Christoph Dolna-Gruber /Österreichische Energieagentur LinkedIn
Auf Frankreichs niedrige Börse-Strompreise kann man schon mal neidisch werden. Futures sind von >100 €/MWh auf teils unter 50 €/MWh gefallen.
Das klingt super, für den Staatskonzern EDF (und damit das öffentliche Budget) wird das aber zunehmend zum Finanzierungsproblem.
Grund für die stark gesunkenen Preise ist ein Angebotsüberschuss: Die französische Kernkraftproduktion ist (nach Malheurs) wieder deutlich gestiegen, erneuerbare Energien wachsen rasch weiter. Gleichzeitig bleibt die Stromnachfrage unter früheren Niveaus.
Die Folge sind sehr niedrige Börsenpreise. 2025 gab es in Frankreich über 100 Stunden mit Null- oder Negativpreisen – meist bei hoher PV- oder Windeinspeisung, auch das generelle Niveau war durchgängig niedrig. Kurzfristig senkt das Kosten, langfristig belastet es Erzeuger.
Der 100% verstaatlichte EDF-Konzern spürt das direkt: Trotz höherer Produktion sind Erlöse und operative Ergebnisse zuletzt unter Druck geraten, weil ein großer Teil des Stroms zum Marktpreis verkauft wird – und der aktuell deutlich gesunken ist.
Es kommen zwar zusätzliche Erlöse über hohe Exporte dazu, denn Frankreich exportiert, was geht (vor allem in Richtung Nord und Ost - also Italien, England, Schweiz, Deutschland). Der Exportüberschuss dämpft also auch die Preise in Nachbarländern (was gut ist).
Thing is: Kernkraftwerke brauchen stabile (höhere) Einnahmen. Besonders die Finanzierung von Laufzeitverlängerung plus Neubau wird (in Kombination mit Schulden aus der Vergangenheit) zur Herausforderung. Ein Ausweg: Verbrauch steigern, elektrifizieren, flexibilisieren (bei Kernkraftwerken gibt es aber sicherlich technische und ökonomische Grenzen der Flexibilisierung).
Fazit: Niedrige Strompreise sind populär und haben positive Effekte, erzeugen aber potenziell wo anders Kosten (im Falle des staatlichen Energiekonzerns EDF eben dort bzw. im Staatshaushalt) und können langfristig Investitionen in die Versorgung gefährden.
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