alle Banken für Wero entschieden
Verbraucherschützer, Handel und auch viele Banken ziehen bei Wero an einem Strang. Ein Selbstläufer ist die neue Bezahlmöglichkeit allerdings nicht. Der Bundesverband deutscher Banken beschreibt die Lage im BR24-Gespräch so: "Die Entscheidung darüber, ob eine Bank Wero anbietet, trifft die jeweilige Bank eigenständig nach ihren geschäftspolitischen Gesichtspunkten."
Sollten einzelne Banken also nicht den Mehrwert sehen, könnten deren Kunden weiter auf US-Dienstleister angewiesen sein. Klar positioniert haben sich allerdings bereits viele Banken für mobile Geldzahlungen "Made in Europe". Vor allem die Sparkassen. Der Sparkassenverband Bayern geht davon aus, dass derzeit in Bayern insgesamt bereits rund 250.000 Bankkundinnen und -kunden Wero nutzen.
Auch die Stadtsparkasse München zieht eine positive Zwischenbilanz. Die Akzeptanz der Kundschaft und Händler steige stetig. Außerdem werde die Nutzung des Zahlsystems als "einfach und intuitiv wahrgenommen."
Stiftung Warentest Finanzen mit positivem Testergebnis
Die Stiftung Warentest Finanzen bestätigt die positive Entwicklung. Immer mehr Banken würden Wero anbieten, inzwischen auch die Deutsche Bank. Außerdem habe ein kleiner Praxistest der Stiftung Warentest ergeben, dass Überweisungen "problemlos" gelingen. Ganz unabhängig davon, von welcher Bank oder Sparkasse aus die Transaktion erfolgte.
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