Donnerstag, 19. Februar 2026

Klimabeiräte aller Länder fordern gemeinsam: Sondervermögen muss beim Klima ankommen!

 

GermanZero

Appell der Klimabeiräte: 500 Milliarden Euro Sondervermögen muss ins Klima und unsere Zukunft fließen! 

Erstmals schließen sich die Klimabeiräte der Länder bundesweit zusammen und warnen: Wenn das Sondervermögen nicht klar an Klimaneutralität und Resilienz gebunden wird, drohen teure Fehlentscheidungen. 

Infrastruktur ohne Klimaschutz ist ein Risiko für kommende Generationen. Jetzt entscheidet sich, ob wir in erneuerbare Energien, klimafeste Städte und starke Kommunen investieren – oder alte Strukturen zementieren. 

 Besonders wichtig: Kommunen brauchen einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu den Mitteln. Kommunaler Klimaschutz ist Daseinsvorsorge und stärkt den sozialen Zusammenhalt vor Ort. 

Die Klimabeiräte stehen bereit, diesen Weg wissenschaftlich fundiert zu begleiten. Jetzt braucht es politischen Willen und klare Prioritäten für Klimaschutz.  




Hier geht's zum gesamten Appell

12. Februar 2026

Erstmalig länderübergreifend: Klimabeiräte fordern Klimakriterien für das Sondervermögen

Erstmals schließen sich Klimabeiräte mehrerer Bundesländer zusammen und appellieren geschlossen an Bund, Länder und Kommunen, die Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität konsequent für Klimaschutz, Klimaanpassung und zukunftsfähige Infrastruktur einzusetzen.

Anlässlich der heutigen Finanzministerkonferenz in Berlin wenden sich die Klimabeiräte der Bundesländer erstmals mit einem gemeinsamen, länderübergreifenden Appell an Politik und Verwaltung. In diesem bundesweit erstmaligen Zusammenschluss fordern sie, die Investitionen aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIKG) an Klimaneutralität, Klimafolgenanpassung und ökologische Resilienz zu koppeln. 

Zugleich bieten die Klimabeiräte den Ländern ihre fachliche Begleitung bei der Investitionsplanung an. Sämtliche zeichnungsberechtigten Klimabeiräte tragen den Appell geschlossen mit. Der Zusammenschluss ist ein bundesweites Novum.

Mit dem Sondervermögen stellt der Bund insgesamt 500 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen bereit, davon 100 Milliarden Euro für Länder und Kommunen. Aus Sicht der Klimabeiräte, die ihre jeweilige Landesregierung zu Klimaschutz beraten, eröffnet diese historische Schuldenaufnahme eine ebenso große Chance wie Verantwortung, wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit, Daseinsvorsorge und wirksamen Klimaschutz systematisch zusammenzudenken.


„Die Investitionsentscheidungen, die heute getroffen werden, prägen unsere Infrastruktur für Jahrzehnte.

Sie müssen deshalb konsequent an
Klimaneutralität und Resilienz ausgerichtet sein –
sonst werden sie zum teuren Risiko“

sagt Prof. Dr. Karen Pittel, Ökonomin am ifo Institut und Mitglied des Bayerischen Klimabeirats. „Klimaschutz, Klimaanpassung sowie und moderne Infrastruktur sind keine Gegensätze – sie verstärken sich gegenseitig. Investitionen, die heute beschlossen werden, müssen auch in 20, 30 oder 40 Jahren noch tragfähig sein.

Klimaneutralität und Resilienz als verbindlicher Maßstab

Die Klimabeiräte sprechen sich für eine obligatorische Kopplung aller Investitionen aus dem Sondervermögen an zwei zentrale Kriterien aus: Erstens müssen neue Infrastrukturen mit den Klimaneutralitätszielen von Bund und Ländern vereinbar sein. Zweitens müssen sie so geplant werden, dass sie den absehbaren Klimaextremen der kommenden Jahrzehnte standhalten – von Hitze und Dürre bis zu Starkregen und Hochwasser.

Prof. Dr. Kai Uwe Totsche, Leiter des Lehrstuhls für Hydrogeologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Sprecher des Thüringer Klimarats betont: „Angesichts zunehmender Extremwetterrisiken müssen die Mittel des Sondervermögens dafür genutzt werden, um Deutschlands Gesellschaft und Infrastrukturen für Bildung, Forschung, Daten, Verkehr, Gebäude und Energie klimafest zu machen und unsere Innovationsführerschaft auch bei Anpassungstechnologien weiter auszubauen. Deutschlands innovationsfreudiger Mittelstand und seine hochkompetitive Wissenschaftslandschaft bieten dabei die ideale Basis, um Spitzentechnologien zu entwickeln.”  

Als prioritäre Handlungsfelder benennen die Klimabeiräte die Energie- und Wärmewende, insbesondere den Ausbau erneuerbarer Energien, intelligenter Netze und Speicher, eine saubere, vernetzte und lebenswerte Mobilität, klimaresiliente Infrastrukturen und naturbasierte Lösungen sowie eine leistungsfähige Forschungs- und Bildungsinfrastruktur als Grundlage für Innovation


Gezielte Investitionen in diesen Bereichen
stärken nicht nur den Klimaschutz,
sondern auch den Industriestandort,
die regionale Wertschöpfung und
die Lebensqualität vor Ort
.


Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, Agrarökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Klimabeirats Brandenburg, sagt: "In den Bereichen Forschung und Bildung wurde bereits Wichtiges geleistet, jedoch sind weitere Anstrengungen für Innovation, Klimaschutz und Klimaanpassung erforderlich. Die Intensivierung von Dialogen zwischen Wissenschaft und Politik kann evidenzbasierte Lösungen verankern und deren landespolitische Umsetzung beschleunigen."

Ein zentrales Anliegen des Appells ist die Rolle der Kommunen. Dipl.-Wirt.-Ing. Maike Schmidt, Vorsitzende des Klima-Sachverständigenrats Baden-Württemberg und Leiterin des Fachgebiets Systemanalyse des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW), sagt: „Kommunaler Klimaschutz ist Daseinsvorsorge, sichert den sozialen Zusammenhalt und den Wirtschaftsstandort. Die Mittel des Sondervermögens müssen schnell und ohne bürokratische Hürden an die Kommunen weitergegeben werden, um die Transformation zur Treibhausgasneutralität optimal zu unterstützen.”

Die Klimabeiräte bieten den Landesregierungen ausdrücklich ihre fachliche Begleitung bei der Planung und Verwendung der Mittel an. Ihre Expertise kann dazu beitragen, die Investitionen als Mehrgewinn-Strategie auszugestalten, die der Klimaneutralität, Klimafolgenanpassung, wirtschaftlichen Entwicklung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt zugutekommt.

Der vollständige Appell mit allen Unterzeichnern kann hier eingesehen werden.


Über die Klimabeiräte: Klimabeiräte sind unabhängige, wissenschaftlich und fachlich besetzte Gremien, die Politik und Verwaltung systematisch zu Fragen des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel beraten. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, empirische Daten und fachliche Expertise direkt in politische Entscheidungsprozesse einzuspeisen und damit fundierte, zukunftsorientierte Politikgestaltung zu unterstützen. Bisher sind Klimabeiräte in elf Bundesländern aktiv. 



ZDF hier  von Elisa Miebach  19.02.2026 

Klimabeiräte mit "historischem" Aufruf:

So sollten Kommunen in Klimaschutz investieren

100 Milliarden bekommen Kommunen für Infrastruktur - die Klimabeiräte der Länder warnen vor Fehlinvestitionen. Sie fordern, Städte fit zu machen für eine neue Welt im Klimawandel.

Aus einem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur fließen 100 Milliarden Euro an Länder und Kommunen. Die Klimabeiräte der Länder mahnen, damit Städte fit für den Klimawandel zu machen.

Sie ist nur eine von Abertausenden Schulen deutschlandweit, die sanierungsbedürftig sind: Die Helen-Keller-Realschule in München wird für rund 142 Millionen Euro von der Stadt renoviert. Dazu gehören neben Anbau und neuer Sporthalle auch: Begrünung auf Dach, Fassade und im Innenhof sowie eine neue Dämmung für das bestehende Gebäude.

Appell: Sondervermögen klimafest investieren

Was auf den ersten Blick wie ein relativ unbedeutendes Facelifting erscheint, ist für die Experten der Klimabeiräte der Bundesländer eine bedeutende strategische Investition. In einem länderübergreifenden Appell fordern sie, dass die Kommunen ihren Teil des von der Bundesregierung bewilligten Sondervermögens klimafest investieren.

Karen Pittel, Ökonomin am Ifo-Institut und Mitglied des Klimabeirats der bayerischen Landesregierung, erklärt:


Wenn die Kommunen oder auch Länder Geld aus dem Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen einsetzen,
dann bestimmen sie natürlich schon,
wie die Lebenswelt in 50, in 80, in 100 Jahren aussehen wird.

Prof. Karen Pittel, Ifo-Institut


In einer Welt also, in der Deutschland klimaneutral sein wolle, in der aber auch potenziell wesentlich höhere Temperaturen und damit auch mehr Extremwetterereignisse vorherrschten, so Pittel.


Hitze in Deutschland:Städte schwitzen - Schutz fehlt oft

Millionen Menschen leiden unter extremer Hitze, doch viele Städte sind schlecht vorbereitet. Experten fordern verbindliche Maßnahmen für mehr Schutz und Grün.

von Michael Wiedemann und Bianca M. Hugo

mit Video 1:38

 

Berlin: Der Weltkugelbrunnen, auch Wasserklops genannt, sorgt mit seinen Wasserspielen vor dem Europa-Center auf dem Breitscheidplatz für ein wenig Abkühlung

Grünflächen gegen Hitze und Überschwemmungen

Für die Helen-Keller-Realschule heißt das: An Tagen mit extremer Hitze kühlen die grünen Fassaden und das grüne Dach das Gebäude. Starker Regen kann in Versickerungsflächen im Innenhof aufgefangen werden, statt auf versiegelter Fläche zu Überschwemmungen zu führen.

Die Dämmung der Wände führt nicht nur zu geringeren Heizkosten, sondern ist bereits ein Schritt in eine klimaneutrale Welt. München will bis 2035 komplett klimaneutral sein, Deutschland bis 2045.

100 Milliarden bekommen die Bundesländer aus dem Topf der 500 Milliarden des Bundes-Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz. Diese 100 Milliarden für Länder und Kommunen sind aber nicht an Vorgaben wie Klimaschutz gebunden.

Erstmals schließen sich Klimabeiräte zusammen

Zum ersten Mal haben sich die Klimabeiräte der Bundesländer mit diesem Appell länderübergreifend zusammengeschlossen. Anlass ist eine Sitzung der Finanzministerkonferenz.

Klimabeiräte sind unabhängige Expertengremien, die Landespolitik und Behörden bei Fragen rund um Emissionssenkung und Klimafolgen beraten. Sie bringen wissenschaftliche Analysen und praktische Fachkenntnisse in politische Entscheidungen ein und wollen so eine langfristig ausgerichtete Klima- und Infrastrukturpolitik stärken. In inzwischen elf Bundesländern arbeiten solche Beiräte dauerhaft mit.

Das Sondervermögen in dieser Höhe sei eine historische Chance, mit der aber auch eine historische Verantwortung einhergehe, sagt Cornelia Auer, Leiterin der Geschäftsstelle des Klimabeirats von Brandenburg am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Die Klimabeiräte appellieren, die Mittel in vier Bereichen zu investieren

  • Dazu gehöre eine Energie- und Wärmewende für mehr Sicherheit und Unabhängigkeit, 
  • inklusive Ausbau von Netzen und Speichern, um weniger auf fossile Energien angewiesen zu sein.
  • Außerdem solle die Elektrifizierung des ÖPNV vorangebracht sowie 
  • Rad- und Fußwege ausgebaut werden, um die Luft- und Lebensqualität in Städten zu verbessern.


Kommunen sind entscheidend

Laut den Beiräten sollten Gebäude, Straßen und kritische Infrastruktur fit gemacht werden, um Extremwettern standzuhalten. Dafür brauche es unter anderem auch Wasserrückhaltebecken - zudem um die Städte herum Waldumbau und Moorschutz. Außerdem sollten Forschung und Bildung in diesen Bereichen gestärkt werden.

Die Kommunen spielen eine wichtige Rolle, so die Beiräte in ihrem Appell, da die meisten Maßnahmen vor Ort umgesetzt werden müssten.

Paris hat eine Hitzeschutzhotline, stellt schattenspendende Dächer und Wasserspender auf, begrünt Straßen und Schulhöfe – doch die dichte Bebauung bleibt eine Herausforderung.

12.06.2025 | 2:12 min

Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehen voran

Einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz hätten bereits feste Quoten eingeführt, sodass ein bestimmter Teil des Sondervermögens etwa für energetische Sanierung eingesetzt werden muss.

Die Energiewende, die Mobilitätswende und die Anpassung an den Klimawandel seien keine Nebenprojekte - sie seien die zentralen Handlungsfelder für die Nutzung der Sondervermögensmittel, sagt Ulrike Jordan, Mitglied im Wissenschaftlichen Klimabeirat der Hessischen Landesregierung. "Die Kommunen sind die ersten Adressaten der Mittel." Doch:


Ohne verbindliche Vorgaben riskieren wir,
dass sie in die falschen Kanäle fließen und
die Klimaziele nicht erreicht werden.

Prof. Ulrike Jordan, Uni Kassel



Über das Thema berichtete ZDFheute am 19.02.2026 um 16:40 Uhr in dem Beitrag "Klimabeiräte fordern Klimaschutz in Kommunen".


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