Jan Hegenberg LinkedIn
Nachdem der US-Handelsminister den Menschen in Europa vorwirft, auf Wind- und Solarkraft zu setzen, hier ein kleiner Reality Check, wie die USA den wachsenden Strombedarf (auch für KI-Rechenzentren) der kommenden 2 Jahre zu decken gedenken.
Das ist aus mehreren Gründen interessant:
- Erneuerbare boomen sogar dann, wenn der US-Präsident alles versucht, um ihren Ausbau zu verhindern.
- Selbst bei eingerechnet wachsendem Stromhunger für KI-Rechenzentren wird der US-Strommix klar CO2-ärmer.
- Wer behauptet, das ganze Klimagedöns mache die Wirtschaft kaputt, erkläre mir bitte, warum die doch sehr stark marktwirtschaftlich ausgerichtete US-Wirtschaft dann selbst die Kohlekraft zu Gunsten von CO2-armen Erzeugern zurückfährt.
In den Schatten wird der EE-Zubau nur vom Ausbau der Batteriespeicher gestellt, die binnen eines Jahres (!) auf 45 Gigawatt nahezu verdoppelt wurden
Quelle: US-Energieministerium https://www.eia.gov/outlooks/steo/pdf/compare.pdf
https://www.ft.com/content/b52c3b1e-ee08-427a-ae93-ab75e2d5417d
Die westliche Welt kreist in Davos um Donald Trump und seinen auch energiepolitisch angetriebenen geopolitischen Wahnsinn. Doch zu Hause in den USA hat er viel weniger Einfluss auf die Energieversorgung, als er glaubt. Denn da ist noch diese Industrierevolution, die weltweit das Kräfteverhältnis zwischen sauberer und schmutziger Energie längst entscheidend verschoben hat...
Wie sehr, das zeigen aktuelle Zahlen der amerikanischen Energy Information Administration (EIA) oder genauer: die im neuen Short Term Energy Outlook ausgewiesenen Prognosen zur Entwicklung des amerikanischen Strommixes in den nächsten zwei Jahren, also bis 2027 im Vergleich zu 2025.
Demnach dürfte die absolute Stromerzeugung aus Kohle um weitere 70 TWh sinken (-9%) und die aus Gas nur um 14 TWh steigen (+1%). Dominieren werden auch in den USA weiter Sonne und Wind mit 134 TWh Zuwachs (+46%) bzw. 56 TWh (+12%).
Die absolute Produktion von Atomstrom soll immerhin um 15 TWh steigen (+2%). Die Grafik links zeigt die genannten Zahlen, rechts sind die sich daraus ergebenden Anteile an der gesamten US-Stromerzeugung zu sehen: Nur Sonne und Wind steigern ihre Marktanteile, Kohle, Atomkraft und selbst Gas verlieren.
Wie das? Wo bleibt die angekündigte Fossilrenaissance?
Die Entwicklung ist schnell erklärt: der amerikanische Markt wird zwar mit relativ billigem Gas geflutet und CO2 Preise für Kohle- und Gasverstromung gibt es nur in wenigen Bundesstaaten. Dennoch ist neue Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien günstiger. In Zeiten mit viel Wind und Sonne drängen diese den Kohlestrom aus dem Markt. In Zeiten mit wenig Wind und Sonne drängt Erdgas die Kohle aus dem Markt. Denn die Kohle hat nach Zahlen der EIA in den letzten Jahren immer weiter an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Erdgas verloren.
Interessant an den neuen Zahlen sind auch die prognostizierten regionalen Verschiebungen der Stromerzeugung. In Texas, einem Hotspot beim Zubau von Rechenzentren, soll die Stromerzeugung um satte 100 TWh steigen (+20%). Der größte Teil stammt aus Solarenergie, gefolgt von Erdgas und Wind. Kohle geht zurück.
Drill, baby, drill? Wohl eher Shine, baby, Shine!
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