Die neue Lobbylandkarte des Zentrum für Digitalrechte und Demokratie zeigt, wie eng Big Tech mit politischen und wirtschaftlichen Netzwerken in Deutschland verflochten ist
Google, Microsoft, Amazon, Meta, Apple, TikTok oder Palantir Technologies tauchen dort nicht nur als einzelne Unternehmen auf. Sichtbar wird vor allem das Umfeld aus Wirtschaftsverbänden, Lobbyorganisationen, Thinktanks und parteinahen Netzwerken, über das politische Einflussnahme organisiert wird.
Und genau diese Visualisierung erklärt, warum Europa bei digitaler Souveränität seit Jahren kaum vorankommt.
Denn Big Tech lobbyiert nicht nur direkt. Die Konzerne sitzen gleichzeitig in Wirtschaftsverbänden, Branchenvereinen und Lobbyorganisationen, die an nahezu jeder relevanten digitalpolitischen Debatte beteiligt sind. Microsoft listet laut Lobbyregister 50 Mitgliedschaften. Google 28.
Das bedeutet praktisch: Egal wo in Berlin über Plattformregulierung, Cloud-Infrastruktur, KI oder Datenschutz gesprochen wird — Big Tech sitzt fast immer mit am Tisch.
Das eigentliche Problem ist dabei nicht Lobbyismus an sich. Lobbyismus ist legal und Teil demokratischer Prozesse.Das Problem ist die extreme Machtkonzentration dahinter.
Denn Konzerne wie Google, Amazon oder Microsoft verfügen inzwischen über Ressourcen, mit denen sie Legislative, Exekutive, Öffentlichkeit und wirtschaftliche Strukturen gleichzeitig beeinflussen können. Laut Lobbyregister haben allein die Big Five 2024 über 7 Millionen Euro für bundespolitische Interessenvertretung ausgegeben.
Die Folgen sieht man längst in der Praxis: Behörden hängen an Microsoft-Infrastrukturen, AWS dominiert Cloud-Projekte der öffentlichen Hand und Palantir arbeitet sich immer tiefer in staatliche Systeme hinein.
Wer digitale Infrastruktur kontrolliert, kontrolliert langfristig auch politische Handlungsspielräume.
Besonders relevant ist deshalb ein Satz der Betreiber selbst: Diese Karte zeigt nur die Spitze des Eisbergs. Nicht sichtbar sind Kanzleien, PR-Agenturen, Produktdeals mit Behörden oder informelle Einflusskanäle.
Deshalb liegt die eigentliche Stärke dieser Visualisierung woanders: Sie macht sichtbar, wie systematisch sich Big Tech politische Macht in Europa abgesichert hat.
Link: https://lobbylandkarte.digitalrechte.de
Big Tech investiert Millionen, um Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen. Dabei hat es viele Partner.
Diese Landkarte bildet ein Netzwerk ab, das sich aus öffentlichen Angaben rekonstruieren lässt. Die tatsächliche Einflussnahme hat mehr Dimensionen.
Aktualität der Daten: Alle Daten basieren auf Selbstangaben der Organisationen im Deutschen Lobbyregister. Letzter Stichtag unserer Auswertung ist der 04.05.2026. Angaben zu Budgets beziehen sich auf das Geschäftsjahr 2024. Die Kreisgröße orientiert sich an der Größe des Budgets.
Über das Lobbyregister: Eintragungspflichtig sind Organisationen, die Interessenvertretung betreiben und mit dem Ziel der Beeinflussung von Gesetzen Kontakt mit Mitarbeitenden der Bundesregierung oder des Bundestages aufnehmen. Die Korrektheit der Angaben lässt sich kaum überprüfen. Und spannende Infos - zum Beispiel wer wann wen trifft - werden gar nicht erst erfasst. Die EU und Bundesländer kommen darin auch nicht vor.
Auswahl: Es handelt sich um eine Auswahl von Tech-Unternehmen und Organisationen nach Relevanz. Alle abgebildeten Organisationen haben mehr Verbindungen als hier dargestellt sind. Die Agenturen, Vereine und Verbände arbeiten nicht ausschließlich mit den abgebildeten Big Tech Unternehmen, sondern mit einer Vielzahl anderer Unternehmen an einer Reihe von Themen.
Das ist nur der Anfang: Dieses Tool visualisiert einen Aspekt von Lobbying. Aber Lobbying ist nicht die einzige Form der Einflussnahme. Big Tech interagiert mit Behörden und Ministerien als Kunden für die eigenen Produkte, führt mit Großkanzleien Gerichtsverfahren und bearbeitet Medien und Öffentlichkeit. Auch dazu wollen wir arbeiten! - Das geht aber nur mit deinen Hinweisen oder deiner Spende.
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