Freitag, 20. Februar 2026

Wo Klimaschutz erfolgreich vorangeht: "Chinas grüne Mauer"

Watson hier

So hat China aus der Taklamakan-Wüste eine CO₂-Senke gemacht

China hat rund um die Taklamakan-Wüste so viele Bäume gepflanzt, dass diese riesige Sandwüste nun mehr CO₂ absorbiert, als sie ausstösst.

Die Taklamakan ist nach der Rub al-Chali in Arabien die zweitgrösste Sandwüste der Welt. Sie erstreckt sich über mehr als 220'000 km² im Tarimbecken, das im äussersten Westen Chinas im Autonomen Gebiet Xinjiang liegt. 

Da die Wüste von hohen Bergen umgeben ist, die feuchte Luft fast das ganze Jahr über fernhalten, herrschen dort extreme Bedingungen, die für die meisten Pflanzen zu trocken sind. Um die Taklamakan hat China jedoch in den letzten Jahrzehnten so viele Bäume gepflanzt, dass aus der Wüste mittlerweile eine Kohlenstoffsenke geworden ist.

Weltweit grösstes Aufforstungsprojekt

Dies zeigen Untersuchungen, die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurden. Das Forschungsteam der University of California San Diego führt diesen Erfolg auf das grösste Aufforstungsprojekt der Welt zurück, das Three-North Shelter Forest Program (Drei-Norden-Schutzwald-Programm), auch bekannt als «Chinas Grüne Mauer». Im Rahmen dieses Programms hat China seit 1978 mehr als 66 Milliarden Bäume um die Ränder der Wüsten Taklamakan und Gobi gepflanzt. Allein um die Taklamakan wurden dabei 30 Millionen Hektar neu bewaldet – das entspricht etwa der Fläche Italiens.

Ursprünglich zielte das Programm darauf ab, die Wüstenbildung zu verlangsamen und die Hauptstadt Peking vor Sandstürmen zu schützen. Letzteres ist bisher nicht von Erfolg gekrönt: Peking wird vor allem im Frühjahr nach wie vor von gewaltigen Sandstürmen heimgesucht, vornehmlich aus der Wüste Gobi. Die Ausbreitung der Wüste seit den 1950er-Jahren, gegen die das Drei-Norden-Schutzwald-Programm konzipiert wurde, war eine Folge der massiven Urbanisierung des Landes und der Ausweitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. Dies schuf die Voraussetzungen für vermehrte Sandstürme, die Boden wegwehten und Sand ablagerten.

Wüste wird zur Kohlenstoffsenke

Das gewaltige Aufforstungsprogramm hatte zum Ziel, bis zum Jahr 2050 Milliarden von Bäumen zu pflanzen. Die Waldbedeckung des Landes nahm von 10 Prozent im Jahr 1949 auf heute mehr als 25 Prozent zu. Bis 2024 wurde die Aufforstung um die Taklamakan abgeschlossen. Doch nun zeigt sich ein anderer positiver Effekt: Die Aufforstung verwandelt die Wüste – die zu 95 Prozent von Wanderdünen bedeckt ist und deshalb als «biologische Leere» gilt, wie die Forscher schreiben – in eine Art riesigen CO₂-Absorber, der mehr Kohlenstoff aufnimmt als ausstösst.

Wie die Forscher schreiben, zeigen die Ergebnisse, «dass selbst die extremsten Wüsten ökologisch wiederhergestellt und zur Kohlenstoffspeicherung genutzt werden können, wodurch sie zur Eindämmung des Klimawandels beitragen».

Das Forschungsteam analysierte Daten aus Bodenbeobachtungen verschiedener Vegetationstypen und Satellitendaten zu Niederschlag, Vegetationsbedeckung, Fotosynthese und CO₂-Flüssen in der Taklamakan über die letzten 25 Jahre. Zudem nutzten sie den Carbon Tracker der amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA); ein Tool, das CO₂-Quellen und -Senken weltweit modelliert. Als Resultat zeigte sich ein langfristiger Trend zur Ausbreitung der Vegetation und zur steigenden Aufnahme von CO₂ entlang der Wüstenränder. Dies stimmt zeitlich und räumlich mit der Entwicklung der Grünen Mauer überein.

Verbesserung der Vegetaationsdecke

Der Niederschlag während der Regenzeit von Juli bis September war in der Taklamakan-Wüste während des Untersuchungszeitraums 2,5-mal höher als in der Trockenzeit; er betrug durchschnittlich etwa 16 Millimeter pro Monat. Dies führte zu einer Verbesserung der Vegetationsdecke, der Begrünung und der Fotosynthese entlang der Wüstenränder. Dadurch sank der CO₂-Gehalt über der Wüste von 416 ppm in der Trockenzeit auf 413 ppm in der Regenzeit.

Schon frühere Forschungen hatten darauf hingedeutet, dass die Taklamakan eine CO₂-Senke sein könnte. Diese Studien hatten sich jedoch auf CO₂ konzentriert, das vom Sand absorbiert wird. Sand dürfte allerdings aufgrund des Klimawandels keine stabile Kohlenstoffsenke darstellen, da steigende Temperaturen dazu führen können, dass sich die Luft im Sand ausdehnt und dadurch zusätzliches CO₂ freigesetzt wird.

«Basierend auf den Ergebnissen dieser Studie stellt die Taklamakan-Wüste, wenn auch nur an ihrem Rand, das erste erfolgreiche Modell dar, das die Möglichkeit der Umwandlung einer Wüste in eine Kohlenstoffsenke demonstriert», erklärte Yuk Yung, Mitautor der Studie und Professor für Planetenwissenschaften am Caltech sowieleitender Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der NASA, gegenüber Live Science. Zwar bleibe das Potenzial der Grünen Mauer, die Wüstenbildung zu verlangsamen, unklar, fügte er hinzu. Doch ihre Rolle als Kohlenstoffsenke «könnte als wertvolles Modell für andere Wüstenregionen dienen». (dhr)


Geo hier von Peter Carstens  19. Februar 2026 

Taklamakan: Eine der größten Wüsten der Erde wird zum CO₂-Speicher

Chinas Aufforstungsprojekt in der Wüste Taklamakan zeigt erste, messbare Erfolge: Millarden Bäume stoppen die Wüstenbildung und speichern Kohlendioxid

Es klingt unrealistisch: Mit Milliarden Bäumen will China die Ausbreitung einer der größten Wüsten der Erde stoppen. Doch der Plan könnte aufgehen: Eine Studie der University of California zeigt, dass das größte je unternommene Aufforstungsprojekt nicht nur das Fortschreiten der Wüstenbildung stoppen konnte. "Chinas Grüne Mauer", wie das Projekt inoffiziell auch genannt wird, hat der Studie zufolge einen der trockensten Orte der Erde in eine Kohlendioxid-Senke verwandelt: Bäume und Sträucher entziehen beim Wachsen der Atmosphäre CO2 und binden das Klimagas so lange, bis das Holz verwittert oder verbrennt.

Mit einer Fläche von fast 337.000 Quadratkilometern ist die zweitgrößte Sandwüste der Erde nur wenig kleiner als Deutschland. Die Trockenheit der Region im Nordwesten Chinas ist zum einen ihrer Lage im Inneren des Kontinents und zum anderen den umgebenden Gebirgen geschuldet: An deren Flanken regnen sich Niederschläge ab, bevor sie in das Innere der Wüste gelangen können. Schon seit den 1970-er Jahren verfolgt die chinesische Regierung den Plan, die Ausbreitung des Dünenmeeres zu stoppen. Und zwar von den Rändern her.

Die gigantische Pflanzaktion begann im Jahr 1978. Seither wurden der Studie zufolge mehr als 66 Milliarden Bäume gepflanzt, vor allem die Euphrat-Pappel (Populus euphratica), sowie widerstandsfähige Tamarisken und Salpetersträucher. Im Jahr 2024 konnte der grüne Ring um die Wüste geschlossen werden.

Für ihre Studie nutzten die Forschenden Satellitendaten der vergangenen 25 Jahre zu Vegetationstypen und -bedeckung, Niederschlag, Kohlendioxid-Konzentration der Atmosphäre – und den Carbon Tracker der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), der CO2-Quellen und -Senken weltweit modelliert. Die Messreihen zeigten: 

Im Inneren ist die Wüste weiterhin wüst
Man dürfe sich das Gebiet allerdings nicht vorstellen wie den Regenwald im Amazonasgebiet oder im Kongo, gibt Co-Autor King-Fai Li von der University of California in einer Presseerklärung zu bedenken. "Einige aufgeforstete Regionen sind nur Buschland. Aber die Tatsache, dass sie überhaupt kontinuierlich CO₂ binden, ist etwas Positives, das wir vom Weltraum aus messen können."

Laut der Studienautorinnen und -autoren sind die Gründe für das gigantische Projekt ökologischer und politischer Natur. "Die ungebremste Ausbreitung der Wüste bedrohte Ackerland und trug zur Instabilität in den westlichen Regionen bei, wo ethnische Minderheiten seit langem mit der Führung der Han-Chinesen in Konflikt stehen", erklären sie. Zudem sei die Umkehrung der Wüstenbildung auch als Strategie zur Verbesserung der Landwirtschaft und als Beitrag zur Verringerung des CO2-Fußabdrucks des Landes angesehen worden. Kritik gibt es gleichwohl an der beschränkten Auswahl der Bäume und Sträucher. Die entstehenden Monokulturen gehen demnach zulasten der Biodiversität und fördern großflächigen Schädlingsbefall.

Auch für den Kampf gegen den Klimawandel ist die Begrünung der Wüste offenbar keine Wunderwaffe: Selbst wenn die gesamte Wüste aufgeforstet würde, könnten damit jährlich nur etwa 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid gebunden werden. Zum Vergleich: Das entspricht nur etwa zehn Prozent der jährlichen Emissionen Kanadas. "Wir werden die Klimakrise nicht allein durch das Pflanzen von Bäumen in Wüsten lösen können", sagt Li. "Aber es ist unerlässlich zu verstehen, wo und wie viel CO₂ unter welchen Bedingungen gebunden werden kann. Das ist ein Teil des weltweiten Puzzles."

In einer Welt, in der skalierbare, low-tech-basierte Lösungen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes gefragt seien, könne dieses Projekt sowohl als Inspiration als auch als Machbarkeitsstudie dienen.


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