Harald M. Depta
Gratis-Strom für alle?
Die Grünen fordern kostenfreien Strom an 600 Stunden im Jahr – genau dann, wenn Wind- und Solaranlagen massiv Überschüsse produzieren. Was auf den ersten Blick populistisch klingt, ist energiewirtschaftlich hochgradig sinnvoll.
Warum? Weil wir ein strukturelles Problem haben: An sonnigen, windigen Tagen müssen wir Erneuerbare-Energien-Anlagen künstlich drosseln, weil das Netz die Strommengen nicht aufnehmen kann. Das ist volkswirtschaftlicher Wahnsinn – wir zahlen für grüne Energie, die wir dann wegwerfen.
Die Lösung liegt in der intelligenten Laststeuerung. Wenn Strom in bestimmten Zeitfenstern kostenfrei oder extrem günstig wird, entsteht automatisch ein Anreiz für flexible Verbraucher: Wärmepumpen, Elektroautos, Batteriespeicher, Industrieprozesse – sie alle können gezielt dann Strom abnehmen, wenn er im Überfluss vorhanden ist.
Das entlastet nicht nur das Netz, sondern auch die EEG-Umlage. Weniger Abregelung bedeutet weniger Entschädigungszahlungen an Anlagenbetreiber. Und es schafft endlich echte Akzeptanz für den Ausbau erneuerbarer Energien – denn die Bürger profitieren direkt und spürbar.
Elektromobilität wird so zum perfekten Flexibilitätsbaustein: Wer sein E-Auto intelligent lädt, tankt kostenlos Sonnenstrom. Unternehmen mit Fuhrparks können Energiekosten dramatisch senken. Photovoltaik-Betreiber bekommen endlich Planungssicherheit ohne ständige Abschaltdebatten.
Natürlich braucht es dafür Smart Meter, dynamische Tarife und intelligente Steuerungstechnik. Aber genau das sollten wir ohnehin längst flächendeckend haben. Der Vorschlag ist kein Wahlkampfgag – er ist konsequente Energiesystemlogik.
Meine Einschätzung: Wer Energiewende ernst meint, muss Flexibilität belohnen statt bestrafen. Gratis-Strom in Überschussstunden ist der richtige Hebel.
In der letzten Woche diskutierten wir die “Ökologie für alle” in unserem eilig zusammen gerufenen Webinar mit über 2.000 Angemeldeten. Am Samstag hat die Grüne Bundesdelegiertenkonferenz unsere beiden Leitanträge zur Sozialen Klimapolitik und zur Energiewende 2.0 beschlossen, die voller Ideen für eine “Ökologie für alle” stecken. Dabei geht es um eine Politische Ökologie, die gerecht ist und für alle zum Mitmachen motiviert.
Auch alle in unserem Webinar vorgestellten Ideen wurden beschlossen:
• Solarbonus
• günstige Wärmepumpen
• Sonderabgabe auf Privatjets und Auflagen zur klimafreundlichen Treibstoffen
• 9 Euro-Ticket, finanziert u.a. durch die Belastung von exzessiven Gewinnen fossiler Konzerne
So kann es gehen! Und anbei, wie das heute in der Süddeutschen-Zeitung aussah.
Nun gilt es diese “Ökologie für alle” auch für die Bereiche Kreislaufwirtschaft, Naturschutz und Giftfreiheit auszubuchstabieren. Denn Politische Ökologie ist viel mehr als Klimaschutz.
Die Aufzeichnung unseres Webinars (gerne verbreiten!) findet Ihr hier
Die Beschlüsse der Bundesdelegiertenkonferenz mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Vorschläge findet Ihr hier
Mit erfreuen grünen Grüßen
Sven Giegold
Simon Gabriel Müller LinkedIn
Wann: Mittwoch: 26.11. 20 Uhr.
Anmeldung hier: https://lnkd.in/ghTciv5C
Die Mehrheit der Menschen wollen Klima- und Umweltpolitik, wenn sie so gemacht ist, dass sie gerecht ist und das Mitmachen für alle funktioniert. Gerade im Angesicht der Enttäuschung unzureichender Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Belem und des ökologischen Rollback durch Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Katherina Reiche schlagen wir einen neuen Ansatz für die Politische Ökologie vor: Ökologie für alle!
Inspiriert von den jüngsten Erfolgen bei Balkonsolar & Bürgerenergie, von der französischen Écologie populaire, klimapolitischen Volksentscheiden und Naturschutz zum Mitmachen wollen wir mit Euch vor der nächsten bündnisgrünen Bundesdelegiertenkonferenz über die Idee einer „Ökologie für alle“ diskutieren.
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