Standard hier Reiner Wandler aus Madrid 8. Februar 2026,
Massive Fluten in Spanien, Portugal und Marokko
Noch eine Woche soll es in den betroffenen Regionen der drei Staaten regnen – dabei steht in vielen Orten schon jetzt das Wasser buchstäblich bis zum Hals
Grazalema ist zum Symbol für das Unwetter geworden, das Südspanien aber auch Südportugal und Nordmarokko seit Tagen heimsucht. Ein Sturmtief nach dem anderen kommt seit Wochen vom Atlantik her und sorgt für Regenfälle, die längst das übertreffen, was normalerweise weiter im Norden auf der Iberischen Halbinsel in einem Jahr fällt – dort, wo man viel eher für solche Wassermassen gewappnet ist. Die Fluten bedrohen Grazalema gleich doppelt.
Der 1900 Einwohner zählende Ort in Andalusien liegt mitten in einem Kalksteingebirge. Der Regen fließt nicht mehr schnell genug ab und von unten füllen sich die Höhlen und Risse im Kalkstein mit Wasser. Das tritt dort aus, wo es sonst nie zum Vorschein kam. Geologen vom Spanischen Wissenschaftsrat sprechen von einem "gigantischen Schwamm". An manchen Stellen sei der Grundwasserspiegel schlagartig um 200 Meter angestiegen.
Wasserhölle im Untergrund
Auf Straßen und in den Häusern öffnen sich Löcher. Selbst aus den Wänden der Häuser sprudelt es. Bewohner berichten von starkem Lärm, wie dumpfes Grollen, im Untergrund. Es ist das Wasser, das sich dort seinen Weg bahnt. Grazalema wurde daraufhin komplett evakuiert. Wann die Bewohner zurückkönnen, steht nicht fest. Es regnet weiter und Experten schließen nicht aus, dass das Gelände nachgibt und sich riesige Senklöcher auftun.
In ganz Andalusien haben mittlerweile über 11.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. Die großen Flüsse wie der Guadalete oder der Guadalquivir sind über die Ufer getreten. Bedroht ist selbst die Provinzhauptstadt Córdoba. 33 Stauseen mussten bereits ihre Schleusen öffnen und Wasser ablassen, was die Überschwemmungsgefahr noch erhöht. Kleinere Bäche haben sich wie im Ort Ubrique zu reißenden Flüssen verwandelt und überfluten ganze Dörfer. Mehr als 10.000 Feuerwehrleute, Polizisten und Soldaten der Notfalleinheit UME sind im Einsatz.
Die Oliven bleiben am Baum
Über 200 Straßen sind gesperrt, 75 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche in Mitleidenschaft gezogen. Zwei Menschen kamen in den Fluten ums Leben. Die andalusische Regionalregierung schätzt die Schäden alleine bei den Straßen auf eine halbe Milliarde Euro. Die Landwirtschaftsverbände reden von drei Milliarden Euro Ausfällen. Vielerorts können die Oliven nicht geerntet werden.
Im benachbarten Portugal sieht es nicht besser aus. Dort stehen viele Orte in der südlichen Hälfte des Landes unter Wasser. 13 Tote sind bereits zu beklagen. Über 1000 Menschen mussten ihre Häuser bisher verlassen. 100.000 sind ohne Strom. Der Schaden wird auf vier Milliarden Euro geschätzt.
1600 Soldaten sind in insgesamt 41 Dörfern im Einsatz. Der größte europäische Stausee, Alqueva, an der Grenze zwischen Portugal und Spanien musste die Schleusen öffnen. Das wiederum lässt den Fluss Guadiana stark ansteigen. Mehrere portugiesische Orte haben den an diesem Sonntag stattfindenden zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahlen um eine Woche verschoben. Sie im ganzen Land auszusetzen, wie der rechtsextreme Kandidat André Ventura, der in der Stichwahl auf den Sozialisten und Favoriten für das Amt des Staatschefs, António José Seguro, trifft, ist nicht möglich. Die Verfassung sieht dies nicht vor.
Großstadt evakuiert
Auch im Norden Marokkos fordern die Sturmtiefs ihren Preis. Ksar al Kebir, eine Stadt mit über 100.000 Einwohnern musste, neben weiteren Orten, komplett evakuiert werden. Insgesamt warten 150.000 Menschen in Notunterkünfte darauf, dass das Wasser zurückgeht. Mehrere Orte sind völlig abgeschnitten und werden von der Armee per Hubschrauber mit Lebensmitteln versorgt.
Der ängstliche Blick auf die Wolken geht weiter. Noch mindestens eine Woche lang sagen die Meteorologen weitere Regenfälle vorher. Sie reden von einem "Zug der Sturmtiefs". Durch eine Fragmentierung der kalten Luftschichten über der Arktis und die Erwärmung der Meere ziehen diese Tiefs nicht wie sonst durch Nord- und Mitteleuropa, sondern durch den Süden. Sie nehmen dabei wärmere Luftschichten aus der Karibik mit, die sehr viel Feuchtigkeit aufgenommen haben. Dadurch kommt es zu den ungewöhnlich starken Niederschlägen. (Reiner Wandler aus Madrid, 8.2.2026)
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