Donnerstag, 19. Februar 2026

Wo die Verkehrswende erfolgreich vorangeht: Auto gegen kostenlosen Nahverkehr eintauschen in Frankfurt

 

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Deutschlandticket: 750 Frankfurter geben Autos auf für ein Jahr kostenlosen Nahverkehr

Wer sein Auto abgibt, erhält ein Jahr ein kostenloses Deutschlandticket. Mit dem Angebot will die Stadt Frankfurt am Main Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr motivieren. Nun zeigen sich erste Erfolge.

Mit einem ungewöhnlichen Angebot versucht die Stadt Frankfurt am Main ihre Bewohner zu überzeugen, auf das eigene Auto zu verzichten: Seit Sommer 2024 können Autobesitzer ihr Fahrzeug gegen ein kostenloses Deutschlandticket eintauschen – für ein ganzes Jahr. Das Programm »Tschüss Auto. Hallo D-Ticket« soll Menschen zum dauerhaften Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen und wurde von der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq und der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) ins Leben gerufen.

Die Resonanz ist beachtlich, wie aus einer ersten Bilanz der städtischen Nahverkehrsgesellschaft Traffiq hervorgeht, die der »Frankfurter Allgemeinen« vorliegt. Demnach haben knapp 750 Frankfurter bereits die sogenannte Umweltprämie beantragt. In den ersten zwölf Monaten gaben 560 Personen tatsächlich ihr Auto ab.

Für den Tausch Auto gegen ein Jahr Deutschlandticket kommen nur Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor infrage. Zudem müssen Teilnehmer ein Jahr vor und nach der Prämie auf eine Neuzulassung verzichten. Diese Sperrfrist soll verhindern, dass lediglich ein Fahrzeugwechsel subventioniert wird.

In zwei Dritteln der Haushalte verschwand das Auto komplett

Der Erfolg zeigt sich nicht nur in den Antragszahlen. Die Teilnehmenden stiegen offenbar auch dauerhaft auf Bus und Bahn um. Laut einer Befragung der Verkehrsgesellschaft sank der Anteil der Autofahrer unter den Antragstellern drastisch: War das Auto vor der Prämie noch für jeden vierten das Hauptverkehrsmittel, wollen nach dem Gratisjahr nur noch sieben Prozent wieder hauptsächlich fahren, so der Traffiq-Geschäftsführer Tom Reinhold in der »Frankfurter Allgemeinen«. Gleichzeitig sei die Bereitschaft zur dauerhaften ÖPNV-Nutzung von 40 auf 58 Prozent gestiegen.

Besonders bemerkenswert: In zwei Dritteln der Haushalte verschwand demnach das Auto komplett, oft sei zumindest der Zweitwagen abgeschafft worden. Zwar gebe es Fälle, in denen Fahrzeuge an Familienangehörige weitergegeben werden – Stichproben zeigten jedoch keinen systematischen Missbrauch.

Die Stadt zahlte für das Programm rund 400.000 Euro im ersten Jahr, dem stehen zusätzliche Fahrgeldeinnahmen von 80.000 Euro gegenüber. Das Programm ist Teil der Initiative »Klimastadt Frankfurt« und läuft zunächst drei Jahre. Die Gesamtkosten werden auf 1,3 Millionen Euro geschätzt.

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