Freitag, 20. Februar 2026

Netzpaket: "Energiewende-Stopp durch die Hintertür"

 


Tim Meyer  • LinkedIn


So wird das 'Netzpaket' des Bundeswirtschaftsministeriums im Spiegel und anderswo eingeordnet. 

Leider zurecht, obwohl auch viel Richtiges im Gesetzesentwurf steht.

Das Problem an Hintertüren ist, dass sie auch hinter fulminantem Blumenschmuck verborgen sein können. Oder sie sehen gleich wie ein total sinnvoller Weg aus, den man sowieso schon lange gehen wollte. Nur landet man dann eben ganz woanders, als in Aussicht gestellt war.

Und tatsächlich ahnt die zerstörerische Potenz dieses Entwurfes nur, wer die Realität des deutschen Flickenteppichs aus gut 850 Netzbetreibern kennt. 


Fangen wir also mit den sinnvoll aussehenden Teilen und dem Blumenschmuck an:

Endlich aktiv auf die aktuellen Herausforderungen insb. im Verteilnetz reagieren? Im zunehmenden Konkurrenzdruck um knappe Netzkapazitäten neue Anfragen priorisieren? Regional den Netzausbau und Anlagenzubau von Erzeugern, Speichern und Verbrauchern besser synchronisieren?
Wer all dies in der Präambel des Gesetzentwurfes liest, kann nur zustimmend nicken. 

Also Gebiete mit aktuell begrenzter Netzaufnahmekapazität auf digitalen Plattformen transparent ausweisen und in diesen Gebieten übergangsweise andere Spielregeln für Netzanschlüsse vertraglich regeln? Klingt sinnvoll. 

Ebenso transparent auf digitalen Plattformen verfügbare Netzkapazitäten ausweisen und Anschlussbegehren vollständig digital umsetzen? Unbedingt! 

Wo ist also der Haken, die zerstörerische Potenz?
Genau an dem Punkt, zu dem der Entwurf kein einziges Wort verliert: der strukturellen Überforderung von Verteilnetzbetreibern. Deren Spielraum soll sogar noch größer werden als heute schon, während gleichzeitig Netzkunden keine Möglichkeit haben werden, ihre Interessen und Ansprüche durchzusetzen. 

In anderen Worten: die schon heute massive Schieflage zwischen Netzbetreibern als Monopolbetrieben und Netzkunden als machtlosen Bittstellern wird verstärkt. 
Der Flickenteppich wird immer hochfloriger, wilder und unbeherrschbarer.

Richtig: auch die Energiewende selbst hat Schieflage.
Die Modernisierung des Netzbetriebes und der Netze hinkt dem Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Anforderungen der flächigen Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft hinterher. Diese Schieflage aber dadurch beseitigen zu wollen, dass man die Schieflage im Kräfteverhältnis zwischen Netzbetreibern und –kunden verstärkt, führt genau in die falsche Richtung. 

Im Ergebnis werden viele strukturell überforderte Netzbetreiber Elektrifizierung und Erneuerbaren-Ausbau weiter bremsen. Und / oder sie werden Netzanschlüsse für neue Erzeuger über die Einführung der gemäß Gesetzentwurf dann zulässigen Baukostenzuschüsse nach eigenem Gusto teuer machen. Was aufs Selbe hinausläuft.
 
Der Fehler steckt im Ansatz: die "Deutschlandgeschwindigkeit der Energiewende" darf nicht darin bestehen, erst auf Nachzügler zu warten, bevor es weitergehen kann. Wir müssen endlich die Nachzügler beschleunigen. Sonst bleiben wir stehen.




Joachim Plesch  • LinkedIn


Und täglich grüßt das Murmeltier bzw. Katharina Reiche: Der nächste Versuch, die Erneuerbaren auszubremsen

Glaubt mir, ich würde gerne mal einen anderen Post über die Energiepolitik machen, aber Katharina Reiche musste (zurecht) viel Kritik einstecken, gerade in den letzten Tagen. Ich brauche das alles nicht aufführen, jeder weiß Bescheid:

⏩ Das sogenannte Heizungsgesetz wartet seit nunmehr 12 Monaten darauf, dass es reformiert wird
⏩ Die Novelle des Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) zum 1.1.2027 sollte schon längst vorgelegt sein.
⏩ Gaskraftwerke wurde nun doch nach Habecks bereits ausgehandeltem Plan umgesetzt.
⏩ In Ihrem Ministerium hat sie keine Akzeptanz

Was tut diese Frau eigentlich?

Hauptsächlich dies: Nebelkerzen zu zünden, inkohärente Inhalte verbreiten, keine Gesetze und damit keine Planungssicherheit zu geben und v.a. maximale Unsicherheit in der Wirtschaft zu erzeugen. 

Und genau das steht nun wieder an:

In einem neuen Nebengesetz zum EEG, dem "Netzpaket", will Sie am Grundkonsens des Ausbaus der Erneuerbaren Energien rütteln. Bisher musste Erneuerbare unverzüglich ans Netz angeschlossen werden.

Ab Inkrafttreten soll es dabei zwei handfeste Einschränkungen geben:

⚠️ Wenn in einem Netz mehr als 3% des Stroms in einem Jahr abgeregelt wurde (was in fast jedem Netz passiert), dann bekommen Betreiber neuer Anlagen keine Ausfall-Entschädigung, wenn Ihre Anlage abgeregelt wird. Bisher bekamen sie dafür eine Vergütung, so dass der Netzbetreiber einen Anreiz hatte, sein Netz auszubauen (verkürzt ausgedrückt, tragen die neuen EE-Anlagen nun die Kosten der Versäumnisse der Netzbetreiber). Gerade für PV- und Windparks ist das ein gewisses Risiko. Ich selbst kann es gar nicht einschätzen, da sie sowieso durch das Solarspitzengesetz bereits keine Einspeisevergütung mehr erhalten 

⚠️Schlimmer ist allerdings, dass Netzbetreiber danach für Anlagen größer 135 kWp eigene Netzanschlussverfahren anwenden können. D.h. von den über 860 Netzbetreibern kann jeder machen, was er/sie will... ein Traum für die Konzerne und Netzbetreiber - große Hürden für alle potentiellen Anlagenbetreiber.

Katharina Reiche macht Politik für Putin und E.On bzw. die großen Stromkonzerne (inkl. Netzbetreiber). Man muss es leider so deutlich sagen.

Ich gehe davon aus, dass das wieder die übliche Nebelkerze der Ministerin ist. Denn nun liegt der Ball bei der SPD. Ich gehe davon aus, dass dies in der Bundesregierung nicht konsensfähig sein wird.

Fakt ist leider auch, das damit natürlich die Unsicherheit in unserer Branche massiv vergrößert wird, die sogenannten Rahmenbedingungen, die eine Wirtschaftsministerin verbessern sollte, werden nochmals schlechter... es scheint, als hätte sie sich zum Ziel gesetzt, den Rekord Ihres Ex-Chefs Peter Altmaier von mehr als 80.000 verlorenen Arbeitsplätzen alleine im PV-Bereich zu übertrumpfen. Na vielen Dank, Frau Anti-Wirtschaftsministerin.





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