Samstag, 14. Februar 2026

AFD ganz ehrlich: „UNSER GELD FÜR UNSERE LEUTE!“

Frank Hennemann LinkedIn

Man muss dieses Plakat wirklich rahmen. Goldrand. Spotbeleuchtung.

„UNSER GELD FÜR UNSERE LEUTE!“

 Selten hat ein Wahlkampfslogan so viel unfreiwillige Ehrlichkeit ausgestrahlt. 

Und während man noch denkt, das sei platte rechte Propaganda gegen „die anderen“, entfaltet sich im Hintergrund eine kleine Parteisaga, die diesen Satz plötzlich wie eine Selbstbeschreibung wirken lässt.

Fangen wir oben an. Tino Chrupalla. Bundesvorsitzender. Moralischer Saubermann vom Dienst.

Und dann tauchen Beschäftigungsverhältnisse auf, bei denen enge politische Verbindungen und familiäre Nähe eine Rolle spielen. Rechtlich alles sauber, heißt es. Aber selbst er räumt ein: „Hat ein Geschmäckle.“ Das ist ungefähr die politische Version von: Es riecht, aber keiner weiß warum.


Weiter nach Sachsen-Anhalt. Ulrich Siegmund MdL gerät in die Schlagzeilen, weil im Umfeld seiner politischen Strukturen Familienangehörige auftauchen, finanziert aus Steuermitteln. Natürlich alles legal. Natürlich alles korrekt beantragt. Natürlich rein zufällig.

Und dann noch Jan Wenzel Schmidt, ebenfalls mit Verflechtungen zwischen Parteistrukturen, Büroanstellungen und privaten Netzwerken im Gespräch. Auch hier: rechtlich zulässig, sagt man. Politisch? Nun ja.

Es ist faszinierend. Die Partei, die permanent gegen „Altparteienfilz“ wettert, liefert plötzlich eine Art Lehrbuchbeispiel für genau das, was sie angeblich bekämpfen will. Und währenddessen hängt in Baden-Württemberg dieses Plakat auf Gängen und sagt in großen Lettern:

Unser Geld.

Für unsere Leute.


Mehr Selbstparodie geht nicht.


Man stelle sich vor, irgendeine andere Partei würde exakt diesen Satz plakatieren, während gleichzeitig familiäre Beschäftigungsverhältnisse durch die Medien gehen. Die AfD würde eine Sondersendung fordern. Untersuchungsausschuss. Empörungstsunami.

Hier aber? Schulterzucken. Alles legal. Alles sauber. Nur ein bisschen „Geschmäckle“.

Und genau das ist der Punkt. Es geht nicht nur um Legalität. Es geht um politische Glaubwürdigkeit. Wer sich als moralische Aufräumtruppe inszeniert, sollte vielleicht darauf achten, dass die eigene Personalpolitik nicht nach Stammtischwirtschaft aussieht.

Das wirklich Komische ist: Niemand musste dieses Plakat ironisch überzeichnen. Niemand musste eine Karikatur zeichnen. Man musste nur lesen, was da steht. Und parallel die Schlagzeilen verfolgen.

Unser Geld für unsere Leute.

Wenn man es ganz wörtlich nimmt, ist es fast schon programmatisch. Steuergeld als geschlossene Gesellschaft. Zugang mit Parteibuch und Verwandtschaftsnachweis.

Und wir Steuerzahler? Wir dürfen applaudieren. Oder wenigstens still weiter überweisen.

Mehr Satire braucht es nicht. Die Pointe hängt längst an der Wand.

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