Sonntag, 24. Mai 2026

Nette Idee oder neuer Trend: Was hinter dem "Spazierclub" in Berlin steckt.

 T-online hier Von Niklas Bröckl  am 24.05.2026 

 "Jeder kommt, wie er will"

Darum spazieren Hunderte plötzlich durch Berlin

Ist das ein neuer Trend? In Berlin finden seit Kurzem geplante Spaziergänge statt. Was hinter dem "Spazierclub" steckt.

Im vergangenen Jahr ist in Berlin die Zahl der sogenannten "Run Clubs" stark gestiegen. Dabei treffen sich Menschen, um gemeinsam zu joggen und neue Leute kennenzulernen. Nun deutet sich ein weiterer Trend an: gemeinsam spazieren gehen. Am vergangenen Wochenende trafen sich zu diesem Zweck rund 300 Menschen.

Nach Teilnahme an "Run Club": Anders hat eine Idee

Demnach hat Späti-Besitzer und Musikproduzent Allan Anders den ersten Spaziergang gemeinsam mit einer weiteren Gründerin organisiert. So habe alles begonnen, nachdem er zum ersten Mal an einem "Run Club" teilgenommen hatte. Zuvor hatte er sich lange nicht getraut, da mitzumachen. "Weil ich dachte, ich wäre nicht fit genug", sagt er der Regionalredaktion von t-online in Berlin.

Aus dieser Hemmschwelle wurde eine Idee: Er gründete einen "Spazierclub".
Da müsse man keine Angst haben, nicht mithalten zu können. Anders postet die Idee in einem Video auf seinem Instagram-Account und bekommt daraufhin durchweg positive Reaktionen. Kurzerhand richtet er dann eine Veranstaltung auf WhatsApp ein. Am ersten Tag habe es 50 Anmeldungen gegeben, und die Zahl sei dann immer weiter angestiegen, sagt er, und: "Am Ende waren es 500 Anmeldungen für den Spaziergang". Die Teilnehmer seien alle zwischen 20 und 35 Jahre alt gewesen.

Spazierclub in Berlin: "Jeder kommt, wie er will"

Am Ende habe es nur positives Feedback von den Spaziergängern gegeben: "Die haben es geliebt", sagt Anders. Doch warum zieht ein gemeinsamer Spaziergang so viele Leute an? Anders glaubt, dass Menschen sich zwar bewegen wollen, "aber keinen Grund dafür haben". Zum Joggen oder Radfahren brauche man erst einmal Equipment. Beim Spaziergang sei das nicht erforderlich. "Jeder kommt, wie er will", so Anders weiter.

Laut einem Sprecher der Polizei müssen Spaziergänge ohne politischen Hintergrund auch nicht bei der Versammlungsbehörde angemeldet werden. Erst ab einer bestimmten Anzahl an Teilnehmern sei das Ordnungsamt zu informieren. "Insbesondere dann, wenn der Platz auf den Gehwegen nicht mehr für die Zahl der Menschen reicht", so der Sprecher weiter.


Spaziergang zum KdK am Sonntag: 1.500 Anmeldungen

Am liebsten will Anders diese Spaziergänge nun jedes Wochenende organisieren: "Ich fühle mich langsam, als würde ich eine Firma leiten", sagt er.

Auch am kommenden Sonntag (24. Mai) soll es wieder einen Spaziergang geben. Die Teilnehmer versammeln sich um 12 Uhr vor Anders Späti in der Bamberger Straße und laufen gemeinsam bis zum Karneval der Kulturen. In der WhatsApp-Gruppe, die Anders dafür erstellt hat, sollen sich bereits 1.500 Menschen angemeldet haben.

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