Samstag, 16. Mai 2026

Erst das teure Versäumnis leerer Speicher, jetzt drohende Versorgungsengpässe die heruntergespielt werden....

Dirk Specht /LinkedIn

Die Ölversorgung muss man als komplexe Lieferkette voller unübersichtlicher Zwischenlager verstehen. 

Lagerstätten von den Fördergebieten über Öltanker als schwimmende Reserve bis den vielen Öltanks von den Häfen bis zu den Raffinerien.

Die Treibstoffsorten, vom Diesel bis zum Kerosin, haben komplett eigene, nochmals tiefere Lieferketten ab eben diesen Raffinerien, die teilweise selbst vor Hormuz stehen. 

Die IEA hat schon vor Wochen davor gewarnt, diese Lieferketten nicht zu lange nach ihrem Output, sondern früh genug nach dem Input zu bewerten. Dabei waren die ersten Prognosen eher etwas zu pessimistisch, die Versorgung doch resilienter. Was dabei leider übersehen wurde, war der systemische Hinweis der IEA, dass es gar nicht darauf ankomme, wann diese Kette genau reiße, sondern zu verhindern, dass sie es tut. 

Der alles entscheidende Unterschied zu früheren Phasen, in denen auch immer mal wieder die Lagenbestände gesunken sind (siehe Chart): Damals war jederzeit der Input in Takt, das ist jetzt keinesfalls so. Die IEA weist darauf hin, dass auch bei diesen Daten der Vergangenheit die Bestände nach Ausweitung der Produktion zuerst noch einige Monate weiter gesunken sind. Diese Lieferketten laufen also sehr träge leer, aber die füllt man auch nicht mal eben. 

Wie Ministerin Reiche das Thema mit einer nur durch fachliche Überforderung erklärbare Gelassenheit unverändert herunter spielt, passt gar nicht dazu. Es könnte sich als fahrlässig erweisen, dass es keinerlei Maßnahmen gegeben hat, den Verbrauch rechtzeitig zu reduzieren, um eben jene Lieferkette zu entlasten. Das wäre ohnehin der bessere Preiseingriff gewesen als dieser kontraproduktive Tankrabatt. 

Sollte es zum physischen Versorgungsabriss kommen, darf die Frage, warum es keine Maßnahmen zur Verbrauchsreduktion gab, sondern im Gegenteil vom Tankrabatt bis zur Rhetorik eher ein weiter so gefördert wurde, mal zur fachlichen Eignung der Ministerin weiter entwickelt werden.

Dass die leeren Gasspeicher die Vorbereitung auf den kommenden Winter jetzt drastisch verteuern, scheint bisher niemanden zu interessieren. Aus meiner Sicht ist es sehr wahrscheinlich, dass die Sachlage seit Hormuz korrekt bewertet schon jetzt kaum mit der Arbeitsweise der Ministerin vereinbar ist.

Zuerst das teure Versäumnis leerer Speicher, muss uns jetzt auch noch real die Versorgung auf die Füße fallen, bis wir die Eignung von Führungspersonal prüfen?

Kein Unternehmen könnte sich so etwas leisten. Selbst, wenn das mit viel Glück gut geht, wäre bei der Führung dieses Ministeriums eine viel kritischere Prüfung überfällig. Jenseits der Frage, ob man die Energiepolitik so unterstützt oder nicht, es geht hier um eine relevante Aufgabe des Managements unserer Versorgung.

Muss der erste Malle-Touristenbomber ausfallen, damit das Thema mal auf den Tisch kommt?


Daniel Mautz

Der Markt regelt das, sagte die Ministerin. Der Markt sagt jetzt nein

Die Analyse des Gasspeicherverbands INES ist eindeutig. Gas für den kommenden Winter ist aktuell günstiger als für den Sommer. Der sogenannte Sommer-Winter-Spread fehlt komplett. Damit gibt es keinen ökonomischen Anreiz, Speicher zu befüllen. Genau jener Markt, auf den Katherina Reiche seit Amtsantritt vertraut wie auf ein Naturgesetz, verweigert den Dienst.

Bisher sind 76 Prozent der Kapazitäten gebucht. Bei einem kalten Winter reicht das nicht. In einem Szenario auf Basis des Referenzjahrs 2010 fehlen im ersten Quartal 2027 insgesamt 20 Terawattstunden Gas. An einzelnen Tagen könnten über 35 Prozent des Verbrauchs nicht gedeckt werden. Gleichzeitig hat der Iran-Krieg über die Sperrung der Straße von Hormus die Gaspreise weiter angeheizt.

Die Bundesnetzagentur gibt Entwarnung. Alles stabil, alles sicher. Reiche sagte im Februar, die Versorgung sei gesichert. Damals standen die Speicher bei einem Drittel. Im Sommer warnten die Betreiber. Im Herbst stiegen die Entnahmen. Im Januar liefen die Speicher deutlich leer. Die Ministerin hatte nicht Recht. Sie hatte Glück. Und Glück ist keine Energiepolitik.

Während INES warnt, lässt Reiches Ministerium bei EnBW und RWE maßgeschneiderte Argumente gegen Batteriespeicher bestellen, um neue Gaskraftwerke durchzudrücken. Die Gasabhängigkeit wird nicht reduziert, sondern zementiert. Von einer Ministerin, die direkt aus der Gaswirtschaft ins Amt kam und deren Netzwerk dort bestens funktioniert.

Wer sich fragt, warum Deutschland bei Speichertechnologien international zurückfällt, während die Gasversorgung auf Kante genäht bleibt, findet die Antwort nicht im Markt. Sondern im Ministerium.

Merkur https://lnkd.in/e52WwCfF

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen