GermanZero
Appell der Klimabeiräte: 500 Milliarden Euro Sondervermögen muss ins Klima und unsere Zukunft fließen!
Erstmals schließen sich die Klimabeiräte der Länder bundesweit zusammen und warnen: Wenn das Sondervermögen nicht klar an Klimaneutralität und Resilienz gebunden wird, drohen teure Fehlentscheidungen.
Infrastruktur ohne Klimaschutz ist ein Risiko für kommende Generationen. Jetzt entscheidet sich, ob wir in erneuerbare Energien, klimafeste Städte und starke Kommunen investieren – oder alte Strukturen zementieren.
Besonders wichtig: Kommunen brauchen einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu den Mitteln. Kommunaler Klimaschutz ist Daseinsvorsorge und stärkt den sozialen Zusammenhalt vor Ort.
Die Klimabeiräte stehen bereit, diesen Weg wissenschaftlich fundiert zu begleiten. Jetzt braucht es politischen Willen und klare Prioritäten für Klimaschutz.
Klimaneutralität und Resilienz ausgerichtet sein –
sonst werden sie zum teuren Risiko“
stärken nicht nur den Klimaschutz,
sondern auch den Industriestandort,
die regionale Wertschöpfung und
die Lebensqualität vor Ort.
Über die Klimabeiräte: Klimabeiräte sind unabhängige, wissenschaftlich und fachlich besetzte Gremien, die Politik und Verwaltung systematisch zu Fragen des Klimaschutzes und der Anpassung an den Klimawandel beraten. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, empirische Daten und fachliche Expertise direkt in politische Entscheidungsprozesse einzuspeisen und damit fundierte, zukunftsorientierte Politikgestaltung zu unterstützen. Bisher sind Klimabeiräte in elf Bundesländern aktiv.
ZDF hier von Elisa Miebach 19.02.2026
Klimabeiräte mit "historischem" Aufruf:
So sollten Kommunen in Klimaschutz investieren
100 Milliarden bekommen Kommunen für Infrastruktur - die Klimabeiräte der Länder warnen vor Fehlinvestitionen. Sie fordern, Städte fit zu machen für eine neue Welt im Klimawandel.
Aus einem Sondervermögen des Bundes für Infrastruktur fließen 100 Milliarden Euro an Länder und Kommunen. Die Klimabeiräte der Länder mahnen, damit Städte fit für den Klimawandel zu machen.
Sie ist nur eine von Abertausenden Schulen deutschlandweit, die sanierungsbedürftig sind: Die Helen-Keller-Realschule in München wird für rund 142 Millionen Euro von der Stadt renoviert. Dazu gehören neben Anbau und neuer Sporthalle auch: Begrünung auf Dach, Fassade und im Innenhof sowie eine neue Dämmung für das bestehende Gebäude.
Appell: Sondervermögen klimafest investieren
Was auf den ersten Blick wie ein relativ unbedeutendes Facelifting erscheint, ist für die Experten der Klimabeiräte der Bundesländer eine bedeutende strategische Investition. In einem länderübergreifenden Appell fordern sie, dass die Kommunen ihren Teil des von der Bundesregierung bewilligten Sondervermögens klimafest investieren.
Karen Pittel, Ökonomin am Ifo-Institut und Mitglied des Klimabeirats der bayerischen Landesregierung, erklärt:
Wenn die Kommunen oder auch Länder Geld aus dem Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen einsetzen,
dann bestimmen sie natürlich schon,
wie die Lebenswelt in 50, in 80, in 100 Jahren aussehen wird.
Prof. Karen Pittel, Ifo-Institut
In einer Welt also, in der Deutschland klimaneutral sein wolle, in der aber auch potenziell wesentlich höhere Temperaturen und damit auch mehr Extremwetterereignisse vorherrschten, so Pittel.
Hitze in Deutschland:Städte schwitzen - Schutz fehlt oft
Millionen Menschen leiden unter extremer Hitze, doch viele Städte sind schlecht vorbereitet. Experten fordern verbindliche Maßnahmen für mehr Schutz und Grün.
von Michael Wiedemann und Bianca M. Hugo
mit Video 1:38
Berlin: Der Weltkugelbrunnen, auch Wasserklops genannt, sorgt mit seinen Wasserspielen vor dem Europa-Center auf dem Breitscheidplatz für ein wenig Abkühlung
Grünflächen gegen Hitze und Überschwemmungen
Für die Helen-Keller-Realschule heißt das: An Tagen mit extremer Hitze kühlen die grünen Fassaden und das grüne Dach das Gebäude. Starker Regen kann in Versickerungsflächen im Innenhof aufgefangen werden, statt auf versiegelter Fläche zu Überschwemmungen zu führen.
Die Dämmung der Wände führt nicht nur zu geringeren Heizkosten, sondern ist bereits ein Schritt in eine klimaneutrale Welt. München will bis 2035 komplett klimaneutral sein, Deutschland bis 2045.
100 Milliarden bekommen die Bundesländer aus dem Topf der 500 Milliarden des Bundes-Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz. Diese 100 Milliarden für Länder und Kommunen sind aber nicht an Vorgaben wie Klimaschutz gebunden.
Erstmals schließen sich Klimabeiräte zusammen
Zum ersten Mal haben sich die Klimabeiräte der Bundesländer mit diesem Appell länderübergreifend zusammengeschlossen. Anlass ist eine Sitzung der Finanzministerkonferenz.
Klimabeiräte sind unabhängige Expertengremien, die Landespolitik und Behörden bei Fragen rund um Emissionssenkung und Klimafolgen beraten. Sie bringen wissenschaftliche Analysen und praktische Fachkenntnisse in politische Entscheidungen ein und wollen so eine langfristig ausgerichtete Klima- und Infrastrukturpolitik stärken. In inzwischen elf Bundesländern arbeiten solche Beiräte dauerhaft mit.
Das Sondervermögen in dieser Höhe sei eine historische Chance, mit der aber auch eine historische Verantwortung einhergehe, sagt Cornelia Auer, Leiterin der Geschäftsstelle des Klimabeirats von Brandenburg am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).
Die Klimabeiräte appellieren, die Mittel in vier Bereichen zu investieren.
- Dazu gehöre eine Energie- und Wärmewende für mehr Sicherheit und Unabhängigkeit,
- inklusive Ausbau von Netzen und Speichern, um weniger auf fossile Energien angewiesen zu sein.
- Außerdem solle die Elektrifizierung des ÖPNV vorangebracht sowie
- Rad- und Fußwege ausgebaut werden, um die Luft- und Lebensqualität in Städten zu verbessern.
Kommunen sind entscheidend
Laut den Beiräten sollten Gebäude, Straßen und kritische Infrastruktur fit gemacht werden, um Extremwettern standzuhalten. Dafür brauche es unter anderem auch Wasserrückhaltebecken - zudem um die Städte herum Waldumbau und Moorschutz. Außerdem sollten Forschung und Bildung in diesen Bereichen gestärkt werden.
Die Kommunen spielen eine wichtige Rolle, so die Beiräte in ihrem Appell, da die meisten Maßnahmen vor Ort umgesetzt werden müssten.
Paris hat eine Hitzeschutzhotline, stellt schattenspendende Dächer und Wasserspender auf, begrünt Straßen und Schulhöfe – doch die dichte Bebauung bleibt eine Herausforderung.
12.06.2025 | 2:12 min
Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gehen voran
Einzelne Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz hätten bereits feste Quoten eingeführt, sodass ein bestimmter Teil des Sondervermögens etwa für energetische Sanierung eingesetzt werden muss.
Die Energiewende, die Mobilitätswende und die Anpassung an den Klimawandel seien keine Nebenprojekte - sie seien die zentralen Handlungsfelder für die Nutzung der Sondervermögensmittel, sagt Ulrike Jordan, Mitglied im Wissenschaftlichen Klimabeirat der Hessischen Landesregierung. "Die Kommunen sind die ersten Adressaten der Mittel." Doch:
Ohne verbindliche Vorgaben riskieren wir,
dass sie in die falschen Kanäle fließen und
die Klimaziele nicht erreicht werden.
Prof. Ulrike Jordan, Uni Kassel
Über das Thema berichtete ZDFheute am 19.02.2026 um 16:40 Uhr in dem Beitrag "Klimabeiräte fordern Klimaschutz in Kommunen".
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen