Wer ihn nicht kennt: Dirk Tangemann war lange führendes Mitglied der CDU in Hamburg, bis sich sein Eindruck im letzten Jahr verfestigte, dass da gerade etwas völlig aus dem Ruder läuft...
Dirk Tangemann LinkedIn
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
was Wirtschaftsministerin Reiche derzeit plant, ist keine „Kurskorrektur“ der Energiewende. Es ist ein struktureller Rückschritt – mit gravierenden Folgen für Unabhängigkeit, Versorgungssicherheit, Investitionen und Innovationskraft unseres Landes.
Der geplante Redispatch-Vorbehalt und der Wegfall von Entschädigungen für abgeregelte Wind- und Solaranlagen bedeuten faktisch:
Investitionsrisiken werden privatisiert, Systemversagen staatlicher Infrastruktur auf Unternehmen und Verbraucher abgewälzt.
Wer heute in erneuerbare Erzeugung investiert, tut das unter der Annahme verlässlicher Rahmenbedingungen. Wenn der Staat Netze nicht rechtzeitig ausbaut und dann rückwirkend erklärt: „Dann gibt es eben keine Entschädigung mehr“, zerstört er Vertrauen.
- Was bezweckt diese Politik wirklich? Kurzfristige Entlastung von Netzentgelten – um den Preis langfristiger Abhängigkeit.
- Wem hilft das? Nicht der deutschen Industrie. Nicht den Stadtwerken. Nicht der Innovationslandschaft. Sondern fossilen Energielieferanten: den USA, Katar, Saudi-Arabien.
Denn jedes gebremste Windrad, jede verhinderte Solaranlage, jeder nicht realisierte Speicher verlängert unsere Abhängigkeit von Importen – geopolitisch, preislich, strategisch - Was bedeutet das für Energiesouveränität? Sie wird geschwächt. Ein dezentrales, erneuerbares Energiesystem ist per Definition resilient. Ein fossil gestütztes Übergangssystem bleibt erpressbar.
- Was bedeutet das für Versorgungssicherheit und Preise?
- Kurzfristig: kosmetische Effekte.
- Mittelfristig: höhere Preise durch Importabhängigkeit.
- Langfristig: ein System, das Überschüsse nicht nutzt, sondern bestraft – statt sie in Speicher, Power-to-Gas, flexible Nachfrage und Digitalisierung zu überführen.
Ein erneuerbares System braucht Überschüsse. Sie sind kein Fehler – sie sind der Rohstoff für Speicher, Wasserstoff, Wärmenetze, industrielle Transformation.
🟩 Was bedeutet das für deutsche Innovation?
Planungsunsicherheit tötet Investitionen. Kapital fließt dorthin, wo Rahmenbedingungen stabil sind. So verlieren wir genau die Technologien, die wir für Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz und Sicherheit brauchen.
Herr Bundeskanzler, das hier ist kein Kostenproblem. Es ist ein Gestaltungsversagen.
Hören Sie damit auf, Symptome zu bestrafen, statt Ursachen zu lösen.
Beschleunigen Sie Netze, Speicher, Digitalisierung – statt den Ausbau der Erneuerbaren auszubremsen.
Energiepolitik ist Sicherheitspolitik.
Und Sicherheit entsteht nicht durch Rückbau von Zukunft.
Hier mein letzter Beitrag zu Erneuerbaren Energien
Sven Wiechert •
Die Union plant einen defacto Baustopp für Wind und Solar. Bis zu 10 Jahre lang.
Der folgende Post von Ingwar Perowanowitsch war zu gut, um ihn hier nicht noch einmal zu teilen:
"Was würde die Union wohl fordern, wenn unsere Autobahnen ständig überlastet wären?
Antwort A: Zulassungsstop für Autos für 10 Jahre.
Antwort B: In den Ausbau der Autobahnen investieren.
Wir erleben hier gerade einen beispiellosen Anschlag auf die Energiewende. Das muss unbedingt verhindert werden!"
Spiegel hier Ein Kommentar von Stefan Schultz 11.02.2026
Die Kapitulationserklärung der Katherina Reiche
Im deutschen Stromnetz finden sich kaum noch freie Anschlüsse. Statt das Problem anzupacken, will die Wirtschaftsministerin den Bau neuer Wind- und Solaranlagen erschweren. Ein absurder Weg.
In der Systemtheorie gibt es das Konzept der »abrutschenden Ziele«: Man schafft es nicht, etwas zu erreichen, das man sich vorgenommen hat. Doch statt sich mehr anzustrengen, schraubt man das eigene Ziel herunter.
Es ist das Prinzip von gescheiterten Diäten und Neujahrsvorsätzen. Und aktuell, mal wieder, das Prinzip der deutschen Energiepolitik.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lässt gerade ein Gesetz erarbeiten, das den Bau neuer Ökostromanlagen massiv erschweren würde. Ihr Hauptargument dafür ist, dass es im überlasteten Stromnetz kaum noch Anschlüsse für neue Anlagen gibt.
So bleibt Deutschland erpressbar
Man könnte sich auch bemühen, den Bau neuer Leitungen anzukurbeln, auch dann gäbe es mehr Anschlüsse. Oder man könnte die Anreize für kluge Kombi-Lösungen an bestehenden Anschlusspunkten erhöhen. Wind- und Solaranlagen erzeugen teils zu unterschiedlichen Zeiten Strom und könnten sich existierende Anschlüsse öfter teilen.
Doch Reiche geht einen anderen Weg. Sie will den Bau neuer Wind- und Solaranlagen verkomplizieren. Das ist absurd. Es schadet der Wirtschaft, es ist schlecht für das Klima und es sorgt dafür, dass Deutschland in Energiefragen unnötig lang erpressbar bleibt.
Laut dem Gesetzentwurf aus dem Wirtschaftsministerium sollen Wind- und Solaranlagen künftig nicht mehr vorrangig einen Netzanschluss erhalten. Sie sollen teils auf Entschädigungen für den von ihnen erzeugten Strom verzichten, wenn Netzbetreiber ihnen diesen aufgrund von Engpässen nicht abnehmen. Und sie sollen sich selbst an den Kosten für den »Ausbau« und die »Optimierung« der Stromnetze beteiligen.
Es ist nicht grundsätzlich falsch, dass Ökostromanlagen im Energiesystem mehr Verantwortung übernehmen. Zumal Reiches Haus offiziell das Ausbauziel für erneuerbare Energien nicht antasten will. Faktisch aber tut sie genau das. Denn der vorliegende Gesetzentwurf würde die oft kleinen Ökostromfirmen überfordern. Viele Projekte dürften sich nicht mehr rechnen. Selbst Deutschlands mächtigster Energieverband BDEW, der sonst selten mit Verve die Belange von Erneuerbaren-Firmen vertritt, warnt davor, dass Investoren für Ökostromprojekte verprellt werden könnten.
Das Wirtschaftsministerium spricht von einer »besseren Synchronisierung des Ausbaus von Erneuerbaren und Netzen«. Doch Reiches Haus bemüht sich gerade nicht, den quälend langsamen Ausbau der Netze zu beschleunigen. Es will den Ausbau der erneuerbaren Energien bremsen. Mit der Begründung, dass man das mit dem Netzausbau, leider, leider, nicht so schnell hinbekomme.
Das ist keine »Synchronisierung«. Es ist eine Kapitulationserklärung.
Reiche hat das mit den Netzen nicht allein verbockt. Schon Ende 2010 warnte die halbstaatliche Deutsche Energieagentur (Dena), der schleppende Netzausbau drohe zum Bremsklotz für die Energiewende zu werden. Seitdem hat es keine Bundesregierung, egal welcher Couleur, geschafft, dieses Problem zu lösen. Die Politik schuf durchgehend zu wenig Anreize für den Netzausbau und bekam die Blockaden bestimmter Bürgergruppen und bayerischer Ministerpräsidenten gegen den Trassenbau viel zu lange nicht in den Griff.
Stattdessen drehten die verschiedenen Bundesregierungen lieber an der Erneuerbaren-Schraube. Sie bremsten oder beschleunigten, produzierten mal eine »Altmaier-Delle« und mal ein »Habeck-Hoch«, benannt nach den je gerade zuständigen Umwelt- und/oder Wirtschaftsministern.
Die Reiche-Delle
Reiche arbeitet nun eifrig an der »Reiche-Delle«. Die aber käme zur Unzeit. Denn Energie erlebt gerade eine Renaissance als politisches Druckmittel, gerade im Öl- und Gasmarkt. Da möchte man eigentlich weder wieder mit Russland noch mit einem immer autokratischeren US-Amerika zusammenarbeiten. Und auch nicht mit einem ebenfalls teils erpresserisch agierenden Emir von Katar.
Eine schnelle Umstellung auf Ökostrom wäre schon allein deshalb politisch weise. Sie würde jeglichen Energieimperialismus obsolet machen. Vom Klimaschutz mal ganz abgesehen.
Harald M. Depta
👉 Wie dumm muss man sein, wenn man Reiche glaubt, das Gas ihrer Amigos wäre billiger als Wind und Sonne?
👉 Wie dumm muss man sein, wenn man Söder glaubt, AKWs und Uran seiner Amigos wären billiger als Wind und Sonne?
👉 Und wie dumm muss man sein, wenn man an Merz’ billige Fusionsmärchenkraft glaubt?
Wer heute noch behauptet, fossile Energien oder neue Atomabenteuer seien günstiger als Wind und Sonne, blendet bewusst alle Fakten aus – und verkauft uns als Wählern uralte Geschäftsmodelle als Zukunft.
Während weltweit Rekordmengen an erneuerbaren Energien zu immer niedrigeren Preisen ans Netz gehen, klammern sich Teile der Politik an Gas‑, Atom‑ und Fusionsphantasien, die vor allem ihren alten Netzwerken nützen.
Es geht nicht um Dummheit einzelner Bürger, sondern um die Chuzpe jener, die glauben, sie könnten uns noch einmal erzählen, die Vergangenheit sei moderner als die Gegenwart der Energiewende. Wer wirklich Verantwortung übernehmen will, setzt auf saubere, bezahlbare und heimische Energie – und nicht auf die Amigos von gestern.
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