Freitag, 22. Mai 2026

Was hier passiert, ist kein nüchterner Befund - Es ist strategisches Stimmungsmanagement

Irgendwie wird Vertrauen momentan auf allen Ebenen durch falsche Narrative verspielt.
Vielleicht wäre es gut, einfach mal bisschen weiter in die Zukunft zu denken? Die persönliche Gier einzugrenzen und an gemeinsamen Zielen zu arbeiten.


Daniel Mautz

Rekordaufträge in der Industrie. Trotzdem soll alles Krise sein.

Die Auftragsbücher der deutschen Industrie sind so voll wie nie seit Beginn der Statistik 2015. Plus 1,6 Prozent zum Vormonat. Plus 8,4 Prozent zum Vorjahr. Die Reichweite liegt bei 8,8 Monaten, ebenfalls Rekord. Aufträge steigen in der Elektronik, im Fahrzeugbau, aus dem In- und Ausland.

Was macht die organisierte Wirtschaft daraus? Der Chemieverband nennt die eigenen Rekordzahlen einen Ausdruck "nackter Panik". Ein Chefvolkswirt prognostiziert trotz Rekordaufträgen "schleichenden Beschäftigungsabbau". Das Wirtschaftsministerium sieht einen "deutlichen Dämpfer".


  Es sind die besten Auftragszahlen seit Beginn der Erfassung.
Die Stimmung bleibt trotzdem auf Depression eingestellt.


Das hat System. Untergangsstimmung ist die stärkste Verhandlungswaffe der deutschen Industrie. 

  • Wer Krise ruft, bekommt Subventionen. 
  • Wer Standortnachteile beklagt, bekommt Steuersenkungen. 
  • Wer mit Jobabbau droht, drückt Löhne und Sozialstandards. 
  • Wer nach weniger Bürokratie ruft, meint weniger Klimaschutz, weniger Umweltauflagen, weniger Arbeitnehmer:innenrechte.

Die Zahlen zeigen, dass Nachfrage nach deutschen Produkten existiert. Dass die beschworene Deindustrialisierung nicht stattfindet. Doch genau das darf nicht ins Narrativ. Denn wer Erholung zugibt, verliert den Hebel für Deregulierung und Lohndumping.

Was hier passiert, ist kein nüchterner Befund. Es ist strategisches Stimmungsmanagement. Rekordzahlen bei den Aufträgen. Rekordgejammer bei den Verbänden. Am Ende sollen Beschäftigte verzichten, damit Aktionär:innen mehr Dividende kassieren.


Link: https://lnkd.in/ei9qWqEX

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