Dr. Stefan Preiß
Flexibilität ist das, was dem Strommarkt am meisten fehlt – und Speicher, deren Kosten in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken sind, bieten genau diese fehlende Flexibilität in Reinform.
Die strukturellen Rahmenbedingen sollten für die Branche mithin boomende Geschäfte und zufriedene Gesichter ermöglichen, wohin man schaut. Doch wenn man den Akteuren am Markt in die Gesichter blickt, ist aktuell wenig davon zu erkennen.
Newsletter von ContextCrew Neue Energie.12. Mai 2026
Warum die Stimmung an boomenden Speichermärkten so eigentümlich gedrückt ist
Flexibilität ist das, was dem Strommarkt am meisten fehlt – und Speicher, deren Kosten in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken sind, bieten genau diese fehlende Flexibilität in Reinform. Die strukturellen Rahmenbedingen sollten für die Branche mithin boomende Geschäfte und zufriedene Gesichter ermöglichen, wohin man schaut. Doch wenn man den Akteuren am Markt in die Gesichter blickt, ist aktuell wenig davon zu erkennen.
Am vergangenen Freitag hat der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) die Zahlen und Fakten zur Branchenentwicklung vorgelegt – unser Titelthema in Ausgabe 20.2026 von ContextCrew Neue Energie.
Tatsächlich zeigt sich ein ordentliches Plus beim Umsatz, das aber auf einen Einbruch im Vorjahr folgte, so dass die aktuelle Entwicklung den Erfordernissen am Strommarkt in auffallender Weise hinterherhinkt.
„Die Unsicherheit wächst“, heißt es beim BVES. Daten zum ersten Quartal 2026 zeigen, dass sich die Stimmung in der Branche deutlich eingetrübt hat. Der laufende AgNes-Prozess der BNetzA hat Investoren verschreckt, aber auch von der Bundesregierung zeigt man sich nach einem Jahr Schwarz-Rot enttäuscht.
Unter dem Strich zeichneten die „sehr spät“ vorgelegten regulatorischen Anpassungen – EEG-Novelle, Netzpaket, Kraftwerksstrategie – ein „ernüchterndes Bild“. „Statt auf Flexibilität und Zukunftsfähigkeit zu setzen, dominieren rückwärtsgewandte Ansätze, Einzelinteressen und starre Strukturen“, so der BVES.
Der BVES-Geschäftsführer verwies auf die Strompreisentwicklung am ersten Maiwochenende. Es sei eine „absurde Argumentationslinie“, hier den erneuerbaren Energien die Verantwortung in die Schuhe zu schieben. Vielmehr habe das Wochenende gezeigt, wohin die Energiewende führen könne, nämlich zu sehr günstigen Strompreisen. Hätte es an dem Wochenende bereits die erforderliche Flexibilität am Strommarkt gegeben, hätte man viel Geld sparen können.
Marktforscher rechnen mit globalem Marktwachstum um 41 Prozent auf 158 GW in 2026
Mut machen können der Branche immerhin die globalen Trends. Sie zeigen, dass die Energiespeicherwelle rollt und weltweit nicht mehr zu stoppen ist. Nach den jüngsten Daten der Marktforscher von BloombergNEF ist 2026 mit einem Marktwachstum um 41 Prozent auf 158 GW an neuer Speicherleistung zu rechnen. Bis Ende 2036 könnte die kumulierte Kapazität auf das Zehnfache des Niveaus von 2025 steigen.
In Deutschland dominieren laut BNEF noch immer Heimspeicher die Installationen. Das Land fügte 2025 Energiespeicherprojekte mit 3,8 GW / 7,6 GWh hinzu, davon entfielen 2,9 GW / 5,8 GWh auf Heimspeicher. „Utility-Scale-Projekte beginnen in diesem Jahr gemeinsam mit Heimspeichern zu skalieren“, heißt es allerdings. Die kumulierte Installation erreicht 2035 102 GW / 255 GWh und 2036 111 GW / 284 GWh.
Redaktionstipp: Unsere Topthemen der Energiewoche
- Energiespeicherbranche zwischen Boom und „sehr großem Unsicherheitspotenzial“
- Speicher im Jahr 2025: Relative Bedeutung der Systeminfrastruktur deutlich gestiegen
- Deutschlands PPA-Markt im Umbruch: Neue Vertragslogiken gewinnen an Bedeutung
- Koalitionsvertrag: Baden-Württemberg setzt auf dynamischen Ausbau von EE und Netzen
- Referentenentwurf definiert Stufen der „Bio-Treppe“ im Gebäudemodernisierungsgesetz
ContextCrew Neue Energie - Wir begleiten Sie in die Energiezukunft
ContextCrew Neue Energie ist ein B2B-Brancheninformationsdienst, der die zentralen Trends und Entwicklungen rund um den Betrieb erneuerbarer Erzeugungsanlagen und Energiespeichern aufbereitet. Dabei richten wir uns an die Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der Technologie über Planung und Errichtung von Anlagen, den Betrieb und der Vermarktung der erzeugten Energie bis hin zu Verwertung und/oder Rückbau von Anlagen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen