Dienstag, 26. Mai 2026

Schwindelerregende Gewinne Weniger, die blind für die Bedürfnisse der Menschen sind

 

Daniel Mautz

Der erste amerikanische Papst hat mehr Rückgrat in Sachen Klimakatastrophe als der amerikanische Präsident.

Man muss weder katholisch noch irgendwie gläubig sein, um zu erkennen, was hier gerade passiert. Leo XIV. besucht heute Acerra bei Neapel, das sogenannte Land der Feuer. 

Eine Region, in der die Camorra jahrzehntelang Giftmüll vergraben hat. Wo Menschen an Krebs sterben, weil gewissenlose Akteure laut dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte seit 1988 ungestraft agieren konnten. 

Der Papst spricht von den schwindelerregenden Gewinnen weniger, die blind für die Bedürfnisse der Menschen seien. Er fordert, die Versuchungen von Macht und Bereicherung durch Praktiken abzulehnen, die Land, Wasser, Luft und das soziale Zusammenleben vergiften. Er sagt, dass skrupellose Menschen und Organisationen viel zu lange ungestraft handeln durften.

Zur gleichen Zeit sitzt in Washington ein Präsident, der den menschengemachten Klimawandel leugnet, Umweltregulierung abbaut und fossile Konzerne hofiert. Beide sind Amerikaner. 

Der eine führt 1,4 Milliarden Katholik:innen. Der andere die größte Volkswirtschaft der Welt. Der eine benennt die Profitlogik als Ursache der Zerstörung. Der andere ist ihr Vollstrecker.

Leo XIV. wählte seinen Namen bewusst in Anlehnung an Leo XIII., der 1891 mit Rerum Novarum die soziale Frage der industriellen Revolution ins Zentrum kirchlicher Lehre rückte. 

Sein Nachfolger stellt heute dieselbe Frage für das Zeitalter planetarer Grenzen. Am Montag erscheint seine erste Enzyklika. 

Man muss an keinen Gott glauben, um die Vernunft dieser Haltung anzuerkennen. Es reicht, die Verkommenheit der Gegenposition zu sehen.


Spiegel hier: 23.05.2026

Müllentsorgung in Süditalien

Papst Leo prangert »schwindelerregende« Gewinne auf Kosten der Umwelt an

Lange lag die Abfallentsorgung in Süditalien weitgehend bei Anbietern mit Mafiakontakten. Illegal verklappter Müll soll dort auch für zahlreiche Krebsfälle verantwortlich sein.

Papst Leo hat Unternehmen kritisiert, die mit illegaler Müllentsorgung die Umwelt verseuchen und ​damit »schwindelerregende« Gewinne machen. Leo rief am Samstag in der Stadt Acerra nahe ‌Neapel dazu auf, der Versuchung von Macht und Reichtum zu widerstehen, wenn diese mit der Verschmutzung von Land, Wasser und Luft einhergehe.

Er wolle in der als »Feuerland« bekannten Region die Tränen ​der Familien sammeln, deren Angehörige durch Umweltverschmutzung gestorben seien, sagte das Oberhaupt der ⁠katholischen ⁠Kirche. Skrupellose Menschen und Organisationen hätten zu lange ungestraft handeln können.

Die Abfallentsorgung in Süditalien lag jahrelang weitgehend in den Händen privater ‌Betreiber, die Verbindungen zur neapolitanischen Mafia-Organisation Camorra ​hatten. Der Europäische ‌Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2025 geurteilt, dass die italienischen Behörden seit mindestens 1988 unzureichend gegen die illegale Müllentsorgung in der Region vorgegangen seien. Wegen der ungewöhnlich ‌hohen Krebsraten unter den Anwohnern wird das Gebiet auch als »Todesdreieck« bezeichnet.

Das Gericht gab der Regierung in Rom zwei ‌Jahre Zeit, eine Datenbank zu ​Giftmülldeponien zu erstellen ‌und die Öffentlichkeit über die Risiken aufzuklären. Ministerpräsidentin Giorgia ‌Meloni ​ernannte daraufhin einen General zum Leiter einer Arbeitsgruppe, die den Opfern helfen und ​die Umweltsanierung vorantreiben soll. 

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