Samstag, 21. Februar 2026

Migration in Deutschland: Für die Mehrheit der Kinder der ganz gewöhnliche Erfahrungshorizont

hier Lea Schönborn

In jedem Land leben Menschen, die im Ausland geboren wurden. Was glaubst du, wo Deutschland im weltweiten Vergleich steht?

Vielleicht denkst du auf Platz 40 oder sogar 60.
Aber nein: Deutschland ist auf Platz 2. 

Überraschend?  Mich hat es überrascht. 

  • Auf Platz 1 sind die USA – mit großem Abstand. Dort leben etwa 50 Millionen nicht dort geborene Menschen. 

  • Dann kommt Deutschland. Hier sind es 15 Millionen Menschen, die nicht hier geboren sind. Es folgen Saudi-Arabien (13,5) und dann Russland (11,6). 

Das waren die absoluten Zahlen, das hier sind die Relativen:

  • Etwa 18 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen sind nicht hier geboren.

  • Deutschland hat damit klassische Einwanderungsländer wie Großbritannien (14%), Frankreich (13%)und die USA (16%) überholt.

  • Wenn auch diejenigen zählen, deren Eltern woanders geboren sind, sind es 30 Prozent der Bevölkerung.


Noch mehr Facts:

Weil in Deutschland die Menschen immer älter werden, ist die Altersverteilung der Menschen mit Migrationshintergrund super ungleich: 

Bei den Menschen im Rentenalter sind es 14 %, bei den Kindern unter 5 sind es 42 %.

Der Soziologe Aladin El-Mafaalani schreibt in dem Buch "Kinder – Minderheit ohne Schutz", das er gemeinsam mit Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier geschrieben hat:

“Was für die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland noch gewöhnungsbedürftig oder neu sein dürfte, bildet für die Mehrheit der Kinder (insbesondere in Westdeutschland und in Großstädten) den gewöhnlichen Erfahrungshorizont.”

El-Mafaalani sagt auch, die Politik renne meilenweit dem hinterher, was für Kinder schon längst Realität ist. Das ist auch mein Gefühl – spätestens nach dem Lesen des Buches.

Fragen müssen neu gestellt werden. 

  • "Wie können Bindekräfte und Gemeinsamkeiten in einer superdiversen Gesellschaft neu hergestellt werden?"

  • Was brauchen Kinder? 

Darauf gibt es auch eine Antwort im Buch:  Trotz verschiedener Herkünfte und Ausgangsbedingungen haben Kinder sehr ähnliche Bedürfnisse und Interessen.

Kauft und lest das Buch, es ist mindblowing. Nach ein paar Seiten wird einem klar, warum das Bildungssystem so einfach nicht mehr funktionieren kann. Die superdiversen Herkünfte sind nur ein Aspekt, warum das System vor Herausforderungen steht.

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