Donnerstag, 7. Mai 2026

„immense Ironie" - Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die Ölnachfrage 2026 radikal korrigiert.

Martin Jendrischik / LinkedIn

Der schärfste Verfechter der Energiewende sitzt diese Woche im Hauptquartier der Internationalen Energieagentur.

Und er heißt nicht Fatih Birol.

UN-Klimachef Simon Stiell hat in Paris gesagt, was im Lager der fossilen Industrie niemand hören will: Die fossile Kostenkrise habe dem globalen Wirtschaftssystem den Fuß auf die Kehle gesetzt. 

Aus dieser Tragödie entfalte sich eine „immense Ironie" - wer die Welt am Haken der fossilen Brennstoffe halten wollte, treibe nun den globalen Erneuerbaren-Boom an.

Stiells Befund hat eine harte Marktgrundlage. Die IEA hat ihre Ölnachfrage-Prognose für 2026 um 810.000 Barrel pro Tag nach unten korrigiert. Statt Wachstum jetzt Kontraktion - erstmals seit dem Coronaschock 2020. Auslöser: der Iran-Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus.

Drei Zahlen, die Stiells These belegen:

→ Investitionen in saubere Energie erreichten 2025 das Doppelte der fossilen Investitionen 

→ Pakistans Solaranteil stieg von 2,9 Prozent (2020) auf 32,3 Prozent (2025) 

→ Auf mobile.de hat sich der EV-Anteil bei Suchanfragen seit März verdreifacht

Spanien und Pakistan, beide mit hohem Erneuerbaren-Anteil, sind deutlich besser durch die Preiskrise gekommen als ihre Nachbarn. Wer seinen Stromverbrauch von Gas und Öl entkoppelt, ist gegen den nächsten Hormus-Schock besser gewappnet.

Genau deshalb sagt Stiell, was er sagt - bei der IEA, vor Birol, im Hauptquartier der Ölagentur. 


hier 3. Mai 2026 

Ölnachfrage 2026: Iran-Krieg dreht den globalen Markt

Erstmals seit Corona schrumpft die globale Ölnachfrage 2026, UN-Klimachef Stiell spricht von „immenser Ironie”.

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die Ölnachfrage 2026 radikal korrigiert. Statt eines Wachstums um 730.000 Barrel pro Tag erwartet sie nun einen Rückgang um 80.000. Damit kontrahiert der globale Ölmarkt erstmals seit dem Coronaschock 2020. Auslöser ist der Iran-Krieg mit der faktischen Schließung der Straße von Hormus.

Petrochemie am stärksten getroffen

Bei Flüssiggas, Ethan und Naphtha gingen in einem einzigen Monat 1,8 Millionen Barrel täglicher Nachfrage verloren. Asiatische Petrochemie-Konzerne fuhren ihre Anlagen herunter, weil die Vorprodukte fehlten. Der April-Rückgang der globalen Ölauslieferungen lag bei 2,3 Millionen Barrel pro Tag – der schärfste Monatseinbruch seit Anfang 2021. Für das zweite Quartal 2026 erwartet die IEA einen Nachfragerückgang von 1,5 Millionen Barrel pro Tag.

Im März brach das globale Ölangebot insgesamt um 10,1 Millionen Barrel pro Tag ein. Die IEA bezeichnet diesen Einbruch in ihrem April-Bericht als die größte Versorgungsdisruption der Ölgeschichte. Der Durchfluss durch Hormus sank von zuvor über 20 auf nur noch 3,8 Millionen Barrel täglich. Physische Rohölkontrakte erreichten zwischenzeitlich Spitzenpreise von rund 150 Dollar pro Barrel – weit über dem Niveau der Futures-Märkte, was zeigt, wie verzweifelt Raffinerien um die wenigen verfügbaren physischen Mengen konkurrierten.

Ölnachfrage 2026 sinkt: „Immense Ironie”

UN-Klimachef Simon Stiell sieht in der Krise einen Strukturbruch. Bei einem Treffen im IEA-Hauptquartier in Paris sagte er Ende April, die fossile Kostenkrise habe dem globalen Wirtschaftssystem den Fuß auf die Kehle gesetzt. Aus dieser Tragödie entfalte sich eine „immense Ironie”: Wer die Welt am Haken der fossilen Brennstoffe halten wollte, treibe nun den globalen Erneuerbaren-Boom an.

Stiell verwies laut Bloomberg auf konkrete Zahlen. Die Investitionen in saubere Energie hätten 2025 das Doppelte der fossilen Investitionen erreicht. Die globale Solarerzeugung sei gegenüber 2024 um 600 Terawattstunden gestiegen. Frankreich verdopple gerade seine Finanzierung für Elektrifizierung. Länder wie Spanien und Pakistan, beide mit hohem Erneuerbaren-Anteil, seien deutlich besser durch die Preiskrise gekommen als ihre Nachbarn.

Pakistan und China: Wo Stiells These schon Empirie ist

Pakistan ist das Lehrstück, das Stiell meint. Der Solaranteil im Energiemix stieg laut Ember-Daten von 2,9 Prozent im Jahr 2020 auf 32,3 Prozent im Jahr 2025. Solar-Importe wuchsen von unter einem Gigawatt im Jahr 2018 auf 51 Gigawatt Anfang 2026, fast ausschließlich aus China. Rooftop-Solar hat Pakistan seit 2018 über 12 Milliarden Dollar an Brennstoffimporten gespart, allein 2026 voraussichtlich 6,3 Milliarden Dollar.

Kingsmill Bond, Senior Principal beim Energie-Thinktank Ember, nennt Pakistan das Vorzeigebeispiel der Solar-Revolution. 


Der ökonomische Kern:


Eine einmal installierte Solaranlage liefert kostenlosen Strom, während ein Gaskraftwerk täglich Brennstoff einkaufen muss.

 Bei den aktuellen Preisspannen wird diese Differenz
für jeden Investor sichtbar.


China profitiert wie kein anderer Akteur von der fossilen Krise. Allein im März exportierte das Land 68 Gigawatt Solartechnik, 50 Prozent über dem bisherigen Monatsrekord. 50 Länder verzeichneten neue Importrekorde für chinesische Solarmodule. Chinas Batterieexporte erreichten 10 Milliarden Dollar in einem einzigen Monat, mit besonders hohen Wachstumsraten in EU, Australien und Indien. Was Stiell theoretisch beschreibt, lässt sich in den Hafenstatistiken von Karatschi und Schanghai nachzählen.

Was bedeutet das für Verbraucher*innen?

Die Verschiebung der Ölnachfrage 2026 lässt sich auch in Europa an der Nachfrage ablesen. Auf mobile.de hat sich der Anteil der Suchanfragen für Elektrofahrzeuge seit Anfang März verdreifacht, von 12 auf 36 Prozent. Britische EV-Verkäufe erreichten im März mit 86.120 Fahrzeugen einen Rekordwert. In Frankreich verdoppelte sich der E-Auto-Anteil bei Aramisauto binnen drei Wochen. Wer seinen Stromverbrauch von Gas und Öl entkoppelt, ist gegen den nächsten Hormus-Schock besser gewappnet.

Die Frage bleibt: Wann schwenken Friedrich Merz und Katherina Reiche auf den Elektrifizierungskurs ein – bislang ist das, was der Kanzler und die Wirtschaftsministerin tun, zu zaghaft und teilweise: In die falsche Richtung streben. Das muss und wird ein Ende haben.


Hans-Josef Fell /  LinkedIn

Fossile Energiekrisen sind kein Zufall. Jahrelanges Stoppen des Ausbaus der Erneuerbaren unter Merkel wirkt bis heute nach. Lösung: 100 % heimische Erneuerbare Energien. 

Mehr dazu im Newsletter: https://lnkd.in/ec2SbZPp

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen