Harald M. Depta
Deutschland diskutiert weiter über eine mögliche Gasmangellage – offiziell ist noch alles „unter Kontrolle“,
Die Füllstände liegen deutlich unter früheren Jahren, bei Extremkälte schließen Expert:innen Engpässe nicht mehr aus. (Quelle: dpa)
Besonders kritisch wird es im Süden: Bayern gilt inzwischen offen als Sorgenfall, weil Speicher und Netze dort an physische Grenzen stoßen.
Politisch ist die Sache absehbar: Wenn der Druck im Netz sinkt und Unternehmen erste Drosselungen fürchten müssen, wird „Bratwurst‑Markus“ Söder sehr schnell wieder Habeck und die Grünen verantwortlich machen. Dabei hat die aktuelle Linie in der Gas‑ und Kraftwerksplanung vor allem ein Parteibuch: Katherina Reiche (CDU) verantwortet als Bundeswirtschaftsministerin die Strategie für Gasspeicher und neue Gaskraftwerke – und steht seit Monaten ohnehin massiv in der Kritik.
Spannend ist auch das Timing. Ausgerechnet jetzt trifft sich die CDU Deutschlands zum Parteitag in Stuttgart, bei dem es um nichts weniger geht als die Zukunft von Friedrich Merz an der Parteispitze. Wer glaubt ernsthaft, dass man unmittelbar davor offen über eine mögliche Gasmangellage spricht? Erst wird die eigene „Kompetenz“ inszeniert – die schlechten Nachrichten kommen dann eben nach dem Applaus.
Für Unternehmen ist dieses Spiel brandgefährlich. Produktionsplanung, Investitionen in Fuhrparks oder Wärmeversorgung brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, keine Schaufenster‑Debatten. Solange wir Versorgungssicherheit fast ausschließlich über fossiles Gas definieren, werden wir jedes Jahr dieselbe Diskussion führen – nur mit anderen Schuldigen am Mikrofon.
Mein Punkt: Wir brauchen endlich eine ehrliche Strategie, die auf erneuerbare Erzeugung, Speicher, Flexibilität und Effizienz setzt – statt auf politische PR‑Feuerwerke.
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