Samstag, 28. Februar 2026

Künftig "Happy Hour" - Gratisstrom in Österreich - für Smart Meter Besitzer

Ein neidvoller Blick über die Grenze: was doch alles möglich wäre....wenn Smart Meter endlich mal verbreitet wären.

Standard hier  Benedikt Narodoslawsky

27. Februar 2026

Strompreise

Neuer Tarif: Energiefirma bietet Gratisstrom zur Happy Hour in warmen Monaten an

Von April bis August will das Tiroler Energieunternehmen Gutmann seinen Kunden am Wochenende und feiertags vier Stunden kostenlos Strom liefern – in ganz Österreich

In der Energiebranche ist einiges in Bewegung gekommen. Im Jänner kündigte der Verbund einen neuen österreichweiten Tarif an, der ab März die Kosten unter 10 Cent pro Kilowattstunde drücken soll – auch wenn sich später herausstellte, dass es sich dabei nur um einen Rabatt handelt. Der niederösterreichische Energieversorger EVN zog dennoch nach und bietet ab April einen günstigeren Strom-Tarif im Netzgebiet der Netz NÖ von durchschnittlich rund 10 Cent an.

Der starke Ausbau derErneuerbaren hat dazu geführt, dass die Leistung der Photovoltaik in warmen Monaten zeitweise zu Stromüberschüssen führt

Helena Lea Manhartsberger

Mit einem neuen Modell will nun die Gutmann GmbH den Strommarkt aufmischen.
Das Tiroler Unternehmen, das sich selbst als größter privater Energielieferant in Westösterreich rühmt, führt eine "Happy Hour" ein. Von April bis August sollen Kundinnen und Kunden am Wochenende und feiertags ihren Strom von 12 bis 16 Uhr kostenlos beziehen können. "Wir sind die Ersten und Einzigen, die mit dem Happy-Hour-Tarif Gratisstrom anbieten", sagt Horst Ebner, der die Strom- und Gasabteilung des Unternehmens leitet, und das selbstbewusst als "Revolution im Strommarkt" bezeichnet.

Den Hintergrund des neuen Tarifs erläutert er mit zwei Grafiken. Auf der einen hat Ebner den Stromverbrauch und die -erzeugung in der Kalenderwoche 5 des heurigen Jahres abgebildet – eine typische Winterwoche. Der Verbrauch lag zu jeder einzelnen Stunde deutlich über der Produktion. Zum Vergleich hält er die zweite Grafik von der Kalenderwoche 27 des Vorjahres hoch. Weil der Verbrauch zur warmen Jahreszeit am Wochenende zur Mittagszeit und nachmittags zurückgeht, aber die starke Photovoltaik viel Energie ins Netz bringt, kommt es zu einem deutlichen Stromüberschuss. "Das führt dazu, dass die Preise auf null oder darunter fallen", sagt Ebner.

"Wir haben keine Kosten"

"Wir nutzen diesen Markteffekt", sagt Alexander Gutmann, Geschäftsführer der Gutmann GmbH, der diesen Effekt an die Kunden weitergeben will. "Das ist keine kurzfristige Rabattaktion oder was auch immer. Es bildet einfach die physikalische Realität ab." Es gehe dabei nicht darum, mehr Strom zu verbrauchen, sondern ihn mit der Produktion in Einklang zu bringen. Das würde eine Win-Win-Situation erzeugen. "Uns entstehen keine Kosten", sagt Gutmann. "Die Besorgnis ist also völlig unbegründet, dass wir Kosten auf andere Produktgruppen umlegen müssen. Das wird es nicht geben." Im Osten Österreichs zahlen seine Kundinnen und Kunden netto bisher 12,75 Cent pro Kilowattstunde, im Westen – also in Vorarlberg und Tirol – 10,75 Cent. Der Grund für den regionalen Unterschied erklärt das Unternehmen mit unterschiedlichen Wettbewerbssituationen.

Die Happy Hour versteht Gutmann nicht nur als Innovation, sondern auch als Kampfansage: "Wir sind österreichweit tätig und sind ein Angreifer im Markt." Weil der Kuchen der Wechselkunden immer noch gering sei, brauche es Schritte wie den neuen Tarif, "damit die Leute aufwachen und ihren Stromanbieter wechseln", ergänzt Ebner. Um vom Tarif profitieren zu können, müssen die Kundinnen und Kunden allerdings ihre Gewohnheiten ändern und den Strom in jenen Stunden beziehen, in denen der Überschuss erzeugt wird.

Smart Meter als Schlüssel

Wie viel sie sich durch die Happy Hour ersparen, macht das Unternehmen an Beispielen fest. Einem E-Autobesitzer brächte das demnach 540 Euro im Jahr, wer mit seiner Elektro-Heizpatrone das Warmwasser für den Boiler aufheizt, dem blieben 190 Euro im Börserl, die Kosten für die Klimaanlage fielen um 130 Euro. Der Tarif gelte auch für alle Gewerbekunden, die unter 100.000 kwh im Jahr verbrauchen. Ein Wirt, der eine Großküche betreibt und mit dem Tarif seine "Schnitzel kostenlos heraus backen kann", würde im Jahr 1500 Euro weniger zahlen, sagt Ebner.

Voraussetzung, um den Happy Hour Tarif nützen zu können, ist ein Smart Meter (der in Österreich bereits fast flächendeckend ausgerollt ist) und die Erlaubnis, dem Unternehmen die Daten des Smart Meters zur Verfügung zu stellen. Die Daten würden für die Abrechnung benötigt, erklärt Ebner und verweist dabei auf das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG). Dieses sieht vor, dass Unternehmen diese Daten bekommen dürfen. (Benedikt Narodoslawsky, 27.2.2026)

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