TAZ hier 17.2.2026 Von Jonas Waack
EU-Expert*innen fordern Anpassung an 3 Grad ErderhitzungEU-Expert*innen fordern Anpassung an 3 Grad Erderhitzung
Der wissenschaftliche Klimabeirat der EU fordert eine einheitliche Strategie zur Klimaanpassung. Die werde aber ohne Klimaschutz nicht ausreichen.
Die EU sollte sich an eine Erderhitzung von etwa 3 Grad anpassen. Das raten Wissenschaftler*innen im Klima-Expert*innenbeirat der EU.
„Die zunehmenden Auswirkungen
des Klimawandels verdeutlichen,
dass die Stärkung der Klima-Anpassung keine Option,
sondern eine Notwendigkeit ist“
des Klimawandels verdeutlichen,
dass die Stärkung der Klima-Anpassung keine Option,
sondern eine Notwendigkeit ist“
sagte Ottmar Edenhofer, Ökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und
Vorsitzender des Expertenrats.
Vorsitzender des Expertenrats.
Stürme, Überschwemmungen und Hitze werden mit zunehmender Erderhitzung häufiger und heftiger. Europa erhitzt sich zudem schneller als andere Erdteile: Während die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der Industrialisierung um etwa 1,4 Grad gestiegen ist, ist Europa ungefähr 2,4 Grad heißer geworden.
Seit Anfang des Jahrzehnts wurden dem Beirat zufolge jährlich im Schnitt 45 Milliarden Euro an Schäden durch Folgen der Erderhitzung verursacht. Allein im vergangenen Sommer seien 24.000 Menschen wegen der Hitze gestorben.
Die Folgen des Klimawandels „höhlen das Fundament der EU aus“, warnen die Forscher*innen. Aufgrund der zunehmenden Wetterextreme und Belastungen der Infrastruktur könne die EU Sicherheit, Energieunabhängigkeit, Wettbewerbsfähigkeit, sozialen Zusammenhalt sowie die Stabilität der Demokratie immer weniger gewährleisten.
Anpassung allein ist nicht genug
Klima-Anpassung sei zwar am effektivsten, wenn sie an die lokalen Gegebenheiten angepasst werde, so der Klimabeirat. Trotzdem brauche es einen EU-weit einheitlichen Rahmen. Einerseits, weil es lokal häufig an Ressourcen und Möglichkeiten zur Planung mangele. Andererseits, weil auch grenzüberschreitende Maßnahmen nötig sind, um zum Beispiel Schienen, Straßen, Stromleitungen und Pipelines an die Folgen des Klimawandels anzupassen oder Flusssysteme zu schützen.
Um diesen gemeinsamen Rahmen entwickeln zu können, fordern die Forscher*innen, dass sich alle EU-Länder einigen, von wie viel Grad Erderhitzung sie ausgehen. Sie schlagen vor, sich an den Modellierungen von Weltklimarat und UN-Umweltprogramm zu orientieren. Sie sagen bei einer Fortsetzung der aktuellen Klimapolitik etwa 2,8 Grad Erderhitzung voraus.
In Europa läuft das dem Klimabeirat zufolge auf etwa 4 Grad Erhitzung hinaus. Entsprechend müssten alle EU-Länder ihre Anpassungsmaßnahmen auf 4 Grad Erhitzung in Europa ausrichten, wenn sie dem Vorschlag des Expert*innenrats folgen. Frankreich zum Beispiel tut das bereits.
Welche Kosten damit einhergehen, haben die Forscher*innen nicht berechnet. Die EU-Kommission schätzt, dass jährlich etwa 70 Milliarden Euro öffentlicher und privater Mittel nötig sind, um sich bis 2050 an die Folgen der Erderhitzung anzupassen.
„Anpassung kann nicht alle Klimafolgen verhindern, aber Risiken reduzieren“, sagte Edenhofer. Es reiche aber nicht mehr aus, sich stückweise anzupassen. Nötig sei vielmehr „transformativer Wandel“: Anstatt in der Landwirtschaft zum Beispiel die Bewässerung leicht zu verändern, müssten Landwirt*innen in einigen Regionen gänzlich neue Formen der Bewirtschaftung erlernen.
Der EU-Expert*innenrat warnt gleichzeitig davor, sich angesichts einer immer heißer und gefährlicher werdenden Welt auf Anpassungsmaßnahmen zu verlassen: Sie könne „nicht alle Auswirkungen des Klimawandels verhindern“, sagte Jette Bredahl Jacobsen, stellvertretende Vorsitzende des Beirats. Deshalb seien Klimaschutzmaßnahmen weiterhin unerlässlich, „um Klimagefahren auf ein beherrschbares Niveau zu begrenzen“.
Sonnenseite hier 17.02.2026
Klima-Beirat empfiehlt in neuem Bericht stärkere EU-Anpassungspolitik
Angesichts wachsender und zunehmend systemischer Klimarisiken sei ein Ausbau der Anpassungspolitik dringend erforderlich, heißt es in dem Bericht „Strengthening resilience to climate change – Recommendations for an effective EU adaptation policy framework“.
Der Europäische Wissenschaftliche Beirat zum Klimawandel, unter Vorsitz von Ottmar Edenhofer, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), empfiehlt in einem neuen Bericht, den politischen Rahmen der EU für eine wirksame und kohärente Anpassung an den Klimawandel deutlich zu stärken.
Die globale Durchschnittstemperatur liegt derzeit bei rund 1,4 °C über dem vorindustriellen Niveau. Europa erwärmt sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Steigende Temperaturen führen zu häufigeren und intensiveren Klimaextremen wie Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen, Meeresspiegelanstieg und Küstenerosion.
Der Bericht betont die Notwendigkeit eines abgestimmten und koordinierten Vorgehens über Politikbereiche und Governance-Ebenen hinweg. Anpassungsmaßnahmen auf lokaler und nationaler Ebene bleiben zentral. Gleichzeitig sind viele Klimarisiken grenzüberschreitend und betreffen Lieferketten, kritische Infrastrukturen sowie finanzielle und ökologische Systeme.
Der Beirat legt fünf Empfehlungen zur Weiterentwicklung der EU-Politikprozesse vor
- Klimarisikoanalysen in EU-Politik und Mitgliedstaaten verbindlich vorschreiben und harmonisieren, unter Nutzung gemeinsamer Klimaszenarien und methodischer Standards.
- Eine gemeinsame Referenz für die Anpassungsplanung entwickeln, um sich auf Klimarisiken vorzubereiten, die mit einer globalen Erwärmung um 2,8 bis 3,3 °C bis 2100 vereinbar sind, da Europa derzeit etwa 1 °C wärmer ist als der globale Durchschnitt. Dies sollte durch die systematische Verwendung ungünstigerer Szenarien für Stresstests ergänzt werden.
- Eine klare Vision für eine klimaresiliente EU bis 2050 und darüber hinaus entwickeln, gestützt durch sektorale Strategien und messbare Anpassungsziele.
- Klimaresilienz systematisch fair und gerecht in EU-Politiken, Programme und Investitionen integrieren, begleitet von Monitoring, Evaluation und Lernprozessen.
- Öffentliche und private Investitionen in Anpassung mobilisieren und einen kohärenteren Ansatz zum Umgang mit den steigenden Kosten von Klimafolgen entwickeln – etwa über den EU-Haushalt, wirtschaftspolitische Steuerung und Mechanismen zur Risikoteilung.
Der Bericht warnt davor, dass Anpassungsmaßnahmen nur begrenzt wirksam sind und Klimaschutzmaßnahmen nicht ersetzen können. Um die globalen Temperaturen zu stabilisieren und schließlich zu senken sowie die schwerwiegendsten und irreversiblen Auswirkungen zu verhindern, sind nach wie vor tiefgreifende und nachhaltige Emissionsreduktionen sowie eine verstärkte Kohlenstoffentfernung unerlässlich. Europa muss daher auf beiden Ebenen gleichzeitig handeln: Emissionen senken, um künftige Risiken zu begrenzen, und gleichzeitig die Anpassung verstärken, um die Auswirkungen des Klimawandels zu minimieren.
Vollständige Pressemitteilung des Europäischen Wissenschaftlichen Beirats zum Klimawandel hier
Weitere Informationen und Download des Berichts hier
Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) 2026

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