Stern hier von Julius Betschka 21. Februar 2026
CDU einigt sich auf Altersgrenze von 14 Jahren
Die CDU will eine Altersgrenze von 14 Jahren für die Nutzung von sozialen Netzwerken beschließen. Bis 16 Jahre sollen bessere Schutzregeln gelten. Auf einen entsprechenden Kompromissantrag einigte sich die Antragskommission der Partei am Freitagabend.
Der Antrag liegt dem stern vor. Er soll am Sonnabend auf dem CDU-Bundesparteitag in Stuttgart beschlossen werden. Kinder seien im digitalen Raum „besonders schutzbedürftig“, heißt es darin. Grundlage dafür soll „wissenschaftliche Expertise“ sein.
CDU will Tech-Konzerne stärker regulieren
Die Kanzlerpartei will für den Schutz von Kindern auf Instagram, Tiktok und Co. verpflichtende Altersverifikationen einführen und die Tech-Unternehmen bei Verstößen sanktionieren. Parallel soll die Medienbildung in Schulen gestärkt werden, insbesondere das Wissen über Algorithmen, digitale Manipulation und Cybermobbing.
Außerdem sollen die großen Tech-Unternehmen künftig zu mehr Transparenz verpflichtet werden. Sie sollen beispielsweise ihre Empfehlungsalgorithmen offenlegen. Menschen sollen also erfahren, nach welchen Regeln ihnen Produkte, Personen oder bestimmte Fotos und Videos empfohlen werden.
Rechtswidrige Inhalte sollen nach dem Willen der CDU zudem schneller gelöscht werden können. Dafür sollen „empfindliche Bußgelder“ eingeführt werden.
Zur Begründung schreiben die Antragssteller: „Die soziale Marktwirtschaft war stets mehr als ein Markt ohne Regeln. Sie war immer eine Ordnung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.“ Man wolle eine digitale Ordnung, die den Menschen diene – und nicht umgekehrt.
Social-Media-Verbot ist Reizthema
Zuvor hatte es intern harte Debatten um ein mögliches Social-Media-Verbot für Jugendliche gegeben. Weite Teile der Partei waren gegenüber starker Regulierung lange skeptisch. Zuletzt hatten sich aber auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst für eine Altersgrenze ausgesprochen. Offen war bisher die genaue Ausgestaltung.
In einem Antrag des Landesverbands Schleswig-Holstein für den Parteitag war zuvor sogar ein Social-Media-Verbot für Jugendliche bis 16 Jahren und eine Klarnamenpflicht im Internet gefordert worden. Beides galt in der CDU allerdings als kaum mehrheitsfähig. Es bestand zuletzt jedoch Einigkeit darüber, dass politisch etwas geschehen müsse. Nun also: 14 Jahre.
Insbesondere die zuständige Bundesfamilienministerin Karin Prien und NRW-Medienminister Nathanael Liminski hatten deshalb in den vergangenen Tagen um einen Kompromiss gerungen. In Priens Haus arbeitet derzeit auch eine Kommission an Empfehlungen.
Nun wurde offenbar ein Maßnahmenpaket gefunden, das genauso die Tech-Konzerne in die Verantwortung nehmen soll, wie dem Kinderschutz gerecht werden. In Parteikreisen wird von einer Annahme des Kompromissantrags ausgegangen.
Generalsekretär Carsten Linnemann hatte schon vor dem Start des Parteitags erklärt, er erwarte eine offene Debatte. „Aber es geht schon die Tendenz klar dahin, dass es zu einer Altersbeschränkung dann am Ende kommt.“
Zuletzt hatte eine Studie der Krankenkasse DAK gezeigt, dass mehr als ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen nutzen soziale Medien in riskantem oder krankhaftem Ausmaß. Hunderttausende gelten als suchtkrank.
Australien hatte kürzlich weltweit als erstes Land ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige verhängt. In Frankreich, Spanien und Großbritannien sind ähnliche Regelungen auf dem Weg. Auch auf europäischer Ebene sind schärfere Regeln zum Schutz von Kindern im Internet in Arbeit.
Auch diese Meinungen aus der Social media-Blase sollten gehört und überdacht werden:

DW hier Matt Pearson
Social-Media-Verbot für Kinder: Europa blickt auf Australien
Wie viele andere EU-Staaten erwägt nun auch Deutschland ein Verbot von Social Media für Jugendliche. In Australien ist das seit Dezember bereits in Kraft. Aber sollte Europa wirklich Australiens Beispiel folgen?
Bundeskanzler Friedrich Merz ist der Meinung, dass Vorschriften für soziale Medien dabei helfen könnten, "Persönlichkeitsdefizite und Probleme im sozialen Verhalten junger Menschen" zu verhindern. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez möchte Kinder und Jugendliche vor dem "digitalen Wilden Westen" schützen. Und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betont, dass "die Emotionen unserer Kinder und Jugendlichen nicht zum Verkauf stehen oder manipuliert werden dürfen".
Zwar hat bisher noch kein europäisches Land ein komplettes Verbot von sozialen Medien für Kinder eingeführt - doch vielerorts scheinen die ersten Weichen dafür gestellt zu werden. So wird ein Komplettverbot bereits in Norwegen, Griechenland, dem Vereinigten Königreich, Dänemark, Italien und den Niederlanden diskutiert. Auch die EU selbst scheint mit einem Verbot immer mehr zu liebäugeln.
Bild links: Europäische Länder, die ein Social-Media-Verbot erwägen
Dabei werden viele Regierungen auf die Erfahrungen Australiens blicken, das im Dezember als erstes Land weltweit ein Verbot von sozialen Medien für unter 16-Jährige eingeführt hat.
Websites wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok, X, YouTube und Reddit – das gegen das Verbot Klage eingereicht hat – unterliegen nun einer Altersbeschränkung. Online-Gaming- und Messaging-Websites wie WhatsApp hingegen nicht. Die Social-Media-Unternehmen müssen das Verbot selbst überwachen.
Laut Australiens Beauftragter für elektronische Sicherheit (eSafety), Julie Inman Grant, haben Social-Media-Unternehmen "in der ersten Dezemberhälfte den Zugang zu etwa 4,7 Millionen Konten gesperrt, die als Konten von Kindern unter 16 Jahren identifiziert wurden".
Was die Schlagzeilen über Australiens Social-Media-Verbot nicht sagen
Doch diese Schlagzeilen, die in Europa viel Aufmerksamkeit erregen, erzählten nicht die ganze Geschichte, sagt Tama Leaver, Professor für Internetstudien an der Curtin University in Perth, Australien, der DW. "Wir haben keine Aufschlüsselung zu dieser Zahl und wir wissen auch nicht, wie viele neue Konten - möglicherweise von Teenagern, die sich als älter ausgeben - im gleichen Zeitraum erstellt wurden."
Seiner Beobachtung zufolge hätten "viele junge Menschen im Alter von 13 bis 15 Jahren das Verbot offenbar umgangen, während andere offenbar von manchen Plattformen ausgeschlossen wurden, von anderen jedoch nicht", so Leaver. Seine Beobachtung wird durch Medienberichte und andere Expertinnen und Experten bestätigt.
Und auf technischer Ebene seien die Einschränkungen und Angaben bei der Altersüberprüfung anhand von Selfies und anderen Tools "auch ziemlich genau so ungenau" gewesen, "wie es die meisten Menschen im Vorfeld erwartet hatten", sagt Leaver.
Folgen Europas Regierungen dem Beispiel Australiens zu schnell?
Die große Zahl an Ländern in Europa aber auch etwa Indien und Malaysia, die dem Beispiel Australiens folgen wollen, überrascht auch Susan Sawyer vom Murdoch Children's Research Institute, dem größten Forschungszentrum für Kindergesundheit in Australien.
"Ich hatte erwartet, dass die Regierungen die Ergebnisse des australischen Verbots erst einmal sehr genau betrachten würden, bevor sie so schnell nachziehen", sagt Sawyer der DW. "Wir wissen nicht, welche Auswirkungen das Verbot haben wird, und wir müssen dies sorgfältig auswerten. Regierungen sollten hier vorsichtig sein und nicht denken, dass Verbote von Sozialen Medien eine Wunderwaffe sind."
Europa sollte vorerst besser abwarten, meint auch Tama Leaver. "Niemand weiß wirklich, ob es durch dieses Verbot einen Unterschied zu vorher geben wird. Aber wir wissen mit Sicherheit, dass es Jahre und nicht Monate dauern wird, bis sich ein messbarer kultureller Wandel einstellt - wenn es ihn überhaupt gibt." Es wäre viel sinnvoller, wenn andere Länder abwarten würden, was in Australien passiert, und daraus konkrete Lehren ziehen würden, bevor sie eigene undifferenzierte Gesetze durchpeitschten, rät er.
Forschende: Social-Media-Verbote wirken nicht über Nacht
Forschungen, die Susan Sawyers dem Senatsausschuss des australischen Parlaments vor dem Verbot vorlegte, ergaben, dass sich die meisten negativen Auswirkungen durch die Nutzung von Sozialen Medien bei 10- bis 13-Jährigen zeigten, insbesondere bei Mädchen. Zwar variieren die Altersgrenzen in den europäischen Vorschlägen für Social-Media-Verbote, doch laut Sawyers werden sich jegliche Änderungen aller Voraussicht nach nur "langsam vollziehen".
"In den nächsten Jahren wird die derzeitige Generation der 6- bis 10-Jährigen, die noch keinen Zugang zu Smartphones oder Sozialen Medien hat, älter sein, wenn ihre Eltern ihnen erstmals den Zugang erlauben. Diese Veränderung der sozialen Normen wird nicht über Nacht stattfinden."
"Besonders verwirrt sind nun die 13- bis 15-Jährigen, die bereits Social-Media-Konten hatten, jetzt von den Plattformen ausgeschlossen wurden und dann mit 16 Jahre wieder zurückkommen", sagt Leaver. "Es wäre viel sinnvoller gewesen, die Regeln großzügig zu handhaben, sodass Unter-13-Jährige bis zum Alter von 16 Jahren keine Konten haben dürfen, aber diejenigen mit bestehenden Konten weiterhin Zugang haben. Ich glaube, viele 13- bis 15-Jährige haben das Gefühl, dass das Verbot gegen sie und nicht mit ihnen beschlossen wurde."
Lässt sich Australiens Social-Media-Modell überhaupt auf Europa übertragen?
Angesichts der Eile, mit der Verbote in Europa vorangetrieben werden, und der Tatsache, dass Kinder bisher in der Debatte kaum zu Wort gekommen sind, dürfte dies auch in Europa ein Thema sein.
Stephan Dreyer vom Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg ist der Ansicht, dass Social-Media-Verbote in Deutschland und Europa ohnehin nicht erforderlich sind.
Das vor einem Jahr verabschiedete EU-Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act - DSA) berücksichtige bereits viele Sicherheitsbedenken, betont Dreyer im Gespräch mit der DW. Außerdem mache es das EU-Recht schwierig, Social-Media-Unternehmen zu verpflichten, ein Verbot in einzelnen Ländern zu überwachen. Zwar gebe es innerhalb Europas verschiedene Mittel, um ähnliche Ziele zu erreichen, doch er halte die Datenlage hierbei für unklar.
Europa sollte eine warnende Lehre aus dem Beispiel Australiens ziehen. Denn das Vorgehen dort habe gezeigt, dass es zwischen der politischen Attraktivität eines Verbots und dessen technischer und rechtlicher Umsetzung eine Kluft gebe, so Dreyer.
"Eine Altersüberprüfung in großem Maßstab erfordert entweder eine umfassende Kontrollinfrastruktur oder eine stochastische Profilerstellung, wobei beide Ansätze einen tiefen Eingriff in die Rechte aller Nutzer darstellen. Europa mit seinen stärkeren Grundrechtsrahmen und der Datenschutzgrundverordnung DSGVO wäre diesen Spannungen noch stärker ausgesetzt. Wir sollten aus den Schwierigkeiten Australiens lernen und nicht voreilig versuchen, sie zu wiederholen."
Adaption aus dem Englischen: Jeannette Cwienk
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