Mittwoch, 18. Februar 2026

In 40 Jahren leben voraussichtlich zehn Prozent weniger Menschen in Deutschland als heute

Zeit  hier 17. Februar 2026, Quelle: DIE ZEIT, dpa, KNA, mns

Statistisches Bundesamt: Bevölkerung schrumpft in den nächsten Jahren stärker als gedacht

In 40 Jahren leben voraussichtlich zehn Prozent weniger Menschen in Deutschland als heute. Zuvor war nur ein Rückgang von rund einem Prozent erwartet worden.

Entgegen den bisherigen Erwartungen schrumpft die deutsche Bevölkerung in den kommenden Jahren stärker. Das geht aus einer Analyse aktueller Daten des Statistischen Bundesamtes durch das Dresdner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung hervor. Im Jahr 2070 sollen der Analyse zufolge voraussichtlich zehn Prozent weniger Menschen in Deutschland leben als heute.

Bisher war lediglich ein Rückgang von einem Prozent erwartet worden. Aus der Analyse geht neben dem starken Rückgang auch hervor, dass es deutliche regionale Unterschiede gibt. Besonders stark von der Schrumpfung betroffen sind vor allem ostdeutsche Flächenländer. Stadtstaaten sollen hingegen bis 2070 sogar wachsen.

Neue Daten sind Grund für neue Erwartungen
Grund für die neuen hohen Zahlen sind den Angaben zufolge neue Daten aus dem Zensus 2022. Zu diesem Zeitpunkt lebten hochgerechnet rund 81,9 Millionen Menschen in Deutschland, statt der bisher angenommenen 83,2 Millionen aus dem Zensus 2011. 

Zugleich sei die Zahl der Zuwanderer in den vergangenen Jahren stärker gesunken als in früheren Berechnungen angenommen, sodass dieser Wert für die Prognose bis 2070 ebenfalls angepasst wurde. Sowohl die niedrigere Bevölkerungszahl als auch weniger Zuwanderung führten zu einer geringeren Geburtenzahl. Bisher war von einer eher konstanten und bis 2030 leicht wachsenden Bevölkerung ausgegangen.

Laut dem Institutsleiter Joachim Ragnitz muss dieser verstärkte Rückgang und die Alterung der Bevölkerung bereits heute bei politischen Entscheidungen mit Langzeitwirkung berücksichtigt werden – etwa bei Maßnahmen im Gesundheits- oder Pflegebereich. Denn weniger Menschen benötigen weniger Wohnungen, Verkehrsinfrastruktur und Personal im öffentlichen Dienst. Gleichzeitig steigt jedoch der Bedarf an Gesundheits- und Pflegeleistungen. Außerdem warnen die Experten davor, dass neben dem Arbeitskräftemangel auch die gesetzliche Rentenversicherung noch stärker unter Druck geraten wird.


Geburtenrate in Deutschland von 1990 bis 2024
Veröffentlicht von Statista Research Department, 26.11.2025

Die Geburtenrate in Deutschland erreichte 2024 mit 8,1 Lebendgeborenen pro 1.000 Einwohnern einen neuen Tiefstand. Die absolute Zahl der Geburten sank ebenfalls.

Entwicklung der Geburten in den vergangenen 25 Jahren
Seit Ende der 1990er-Jahre gingen die Geburtenzahlen in Deutschland deutlich zurück. Wurden 1997 noch über 810.000 Neugeborene gezählt, ging die Zahl der Geburten in den folgenden knapp 15 Jahren fast stetig zurück.

 Im Jahr 2011 wurde der Tiefstwert seit der Wiedervereinigung erreicht, das Statistische Bundesamt zählte in dem Jahr ca. 662.000 Geburten. In den folgenden 5 Jahren stiegen die Geburtenzahlen wieder deutlich an, gingen zwischen 2017 und 2020 allerdings auch wieder zurück, bevor 2021 ein neuer Höchststand seit dem Jahr 1997 erreicht wurde. Seit 2022 gab es dann wieder einen Rückgang. Gründe für den Anstieg der Geburten bis 2016 liegen unter anderem in einer erhöhten Zuwanderung und in einer Familienpolitik, aus der die Einführung des Elterngeldes und der Ausbau der Kinderbetreuung resultierten. Es liegt nahe, dass der Anstieg der Geburtenziffer damit zusammenhängt. Zudem spielt auch das sogenannte demografische Echo eine Rolle.


Was ist das demografische Echo?
Das demografische Echo beschreibt den Effekt, dass geburtenstarke Jahrgänge zyklisch wieder geburtenstarke Jahrgänge hervorrufen. So ist der Anstieg der Geburtenzahl bis zum Jahr 2016 auch auf die Kinder der Babyboomer zurückzuführen, die in dieser Zeit vermehrt selbst Nachwuchs bekommen haben. In der Zeit zwischen 2011 und 2016 stiegen die Geburtenzahlen in Deutschland um fast 20 Prozent.

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