New Orleans muss in absehbarer Zeit wohl umgesiedelt werden
New Orleans muss in absehbarer Zeit wohl umgesiedelt werden
Mehrere Faktoren machen die Stadt am Golf von Mexiko zur am stärksten bedrohten Küstenzone weltweit. Der "Point of no return" ist laut neuen Analysen bereits überschritten
Es war die wohl unflätigste und zugleich großartigste urbanistische Wutrede der jüngeren US-Fernsehgeschichte. Creighton Bernette (gespielt von John Goodman), fiktiver Universitätsprofessor in New Orleans, beklagte sich in der ersten Staffel der sehenswerten Serie Treme sehr schimpfwortreich darüber, dass die US-Regierung nach den katastrophalen Überflutungen durch den Hurrikan Katrina seine Stadt völlig im Stich gelassen habe. Dabei habe New Orleans in einem einzigen beliebigen Stadtviertel mehr Kultur als sämtliche wuchernden Vororte von Houston und Atlanta zusammengenommen.
So grandios und berechtigt dieser Rant vor 20 Jahren für die unmittelbare Zeit nach Katrina war:
Mittel- und längerfristig stehen New Orleans und seine 360.000 Bewohnerinnen und Bewohner vor einer existenziellen Bedrohung – und die Zeit zum Handeln wird immer knapper.
Eine neue Studie zeichnet jedenfalls ein dramatisches Bild: Die Umsiedlung der Bevölkerung müsse umgehend beginnen, da die Stadt einen "Point of no return" überschritten habe. Innerhalb weniger Jahrzehnte könnte sie vom Golf von Mexiko umschlossen sein.
Mittel- und längerfristig stehen New Orleans und seine 360.000 Bewohnerinnen und Bewohner vor einer existenziellen Bedrohung – und die Zeit zum Handeln wird immer knapper.
Eine neue Studie zeichnet jedenfalls ein dramatisches Bild: Die Umsiedlung der Bevölkerung müsse umgehend beginnen, da die Stadt einen "Point of no return" überschritten habe. Innerhalb weniger Jahrzehnte könnte sie vom Golf von Mexiko umschlossen sein.
Die drastische Analyse, die am Montag im Fachjournal Nature Sustainability erschien, verweist auf ein ungünstiges Zusammenspiel mehrerer Faktoren: den fortschreitenden Meeresspiegelanstieg infolge der Klimakrise, den massiven Verlust von Küstenfeuchtgebieten in Süd-Louisiana sowie das Absinken des Bodens. Gemeinsam könnten diese Entwicklungen dazu führen, dass die Region in wenigen Generationen – spätestens rund um das Jahr 2100 – weitgehend unbewohnbar sein wird.
Am stärksten gefährdete Küste
Das Autorenteam um den Geologen Torbjörn Törnqvist (Tulane University in New Orleans) geht davon aus, dass der Meeresspiegel in Süd-Louisiana langfristig um drei bis sieben Meter steigen könnte. Gleichzeitig droht der Verlust von bis zu drei Vierteln der verbliebenen Feuchtgebiete. Die Küstenlinie würde sich dadurch um bis zu 100 Kilometer landeinwärts verschieben – mit erheblichen Folgen für Städte wie New Orleans oder Baton Rouge.
Schon heute gilt New Orleans als besonders verwundbar: Die Stadt liegt in einer senkenartigen Landschaft großteils unter dem Meeresspiegel, fast die gesamte Bevölkerung ist einem hohen Überschwemmungsrisiko ausgesetzt. Verstärkt wird diese Lage durch immer intensivere Hurrikane sowie die Eingriffe der Öl- und Gasindustrie, die die natürliche Küstendynamik zusätzlich destabilisiert haben. Dieses Szenario mache die Region zur "physisch am stärksten gefährdeten Küstenzone der Welt".
Der Druck auf die Region wächst zusätzlich durch den rapiden Landverlust. Seit den 1930er-Jahren sind rund 5000 Quadratkilometer Küstenfläche verschwunden – eine Fläche von der doppelten Größe des Burgenlandes. Derzeit geht etwa alle 100 Minuten ein Gebiet von der Größe eines Fußballfeldes verloren. Versuche, diesen Trend umzukehren, wurden zuletzt politisch ausgebremst. Ein milliardenschweres Projekt zur Umleitung von Sedimenten des Mississippi, das neues Land aufbauen sollte, wurde gestoppt. Kritiker sehen darin eine kurzsichtige Entscheidung mit langfristig gravierenden Folgen.....
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