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Aber China (und Indien)!
Die Internationale Energieagentur IEA hat berechnet, wie die Welt
bis 2050 klimaneutral werden könnte. Das Ergebnis: Wind- und
Solarkraft müssten bis 2030 jährlich mit einer Kapazität von 1.020
Gigawatt ausgebaut werden. China allein war 2024 schon bei jährlich
360 Gigawatt, der Großteil davon aus Solaranlagen.
Eine
weitere Verdreifachung scheint alles andere als unrealistisch: Der
Ausbau der chinesischen Solarkraft hat sich schon von 2022 bis 2024
verdreifacht.
Auch
in Indien boomt die Solarkraft. Inzwischen wird in beiden Ländern
genug Strom aus Erneuerbaren produziert, um Kohle aus dem Strommix
zu drängen. Das ist entscheidend, denn der bloße Ausbau von Wind
und Solar reicht nicht. Schließlich könnte damit auch einfach ein
wachsender Strombedarf gedeckt werden. Aber in beiden Ländern
laufen Kohlekraftwerke tatsächlich weniger, weil so viele
Erneuerbare ans Netz gehen.
Trumps
Anti-Klimapolitik ist also kein Zeichen eines globalen Rollbacks.
Es ist ein Zeichen der Panik der fossilen Industrie und ihrer
Verbündeten.
Energiewende
made in Asien
Der Blick weg von den USA und in
Richtung Asien ist noch aus einem weiteren Grund wichtig: Energie
stand schon immer im Zentrum von Macht. Und diese Macht verschiebt
sich mehr und mehr nach Peking.
China
hat 2024 so viele Solaranlagen, Batterien und E-Autos exportiert,
dass dadurch die Menge an CO2-Emissionen eingespart wurde, die
Australien ausstößt. Chinas heimischer Markt ist heillos überflutet
von Solarpaneelen und E-Autos – sie sind dort so billig und der
Wettbewerb so hart, dass viele Unternehmen große Verluste machen
und verzweifelt nach Exportmärkten suchen. Dadurch sinken weltweit
die Preise.
Davon
profitierte unter anderem Pakistan. Die Regierung dort, aber vor
allem Privatleute, investierten massiv in Solaranlagen – 2024
importierten sie Paneele, die 16 Gigawatt Strom produzieren können.
Das entspricht in etwa dem Zubau hierzulande, obwohl Pakistan nur
ein Drittel so viel Strom verbraucht wie Deutschland.
Wie
in Pakistan wurde in vielen Ländern des Globalen Südens über die
vergangenen Jahre deutlich, dass Erneuerbare Energie weit sicherer
und oft billiger ist als fossile Importe. Verlieren diese Länder
den Zugang zum Markt, weil sie nicht genug US-Dollar zum Bezahlen
der Importe aufbringen können, würde ihre Energieversorgung
kollabieren. Solar- und Windenergie macht
sie unabhängig. Partnerschaften mit China werden für viele
Länder mit Energieproblemen deshalb immer attraktiver.
So
etwas wie einen globalen Rollback beim Klimaschutz gibt es also gar
nicht. Er ist begrenzt auf die USA (und in deutlich geringerem
Ausmaß auf Europa). Das heißt nicht, dass der Klimaschutz schnell
genug vorangeht, nicht annähernd. Aber der weltweite Erneuerbaren-Ausbau
beginnt, eine Geschwindigkeit aufzunehmen, die näher am Notwendigen
ist als alles, was wir bisher gesehen haben.
Gleichzeitig
müssen wir uns mit der Idee anfreunden, dass das keine tolle
Errungenschaft einer demokratischen Staatengemeinschaft ist:
Gewinnt die Menschheit den Kampf gegen den Klimawandel, dann wird
es der Verdienst der autoritär regierten Volksrepublik China
gewesen sein.
Jonas Waack
Klimaredakteur
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